Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Literatur

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 21.05.2025 - Literatur

Gestern zirkulierte auf Twitter die Meldung, dass der Berufungsprozess gegen Boualem Sansal noch am Tag selbst stattfinden sollte. Nun nennt Youcef Khedim, Korrespondent des algerisch-französischen Portals rupture-mag.fr, dass die Verhandlung auf den 24. Juni verschoben wurde. Das Urteil wird für den 1. Juli erwartet. Der Staatsanwalt war in Berufung gegangen, weil ihm die fünf Jahre Haft, die Sansal für seine Meinungsäußerung erhalten hatte, zu wenig waren - aber auch Sansal selbst soll in Berufung gegangen sein. Khedim zieht aus den neuen Daten eine gewisse Hoffnung: "Zu den Terminen des Berufungsverfahrens ist anzumerken, dass der von uns angekündigte Termin für die Urteilsverkündung am 1. Juli aufschlussreich für den weiteren Verlauf der Ereignisse sein kann, wenn man bedenkt, dass vier Tage später, am 5. Juli, der algerische Nationalfeiertag ist, an dem es üblich ist, dass Gefangene vom Präsidenten begnadigt werden." Das Urteil wäre dann rechtskräftig, erst dann ist auch eine Begnadigung möglich.

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Im Perlentaucher stellt Angela Schader in einem "Vorwort" den afroamerikanischen Autor William Gardner Smith vor, dessen Roman "Gesicht aus Stein" demnächst auf Deutsch erscheint. Smith lebte in den 50er und 60er Jahren in Paris, das ihm weniger rassistisch erschien als sein Heimatland. Doch auch Frankreich verlor für ihn Anfang der 60er viel von seinem Glanz: "Grund war der eskalierende Konflikt zwischen der Kolonialmacht und der algerischen Befreiungsbewegung; Smith realisierte, dass die Grande Nation gegenüber den Arabern praktisch dieselben Mechanismen der Diskriminierung und Repression einsetzte, denen er mit seinem Weggang aus den USA hatte entkommen wollen. In Frankreich gipfelte die Gewalt im 'Massaker von Paris' vom 17. Oktober 1961", bei dem die Polizei mehrere hundert Demonstranten tötete. "Den staatlichen Gewaltakt überträgt Smith mit leicht veränderter Datumsangabe ins Schlusskapitel seines Romans. Er mag dessen dramatischer Höhepunkt sein, aber die interessanteste Bewegung findet auf einer breiter ausgesteckten Ebene statt. Als Hauptfigur schickt der Autor Simeon Brown vor, dessen Geschichte er eigene Erfahrungen einschreibt - nicht nur den Weg von der Euphorie zur Ernüchterung in Paris, sondern auch frühere, gewaltsame Konfrontationen mit dem amerikanischen Rassismus."

Weiteres: Die indische Autorin und Frauenrechtsaktivistin Banu Mushtaq und ihrer Übersetzerin Deepa Bhasti wurden für die Kurzgeschichtensammlung "Heart Lamp" gestern Abend mit dem International Booker Prize ausgezeichnet, meldet die FAZ. In der FAZ gratuliert Andreas Platthaus dem Schriftsteller Matthias Politycki zum 70. Geburtstag.

Besprochen werden unter anderem Luz' Comic "Zwei weibliche Halbakte" (NZZ), Ruth Zylbermans "Rue Saint-Maur 209. Ein Pariser Wohnhaus und seine Geschichten" (Standard), Tarjei Vesaass "Frühlingsnacht" (online nachgereicht von der FAS), Andreas Maiers "Der Teufel" (FR), der von Felix Lindner zusammengestellte Zitateschatz "Mit Thomas Mann durch das Jahr" (FR), Tilmann Lahmes Thomas-Mann-Biografie (FAZ) und Urszula Honeks "Die weißen Nächte" (SZ). Mehr in unserer Bücherschau um 14 Uhr.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 20.05.2025 - Literatur

