Gestern zirkulierte auf Twitter die Meldung, dass der Berufungsprozess gegen Boualem Sansal noch am Tag selbst stattfinden sollte. Nun nennt Youcef Khedim, Korrespondent des algerisch-französischen Portals rupture-mag.fr, dass die Verhandlung auf den 24. Juni verschoben wurde. Das Urteil wird für den 1. Juli erwartet. Der Staatsanwalt war in Berufung gegangen, weil ihm die fünf Jahre Haft, die Sansal für seine Meinungsäußerung erhalten hatte, zu wenig waren - aber auch Sansal selbst soll in Berufung gegangen sein. Khedim zieht aus den neuen Daten eine gewisse Hoffnung: "Zu den Terminen des Berufungsverfahrens ist anzumerken, dass der von uns angekündigte Termin für die Urteilsverkündung am 1. Juli aufschlussreich für den weiteren Verlauf der Ereignisse sein kann, wenn man bedenkt, dass vier Tage später, am 5. Juli, der algerische Nationalfeiertag ist, an dem es üblich ist, dass Gefangene vom Präsidenten begnadigt werden." Das Urteil wäre dann rechtskräftig, erst dann ist auch eine Begnadigung möglich.
Bestellen Sie bei eichendorff21!Im Perlentaucherstellt Angela Schader in einem "Vorwort" den afroamerikanischen Autor William Gardner Smith vor, dessen Roman "Gesicht aus Stein" demnächst auf Deutsch erscheint. Smith lebte in den 50er und 60er Jahren in Paris, das ihm weniger rassistisch erschien als sein Heimatland. Doch auch Frankreich verlor für ihn Anfang der 60er viel von seinem Glanz: "Grund war der eskalierende Konflikt zwischen der Kolonialmacht und der algerischen Befreiungsbewegung; Smith realisierte, dass die Grande Nation gegenüber den Arabern praktisch dieselben Mechanismen der Diskriminierung und Repression einsetzte, denen er mit seinem Weggang aus den USA hatte entkommen wollen. In Frankreich gipfelte die Gewalt im 'Massaker von Paris' vom 17. Oktober 1961", bei dem die Polizei mehrere hundert Demonstranten tötete. "Den staatlichen Gewaltakt überträgt Smith mit leicht veränderter Datumsangabe ins Schlusskapitel seines Romans. Er mag dessen dramatischer Höhepunkt sein, aber die interessanteste Bewegung findet auf einer breiter ausgesteckten Ebene statt. Als Hauptfigur schickt der Autor Simeon Brown vor, dessen Geschichte er eigene Erfahrungen einschreibt - nicht nur den Weg von der Euphorie zur Ernüchterung in Paris, sondern auch frühere, gewaltsame Konfrontationen mit dem amerikanischen Rassismus."
Weiteres: Die indische Autorin und Frauenrechtsaktivistin BanuMushtaq und ihrer Übersetzerin DeepaBhasti wurden für die Kurzgeschichtensammlung "Heart Lamp" gestern Abend mit dem InternationalBookerPrize ausgezeichnet, meldet die FAZ. In der FAZgratuliert Andreas Platthaus dem SchriftstellerMatthiasPolitycki zum 70. Geburtstag.
Besprochen werden unter anderem Luz' Comic "Zwei weibliche Halbakte" (NZZ), RuthZylbermans "Rue Saint-Maur 209. Ein Pariser Wohnhaus und seine Geschichten" (Standard), TarjeiVesaass "Frühlingsnacht" (online nachgereicht von der FAS), AndreasMaiers "Der Teufel" (FR), der von FelixLindner zusammengestellte Zitateschatz "Mit ThomasMann durch das Jahr" (FR), TilmannLahmesThomas-Mann-Biografie (FAZ) und UrszulaHoneks "Die weißen Nächte" (SZ). Mehr in unserer Bücherschau um 14 Uhr.
