Magazinrundschau - Archiv

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Magazinrundschau vom 03.05.2022 - Eurozine

Javor Siderow erzählt vom schweren Kampf der neuen bulgarischen Regierung unter Kiril Petkow gegen die Korruption im Lande. Lange Zeit litt das Land unter dem Regime Bojko Borissows, der wie Viktor Orban ein Liebling der Europäischen Volkspartei war. Der russische Einfluss im Land ist drückend. Aber immerhin: "Die Regierung Petkow war bei der Verringerung der russischen Energieabhängigkeit wesentlich entschlossener als die Regierung Borissow. Eine Pipeline nach Griechenland, die den Zugang zu billigem Gas aus Aserbaidschan ermöglichen und damit die Schlinge um Gazprom lockern soll, wird eilig fertiggestellt. Vor der russischen Invasion in der Ukraine erklärte der stellvertretende Premierminister und Finanzminister Asen Vassilev, dass Bulgarien in die Kernenergie investieren werde, und das Land unterstützte den französischen Antrag, Kernenergie im Hinblick auf den bevorstehenden Green Deal der EU für 'grün' zu erklären. Laufende Verträge werden eingehalten, aber es werden keine neuen Geschäfte mit Gazprom abgeschlossen, bis der Krieg in der Ukraine beendet ist."

Magazinrundschau vom 26.04.2022 - Eurozine

Seit 1990 arbeiten belarusische Intellektuelle an einer kritischen Dekonstruktion des russischen Imperialismus, schreibt der Lyriker und Philosoph Ihar Babkou in einem von Eurozine übernommenen Artikel bei Dekoder. Dabei rekurrieren sie auch auf postkoloniale Theorien, denn eigentlich gründe die ideologische Doktrin der "russischen Welt" auf einem postkolonialen Verhältnis Russlands zu den osteuropäischen Nachbarstaaten. Babkou fordert, diese Stimmen auch in Westeuropa endlich wahrzunehmen: "Die heutige 'Russische Welt' umfasst Praktiken des brutalen und aggressiven Neoimperialismus, die vor allem gegen die direkten Nachbarstaaten gerichtet sind. Sie trägt aber auch eine allgemeine 'geopolitische' Vision von der ganzen Welt in sich. Die Vorstellung von einer Zukunft der Menschheit, in der starke Herrscher effektiv und straffrei Ressourcen und Territorien unter sich aufteilen. Die wichtigste konzeptionelle Emotion, die der 'Russischen Welt' zugrunde liegt, ist die postkoloniale Haltung eines Beleidigten, die an die Oberfläche tritt als ein 'Warum mag man Russland nicht', 'Warum werden Russlands Interessen nicht berücksichtigt' und 'Warum haben sie Russland vergessen'. Daher sind die Kriege an der Peripherie und die Destabilisierungsversuche der globalen Ordnung nur als Instrumente von Bedeutung, um Russlands Eintritt in die schöne neue Welt zu ebnen, in der es auch 'Rechte haben' wird. Recht auf Krieg. Auf Lügen. Auf Mord und Inhaftierung kritischer Stimmen. Auf zynisches Ignorieren der öffentlichen Meinung. Auf eine Welt, in der mit Russland 'gerechnet werden' muss."

Magazinrundschau vom 15.03.2022 - Eurozine

"Ich bin der Gefangene eines Weges, den ich nicht gewählt habe", zitiert Andreas Kossert in einem Essay über das Weggehen den französischen Schriftsteller Léon Werth und macht klar, dass Fliehen Verlust bedeutet, nicht Verzicht (wir rückübersetzen aus dem Englischen): "Am Ende kommen alle Geflüchteten und Vertiebenen irgendwo an. Sie halten an dem fest, was ihnen gehört, gegen die reservierte oder offen feindselige Gesellschaft, die sie empfängt, egal ob im Transit oder bei der Aufnahmeprozedur, Lagerhierarchien, Unterkünften und neuen sprachlichen oder kulturellen Umgebungen. Das erfordert emotionale Anstrengung, denn ihre Flucht und das Zurückgelassene, bleibt bei ihnen, auch wenn sie versuchen, ein neues Leben aufzubauen. Ankommen ist immer ein fortlaufender Prozess. Aber es ist vielsagend, wie materialistisch unsere Idee von einem neuen Leben ist. Wenn Menschen flüchten, können sie meistens nicht mehr retten als ihre Leben und ihre körperliche Unversehrtheit."
Stichwörter: Werther