Heute vor hundert Jahren wurde Caroline Muhr geboren. Judith Niehaus ist in der Jungle World höchst erstaunt darüber, dass die feministische Schriftstellerin heute so gut wie vergessen ist. Immerhin bearbeitet "Muhr für gegenwärtige feministische Diskurse höchst relevante Themen wie Sorgearbeit und mentale Gesundheit - und das mit großem Scharfsinn und in einem wohltuend wütenden Stil, der an Autorinnen wie Gisela Elsner oder Elfriede Jelinek denken lässt." Etwa in ihrem Debüt "Depressionen", in dem sie "ihre Krankengeschichte und die Erfahrungen in der Psychiatrie" offenbarte: "Das 'Tagebuch einer Krankheit', so der Untertitel, wurde lebhaft rezipiert, 1975 für einen Fernsehfilm des ZDF verfilmt und anschließend mehrfach neu aufgelegt. In der FAZ erklärte Muhr, dass es ihr 'Motiv war, der Öffentlichkeit klarzumachen, wie einem Menschen zumute ist, der Depressionen hat'. In der eindringlichen Beschreibung ihres Leidens verhandelte sie auch die spezifischen Erfahrungen, die sie als weibliche Patientin in der Psychiatrie gemacht hatte. Weder wurde die Krankheit dort wirklich ernst genommen noch ein Zusammenhang mit der Abwertung der Frau in der Gesellschaft erkannt. 'Was im Leben einer Frau spielt schon eine Rolle außer Ehe, Kinder oder Liebesverhältnis! Bei einem Mann ist das natürlich etwas anderes. Da steht ein ganzes Universum von Krankheitsursachen offen.'"

Außerdem: Ralf Schnell gratuliert im Tagesspiegel der Literaturwissenschaftlerin Christa Bürger zum 90. Geburtstag. Besprochen werden unter anderem Julian Schütts Max-Frisch-Biografie (NZZ), Will und Roswitha Quadfliegs "'Ich will lieber schweigen'. Das Tagebuch eines Schauspielers aus den Jahren 1945/46 und die Fragen seiner Tochter" (FAZ) und Wolfgang Englers Autobiografie "Brüche" (SZ). Mehr in unserer Bücherschau um 14 Uhr.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 19.05.2025 - Literatur

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In der NZZ erzählt Nadine A. Brügger online nachgereicht davon, wie F. Scott Fitzgeralds in neuer Übersetzung vorliegender "Der große Gatsby" sich vom Flop zum Literaturklassiker mauserte. Die Literarische Welt hat Mara Delius' Bericht von ihrer Begegnung mit dem Schriftsteller Graham Swift online nachgereicht. Manfred Rebhandl spricht für den Standard mit der Filmemacherin und Schriftstellerin Doris Dörrie, die eben ein gleichnamiges Buch übers Wohnen veröffentlicht hat.

Besprochen werden unter anderem der Band "Feuerdörfer" mit Zeitzeugenberichten über Wehrmachtsverbrechen in Belarus (NZZ), Pieter Waterdrinkers "Monsieur Poubelle oder: Der Mülleimer der Geschichte" (Intellectures), Georgi Gospodinovs "Der Gärtner und der Tod" (online nachgereicht von der Zeit), Nora Weinelts Essay "Versagen" (FR), Romane von Sara Gmuer und Isabella Straub (Standard) und neue Hörbücher, darunter Jens Wawrczecks Lesung von Robert Blochs "Psycho", der literarischen Vorlage zu Alfred Hitchcocks gleichnamigem Thriller-Klassiker (FAZ). Mehr in unserer Bücherschau um 14 Uhr.
Stichwörter: Belarus

