
Der Medienwissenschaftler
Peter György ist schockiert über die "Skandal-Verleihung" des von der
Deutschen Bank gesponserten Kandinsky-Preises an den nationalistischen Künstler
Alexej Beljaew-Gintowt (ob er nun links- oder rechtsnationalistisch ist, da scheiden sich die Geister). György findet, dass - wenngleich sich hier zunächst so mancher Kurator im Irrgarten jener Kunst verlaufen haben mag, die ihr postmodernistisches
Spiel mit der sozialistischen Vergangenheit treibt - an solchen Preisen grundsätzlich etwas faul ist: "Wenn die heutige Avantgarde nunmehr nicht im Gegenwind, sondern mit den
Geldern der Deutschen Bank und im Milieu der Oligarchen und der Milliardäre agiert, müssen Begriff, Taktiken und Bedeutung des Freiheitskampfes neu formuliert werden... Es ist peinlich, aber es hat sich herausgestellt, dass der
Kandinsky-Preis lediglich ein Spielzeug der neuen Elite und damit nur
ein Teil des Systems ist".
Eine
lebhafte Schilderung (auf Englisch) der
Proteste gegen die Preisverleihung an Beljaew-Gintowt findet man bei den Links-Internationalisten von
Chto Delat (Was tun), ebenso einen
Offenen Brief der Gruppe
Vpered (Forward!) Socialist Movement, die die Indifferenz der
Sponsoren, der
Jury (Kunsthistorikerin Ekaterina Bobrinskaja,
Valerie Hillings vom Guggenheim Museum,
Andrej Jerofejew, damals noch Leiter der Tretjakow-Galerie,
Friedhelm Hütte von der Deutsche Bank Kunst,
Jean-Hubert Martin von den Französischen Nationalmuseen und
Alexander Borovsky vom Russischen Museum in St. Petersburg) und den Autoritarismus des russischen
Magazins ArtKronika aufs Korn nimmt. Das englische Kunstmagazin
Frieze fand die Auszeichnung Beljaew-Gintowts in Ordnung: Der Mann sei zwar kein besonderer Künstler und Faschist sei er auch, aber als
Botschafter der Putinära sei er perfekt. Neben Beljaew-Gintowt wurde auch die
PG Group mit einem Preis ausgezeichnet. Sie hatte laut
Bloomberg einen
besonders aparten Auftritt bei der Galaveranstaltung: "To receive the award, the three young men that comprise the group came on stage wearing ski masks, announcing themselves to be the Moscow representatives of Somali pirates. 'The future belongs to people in masks,' one member of the group said, to a stunned audience. 'Your fat-cat lifestyle
will soon end and then
you'
ll all be hung up high.' 'We're not joking,' he added. Silence descended on the room, followed by meek applause."
In ihrem Internetmagazin lehnt die
Deutsche Bank Kunst jedoch alle revolutionären Gesten ab: der
Bericht über die Veranstaltung erwähnt
weder die Proteste
noch den politischen Hintergrund der ausgezeichneten Künstler.
Friedhelm Hütte hat inzwischen erklärt, er bedauere, dass er für Beljaew-Gintowt gestimmt habe.