
Kein soziales Netzwerk ist in den letzten Jahren so rasant gewachsen wie
TikTok. Und kein soziales Netzwerk ist derart
jung. Während die Generation unter 30 dem (aus ihrer Sicht)
Seniorenheim Facebook mehr oder weniger geschlossen den Rücken gekehrt hat, feiern sie auf
TikTok ihr Jungsein, ihre Popkultur, ihre Codes, ihre Musik - und das oft im Sekundentakt schneller Videos und Remixes. Das macht die Plattform auch für die
Musikindustrie interessant,
schreibt John Seabrook. Nicht nur, um gerade in den konzertelosen Pandemiejahren neue Talente zu rekrutieren, sondern auch als
Durchlauferhitzer: Jene Musik, die unter tausendfach remixten und aufgegriffenen Videos liegt, geht in der Regel auch auf anderen Plattformen wie
Spotify und in den Charts steil, wo sich der virale Erfolg in bare Münze übersetzt - völlig gleich, ob es sich dabei um alte Songs wie
"Dreams" von Fleetwood Mac und (als
Kuriosität) der Deutschpunk-Song "Fahrradsattel" von Pisse handelt, oder um frische Neuware. Die Folge? Ging es früher beim
Youtube-Streit noch darum, wieviel Geld
Youtube Musikern dafür bezahlt, wenn deren Musik in Videos auftaucht, hat sich die Dynamik nun ins glatte Gegenteil verkehrt - längst haben sich Agenturen gebildet, die Kreative auf
TikTok managen, auffällig oft gegründet von
Überläufern aus der Musikbranche. Eine davon ist Barbara Jones. "Sie führt mich durch die Preise, die Kreative dafür veranschlagen, um
Songs zu boosten. Unterschieden wird dabei zwischen '
Initiatoren', die unter einem Lied gut Feuer legen können, und '
Akzeleratoren', die dann noch ordentlich Öl hineinspritzen. Kreative mit überschaubarerer Reichweite, also einer Gefolgschaft im Bereich von 20.000 bis zu einer Million, können 250 bis 1000 Dollar pro Video berechnen. Im mittleren Bereich mit Followerzahlen von einigen Millionen liegt der Preis zwischen 1000 und 3000 Dollar. Im oberen Segment, wo sich die
TikTok-Elite wie
D'Amelio aufhält, werden
bis zu 75.
000 Dollar pro
Video fällig. Doch Jones warnt: 'Es ist immer noch alles riskant. Man kann nichts einfach so viral gehen lassen.'" Denn
Glaubhaftigkeit ist das A und O in dieser Welt. "Wäre Nathan Apodacas
Video 'Dreams' viral gegangen, wenn er ein bezahlter Influencer gewesen wäre? Alles, was ein digitaler Vermarkter tun kann, ist, einen genauen Blick darauf zu haben, was auf TikTok gerade organisch geschieht, um dann Kreative anzuwerben, die den
Trend melken."
Weiteres: Eren Orbey
stellt in einem Brief aus Michigan die Aktivistin Rebecca Kiessling vor, die
Vergewaltigung als Abtreibungsgrund
abschaffen möchte. Thomas Mallon
erzählt, wie er im
aidsgeplagten Manhattan der Achtziger lebte. Sam Knight
schreibt über die
Fußball-
WM in Katar. Jerome Groopman liest ein
Buch, das ihm die Nützlichkeit vom
Parasiten erklärt.
versucht zu verstehen, warum Parasiten nützlich sein können. Alex Ross
hörte Kevin Puts' neue Oper "The Hours" in der Met. Anthony Lane
sah im Kino
Darren Aronofskys "The Whale".