Efeu - Die Kulturrundschau vom 17.05.2025 - Literatur

Hannes Stein ist in der Welt einigermaßen fassungslos darüber, dass Salman Rushdies nun zu 25 Jahren verurteilter Attentäter "kein Gran Reue" zeigt, sondern im Gegenteil sich in seinem Abschlussplädoyer - aus den so üblichen wie dummen Gründen - als Rushdies Opfer darstellt. Der Literaturkritiker Rainer Moritz singt im "Literarischen Leben" der FAZ ein Loblied auf das Auslassungszeichen in der Literatur. Andreas Platthaus schaut sich für "Bilder und Zeiten" der FAZ um, was Dinçer Güçyeter derzeit so macht: Zwar hat der Autor, der 2023 den Preis der Leipziger Buchmesse gewonnen hat, seitdem kein eigenes Buch mehr veröffentlicht - aber dafür ist er umso engagierter als Verleger. In New York hat die Schriftstellerin Dana Vowinckel die Übersetzung ihres Romans "Gewässer im Ziplock" vorgestellt, berichtet Frauke Steffens in der FAZ. "Bilder und Zeiten" dokumentiert die Rede, die die Schriftstellerin Cécile Wajsbrot zur Eröffnung der Ruhrfestspiele Recklinghausen gehalten hat. Außerdem dokumentiert "Bilder und Zeiten" die Laudatio des Verlegers Sebastian Guggolz auf den Schriftsteller Finn Job, der die Alfred-Döblin-Medaille erhalten hat. Derweil dokumentiert die SZ die Eröffnungsrede der Schriftstellerin Yasmina Reza zur Turiner Buchmesse. Im Literaturfeature von Dlf Kultur befasst sich Sven Ahnert damit, wie Malcolm X, der vor 100 Jahren geboren wurde, in der Literatur nachhallt.

Besprochen werden unter anderem Nell Zinks "Sister Europe" (taz), Bela Winkens' "Brief an die Mutter" (taz), Anke te Heesens "Frauen vor Mustern. Ein Bildmotiv und seine Geschichte" (taz), Julian Schütts Max-Frisch-Biografie (TA), Ralf Rothmanns "Museum der Einsamkeit" (FR), Katja Kullmanns "Stars" (Presse), Gesa Olkuszs "Legenden" (Presse), die Wiener Ausstellung "Woher wir kommen. Literatur und Herkunft" (FAZ), Georgi Gospodinovs "Der Gärtner und der Tod" (FAZ) sowie Katharina Zorns und Jasna Fritzi Bauers "Else" (SZ).

In der Frankfurter Anthologie schreibt Helmuth Kiesel über Stefan Georges "Leo XIII":

"Heut da sich schranzen auf den thronen brüsten
Mit wechslermienen und unedlem klirren :
Dreht unser geist begierig nach verehrung ..."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 16.05.2025 - Literatur

Wir freuen uns in eigener Sache: Unsere Perlentaucher Benita Berthmann und Lukas Pazzini legen mit "Bücherbrief live" den ersten Perlentaucher-Podcast vor. Flankierend zu unserem Bücherbrief, der Ihnen jeden Monat die wichtigsten Bücher aus den Feuilletons destilliert, sprechen die beiden über drei ausgesuchte Bücher. Im Auftakt geht es um Tomasz Rozyckis "Die Glühbirnendiebe" und Sara Mesas "Die Familie". Außerdem sprechen die beiden mit Michael Töteberg und Alexandra Vasa über deren Rolf-Dieter-Brinkmann-Biografie "Ich gehe in ein anderes Blau". An dieser Stelle können Sie den Podcast hören, kostenfrei abonnieren und gerne weiterempfehlen.

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"Ich habe mich im Libanon als Exilantin empfunden", sagt die seit 1989 in Paris lebende Schriftstellerin Hoda Barakat im Tagesspiegel-Gespräch mit Gregor Dotzauer. Aber "ich sehe viele Vorteile darin, nirgendwo dazuzugehören", etwa den, "Libanon besser kritisieren zu können". Die arabische Literatur um eine feministische Perspektive erweitert zu haben, nimmt sie als Verdienst nur zögerlich an: "Wenn ich das geschafft habe, dann nicht, weil ich eine Frau bin, sondern weil ich eine gute Schriftstellerin bin. Ich bin keine Feministin, die sich diese Bezeichnung als verkaufsförderndes Etikett selbst anheften würde. Außerdem sind alle meine Romane, mit Ausnahme von 'Hind', aus der Perspektive von Männern geschrieben. Man muss das auch als Aufforderung zum Gedankenspiel sehen: Wo bleiben die Frauen? Das ist meine Art, meiner weiblichen Stimme Gehör zu verschaffen. Wenn ich schreibe, verkleide ich mich nicht als Mann. Ich schreibe als Frau, die keine Grenzen anerkennt. Ich könnte mich, wenn ich es wollte, auch in einen Baum verwandeln."

