Magazinrundschau - Archiv

The New Statesman

196 Presseschau-Absätze - Seite 19 von 20

Magazinrundschau vom 30.10.2007 - New Statesman

Der schwarze britische Schauspieler und Dramatiker Kwame Kwei-Armah ist froh, dass endlich über den Exodus schwarzer britischer Darstellerinnen und Darsteller diskutiert wird. Es ist, wie er feststellt, ein großes Problem: "Die überwältigende Mehrheit schwarzer Schauspieler meiner Generation musste feststellen, dass ihre einzige Hoffnung auf eine Karriere in Amerika liegt... Meine Altersgenossen tauschen Tipps nicht übers Vorsprechen, sondern über das '01 Visum', jenes Dokument, das 'jenen den Zugang zu den Vereinigten Staaten erlaubt, die in der Film- und Fernsehproduktion Außerordentliches geleistet haben'. Ich habe einmal einen sehr interessanten Kommentar zur Karriere des US-Generals und späteren Außenministers Colin Powell gelesen. 'Er hatte Glück, dass seine [in Jamaica geborenen] Eltern das Schiff nach New York und nicht nach Southampton genommen haben. Im anderen Fall hätte er es vielleicht zum Sergeant gebracht."

Weitere Artikel: Alex Brummer warnt davor, die Bedeutung der Musikindustrie zu unterschätzen: Neue Künstler hätten nach wie vor kaum Chancen auf den Durchbruch ohne die Beziehungen und Marketing-Instrumente der großen vier Konzerne, in deren Händen nach wie vor 95 Prozent der Verkäufe liegen. Becky Hogge stellt fest: Blogs könnten eines Tages den Niedergang des Qualitätsjournalismus ausgleichen. Über die Bedeutung von Jean Sibelius für Finnland denkt Rick Jones nach.

Magazinrundschau vom 16.10.2007 - New Statesman

Roger Boyes, Deutschland-Korrespondent der Times, stellt sich hinter die polnischen Kaczynskis, deren Politik er vielleicht etwas ruppig, aber im Grunde ganz richtig findet. Und mit 7,5 Prozent Wachstum sei Polen auch wirtschaftlich auf dem richtigen Kurs: "Das Ergebnis ist eine expandierende Mittelklasse, die sich gegen das populistische Kanzelgedonner sträuben, aber durchaus eine verträglichere Version vom Konservatismus der Kazynskis gutheißen mag. Es gibt einen Konsens in weiten Teilen des sozialen Spektrums, dass Polen um seinen Platz in der globalen Ordnung härter kämpfen muss. Deutsche Politik in Osteuropa hat sich immer darauf gegründet, die kleineren Nachbarn in wirtschaftliche Abhängigkeit zu ziehen, in der Hoffnung, dadurch politische Unterstützung bei der Durchsetzung eigener Ziele zu gewinnen. Polen ist zu groß, zu selbstbewusst, um die Dienstmagd deutscher Interessen zu werden. Es ist die deutsche Ostpolitik, die überdacht werden muss, und nicht die deutsche Westpolitik: die EU-Erweiterung hat die Nachbarschaftlichkeit neu definiert." (Weshalb die Dienstmägde jetzt in England dienen)

Außerdem in diesem Polen-Schwerpunkt: Marek Kohn sammelt Informationen zu den in Großbritannien lebenden Polen. Jo Barret befragt polnische Migranten.

Magazinrundschau vom 09.10.2007 - New Statesman

Zum vierzigsten Todestag besichtigt Isabel Hilton (mehr) das dürre Vermächtnis des Berufsrevolutionärs Ernesto "Che" Guevara. Nicht nur, dass Alberto Kordas ikonisches Bild vor seiner Karriere als Postermotiv manipuliert wurde - Guevaras Gesicht wurde um ein Sechstel gestreckt, um ihn nicht zu pummelig zu erscheinen lassen. Auch "politisch gibt es keine Bewegung, die sich als guevaristisch bezeichnen würde. In Peru stehen sich Fidelistas und Guevaristas gegenüber, ebenso wie in Panama und Mexiko. Für die linken Intellektuellen der Gegenwart ist Ches Erbe mit seiner Romantisierung und Heroisierung problematisch. Jorge Castaneda, der mexikanische Schriftsteller und Soziologe, schrieb in seiner Che-Biografie, dass Ches Ideen den heutigen Generationen nichts zu bieten hätten. Für Castaneda sind seine 'Ablehnung der Ambivalenz' und der Unwille, die Widersprüche des Lebens zu verstehen, die Folgen einer schadensreichen Epoche in Lateinamerika. In einem Zeitalter, in dem die Absolutheitsansprüche von Marxismus und Marktkapitalismus als gescheitert angesehen wurden, hatte Che nichts zu sagen."