Magazinrundschau vom 15.02.2022 - Eurozine

Nein, sie habe keine Koffer gepackt, erklärt die Journalistin Angelina Kariakina, es wird in der Ukraine allerdings sehr viel über die gepackten Koffer gesprochen, allein weil die westlichen Medien ständig danach fragen. Die meisten Menschen haben für den Fall einer großen Invasion ein Notfall-Protokoll, schließlich befinde sich die Ukraine seit acht Jahren im Krieg mit Russland befinde, aus jedem Haushalt habe mindestens ein Mann an der Front kämpfen müssen. Doch die militärische Bedrohung sei nicht das Einzige: "Russlands Strategie besteht darin, mit hunderttausend Mann säbelrassend vor den Toren der Ukraine , die Demokratie des Landes zu unterminieren. Und auch wenn dieses Mal der Einsatz höher ist als jemals zuvor, kann man kaum sagen, dass eine Invasion unvermeidlich sei. In Wahrheit zerstören Polarisierung und Misstrauen eine Gesellschaft, ohne dass überhaupt ein einziger Schuss abgefeuert werden muss. Nach acht Jahren Krieg sind Russlands Soziale Medien und Fernsehsender in der Ukraine zwar verboten, aber die russische Propaganda findet trotzdem ihren Weg in die Öffentlichkeit. Ihr großes Narrativ, dass die Ukraine ein gescheiterter Staat sei, vom bösartigen Westen beherrscht, entspricht dem Weltbild einiger Menschen, das sich leicht in Verschwörungstheorien und allgemeines Misstrauen auswächst. Deshalb muss es ebenso sehr die Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts und der bürgerlichen Teilhabe gehen wie um die Aufrüstung der Armee."

Der Sheffielder Politikwissenschaftler Peter J. Verovšek verteidigt in der Grundrechtsdebatte zur Pandemie Jürgen Habermas, der in den Blättern für deutsche und internationale Politik den Solidaritätspflicht der Staatsbürger über die Freiheitsrechte der Privatperson gestellt hatte und dafür von Andreas Rosenfelder in der Welt beschuldigt wurde, er rede einer Corona-Diktatur das Wort (unser Resümee).

Magazinrundschau vom 25.01.2022 - Eurozine

Slavenka Drakulić bringt - vorerst nur auf Kroatisch - ihre Essays zu feministischen Themen heraus. Zsófia Lóránd erzählt den Werdegang der erst seit den Neunzigern auch in Deutschland bekannten Autorin. Der Feminismus entstand im damals noch ungeteilten Jugoslawien fast gleichzeitig wie hierzulande. Drakulić gehörte zu den Autorinnen, die Gloria Steinem oder Simone de Beauvoir in Jugoslawien bekannt machte. Drakulić musste sich gegen etwas wehren, dass auch ihren Kampfgenossinnen in anderen Ländern nicht fremd war, und das sie mit der kroatischen Wortschöpfung "Mudologija" fest in den Griff nahm: "die Sprache der Eier". In Jugoslawien sprach die "Mudologija" sozialistisch. Die Funktionäre glaubten, die Frauenfrage längst gelöst zu haben und geißelten darum die "Todsünden des Feminismus"(darauf spielt der Titel ihrer Essaysammlung "Die Todsünde des Feminismus" an). Aber der Marxismus konnte den Feminismus nicht denken: "Die Konzentration auf Klasse bringt die entscheidenden Fragen nicht auf den Tisch: Wir brauchen Feminismus, um bestimmte Themen überhaupt erst zu Themen der politischen Debatte zu machen. Die offizielle Politik der 'Frauenfragen' sprach nicht über Prostitution, Vergewaltigung, häusliche Gewalt, unbezahlte Hausarbeit oder Sexismus in der Bildung. Dabei geht es genau hier um Leben und Tod von Frauen."

