Magazinrundschau - Archiv

The New York Times

803 Presseschau-Absätze - Seite 81 von 81

Magazinrundschau vom 18.03.2002 - New York Times

Seit den frühen 90er Jahren verfolgt der Journalist Steven Emerson die Spuren islamischer Fundamentalisten auf US-amerikanischem Boden. Was er darüber jetzt in seinem Buch "American Jihad" (Leseprobe) zu Papier gebracht hat, ist für Ethan Bronner zwar "kein Meisterstück" - so gibt Bronner in seiner Besprechung zu Bedenken, dass z.B. die Attacken vom 11. September das Werk von "foreign-based terrorists" gewesen seien und es keinen Beweis gebe für Verbindungen zu den islamischen Einrichtungen in den USA, die Emerson für Terrorzellen halte -, den von Emerson gesammelten Daten wünscht er aber dennoch mehr Aufmerksamkeit. "Emerson may not be a scholar, and he may sometimes connect unrelated dots. He may also occasionally be quite wrong. But he is an investigator who has performed a genuine service by focusing on radical Islamic groups in this country. His information should be taken seriously -- just not at face value."

Knapp 1500 Seiten hat der Paläontologe und Evolutions-Revolutionär Steven Jay Gould für sein neues Buch "The Structure of Evolutionary Theory" zusammengeschrieben, um seine "Theorie des unterbrochenen Gleichgewichts" (die Idee, dass neue Arten sprunghaft entstehen und bis zu ihrer Auslöschung unverändert bleiben) zu belegen. Rezensent Mark Ridley, selbst Zoologe in Oxford, äußert Respekt, bleibt aber dennoch skeptisch, was die "weiteren Implikationen" der Theorie betrifft. Das Buch, schreibt er, sei in jeder Hinsicht ein Schwergewicht. "The style ranges from verbosity to almost pathological logorrhea. However, if the book contains too many words and some questionable philosophy, and does not take Gould's critics seriously enough, it is still a magnificent summary of a quarter-century of influential thinking and a major publishing event in evolutionary biology."

Ferner werden besprochen: Ein neuer Roman (der sechste in 40 Jahren!) des irischen Starautors John McGahern (Auszug "By the Lake"), dann der Reisebericht eines Extremophilen, der bei Gewaltmärschen durch die Arktis erst richtig auftaut, ein anderes Reisebuch, in dem sich Tausendsassa Oliver Sacks als Pteridologe auszeichnet (er sucht seltene Farne in Oaxaca, Mexiko), und neue Krimis von Jeffery Deaver, Robert Andrews und Rita Mae Brown. Margo Jefferson schließlich erforscht den Freak als literarische Figur.

Magazinrundschau vom 11.03.2002 - New York Times

Laura Miller vom Salon-Magazin stellt die Memoiren der militanten Frauenrechtlerin Andrea Dworkin vor. Und wie Dworkin dem Leser (dem Leser vor allem!) aus diesem Buch entgegentritt: "ravaged and thundering like one of Shakespeare's Plantagenet queens, to deliver her fearsome maledictions"! Eloquent, meint Miller, ist diese Frau (die eher einen Sexisten töten würde als sagen wir ein Schwein) ja, schade nur, dass dahinter mehr aufbrausende Erregung steckt als klares Denken. "'Heartbreak' describes, a bit vaguely, a story of disillusion with the sexism of the 60's left, and alludes even more foggily to past episodes of domestic violence and prostitution, but it doesn't detail the process by which those experiences must have clashed with and transformed the liberationist ideals Dworkin picked up from her early influences. It's a scattered, moody book, a fugue rather than a narrative."

Nicht direkt eine Pastorale, dieser neue Roman von Ian McEwan (Leseprobe "Atonement" plus Autorenfeature). Was mit blühenden Schwertlilien und junger Liebe beginnt, erklärt Tom Shone in seiner Besprechung, wird mehr und mehr von einer gewissen Unruhe überschattet, die in diesem Fall mit einem Familientrauma infolge eines Verbrechens zu tun hat. Mehr will Shone gar nicht verraten. Nur so viel noch: "If it's plot, suspense and a Bergsonian sensitivity to the intricacies of individual consciousnesses you want, then McEwan is your man and 'Atonement' your novel. It is his most complete and compassionate work to date."

