Magazinrundschau - Archiv

La regle du jeu

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Magazinrundschau vom 17.10.2011 - La regle du jeu

Und weiter geht?s mit dem Projekt der auf fünf Wochen angelegten täglichen Fleischverherrlichung in Bernard-Henri Levys Webmagazin. Unter anderem huldigt der Schriftsteller und Kritiker Marc Lambron dem Tartar, und findet ebenso überraschende wie starke Worte dafür: "Tartar ist beim Fleisch, was der Hardrock in der Musik ist. Eine rohe Gewalt, anregend, fast wild - jedoch gesteuert. Ich würde nicht sagen, dass ich jedes Mal innerlich Led Zeppelin oder AC/DC höre, wenn ich meine Gabel in Tartar stoße, aber dieses Fleisch hat eine musikalische Färbung, die den Riffs von Jimmy Page ähnelt."Zu lesen ist außerdem die Liebeserklärung des Metzgers Claude Bocqet an seinen Beruf, und der Filmemacher Gilles Hertzog steuert ein "Requiem für ein Steak" bei.

Außerdem: Die marokkanisch-stämmige Psychologin Fouzia Liget begründet in einem Beitrag, der im Kontext der Bemühungen um die Freilassung von Rafah, der ersten Psychoanalytikern, die in Syrien praktizierte, steht, weshalb Psychoanalyse und Islam keineswegs unvereinbar seien.

Magazinrundschau vom 11.10.2011 - La regle du jeu

Und weiter geht es mit dem Projekt der insgesamt fünf Wochen dauernden Fleischverherrlichung, in deren Rahmen auf der Seite täglich ein erklärter Fleischliebhaber zu Wort kommt. Zuletzt schilderte unter anderem Jean-Louis Olivier unter der Überschrift "Die drei Tage des Schweins" eine ländliche Sauschlachtung, wie sie früher stattfand. Der bretonische Geflügelzüchter Paul Renault singt dagegen eine Hymne auf die Hühnerrasse Coucou de Rennes, die er auf Anregung von drei französischen Spitzenköchen - "das ist das Huhn meiner Großmutter, ich aß es in meiner Kindheit" - zu züchten begann. "Mit den Leuten vom Eco Musee Rennes haben wir in den Archiven recherchiert, wie man das Coucou de Rennes aufzieht, die Entartung der Rasse durch unpassende Kreuzungen vermeidet, wie man sein schönes graues Gefieder mit einer wie beim Kuckuck gesprenkelten Brust, von dem es auch seinen Namen hat, bewahrt." (Sollte ein Huhn mit dem Namen Coucou de Rennes nicht eher auf der Bühne als in der Pfanne landen?)
Stichwörter: Schwein, Rasse, Schweine

Magazinrundschau vom 04.10.2011 - La regle du jeu

Wie eine Antwort auf Jonathan Safran Foers "Tiere essen" nimmt sich ein Projekt der Seite aus, das fünf Wochen lang täglich einen erklärten Fleischliebhaber zu Wort kommen lässt. Zugrunde liegt ihm eine Ausgabe der Zeitschrift Louchebem; das Wort bezeichnet einen Slang von Pariser und Lyoneser Metzgern. Unter den Autoren sind Schriftsteller, Intellektuelle und Menschen des öffentlichen Lebens. Der Sprachwissenschaftler und Erfinder des Dictionnaires "Petit Robert" Alain Rey etwa untersucht in seinem Beitrag Herkunft und Gebrauch des französischen Vokabulars rund ums Fleisch und dessen Verarbeitung. Der Unternehmer und ehemalige ehrenamtliche Präsident der Pariser Opera Bastille Pierre Berge schwärmt von der punktgenauen Zubereitung von Entrecote und Chateaubriand. Und der Schriftsteller Richard Millet erzählt, wie er nach zwanzig Jahren Ablehnung zum Fleischesser wurde: "Das tierische Fleisch stieß mich genauso ab wie der menschliche Körper, sein Aussehen und seine Funktionen, zu denen ich immer paradoxe Beziehungen hatte. Das Fleisch der Frau fasziniert mich dagegen bis zum Schwindligwerden, wohingegen das des Mannes mir widerlich erscheint und mich zu der Frage treibt, durch welche Schwäche die Frauen den halb tierischen Körper der Männer ertragen können, seine Behaarung, Masse, Gestank, Atem, Schädel, den fleischernen Spieß, mit dem sie sie öffnen, manchmal gewaltsam. Für Fleisch habe ich heute eine außerordentliche Vorliebe, die zur gleichen Zeit über mich kam, als ich den weiblichen Körper entdeckte."