Magazinrundschau vom 18.01.2022 - Eurozine

Russlands Kreml-treue Intellektuelle zeichnen gern das Zerrbild eines dekadenten Europas, das von Kulturkämpfen und Identitätsschnickscnack besessen ist. In einem aus der ukrainschen Zeitschrift Krytyka übernommenen Artikel zeichnet Igor Torbakow nach, wie damit die Abkehr von Europa generell eingeleitet wurde: "Für Dmitri Trenin, den Direktor des Carnegie Moskau Center, ist Europa nicht länger das Ursprungsland oder 'heilig', nicht einmal ein Freund. Für das heutige Russland, meint er, sei es nur ein Nachbar unter vielen, Teil eines größeren Eurasiens, das sich von Irland bis Japan erstreckt. Das strategische Ziel enger Zusammenarbeit und politischer Allianzen mit Europa - eine Vorstellung, die liberale Intellektueller und Politiker in Russland in den neunziger Jahren vorschwebte - wird inzwischen als nicht praktikabel angesehen, wenn nicht gar als schädlich. Russlands Fortschritt wird nicht mehr an seinen Bindungen zu Europa gemessen. Timofeo Bordatschew, ein bekannter Kommentator in Moskau, meint, dass Russland 'nur noch vorankommt, wenn es es einen bedeutenden, vielleicht sogar den zentralen Part seines Erbes hinter sich lässt: den europäischen Charakter russischer Staatlichkeit'. Europa als Quelle der Innovation wird abgeschrieben. 'Alles, was wir von Europa brauchten, haben wir bekommen', schreiben der Politwissenschaftler Sergei Karaganow und gleich gesinnte Analysten wie in einem Geschäftsbericht. 'Alles andere', meinen sie, ' haben wir entweder schon oder können es nicht bekommen: historisch ist Russland ein autoritärer Staat... Es ist an der Zeit, sich nicht mehr dafür zu schämen, dass wir historisch einem autoritären System verbunden sind, nicht der liberalen Demokratie.'"

Anastassiya Schacht kann sich noch keinen Reim auf die Ereignisse in Kasachstan machen. Nach den Protesten hat Präsident Tokajew nicht nur die Regierung gefeuert, sondern auch hochrangige Militärs verhaften lassen: "Geht es um Proteste, die in Gewalt umschlugen und von den Behörden rigide niedergeschlagen wurden? Das würde bedeuten, dass die kasachische Führung in Panik geraten war - das wäre möglich, auch wenn dies nicht die ersten Proteste im Land waren. Diese Interpretation erklärt nicht die drastischen Maßnahmen an der politischen und militärischen Spitze. Sie erklärt auch nicht, warum sich die kasachischen Sender beharrlich weigern, die Hauptstadt mit ihrem neuen Namen Nur-Sultan zu bezeichnen - nach dem langjährigen Ex-Machthaber Nasarbajew. Tokajew äußert sich stets sehr vorsichtig, wenn es um die Macht der Oligarchen geht, doch jetzt verband er erstmals Nasarbajews Namen mit Kräften, die unrechtmäßig und exzessiv politische und ökonomische Macht angehäuft hätten. In einer Rede am 11. Januar rief Tokajew diese Kräfte auf, ihren Teil zu nationalen Ökonomie beizutragen. Solche Äußerungen legen die Vermutung nahe, dass hier ein Machtwechsel vollzogen wird, und dass Nasarbajews Verbündete nun entweder dem neuen Präsidenten ihre Loyalität beweisen müssen oder im Gefängnis landen werden. Unklar bleibt, ob sie versucht hatten, mit einem Coup ihre Macht zu sichern oder die Proteste für ihre Zwecke gekapert haben. Andererseits kann Tokajew die Proteste auch genutzt haben, um seine Vormachtstellung abzusichern."