Heute vor hundert Jahren wurde CarolineMuhr geboren. Judith Niehaus ist in der Jungle Worldhöchst erstaunt darüber, dass die feministische Schriftstellerin heute so gut wie vergessen ist. Immerhin bearbeitet "Muhr für gegenwärtige feministische Diskurse höchst relevante Themen wie Sorgearbeit und mentale Gesundheit - und das mit großem Scharfsinn und in einem wohltuend wütendenStil, der an Autorinnen wie GiselaElsner oder ElfriedeJelinek denken lässt." Etwa in ihrem Debüt "Depressionen", in dem sie "ihre Krankengeschichte und die Erfahrungen in der Psychiatrie" offenbarte: "Das 'Tagebuch einer Krankheit', so der Untertitel, wurde lebhaft rezipiert, 1975 für einen Fernsehfilm des ZDF verfilmt und anschließend mehrfach neu aufgelegt. In der FAZ erklärte Muhr, dass es ihr 'Motiv war, der Öffentlichkeit klarzumachen, wie einem Menschen zumute ist, der Depressionen hat'. In der eindringlichen Beschreibung ihres Leidens verhandelte sie auch die spezifischen Erfahrungen, die sie als weibliche Patientin in der Psychiatrie gemacht hatte. Weder wurde die Krankheit dort wirklich ernst genommen noch ein Zusammenhang mit der Abwertung der Frau in der Gesellschaft erkannt. 'Was im Leben einer Frau spielt schon eine Rolle außer Ehe, Kinder oder Liebesverhältnis! Bei einem Mann ist das natürlich etwas anderes. Da steht ein ganzes Universum von Krankheitsursachen offen.'"
Außerdem: Ralf Schnell gratuliert im Tagesspiegel der LiteraturwissenschaftlerinChristaBürger zum 90. Geburtstag. Besprochen werden unter anderem JulianSchüttsMax-Frisch-Biografie (NZZ), Will und RoswithaQuadfliegs "'Ich will lieber schweigen'. Das Tagebuch eines Schauspielers aus den Jahren 1945/46 und die Fragen seiner Tochter" (FAZ) und WolfgangEnglers Autobiografie "Brüche" (SZ). Mehr in unserer Bücherschau um 14 Uhr.
Bestellen Sie bei eichendorff21!In der NZZerzählt Nadine A. Brügger online nachgereicht davon, wie F. Scott Fitzgeralds in neuer Übersetzung vorliegender "Der große Gatsby" sich vom Flop zum Literaturklassiker mauserte. Die Literarische Welt hat Mara Delius' Bericht von ihrer Begegnung mit dem Schriftsteller GrahamSwift online nachgereicht. Manfred Rebhandl spricht für den Standard mit der Filmemacherin und SchriftstellerinDorisDörrie, die eben ein gleichnamiges Buch übers Wohnen veröffentlicht hat.
Besprochen werden unter anderem der Band "Feuerdörfer" mit Zeitzeugenberichten über Wehrmachtsverbrechen in Belarus (NZZ), PieterWaterdrinkers "Monsieur Poubelle oder: Der Mülleimer der Geschichte" (Intellectures), GeorgiGospodinovs "Der Gärtner und der Tod" (online nachgereicht von der Zeit), NoraWeinelts Essay "Versagen" (FR), Romane von SaraGmuer und IsabellaStraub (Standard) und neue Hörbücher, darunter Jens Wawrczecks Lesung von Robert Blochs "Psycho", der literarischen Vorlage zu Alfred Hitchcocks gleichnamigem Thriller-Klassiker (FAZ). Mehr in unserer Bücherschau um 14 Uhr.