Seit einem halben Jahr ist Boualem Sansal jetzt in Haft. Libération produziert ihre erste Seite 1 zu diesem Skandal. Pascal Bruckner bringt zugleich ein Buch heraus: "Pour Boualem Sansal" mit Beiträgen von sechzig Autoren.

Weiteres: Erhard Schütz kürt im Freitag die Sachbücher des Monats. Besprochen werden unter anderem Oleg Jurjews "Verse vom himmlischen Drucksatz" (NZZ), Heike Geißlers "Arbeiten" (online nachgereicht von der Welt), Georgi Demidows "Zwei Staatsanwälte" (FR), Christian Grataloups "Die Geschichte der Erde. Ein Atlas" (FR) und Georg Wiesing-Brandes' "'Walter Benjamin: Das Pariser Adressbuch'. Eine Biografie des Exils im Spiegel" (FAZ). Mehr in unserer Bücherschau um 14 Uhr.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 15.05.2025 - Literatur

Boualem Sansal bekommt heute in Abwesenheit den renommierten Jiří-Theiner-Preis des tschechischen Buchhänderverbands, meldet Claus Leggewie im Perlentaucher. Sehr bedauerlich findet es Volker Weidermann in der Zeit, dass das Jerusalem Book Forum in diesem Jahr ausfallen muss. Roman Bucheli berichtet in der NZZ von der Beerdigung des Literaturwissenschaftlers Peter von Matt (hier unser Resümee der Nachrufe auf ihn). Benjamin Stolz empfiehlt in der Presse sechs unheimliche Bücher für den Sommer.

Besprochen werden unter anderem Steffen Kopetzkys "Atom" (FR), Comics von Tara Booth (FAZ.net), Annie Ernauxs "Ich komme nicht aus der Dunkelheit heraus" (Zeit), Lisa Palmes' und Lothar Quinkensteins Neuübersetzung von Bolesław Prus' polnischem Klassiker "Die Puppe" (FAZ) und Patricia und Herta Luegers "Bardame gesucht, Zimmer vorhanden" (SZ). Mehr in unserer Bücherschau um 14 Uhr.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 14.05.2025 - Literatur

In der FAZ gratuliert Nils Kahlefendt dem Schriftsteller Jens Sparschuh zum 70. Geburtstag. Werner van Bebber und Christian Schröder geben im Tagesspiegel Krimi-Tipps für den Frühling.

Besprochen werden unter anderem Barbi Markovićs "Stehlen Schimpfen Spielen" (FR), der Sammelband "Zur Verteidigung der Demokratie" mit politischen Essays von Thomas Mann (Presse), das von Georg Wiesing-Brandes aufbereitete und erforschte Pariser Adressbuch von Walter Benjamin (online nachgereicht von der Welt), Len Howards "Alle Vögel meines Gartens" (FR), Fred Duvals und Ingo Römlings Science-Fiction-Comic "Metropolia" (Tsp), Raquel Erdtmanns "Joseph Süßkind Oppenheimer: Ein Justizmord" (Intellectures) und Friedhelm Marx', Julian Volojs und Magdalena Adomeits Comic "Thomas Mann 1949" (FAZ). Mehr in unserer Bücherschau um 14 Uhr.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 13.05.2025 - Literatur

Andrey Arnold spricht für die Presse mit der Schriftstellerin Barbi Marković über deren Poetikvorlesung "Stehlen, Schimpfen, Spielen" (mehr dazu bereits hier).

