
"Im Gegensatz zur
westlichen Unterstellung, dass Kreativität
Freiheit braucht, scheint die
russische Wissenschaft am besten funktioniert zu haben, als die Bedingungen am schlechtesten waren",
konstatiert Loren Graham in seiner Rezension von
Richard Louries Buch "
Sakharov - A biography" (mehr
hier). "Subtil und aufschlussreich", nennt Graham das Buch, in dem er lernte, das es für Sacharow "
extrem schwer war, den Stalinismus abzuwerfen, und dass er wie viele seiner Kollegen seine größten wissenschaftlichen Leistungen vollbrachte, als er noch in
Stalins Knechtschaft stand." In der
New York Times darf man das
erste Kapitel dieser Biografie lesen.
Voll des Lobes
ist auch F. Gonzalez-Crussi, ein Pathologe, über das Buch eines Arztes (und Medizin-Journalisten für den
New Yorker):
Atul Gawandes "Complications - A Surgeons's Notes on an Imperfect Science". "Fehlbarkeit", "Rätsel" (Mystery) und "Ungewissheit" sind die Klippen, die Ärzte demnach umschiffen müssen, und Gonzalez-Crussi ist begeistert, mit welcher
Genauigkeit und Bescheidenheit Gawande diese Klippen beschreibt: "Am meisten genoss ich als Pathologe das Kapitel
'Final Cut', indem Gawande mit bewunderungswürdiger Ehrlichkeit erklärt, dass
menschliche Hybris für den Niedergang der Autopsie-Ergebnisse verantwortlich sei. Ärzte glauben heute mit ihrer High-Tech-Medizin, dass ihnen keine Diagnose fehl gehen kann - dabei zeigen neue Studien, dass
40 Prozent der in einer Autopsie erkannten Anomalien beim lebenden Patienten gar nicht entdeckt wurden. Ein Drittel davon sind so bedeutend, dass sie die Therapie verändert hätten, wenn man sie rechtzeitig erkannt hätte." Scheint wirklich ein ehrlicher Arzt zu sein.
Hier darf man einen Auszug lesen - und man muss sagen, er
lohnt sich, wirklich seltsame Geschichte, die Gawande da erzählt.
Weiteres: Von
aktuellem Interesse ist gewiss das Buch "Revenge - A Story of Hope" von
Laura Blumenfeld. Es erzählt, wie sie mit ihren Rachegefühlen fertig wurde, nachdem ihr Vater von einem palästinensischen Terroristen angeschossen worden war - sie hat unter anderem auch Kontakt zur Familie des Terroristen aufgenommen: Blake Eskin (der selbst übrigens ein
Buch über die
Wilkomirski-Affäre publiziert hat) ist in seiner
Rezension interessiert, aber auch
skeptisch: "Individuelles Mitleid lässt sich nicht in politische Annäherung verwandeln. Und dass die Blumenfelds und die Khatibs
zusammen weinen, wird Jahrzehnte des Hasses im Nahen Osten nicht beenden." Ein
Interview mit Blumenfeld haben wir in
Salon gefunden. Das
erste Kapital darf man in der
NY Times lesen.
Besprochen werden außerdem
Edna O'Briens neuer
Roman "In the Forest", ein
Band mit Briefen von
Gershom Scholem, der Krimi "Looking for Chet Baker" von
Bill Moody und
Andy Bellins Buch "Poker Nation", das nicht nur die Geschichte dieses Kartenspiels erzählt, sondern auch
handfeste Tipps zu geben scheint.