Anlässlich des Erscheinens des zweiten Bandes seiner 1997 begonnenen Studie über Nazideutschland (
"Die Jahre der Vernichtung 1939 - 1945") in Frankreich, unterhalten sich der Historiker
Saul Friedländer und sein französischer Übersetzer Pierre-Emmanuel Dauzat in einem ausführlichen
Gespräch über die Sprache der Henker und die
Sprache der Opfer. Über letztere,
Jiddisch, sagt er: "Es gibt heutzutage Ansätze, es wiederzubeleben, es wird an Universitäten in den USA gelehrt und es gibt Jiddisch-Kurse und nicht mal wenige Studenten, die es lernen wollen. Doch diese Bestrebung ist ein wenig artifiziell, denn diese Sprache ist im Wortsinn eine
tote Sprache geworden. Man vergisst immer, dass die Nazis nicht nur Millionen Menschen umgebracht haben, sondern auch
eine Kultur vernichtet haben, eine Kultur und die Worte, um diese zu sprechen. Sie haben alles zusammengerafft, was sich in jüdischen Museen und Archiven finden ließ, um es an einem bestimmten Ort zu versammeln - was ein weiteres Beispiel für ihren
Wahnwitz ist -, um also etwas von einem Volk zu bewahren, das sie selbst vernichtet haben, vorsätzlich vernichtet, mit den Menschen, der Lebensform, der Kultur. Anschließend gründen sie in Prag ein Museum für das, was zusammengetragen werden sollte. Man verstehe die krankhafte Logik dieses Systems! Aber
Jiddisch als Kultur, als Lebensweise, ich kann es nur wiederholen, ist von Nazideutschland vernichtet
worden."