Magazinrundschau - Archiv

The New Statesman

196 Presseschau-Absätze - Seite 20 von 20

Magazinrundschau vom 01.05.2007 - New Statesman

Die Titelgeschichte ist Pakistan gewidmet, wo militante Islamisten immer mehr Zulauf erhalten. Ziauddin Sardar berichtet von einer neuen Generation Taliban, die inzwischen immer mehr Landesteile beherrsche. "Die neue Generation von Militanten ist pakistanisch; sie sind eine Antwort auf die amerikanische Invasion in Afghanistan und eine Revolte gegen die amerikafreundliche Politik der pakistanischen Regierung. Die meisten von ihnen sind arbeitslos, nicht alle in Maddrassen geschult. Sie werden von jungen Mullahs angeführt, die sich - anders als die ursprünglichen Taliban - mit moderner Technologie und Medien auskennen. Und sie sind von verschiedenen indigenen Stammesnationalismen beeinflusst, wobei sie die Stammesgesetze hochhalten, die das soziale Leben in Pakistans ländlichen Regionen beherrschen."

Außerdem: die Autorin Kamila Shamsie versucht sich einen Reim auf die Fundamentalistinnen zu machen, die in Pakistan angeblich unmoralische Personen entführt und bedroht haben. William Dalrymple stellt eine Stiftung pakistanischer Geschäftsleute vor, The Citizens Foundation, die Pakistans Kinder mit einer guten und sekularen Ausbildung versehen will. Der Journalist Brian Cathcart zählt das populäre Genre der Nachrufe zu den größten Errungenschaften des britischen Journalismus. "Nachrufe in Zeitungen erleben ein goldenes Zeitalter. Für alle, die verdienstvoll oder irgendwie interessant sind, war es nie lohnender, zu sterben.

Magazinrundschau vom 30.05.2006 - New Statesman

Afrika wird die Fußballweltmeisterschaft nie gewinnen, unkt David Runciman. Dass derzeit drei afrikanische Mannschaften mit dabei sind, ist ein Resultat der global agierenden Talentehändler, die trotz der katastrophalen politischen Situation in Togo, Ghana oder der Elfenbeinküste Fußballer finden. "Einige Spieler des Teams der Elfenbeinküste (Didier Drogba von Chelsea eingeschlossen) haben ihre Ausbildung in Frankreich erhalten, und von denjenigen, die zu Hause geblieben sind, stammen viele aus der Jugendakademie des früheren Profis Jean-Marc Guillou, die eigens eingerichtet wurde, um die Elfenbeinküste nach ungeschliffenen Talenten abzusuchen, sie in hochmodernen Instituten zu trainieren und sie dann in Clubs in Frankreich und anderswo zu exportieren. Die Glücklichen, besonders diejenigen, die die Aufmerksamkeit von Trainern wie Arsene Wenger und Jose Mourinho wecken, kann das aus dem Nichts in das Zentrum der Sportwelt katapultieren, wo sie Zugang zu unvorstellbarem Reichtum haben (Ghanas Michael Essien verdient mehr als 55.000 Pfund in der Woche und repräsentiert ein Land mit einem jährlichen Durchschnitsslohn von 300 Pfund).

Magazinrundschau vom 28.02.2006 - New Statesman

Der chinesische Künstler Song Dong baut Städte aus Keksen. Bisher hat er sich eher an der imperialen Zeit orientiert, sein neuestes Projekt ist gegenwärtiger, berichtet William Sidelsky. "Das alte Viertel ist schon fast fertig, die modernen Sektionen sind noch mitten in der Konstruktion. Einige einsame Blöcke ragen wie Jenga-Türme (Wikipedia) vom Tisch empor, dessen Oberfläche komplett mit umgedrehten Ryvitas bedeckt ist. Das Projekt wird gesponsert von McVities (die zum Keksimperium United Biscuits gehören) - eine kleine Enttäuschung, da die Auswahl nicht wirklich erstklassig ist. Ich erkenne Digestives, HobNobs und Rich Tea, außerdem verschiedene Sorten Waffeln, die sich besonders für Wolkenkratzer eignen. Offensichtlich hält Dong jedoch wenig von seinen Materialien. 'Chinesische Kekse sind bunter', sagt er. 'Besser für schönere Gebäude'." Song Dongs Kunstwerke (Beispiel) wurden von den Besuchern bisher meist relativ schnell aufgegessen.

Magazinrundschau vom 07.02.2006 - New Statesman

Als Statistin in einer Henry-James-Verfilmung hat die Autorin Siri Hustvedt die so angenehme wie bewusstseinsverändernde Wirkung eines Korsetts erfahren. Auch den Reifrock und den an den Hüften wattierten Unterrock weiß sie nun zu schätzen. "In einem Reifrock kann niemand den Boden schrubben. Die Frau, die ihn trägt, signalisiert, dass sie den lieben langen Tag niemals in die Knie geht. Mit ihm kann man Blumen arrangieren, eine Teetasse heben, ein Buch lesen oder seinen Bediensteten Aufgaben zuweisen. Der Reifrock war ein Zeichen von Klasse, seine Einschränkungen bedeuteten Luxus. Wie die überlangen Fingernägel der chinesischen Aristokraten zeigt er: 'Ich arbeite nicht für Geld.'"

Magazinrundschau vom 13.09.2005 - New Statesman

Wegen ihres tiefverwurzelten Glaubens an das selbstverantwortliche Individuum konnten die USA gar nicht angemessen auf die Katastrophe von New Orleans reagieren, schreibt Andrew Stephen. "Katrina zeigte die Zerbrechlichkeit der USA und ihrer Überzeugung, dass eine starke kollektive Führung oder Institutionen, wie sie die europäischen Geselllschaften zu schätzen gelernt haben, überflüssig sind." Der inkompetente FEMA-Chef Michael Brown ist da nur ein Symptom. "So wurde die Antwort der mächtigen US-Regierung auf Katrina einem Trottel überlassen, wegen dessen guter Beziehungen, bestimmt nicht aufgrund irgendwelcher Führungsqualitäten. Das vorherrschende Ethos ist ja, dass die Regierung unwichtig ist und Amateuren überlassen werden kann, Amateuren wie Bush eben."

Magazinrundschau vom 23.08.2005 - New Statesman

Michael Bywater beklagt den Tod des britischen Witzes. Auf dem Fringe Festival in Edinburgh hat nun die politische Comedy übernommen. "Die Welt des Witzes ist zunehmend leer, wie ein heruntergekommener Urlaubsort. Sie war klein, diese Welt des Witzes, dünn besiedelt aber abwechslungsreich, mit übermäßig vielen Juden (inklusive Gott), Iren, Pakistanis, Bartendern, Richtern, abgerichteten Hunden, Geigern, Prostituierten, Blonden und Ärzten. Und jetzt ist ihre Zeit abgelaufen. Wenn die Comedians, die für uns mit den glitschigen, ironischen Zweideutigkeiten des Lebens hantieren, die postmoderne Priesterkaste sind, dann ist der Witz das brutale Tieropfer eines alten Glaubens."