Magazinrundschau vom 14.12.2021 - Eurozine

Der Kreml will die russische Menschenrechtsorganisation Memorial auflösen. Der amerikanische Historiker Timothy Snyder weiß genau, warum die noch von Andrei Sacharow und Arseni Roginski gegründete Gruppe der russischen Regierung ein Dorn im Auge ist und warum uns das auch im Westen interessieren sollte: Die Historiker von Memorial haben Fakten gesammelt, sie widersetzen sich dem Narrativ, der eingängigen, sinnstiftenden Erzählung: "Demokratie braucht Reflexion. Wir fallen leicht auf Geschichten herein, nach denen unsere eigene Gruppe immer recht hatte und die andere immer unrecht. Wenn uns diese Erzählungen erst einmal in Stämme verwandelt haben, folgen wir den Stammesführern, die sie erzählen, anstatt selber zu denken. Demokratie heißt, dass das Volk herrscht, aber um dies tun zu können, braucht es das Werkzeug, um die Lügen der Mächtigen zu durchschauen. Reflexion erfordert Fakten, und an die heranzukommen ist schwerer als es scheint. In der Sowjetunion gaben die Dissidenten ein ethisches und praktisches Beispiel, wie man vorgeht: Kümmere dich nicht um die Propagandageschichten, zumindest nicht am Anfang. Interessiere dich für die grundlegenden Fakten. Finde die Namen der Verfolgten heraus, halte die Details ihrer Prozesse fest, ihrer Verhöre, ihrer Urteile, ihre Haft in den Lagern. Schreib alles nieder, und zieh dann die Konsequenzen. Auch die kleinen Wahrheiten sind das Risiko wert. Lass dich dafür selbst verhaften und vertrau darauf, dass andere deinen Namen aufschreiben."

Außerdem: Belarus braucht eine Idee seiner Zukunft, befindet Aleksey Bratochkin mit Blick auf verdampfte sowjetische und nationale Utopien.

Magazinrundschau vom 30.11.2021 - Eurozine

In einem Artikel aus The New Humanist erinnert Miranda Forsyth daran, dass in etlichen Ländern der Welt der Vorwurf der Hexerei noch immer Tausende von Opfern fordert: Das Witchcraft and Human Rights Information Network listet für die vergangenen zehn Jahre 5.250 Morde und 14.700 Mordversuche auf, vor allem in Papua-Neuguinea, Indien und afrikanischen Ländern. Was dagegen tun? "Ein erster Schritt muss ein besseres Verständnis sein. So wird beispielsweise oft angenommen, dass die Hauptopfer von Hexenjagden marginalisierte Frauen sind, während es in Wirklichkeit viele Kategorien von Opfern gibt. In Papua-Neuguinea sind Frauen und Mädchen in den Highlands die Hauptopfer, während in Bougainville eher Männer angeklagt werden. In manchen Gegenden ist es der 'Poisenman', der seine Zauberkraft ausübt, indem er Substanzen in weggeworfene Haare oder Fingernägel einstreut, während in anderen Gegenden eine 'Sanguma' ('Hexe') dafür bekannt ist, das Herz ihres Opfers zu 'essen'. Wie ein Virus mutieren diese Erzählungen, um sich an neue Bedingungen anzupassen, wie die wachsende Zahl von Geschichten über 'Sanguma', die Mobiltelefone benutzen, zeigt. Die Armen und Ausgegrenzten sind oft das Ziel, aber auch die wirtschaftliche oder politische Elite. Der Vorwurf der Hexerei kann ein sehr wirksames Instrument der Machtlosen sein, da es schwierig ist, sich dagegen zu wehren."

