"Der
Literaturkritiker als Groupie der Neurowissenschaften ist der neue Trend",
stöhnt der
Gerontologe Raymond Tallis nach Lektüre eines
Artikels der Schriftstellerin
A.S. Byatt, die das Erregende an
John Donnes Gedichten in neurowissenschaftlichen Begriffen erklärt hat: "Das Vergnügen, das Donne unseren Körpern bietet, ist das Vergnügen an einer extremen Hirnaktivität." Nonsense, findet unser Fachmann, und macht, bevor er ins Detail geht, seinem Ärger über eine Literaturkritik Luft, die ihr Thema nicht ernst nimmt. "Auf den ersten Blick erscheint das Ersetzen von THEORIE... durch etwas so Solides wie '
das Gehirn' als Fortschritt. Aber in Wahrheit ist es nur ein Fall von plus ca change, plus c'est la meme chose. Das Umschalten von THEORIE auf 'Biologismus' lässt etwas Wesentliches unverändert: nach wie vor wendet wendet man sehr generelle Ideen unkritisch auf
Werke der Literatur an, deren unverwechselbare Eigentümlichkeiten, überlegte Ziele und kalkulierte Wirkungen konsequent verloren gehen."
Joy Connolly hat zwei sehr interessante Bücher über das
Verprügeln von Ehefrauen in der Antike
gelesen: Sarah B. Pomeroys
"The Murder of Regilla" und Caroline Vouts
"Power and Eroticism in Imperial Rome". Leider ist die Quellenlage nicht optimal: "Gewalt gegen Frauen war für die klassischen Autoren nur in Ausnahmefällen Thema, etwa wenn sich
Augustinus in seinen 'Bekenntnissen' an die
Blutergüsse erinnert, die er als Kind im Gesicht der Freundinnen seiner Mutter gesehen hatte, oder wenn
Herodot und
Sueton berichten, dass der korinthische Tyrann Periander und Kaiser Nero ihre schwangeren Frauen tot prügelten."
Außerdem: Bravouröses Entertainment"
bescheinigt Ruth Morse
Salman Rushdies neuem Roman "The Enchantress of Florence", aber am Ende ist sie doch enttäuscht.