Magazinrundschau vom 09.08.2011 - La regle du jeu

In einem Interview, das er ursprünglich mit Le Parisien führte, erklärt Bernard-Henri Levy, weshalb der Bürgerkrieg in Libyen das Gegenteil vom Krieg im Irak sei. "Gaddafi wird stürzen. Die Welt wird an diesem Tag einen ihrer schlimmsten Tyrannen los sein. Und Frankreich wird am Ursprung dieses Sturzes gestanden haben, dieses, wenn man es so nennen kann, Gegenstücks zum Krieg im Irak. Ich sehe hier ausschließlich Gründe zur Freude. Ich spreche vom Gegenstück, weil es diesmal keine Bodentruppen gibt. Dafür internationale Rechtmäßigkeit sowie ein Mandat der arabischen Liga. Und schließlich die Existenz eines Nationalen Übergangsrates (CNT), also einer alternativen legitimen Instanz, die im Irak fehlte."

Magazinrundschau vom 08.03.2011 - La regle du jeu

Der französische Theaterregisseur Jean-Louis Martinelli hat in Teheran, wo er eine Meisterklasse gab, Jafar Panahi getroffen. Der iranische Regisseur wartet nach seine Verurteilung zu sechs Jahren Gefängnis im Dezember letzten Jahres auf den Fortgang der Ereignisse: "Ich lebe in der schlimmsten aller Situationen. Jeden Moment kann man kommen und mich ins Gefängnis werfen. Ich weigere mich, mit Freunden zu telefonieren, aus Angst, sie zu gefährden und bitte sie aus demselben Grund, nicht von mir zu sprechen. Gewiss, ich könnte ins Ausland reisen. Übrigens wird das durch meinen jetzigen Hauarrest wohl bezweckt. Ich bin sicher, das sie die Augen abwenden würden, wenn ich abreisen würde. Aber ich werde es nicht tun." Auf die Frage Martinellis, ob man ihm schadet, wenn man mit ihm spricht, sagt er: "Sprechen Sie, schreiben Sie, so wie Sie können und wollen. Nur so kann ich überleben. Schweigen ist der Tod."
Stichwörter: Panahi, Jafar

Magazinrundschau vom 21.02.2011 - La regle du jeu

Der französisch-tunesische Schriftsteller und Philosoph Mehdi Belhaj Kacem interpretiert den Aufstand in Tunesien als "erste situationistische Revolution" in der Geschichte. "Es handelt sich um eine Revolution, die in der Tradition der Situationisten oder Rancieres steht, nämlich eine Revolution, die direkt vom Volk ausgeht. Bei der leninistischen oder maoistischen 'Revolution' dagegen stellt sich eine Armee an die Spitze und übernimmt die Macht und ersetzt eine Diktatur durch eine andere, ohne den Umweg über 'Demokratie' zu nehmen. Und wie fast immer ist es der gute alte Hegel, der sich die Hände reibt: 'Die Weltgeschichte ist der Fortschritt im Bewusstsein der Freiheit'. Tunesien wird sich unauslöschlich in diese Geschichte einschreiben." Ein zweiter "situationistischer" Aspekt sei die Rolle der neuen Medien: "Wenn die offiziellen Medien eine Lüge erzählten, dauerte es eine halbe Stunde, bis sie von der Zivilgesellschaft Internet widerlegt wurde ... Kurz: Erstmals in der Geschichte sind es die Medien wie Fernsehen, Radio oder Druckpresse, die einem neuen Informationstyp nachrennen, der populär und demokratisch ist."
Stichwörter: Tunesien

Magazinrundschau vom 15.02.2011 - La regle du jeu

Der kanadisch-iranische Informatiker Saeed Malekpour sitzt seit Oktober 2008 wegen angeblicher Erstellung und Verbreitung einer pornografischen Website im Iran in Haft, im Dezember 2010 wurde er deshalb zum Tode verurteilt. In einem ebenso ausführlichen wie erschütternden Brief schildert er seine Haftbedingungen und die Foltermethoden, mit denen man ihn zu - falschen - Geständnissen zwang. "Die körperlichen Folterungen waren nichts verglichen mit den psychischen Qualen. Ich musste lange Zeit in Einzelhaft verbringen (insgesamt mehr als ein Jahr), ohne jegliches Telefonat oder die Möglichkeit, meine Verwandten zu sehen; verbunden war das mit ständigen Drohungen, meine Frau und meine Familie zu verhaften und zu foltern, sollte ich nicht kooperieren ... In der Einzelhaft hatte ich keinerlei Zugang zu Büchern oder Zeitungen und manchmal habe ich tagelang mit keinem Menschen gesprochen." (Mehr über Saeed Malekpour hier und hier)
Stichwörter: Folter

