
Zum 70. Jahrestag des
Hitler-Stalin-Pakts wurde im staatlichen russischen Fernsehsender Rossija ein "Dokumentarfilm" ausgestrahlt, in dem russische Historiker Polen für den Ausbruch des Zweiten Weltkriegs verantwortlich machen: Polen habe die "helfende Hand" der Sowjetunion abgelehnt, die dann, mit ihrem Vorhaben einer antifaschistischen Koalition allein gelassen, zu diesem "
genialen diplomatischen Schritt" (dem Pakt) "gezwungen" gewesen sei. Der
Historiker Miklos Mitrovits sieht diese neuerliche Haltung im Kontext jenes Russlands, das in den Klub der Großmächte zurückgekehrt ist und nun das imperiale Bewusstsein wiederbeleben will: "Laut Polen ist es unabdingbar, dass die polnisch-russischen Beziehungen auf der vollen historischen Wahrheit und dem Eingestehen vergangener Fehler basieren. Die andere Seite sieht es genau umgekehrt. Die derzeitige russische Politik und die 'Geschichte-Macher' sprechen die
einstige sowjetische Führung von fast jeder Verantwortung hinsichtlich des Krieges frei. Sie haben recht, wenn sie sagen, dass die Ereignisse in einem breiteren Kontext interpretiert werden können und müssen – dies kann aber nicht bedeuten, dass wir uns aus der historischen Verantwortung stehlen, indem wir die Verbrechen anderer hervorheben. [...] Wir sind hier Zeugen sowohl der
imperialen Machtdemonstration als auch von Positionskämpfen, während die Geschichte weiterhin die Magd der Politik bleibt."
Dem australischen Medienmogul
Rupert Murdoch, der die Internet-Seiten seiner News Corporation nicht mehr unentgeltlich anbieten will, wird vorgeworfen, den
freien Fluss der Information weitestgehend kontrollieren zu wollen. Dabei könnten seine Kritiker in diesem Fall im Unrecht sein,
findet Janos Szeky: "Wenn die Presse vom Staat kontrolliert wird und sich eine Vielzahl von Amateuren am Markt beteiligt, kann eine offene oder verdeckte politische Beeinflussung durch nichts mehr verhindert werden. Man kann Murdoch für seine Raubtier-Strategie zwar beschimpfen, aber es gibt einen Fall, in dem es ihm zu verdanken war, dass die Meinungsfreiheit auch unter autoritären Verhältnissen zu einem gewissen Grad erhalten blieb. [Der Fall des Imedi-Fernsehens in
Georgien.] Es kann sein, dass das Vorhaben, Nachrichtenangebote nur noch kostenpflichtig anzubieten, für die News Corp. nach hinten losgehen wird. Doch dass die
öffentlich-rechtlichen Medien Garanten der Qualität seien, ist ebenfalls nicht in Stein gemeißelt – wie auch der im Internet rumhängende und seine Text- oder Multimedia-Funde
hochladende Amateur nicht der Garant der Wahrheit ist. Der aufrichtig funktionierende Markt ist immer noch die zuverlässigste Quelle der Wahrheit und der Freiheit."