
Nach jahrzehntenlangen Auseinandersetzungen hat das
FBI die Akten zu
James Baldwin freigegeben, über
1800 Seiten umfasst das Dossier. James Campbell hatte sie für seine 1991 erschienene Baldwin-Biografie (
mehr hier) noch nicht lesen können, jetzt hat er sie verschlungen: Denn auch wenn die Überwachung unanständig gewesen sei, waren die Agenten instinktsicher, literarisch versiert und intellektuell hellhörig. Spannend
findet Campbell, wie sich Baldwin zunehmend radikalisierte und sich auch den
Black Panthers annäherte, die den homosexuellen Autor lange für seine vermeintliche Unmännlichkeit geschmäht hatten, und für seine "beschämende, fanatische,
kriecherisch-schleimerische Liebe zu den Weißen". Die Akten resümieren die Treffen Baldwins mit den Führern der Bewegung 1968 in Kalifornien, also Bobby Seale, Stokeley Carmichael, Eldridge Cleaver und Huey P. Newton: "'BOBBY SEALE sagte, wir werden unsere Viertel kontrollieren, und wenn die
rassistischen Bullenschweine mit ihren bleichen Käsefressen hier aufkreuzen, dann kriegen sie es mit uns zu tun. BOBBY SEALE kommentierte auch das weiße Herrschaftssystem, das versuche, ihre Führungsriege zu zerschlagen, aber keinen Erfolg haben werde.' Baldwin 'erklärte nur, dass sein nächstes Buch
The Fire This Time heißen werde.' Er versprach aber wiederzukommen, was er Ende des Monats tat, bei einem Fundraising für das Student Nonviolent Coordinating Committe (SNCC) in Los Angeles, zu auch Stokely Carmichael gehörte: 'Die schwarzen Frauen des SNCC, die als Hostessen dienten, trugen lange Gewänder in afrikanischem Stil. Etliche junge Männer agierten als Wachleute. Ungefähr 50 Gäste waren auf der Party. Von ihnen waren nur zwölf weiß. JAMES BALDWIN wurde vorgestellt. BALDWIN sagte, er könne es nicht unterstützen, wenn seine schwarzen Brüder die
Gewalt auf die Straße trügen. Er könne sie aber auch nicht ermuntern, nur zuzusehen, wenn ein Bruder verletzt oder getötet werde. Er warnte seine Brüder davor, sich in einen Kampf locken zu lassen, der unter den Bedingungen und
auf dem Boden des weißen Mannes stattfinde. Er sagte, das könne dazu führen, dass eine ganze Generation von schwarzen Aktivisten ausgelöscht werde… Dann attackierte er das Christentum und den Glauben an Gott. Er nannte Christen Heuchler. Er warf ihnen vor, am Tag in die Kirche zu gehen und in der Nacht zu sündigen. Er sagte, sie seien
bigotte Mörder. Er sagte, Weiß und Schwarz befänden sich auf Kollisionskurs."