Hannes Stein ist in der Welteinigermaßen fassungslos darüber, dass SalmanRushdies nun zu 25 Jahren verurteilter Attentäter "kein Gran Reue" zeigt, sondern im Gegenteil sich in seinem Abschlussplädoyer - aus den so üblichen wie dummen Gründen - als Rushdies Opfer darstellt. Der Literaturkritiker Rainer Moritz singt im "Literarischen Leben" der FAZ ein Loblied auf das Auslassungszeichen in der Literatur. Andreas Platthaus schaut sich für "Bilder und Zeiten" der FAZ um, was DinçerGüçyeter derzeit so macht: Zwar hat der Autor, der 2023 den Preis der Leipziger Buchmesse gewonnen hat, seitdem kein eigenes Buch mehr veröffentlicht - aber dafür ist er umso engagierter als Verleger. In New York hat die SchriftstellerinDanaVowinckel die Übersetzung ihres Romans "Gewässer im Ziplock" vorgestellt, berichtet Frauke Steffens in der FAZ. "Bilder und Zeiten" dokumentiert die Rede, die die SchriftstellerinCécileWajsbrot zur Eröffnung der Ruhrfestspiele Recklinghausen gehalten hat. Außerdem dokumentiert "Bilder und Zeiten" die Laudatio des Verlegers Sebastian Guggolz auf den SchriftstellerFinn Job, der die Alfred-Döblin-Medaille erhalten hat. Derweil dokumentiert die SZ die Eröffnungsrede der SchriftstellerinYasminaReza zur Turiner Buchmesse. Im Literaturfeature von Dlf Kulturbefasst sich Sven Ahnert damit, wie Malcolm X, der vor 100 Jahren geboren wurde, in der Literatur nachhallt.
Besprochen werden unter anderem NellZinks "Sister Europe" (taz), Bela Winkens' "Brief an die Mutter" (taz), AnketeHeesens "Frauen vor Mustern. Ein Bildmotiv und seine Geschichte" (taz), JulianSchüttsMax-Frisch-Biografie (TA), RalfRothmanns "Museum der Einsamkeit" (FR), KatjaKullmanns "Stars" (Presse), GesaOlkuszs "Legenden" (Presse), die Wiener Ausstellung "Woher wir kommen. Literatur und Herkunft" (FAZ), GeorgiGospodinovs "Der Gärtner und der Tod" (FAZ) sowie KatharinaZorns und JasnaFritziBauers "Else" (SZ).
In der Frankfurter Anthologie schreibt Helmuth Kiesel über StefanGeorges "Leo XIII":
"Heut da sich schranzen auf den thronen brüsten Mit wechslermienen und unedlem klirren : Dreht unser geist begierig nach verehrung ..."
Wir freuen uns in eigener Sache: Unsere PerlentaucherBenita Berthmann und Lukas Pazzini legen mit "Bücherbrieflive" den erstenPerlentaucher-Podcast vor. Flankierend zu unserem Bücherbrief, der Ihnen jeden Monat die wichtigsten Bücher aus den Feuilletons destilliert, sprechen die beiden über drei ausgesuchte Bücher. Im Auftakt geht es um TomaszRozyckis"Die Glühbirnendiebe" und SaraMesas"Die Familie". Außerdem sprechen die beiden mit MichaelTöteberg und AlexandraVasa über deren Rolf-Dieter-Brinkmann-Biografie "Ich gehe in ein anderes Blau". An dieser Stelle können Sie den Podcast hören, kostenfrei abonnieren und gerneweiterempfehlen.
+++++
"Ich habe mich im Libanon als Exilantin empfunden", sagt die seit 1989 in Paris lebende Schriftstellerin HodaBarakat im Tagesspiegel-Gespräch mit Gregor Dotzauer. Aber "ich sehe viele Vorteile darin, nirgendwo dazuzugehören", etwa den, "Libanon besser kritisieren zu können". Die arabischeLiteratur um eine feministische Perspektive erweitert zu haben, nimmt sie als Verdienst nur zögerlich an: "Wenn ich das geschafft habe, dann nicht, weil ich eine Frau bin, sondern weil ich eine gute Schriftstellerin bin. Ich bin keine Feministin, die sich diese Bezeichnung als verkaufsförderndes Etikett selbst anheften würde. Außerdem sind alle meine Romane, mit Ausnahme von 'Hind', aus der Perspektive von Männern geschrieben. Man muss das auch als Aufforderung zum Gedankenspiel sehen: Wo bleiben die Frauen? Das ist meine Art, meiner weiblichen Stimme Gehör zu verschaffen. Wenn ich schreibe, verkleide ich mich nicht als Mann. Ich schreibe als Frau, die keine Grenzen anerkennt. Ich könnte mich, wenn ich es wollte, auch in einen Baum verwandeln."