Magazinrundschau vom 18.09.2007 - New Statesman

Salman Rushdie preist das in einer Londoner Ausstellung zu sehende Werk der Fotografin Taryn Simon, die ihre Bilder in schwer zugänglichen Zonen der Gesellschaft schießt: "Dass es ihr gelungen ist, Zugang zu - um nur Beispiele zu nennen - Scientology zu bekommen und zu MOUT, einer abgeriegelten Stadtsimulation in Kentucky, die zum Zwecke militärischer Übungen als städtisches Schlachtfeld genutzt wird; oder zum Imperialen Büro der Weltlichen Ritter des Ku Klux Klan..., die aussehen wie Charaktere in einem Film der Coen-Brothers; oder auch zum Operationssaal, in dem an einer Palästinenserin eine Wiederherstellung ihres Hymen vorgenommen wird - all das belegt, dass Simons Überzeugungskraft ihrem fotografischen Können in nichts nachsteht."

Magazinrundschau vom 17.07.2007 - New Statesman

Alice O'Keeffe berichtet von der aufgeheizten Stimmung im Venezuela von el Presidente Hugo Chavez: "Die Menschen in Caracas sagen einem ihre Meinung, noch bevor sie sich vorgestellt haben. Auf meinem ersten Ausflug in die Straßen der Stadt, fragt ich einen Buchhändler, wo ich eine Karte kaufen könnte. Er fasste mich heftig am Arm und erwiderte: 'Es gibt nur eine Sache, die Sie über Caracas wissen müssen, nämlich dass wir Revolutionäre sind!' Die ganze Bevölkerung ist politisiert; gespalten in zwei Lager, die sich feindlich gegenüberstehen: Chavistas und die abschätzig 'Esqualidos' genannten Oppositionellen - die 'Schwächlinge'. Die Debatte wird so wütend geführt, dass die Situation oft als Kalter Bürgerkrieg beschrieben wird. Mit einem machtverrückten Chavez am Ruder, ist die Gefahr groß, dass er nicht kalt bleibt."

Übernommen wurde außerdem die Rede, die Wim Wenders letzten November in Berlin auf der Konferenz "Europa eine Seele geben" hielt.

Magazinrundschau vom 19.06.2007 - New Statesman

Der Wahnsinn hat begonnen, bemerkt Andrew Stephen angesichts all der geplanten Enthüllungsbücher über Hillary Clinton. "Warum bricht diese riesige Hysterie aus über eine Wahl, die erst im November nächstes Jahr stattfindet? Ich bin überzeugt, dass die Antwort in der Tatsache begründet ist, das eine Frau sich anschickt, die 218-jährige männliche Vorherrschaft im machtvollsten Job der Welt zu brechen. Das hat riesige Wellen von unbewusstem Sexismus bei Amerikas politischen Kommentatoren ausgelöst, von denen die allermeisten Männer sind. Eine Frau will die Macht und die männliche Herrlichkeit des US-Präsidentenamtes? Was erlaubt sich diese lächerliche kleine Machiavellibraut denn eigentlich?"

Magazinrundschau vom 12.06.2007 - New Statesman

Für ihre Titelgeschichte "Wie weit wird er gehen?" berichtet Bridget Kendall aus dem Inneren des zusehends autoritären Russland unter Präsident Putin: "In der Welt der russischen Politik haben viele Russen nicht Angst vor zu wenig Demokratie, sondern vor zu viel. Deshalb fordern manche, wie ich feststellen musste, eine dritte Amtsperiode für Putin. Nicht weil sie ihn bewundern - im Privaten sagen einem viele, dass er und seine Spießgesellen nicht weniger korrupt und arrogant sind als ihre kommunistischen Vorgänger -, sondern weil sie der Idee der Demokratie und dem Westen, der so dringlich danach verlangt, misstrauen. Deshalb fürchten sie auch den Ausgang der Wahlen im nächsten Jahr. Die Erfahrung der letzten Zeit hat sie gelehrt, dass Veränderung gewöhnlich Verschlechterung bedeutet und deshalb vermieden werden sollte."

Weitere Artikel: Christopher Bray geht anlässlich einer Ausstellung in der Tate Modern dem Verhältnis Salvador Dalis zum Kino nach. Stephen Johnson zieht zum 150. Geburtstag des Künstlers das Bild Edward Elgars als Komponist des britischen Imperialismus in Zweifel.

