Spätaffäre

Wie ein kaltes Bier an einem heißen Tag

Vorschläge zum Hören, Sehen, Lesen. Wochentags um 17 Uhr
06.03.2014. Der in Camp 14 geborene Nordkoreaner Shin Dong-hyuk erzählt von Leben und Überleben im Lager. Georg Seeßlen und Markus Metz unterhalten sich über die Beziehung von Pop und Kunst. John Jeremiah Sullivan sucht nach den Ursprüngen von Ska.

Für die Augen

Wer es gestern nicht gesehen hat: Erschütternd, eindrucksvoll und teilweise schwer erträglich ist Marc Wieses Dokumentation "Camp 14" über Shin Dong-hyuk, der 1983 in einem nordkoreanischen Umerziehungslager geboren wurde. Bis ihm mit 23 Jahren durch Zufall die Flucht gelang, wusste er nichts über die Welt außerhalb der Stacheldrahtzäune. Einige Schlüsselszenen sind mit Animationen nachgestellt. Bei Arte ist der Film in voller Länge zu sehen. (101 Min.)

Erinnerungen ans goldene Zeitalter Hollywoods: Noch bis Sonntag ist in der Mediathek von Arte der Dokumentarfilm "The Great Kate" von Rieke Brendel und Andrew Davies über die großartige Katherine Hepburn zu sehen. (76 Min.)

Für die Ohren

"Pop und Kunst - eine Beziehungsgeschichte" lautet der Titel eines Radiofeatures von Georg Seeßlen und Markus Metz für den Bayerischen Rundfunk, in dem es vor allem auch um die Frage des Überlebens in der Popmusik und in der Kunst geht. Sehr offensichtlich parallel zu diesem bereits in der Spätaffäre verlinkten Radiofeature für Deutschlandradio Kultur entstanden, verhält sich dieses Feature dazu hinreichend komplementär - hörenswert! Hier der Link zur Mediathek (50 Min.)

In einem Feature für den ORF befasst sich Barbara Zeithammer mit den Gedichten Michelangelos. Hier zum Nachhören. (39 Min.)

Für Sinn und Verstand

Alexis C. Madrigal hat für eine großartige Geschichte in Atlantic (die ausgedruckt gut 30 Seiten umfasst) das gesamte Wasserversorgungssystem des Staates Kalifornien inspiziert. Dort herrscht bekanntlich seit Jahren große Trockenheit. Wo das Land nicht bewässert wird, wächst keine Pflanze mehr. Unter anderem besucht Madrigal das winzige Städtchen Hood, unweit des Sacramento-Deltas, wo der Gouverneur zwei gigantische unterirdische Wasserpipelines bauen will, die länger wären als der Tunnel unter dem Ärmelkanal. Die Einwohner sind begreiflicherweise ein bisschen skeptisch: "Das Delta, so fürchten sie, könnte austrocknen wie das Owens Valley, das einst einen Hundertquadratmeilen-See besaß: Aber Los Angeles schlürfte ihn aus wie ein kaltes Bier an einem heißen Tag. 'Chinatown' handelte von dieser Schlacht, und die Bewohner des Deltas möchten nicht durch eine Fortsetzung dieses Films unsterblich gemacht werden. Allerdings würde aus diesem Ort keine Staubschüssel wie aus dem Owens Valley, sondern eher eine Salzwassergegend. Nach Inbetriebnahme der Tunnel würde Süßwasser aus den Wasserwegen des Deltas verschwinden, und Salzwasser aus der Bucht von San Francisco würde nachdrängen."

Im Oxford American Magazine sucht der Reporter John Jeremiah Sullivan in einem epischen Text nach den Ursprüngen von Ska. Irgendwo am Anfang stand Franklin Delano Alexander Braithwaite, aka Junior Braithwaite, aka Bratty (1949-99), der 14jährige Sänger der Wailers, als Bob Marley noch im Hintergrund die ah-ah-ahs sang. Der am Tag, nachdem er den Song aufgenommen hatte, der die Wailers berühmt machen sollte, mit seiner Familie in die USA flog und zwanzig Jahre dort blieb, eine Familie gründete, als Krankenpfleger arbeitete. Bis Bunny Wailer ihn auftrieb und fragte, ob er bei einem Wiedervereinigungsprojekt der Wailers mitmachen wolle. Er sagte ja und flog auf die Insel zurück. Am nächsten Tag wurde er bei einer Schießerei von Dealern getötet." Die Legende von Junior Braithwaite will es, dass er ins Studio kam, einen einzigen Song sang - geschrieben von Bunny Wailer oder Wailers, wie sie ihn immer noch in Trench Town nennen -, einen Song mit dem Titel 'It Hurts to be Alone'. Und dass der Song so erstaunlich war, so herzzerreißend, dass er unsterblich wurde."
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