Weitere Artikel gibt es zu einem Buch über Gedeih und Verderb des US-amerikanischen Nachrichtenwesens, mit verfasst vom Herausgeber der "Washington Post" (Auszug "The News About the News"), zu einem Reisebericht aus dem Iran (Auszug "Searching for Hassan") und zu Victor Pelevins neuem Post-UdSSR-Roman "Homo Zapiens". Judith Shulevitz schließlich untersucht die Gedichte, mit denen Osama bin Laden seine Propaganda-Videos zierte, und stellt fest: Der Mann ist ein Plagiator (zum Text, zum Video).

Magazinrundschau vom 30.09.2002 - New York Times

Eigentlich bin ich ein Erzähler von Kurzgeschichten, sagt William Trevor von sich, "der nur Romane schreibt, wenn er sie nicht in Kurzgeschichten hineinbekommt." Wenn es nach Thomas Mallon ginge, kann das ruhig öfter passieren, denn Trevors ruhiger, kompakter und klarer Stil bleibt auch in seinen Romanen bestehen, wie der Rezensent dankbar vermerkt. Der neue, "The Story of Lucy Gault", beginnt 1921 in den Wirren des irischen Unabhängigkeitskampfes und verknüpft souverän das Drama einer Familie mit achtzig Jahren irischer Geschichte. Und spannend noch dazu. "There is no quieter narrative voice than Trevor's impersonal but irreducible one, and none that so demands a reader's strict attention. Enormities come without warning, never a decibel louder than anything else, from this writer who has long had more in common with Alfred Hitchcock than some of the chroniclers of Irish life with whom he is frequently grouped."

Andrea Barrett lobt Daniel Masons Debütroman "The Piano Turner" (hier eine Leseprobe) als eine "exzellente frühe 21. Jahrhundert-Reproduktion eines späten viktorianischen Romans". Der Klavierstimmer Edgar Drake unternimmt eine Reise nach Burma, um das Piano eines Offiziers mitten im Dschungel zu stimmen. Die Rezensentin ist erstaunt, wie wenig Fehler dieses Buch hat und wie gekonnt Mason das koloniale Burma wieder auferstehen lässt. "His powerful prose style and his ability to embrace history, politics, nature and medicine within a fully imagined 19th-century fictional world would be notable in any writer and are astonishing in one who is just 26 and still in medical school."

Weiteres: Bruce Mc Call porträtiert den Autor und "barside conspiracist, solitary sulker, prowler of bookstore" John Jerome, der, so vermutet Mc Call, vor allem schrieb, um sich von den schlechten Verkaufszahlen seiner Bücher abzulenken. Brillant und beunruhigend zugleich findet Abraham Verghese die Betrachtungen über die Natur des Krieges des Kollegen Chris Hedges, der 15 Jahre im Auftrag der New York Times von einem Kriegsschauplatz zum nächsten gereist ist. Laura Miller empfiehlt Stephen Kings neuen Roman (hier eine Leseprobe) eher wegen der Atmosphäre, nicht der Story. Andrew Delbanco stellt drei Bücher vor, die sich mit den mörderischen, da Qualität suggerierenden und damit prestigefördernden Aufnahmekriterien der Elite-Colleges beschäftigen, bei denen die Studenten oft auf der Strecke bleiben.

Kurz besprochen werden unter anderem der neue leicht melancholische Erzählband von Ellen Gilchrist, der leicht zu unterschätzende Debütroman von Russell Rowland und der leicht mechanische Roman von Christopher Brookmyre. Außerdem werden neue Kinderbücher vorgestellt, die den Kleinen den Wert der Freiheiten in der amerikanischen Gesellschaft nahebringen.

Und zum Abschluss ein November-Gedicht von J.D. McClatchy.