Seit einem halben Jahr ist BoualemSansal jetzt in Haft. Libération produziert ihre erste Seite 1 zu diesem Skandal. Pascal Bruckner bringt zugleich ein Buch heraus: "Pour Boualem Sansal" mit Beiträgen von sechzig Autoren.
Weiteres: Erhard Schütz kürt im Freitag die SachbücherdesMonats. Besprochen werden unter anderem OlegJurjews "Verse vom himmlischen Drucksatz" (NZZ), HeikeGeißlers "Arbeiten" (online nachgereicht von der Welt), GeorgiDemidows "Zwei Staatsanwälte" (FR), ChristianGrataloups "Die Geschichte der Erde. Ein Atlas" (FR) und GeorgWiesing-Brandes' "'WalterBenjamin: Das Pariser Adressbuch'. Eine Biografie des Exils im Spiegel" (FAZ). Mehr in unserer Bücherschau um 14 Uhr.
Boualem Sansal bekommt heute in Abwesenheit den renommierten Jiří-Theiner-Preis des tschechischen Buchhänderverbands, meldet Claus Leggewie im Perlentaucher. Sehr bedauerlich findet es Volker Weidermann in der Zeit, dass das JerusalemBookForum in diesem Jahr ausfallen muss. Roman Bucheli berichtet in der NZZ von der Beerdigung des LiteraturwissenschaftlersPeter von Matt (hier unser Resümee der Nachrufe auf ihn). Benjamin Stolz empfiehlt in der Pressesechs unheimliche Bücher für den Sommer.
Besprochen werden unter anderem Steffen Kopetzkys "Atom" (FR), Comics von TaraBooth (FAZ.net), AnnieErnauxs "Ich komme nicht aus der Dunkelheit heraus" (Zeit), Lisa Palmes' und Lothar Quinkensteins Neuübersetzung von BolesławPrus' polnischem Klassiker "Die Puppe" (FAZ) und Patricia und HertaLuegers "Bardame gesucht, Zimmer vorhanden" (SZ). Mehr in unserer Bücherschau um 14 Uhr.
In der FAZgratuliert Nils Kahlefendt dem SchriftstellerJensSparschuh zum 70. Geburtstag. Werner van Bebber und Christian Schröder geben im TagesspiegelKrimi-Tipps für den Frühling.
Besprochen werden unter anderem BarbiMarkovićs "Stehlen Schimpfen Spielen" (FR), der Sammelband "Zur Verteidigung der Demokratie" mit politischen Essays von Thomas Mann (Presse), das von Georg Wiesing-Brandes aufbereitete und erforschte Pariser Adressbuch von WalterBenjamin (online nachgereicht von der Welt), LenHowards "Alle Vögel meines Gartens" (FR), FredDuvals und IngoRömlings Science-Fiction-Comic "Metropolia" (Tsp), Raquel Erdtmanns "Joseph Süßkind Oppenheimer: Ein Justizmord" (Intellectures) und FriedhelmMarx', JulianVolojs und MagdalenaAdomeits Comic "ThomasMann 1949" (FAZ). Mehr in unserer Bücherschau um 14 Uhr.
Andrey Arnold spricht für die Presse mit der SchriftstellerinBarbiMarković über deren Poetikvorlesung "Stehlen, Schimpfen, Spielen" (mehr dazu bereits hier).
Besprochen werden unter anderem RachelKushners "See der Schöpfung" (online nachgereicht von der LitWelt), Ocean Vuongs "Der Kaiser der Freude" (Standard), FriedlBenedikts "Warte im Schnee vor Deiner Tür. Tagebücher und Notizen für Elias Canetti" (NZZ), die Comic-Anthologie "Wie geht es dir?" mit sechzig gezeichneten Gesprächen nach dem 7. Oktober2023 (taz), die Neuübersetzung von F. ScottFitzgeralds "Der Große Gatsby" (online nachgereicht von der Zeit), PaulWatermanns Debütroman "Moskovian Kinder" (taz) und HubertWinkels' "'Die Hände zum Himmel'. Über Zufall, Schönheit und den Dorfpfarrer von Gohr" (FAZ). Mehr in unserer Bücherschau um 14 Uhr.