Magazinrundschau vom 22.05.2007 - New Statesman

Roger Boyes warnt vor den wachsenden Einfluss, den Moskau auf die osteuropäischen Staaten zu nehmen versucht. Immer unverblümter mische es sich in Angelegenheiten von Weißrussland, der Ukraine, der baltischen Staaten oder Rumänien ein: "Die EU muss viel direkter in die Angelegenheiten ihrer Grenzstaaten eingreifen, denn wenn es gegen Moskau geht, ist es besser, eine halbherzige Politik zu haben als gar keine. Wenn die EU kein Programm, kein Ziel für ihre Nachbarschaft hat, wird sie ihr Interesse für das, was vor sich geht, vollständig verlieren. Moldawier und Ukrainer werden wenig mehr sein als Zahlen in der Einwanderungsstatistik, ganzen Gesellschaften wird erlaubt abzudriften. Wir können es uns nicht leisten, nur zuzusehen. Zwei der Länder mit einem Problem, Estland und Rumänien, sind EU-Mitglieder. Öl und Gas aus Russland fließen durch Grenzländer, von denen die meisten in Moskau hoch verschuldet sind. Man kann sich nicht jedesmal auf den Rücken legen, wenn Putin einen neuen Kalten Krieg androht. Wir erlauben Russland zu oft, die EU-Agenda für zu viele Angelegenheiten zu bestimmen."

Magazinrundschau vom 15.05.2007 - New Statesman

Stephen Armstrong freut sich über die wachsende Zahl "militanter Kunden", die es sich zum Ziel gesetzt haben, schlechten Service zu vergelten. Die Initiative "More Trains Less Strain" hat etwa im Januar erfolgreich zum Fahrpreis-Streik bei einem Bahnunternehmen augerufen: "Die Gruppe überredete 2.000 Passagiere, auf der gesamten Fahrt von Bath nach Bristol gefälschte Tickets vorzuzeigen. Auf jedem Ticket stand in leuchtenden Buchstaben 'Fahrpreis-Streik', als Bahn-Logo 'Worst Great Western' und als Route 'Zur Hölle und zurück'. Die Reisenden, die ein solche Fake-Ticket zeigten, wurden durchgewinkt, das Personal zeigte den Streikenden in Bristol sogar, wie sie die Schranken passieren konnten. In den vergangenen zwölf Monaten haben mindestens zehn verschiedene Konsumentengruppen von Energieversorgern, Banken, Kreditkarten-Unternehmen, inkompetenten Behörden oder Software-Providern Geld zurückgehalten oder -gefordert. 'Das Problem ist, dass die Regierung in den letzten zwanzig Jahren rechtlich schlechten Service und die aggressive Missachtung ihrer Kunden sanktioniert hat, indem sie die Bildung großer Monopole zuließ und sich dann weigerte, deren Verhalten zu regulieren', sagt Gareth Coombs vom Cambridge Strategy Centre."

Magazinrundschau vom 08.05.2007 - New Statesman

Der New Statesman resümiert in mehreren Artikel die Amtszeit von Tony Blair. Für Suzanne Moore steht am Ende eine zersplitterte Gesellschaft, die nicht mehr weiß, wer sie als Öffentlichkeit ist. "Unser Misstrauen in die Institutionen hat sich verstärkt. Ja, wir alle wissen, welche Riesensummen das Gesundheitssystem frisst. Aber die meisten von uns machen die Erfahrung eine brillanten Notversorgung und erbärmlicher Nachsorge. Unsere Schulen, selbst wenn sie von verrückten Millionären finanziert werden, unterliegen endlosem Planen, Testen und Druck ausüben auf kleine Kinder. Mit Lernen hat das nichts zu tun. Der Schaden, den das Irakdesaster bei Labour und unseren Idealen von humanitärer Intervention und Demokratie hinterlassen hat, muss auf diesen Seiten nicht erläutert werden. Ich würde schlicht sagen, das die katastrophalen Nachwirkungen des Kriegs gegen den Terror mit vielen anderen kulturellen Trends ineinandergreifen und eine nationale Stimmung von Misstrauen und Unsicherheit geschaffen haben. Traue nur dir selbst. Daher dominieren auch die Beichtstühle, Dinge, die das Gefühl ansprechen, die Blogger, das Persönliche. Wenn wir nur für uns selbst sprechen können, dann sprechen wir nur von uns selbst. Wir sind jetzt Unternehmer, verkaufen unsere unique personalities, ständig um uns selbst kreisend."