Besprochen werden unter anderem Rachel Kushners "See der Schöpfung" (online nachgereicht von der LitWelt), Ocean Vuongs "Der Kaiser der Freude" (Standard), Friedl Benedikts "Warte im Schnee vor Deiner Tür. Tagebücher und Notizen für Elias Canetti" (NZZ), die Comic-Anthologie "Wie geht es dir?" mit sechzig gezeichneten Gesprächen nach dem 7. Oktober 2023 (taz), die Neuübersetzung von F. Scott Fitzgeralds "Der Große Gatsby" (online nachgereicht von der Zeit), Paul Watermanns Debütroman "Moskovian Kinder" (taz) und Hubert Winkels' "'Die Hände zum Himmel'. Über Zufall, Schönheit und den Dorfpfarrer von Gohr" (FAZ). Mehr in unserer Bücherschau um 14 Uhr.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 12.05.2025 - Literatur

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Letztes Jahr erhielt Barbi Marković den Preis der Leipziger Buchmesse. Ihr neues Buch "Stehlen, Schimpfen, Spielen" ist anlässlich einer Poetikvorlesung entstanden. Der Titel bündelt das, was sie am häufigsten tut, sagt sie gegenüber Raffael Leitner im Standard-Gespräch. Das mit dem Stehlen bezieht sich aufs intertextuelle Schreiben, erklärt die Schriftstellerin, deren erstes Werk eine Thomas-Bernhard-Variation war. "Als ich dieses erste Buch mit fünfundzwanzig geschrieben habe, war ich gerade in einer Phase, wo ich nicht sicher war, wer ich literarisch bin. In dieser Übung mit Thomas Bernhard rede ich auch von der Frage des Copyrights, das hat alles eine Rolle gespielt, aber für mich war die Erfahrung interessant - und die gibt mir Mut bis heute - dass ich nicht so leicht verschwinden kann. Sogar wenn ich im Stil eines anderen Menschen rede, komme ich durch, bin ich immer noch genug ich, dass mein Buch irgendwie ein Leben bekommt und anerkannt wird. Das war eine Überraschung. Wir reden immer in Sätzen, die wir schon mal gehört haben. Wenn man genug von sich reinsteckt, kommt trotzdem auch genug Authentisches raus, glaube ich."


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Philipp Kressmann spricht für die Jungle World mit dem französischen Comiczeichner Luz, der dem Anschlag auf Charlie Hebdo nur knapp entkommen ist. Sein neuer Comic "Zwei weibliche Halbakte" erzählt anhand (und aus der Perspektive) von Otto Muellers gleichnamigem Bild die Geschichte der "entarteten Kunst" unter den Nationalsozialisten und die Geschichte einer Restitution von Raubkunst. Die Rede des NS-Funktionärs Adolf Ziegler, der damals die Ausstellung der Nazis zur "entarteten Kunst" eröffnet hat, findet sich in dem Comic fast zur Gänze dokumentiert. "Ich halte es insbesondere heutzutage für wichtig, nachzulesen, was die Nazis von sich gegeben haben", sagt Luz. "Man muss sich nur einmal anschauen, wie AfD-Vertreter in Sachsen-Anhalt über das Bauhaus gesprochen haben. In der Rede von Ziegler findet man dieselbe Sprache. ...  Das Buch ist ja eher historisch, aber dann fühlte es sich eindeutig gegenwärtig an. Es war wie ein Fluch und es wurde immer schlimmer: Denn wir erleben gerade viele Angriffe auf die Kunst, die sich weltweit in vielen illiberalen Staaten ereignen, nun sogar in den USA unter Trump. Dieses Buch wirkt immer aktueller." Der Standard rezensiert den Comic.

Außerdem: Der Deutsche-Bank-Boss unseligen Angedenkens Josef Ackermann wirft für die NZZ unter dem Eindruck des Kryptowährungsbooms einen Blick in Goethes "Faust". Wilhelm von Sternburg erinnert in der FR an Lion Feuchtwangers Roman "Jud Süß", der vor hundert Jahren erschienen ist. Ronald Pohl gratuliert im Standard dem Wiener Literaturort Alte Schmiede zum 50-jährigen Bestehen.