Magazinrundschau vom 26.10.2021 - Eurozine

Timothy Snyder unterhält sich mit Myroslaw Marynowytsch, der gerade die "Memoiren eines ukrainischen Dissidenten" veröffentlicht hat. Sechs Jahre verbrachte er unter Breschnew in Lagerhaft. Dissident sein in der Ukraine war nicht ganz das gleiche wie Dissident sein in Moskau, erzählt er unter anderem. Zwar gab es überall Helsinki-Gruppen, aber in der Ukraine oder in den baltischen Staaten war mit der Dissidenz auch der Wunsch nach Souveränität verbunden. Eine Szene macht deutlich, warum: "Jedes Bestreben, das Ukrainische zu bewahren, wurde als die schwerste Sünde nationalistischer Ukrainer angesehen. Wenn zwei junge Männer - ganz zu schweigen von einer größeren Gruppe von Menschen - offen und ohne Hemmungen Ukrainisch sprachen, wurde das an sich schon als Rebellion empfunden. Ich kann mich noch gut an die strengen Blicke meiner Kiewer Mitbürger in öffentlichen Verkehrsmitteln oder auf der Straße erinnern. Sie versuchten, sich von uns zu distanzieren, weil sie Angst hatten."

Magazinrundschau vom 19.10.2021 - Eurozine

Bryan Fanning hat ein Buch über drei Wege zum Sozialstaat geschrieben: Liberalismus, Sozialdemokratie und Christdemokratie ("Three Roads to the Welfare State: Liberalism, Social Democracy and Christian Democracy"). In seinem Artikel für Eurozine befasst er sich mit einem vermeintlichen vierten Weg, einst von führenden Politikern und Intellektuellen weltweit propagiert - die Eugenik: "Zu den intellektuellen Verfechtern der negativen Eugenik gehörten der Schriftsteller HG Wells, prominente Mitglieder der Fabian Society wie Beatrice und Sidney Webb, William Beveridge, der zum Architekten des britischen Wohlfahrtsstaates wurde, Pioniere der reproduktiven Rechte der Frauen wie Annie Besant und Marie Stopes und die schwedischen sozialdemokratischen Intellektuellen Alva und Gunnar Myrdal. Sie alle teilten die Überzeugung, dass Wissenschaft und Technokratie die Gesellschaft zum Besseren gestalten können, obwohl die meisten (mit Ausnahme von Wells und Stopes) keinen wissenschaftlichen Hintergrund hatten. In Großbritannien förderte die Fabian Society das Ideal einer staatlich regulierten Gesellschaftsordnung, geleitet von professionellen Experten. Die Sozialpolitik würde künftig nicht mehr versuchen, Armut, Kriminalität, Alkoholismus, Geisteskrankheit oder Illegitimität durch das im 19. Jahrhundert erweiterte System von Arbeitshäusern, Gefängnissen und Irrenanstalten zu bekämpfen. Stattdessen sollten soziale Probleme durch die Anwendung von Expertenwissen von Ärzten, Psychiatern, Akademikern, Sozialarbeitern, Kriminologen und anderen Spezialisten gelöst werden." Eugenische Gesellschaften entstanden in fast allen Ländern der westlichen Welt. "Versuche, negative Eugenik zu institutionalisieren, fielen mit der Entstehung von Wohlfahrtsstaaten mit Gesundheitsministerien oder einer gleichwertigen Infrastruktur zusammen, die eine Überwachung der sogenannten Schwachsinnigen in Schulen, Krankenhäusern und Gefängnissen möglich machte. In den USA wurde die Sterilisation von Menschen erstmals als Form der Bestrafung von Verbrechen wie der Prostitution verwendet. Das erste eugenische Sterilisationsgesetz in den USA wurde 1897 im Bundesstaat Michigan eingeführt, allerdings nicht in Kraft gesetzt. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts ist jedoch in Kansas und Indiana die Praxis der (illegalen) Sterilisierung von 'schwachsinnigen und idiotischen' Häftlingen dokumentiert." In vielen Staaten, auch außerhalb der USA galten eugenische Gesetze teilweise bis in die Siebziger.