Magazinrundschau vom 21.12.2010 - La regle du jeu

Wikileaks ist nicht demokratisch, sondern diktatorisch, behauptet der Schriftsteller Yann Moix. Demokratie habe nicht das Geringste mit Transparenz zu tun. Vielmehr sei "Transparenz eine totalitäre Obsession. Sie ist das Paradies, der Horizont von faschistischen Regimes und Diktaturen ... Wikileaks bricht den Gesellschaftsvertrag Rousseaus und der Aufklärung. Es ist antidemokratisch, weil plötzlich ein Mensch, eine Organisation, eine Menschen-Organisation beschließt, nicht mehr mitzuspielen, aus der Formation auszuscheren. Ohne die Ermächtigung (oder die Legitimität) derjenigen zu besitzen, die uns regieren, im Wesentlichen aber repräsentieren, stellt es sich mit ihnen auf eine Ebene und auf gleiche Höhe. Damit beleidigt Wikileaks nicht die Staaten, sondern die Menschen, die diese Staaten repräsentieren. Wir sind es, die beleidigt werden - in unserer Demokratie, in unserer Freiheit, in unserer Einwilligung."

Magazinrundschau vom 14.12.2010 - La regle du jeu

Auch Frankreich hat seine Buchverbotsstreits: Der Schriftsteller Regis Jauffret hat im März den Roman "Severe" (auf Deutsch: "Streng") veröffentlicht, in dem er Motive des spektakulären Mords an dem französischen, 2005 von seiner Geliebten erschossenen Bankier Edouard Stern [mehr hier] verarbeitet. Jetzt klagt dessen Familie auf ein Verbot des Buchs, was wiederum SchriftstellerkollegInnen - darunter Frederic Beigbeder, Michel Houellebecq und Jonathan Littell - zu einem Verteidigungsaufruf veranlasste. Darin heißt es unter anderem: "Seit dem Mord sind viele vorgeblich dokumentarische, für das Opfer häufig beleidigende Artikel und Bücher erschienen, die nie eine Klage nach sich zogen. Das zweifelhafte Privileg eines solchen Angriffs und des Rufs nach einem Verbot blieb seltsamerweise einem fiktiven Werk vorbehalten ... Mit dieser Verbotsforderung macht man das Verbrechen nicht ungeschehen, sondern begeht ein weiteres - am Geist."

Die Kritik reagierte zwiespältig auf den Roman. Aber Minh Tran Huy erinnerte im Magazine litteraire schon im März daran, dass Jauffret große Vorbilder hat: "'Severe' stellt sich viel weniger in die von dem fait divers um Stern vorgegebene Linie als in eine Tradtion von Schriftstellern, die alle von tatsächlichen Mordgeschichten ausgegangen sind - von Flaubert und Stendhal bis hin zu Truman Capote und Emmanuel Carrere."

Magazinrundschau vom 03.08.2010 - La regle du jeu

Laurent David Samama greift eine Meldung des Radio Free Asia über die nordkoreanische Fußballnationalmannschaft auf. "Obwohl sie sich trotz dreier Niederlagen bei der Weltmeisterschaft keineswegs blamiert hat, ist sie gleich nach ihrer Rückkehr nach Pjöngjang einberufen worden, um einen offiziellen Tadel entgegen zu nehmen. Nach chinesischen Quellen soll sich die Szene in einem großen Saal des Kulturpalastes zugetragen haben, wo eine 'große Debatte' anberaumt wurde. Auf einer Tribüne stehend, unter den missbilligenden Blicken der 400 Anwesenden, musste die Mannschaft sich der Kritik der Offiziellen, Kommentatoren und Studenten stellen. Nach sechs Stunden staatlicher Zurechtweisung war der Urteilsspruch gnadenlos: Die Mannschaft hat im ideologischen Kampf versagt."
Stichwörter: Pjöngjang