Besprochen werden unter anderem Joyce Carol Oates' "Der Schlächter" (FR), die autobiografische Erzählung "Eine Familie in Brüssel" der Filmemacherin Chantal Akerman (Tsp), Maxim Billers "Der unsterbliche Weil" (Welt), Martin Puchners "Kultur. Eine neue Geschichte der Welt" (NZZ), Gian-Marco Schmids "Abschiede von Mutter" (Standard), Julia Grinbergs "Journal einer Unzugehörigkeit" (Freitag) und Sarah Hübners Comic "Unruhe" (Tsp). Mehr in unserer Bücherschau um 14 Uhr.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 10.05.2025 - Literatur

Wenn sich im Juni der Geburtstag von Thomas Mann zum 150. Mal jährt, würde es sich durchaus lohnen, dessen Schriften und Reden zur Verteidigung der Demokratie neu zu kontextualisieren, schreibt Richard Herzinger im Perlentaucher. In dessen Kritik an der Appeasement-Politik gegenüber Nazi-Deutschland "muss man nur das Wort 'deutsche' durch 'russische' und das Wort 'Nationalsozialismus' durch 'Putin-Regime' ersetzen, um die unheimliche Aktualität der Feststellung Manns zu erkennen, dass "deutsche Forderungen im Munde des Nationalsozialismus niemals dem Frieden, sondern ausschließlich der Machterhöhung und der Verbesserung der Kriegsaussichten gelten', und dass man daher 'mit ihrer Erfüllung nicht dem Frieden, sondern dem Krieg' dient. Auch wenn sich der Putinsche Terrorstaat nicht eins zu eins mit seinen faschistischen und nationalsozialistischen Vorläufern deckt, treffen diese Erkenntnisse doch exakt auch auf ihn zu."

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Außerdem: Thomas David spricht für die FAS mit dem US-Schriftsteller Ocean Vuong über dessen neuen Roman "Der Kaiser der Freude" und die USA unter Trump, den er weniger für eine Ausnahme, sondern gerade "symptomatisch für Amerika" findet. Mara Delius berichtet in der WamS von dem Tag, den sie mit dem Schriftsteller Graham Swift in London verbracht hat. Der Schriftsteller Clemens J. Setz schreibt in der FAZ über das Fazinosum der Webcam bei der Papstwahl, bei der die römischen Möwen dem Schlot samt weißem Rauch irgendwann die Show stahlen. Der Literaturwissenschaftler Sebastian Böhmer erinnert in "Bilder und Zeiten" der FAZ daran, wie August von Kotzebue im April 1800 für ein Jahr ins ferne Sibirien verschleppt wurde, worüber der Schriftsteller schließlich den Band "Das merkwürdigste Jahr meines Lebens" veröffentlichte. In der FAZ gratuliert Sandra Kegel der chinesischen Schriftstellerin Fang Fang zum 70. Geburtstag.

Besprochen werden unter anderem Patrick Modianos "Die Tänzerin" (taz), Anna Melikovas "Ich ertrinke in einem fliehenden See" (NZZ), Tamara Dudas "Donezk Girl" (taz), Heike Geißlers Essay "Arbeiten" (Freitag), Katja Kullmanns "Stars" (taz), Tomasz Różyckis Essay "Feuerprobe" (taz), Warlam Schalamows "Erzählungen aus Kolyma" (FR) und der von Peter Seyferth und Falko Blumenthal herausgegebene (hier via Open Access erhältliche) Band "Science Fiction und Labour Fiction. Zukunftsvorstellungen von Arbeit und Arbeitskämpfen" (FAZ). Mehr in unserer Bücherschau um 14 Uhr.
 
In der Frankfurter Anthologie schreibt Frieder von Ammon über Ernst Jandls "rilke, reimlos":

"rilke
sagte er ..."