Bestellen Sie bei eichendorff21!Letztes Jahr erhielt BarbiMarković den Preis der Leipziger Buchmesse. Ihr neues Buch "Stehlen, Schimpfen, Spielen" ist anlässlich einer Poetikvorlesung entstanden. Der Titel bündelt das, was sie am häufigsten tut, sagt sie gegenüber Raffael Leitner im Standard-Gespräch. Das mit dem Stehlen bezieht sich aufs intertextuelleSchreiben, erklärt die Schriftstellerin, deren erstes Werk eine Thomas-Bernhard-Variation war. "Als ich dieses erste Buch mit fünfundzwanzig geschrieben habe, war ich gerade in einer Phase, wo ich nicht sicher war, wer ich literarisch bin. In dieser Übung mit Thomas Bernhard rede ich auch von der Frage des Copyrights, das hat alles eine Rolle gespielt, aber für mich war die Erfahrung interessant - und die gibt mir Mut bis heute - dass ich nicht so leicht verschwinden kann. Sogar wenn ich im Stil eines anderen Menschen rede, komme ich durch, bin ich immer noch genug ich, dass mein Buch irgendwie ein Leben bekommt und anerkannt wird. Das war eine Überraschung. Wir reden immer in Sätzen, die wir schon mal gehört haben. Wenn man genug von sich reinsteckt, kommt trotzdem auch genug Authentisches raus, glaube ich."
Bestellen Sie bei eichendorff21!Philipp Kressmann spricht für die Jungle World mit dem französischen ComiczeichnerLuz, der dem Anschlag auf Charlie Hebdo nur knapp entkommen ist. Sein neuer Comic "Zwei weibliche Halbakte" erzählt anhand (und aus der Perspektive) von OttoMuellers gleichnamigem Bild die Geschichte der "entartetenKunst" unter den Nationalsozialisten und die Geschichte einer Restitution von Raubkunst. Die Rede des NS-Funktionärs AdolfZiegler, der damals die Ausstellung der Nazis zur "entarteten Kunst" eröffnet hat, findet sich in dem Comic fast zur Gänze dokumentiert. "Ich halte es insbesondere heutzutage für wichtig, nachzulesen, was die Nazis von sich gegeben haben", sagt Luz. "Man muss sich nur einmal anschauen, wie AfD-Vertreter in Sachsen-Anhalt über das Bauhaus gesprochen haben. In der Rede von Ziegler findet man dieselbe Sprache. ... Das Buch ist ja eher historisch, aber dann fühlte es sich eindeutig gegenwärtig an. Es war wie ein Fluch und es wurde immer schlimmer: Denn wir erleben gerade viele Angriffe auf die Kunst, die sich weltweit in vielen illiberalen Staaten ereignen, nun sogar in den USA unter Trump. Dieses Buch wirkt immer aktueller." Der Standardrezensiert den Comic.
Außerdem: Der Deutsche-Bank-Boss unseligen Angedenkens Josef Ackermannwirft für die NZZ unter dem Eindruck des Kryptowährungsbooms einen Blick in Goethes "Faust". Wilhelm von Sternburg erinnert in der FR an LionFeuchtwangers Roman "Jud Süß", der vor hundert Jahren erschienen ist. Ronald Pohl gratuliert im Standard dem Wiener LiteraturortAlteSchmiede zum 50-jährigen Bestehen.
Besprochen werden unter anderem Joyce Carol Oates' "Der Schlächter" (FR), die autobiografische Erzählung "Eine Familie in Brüssel" der Filmemacherin Chantal Akerman (Tsp), MaximBillers "Der unsterbliche Weil" (Welt), MartinPuchners "Kultur. Eine neue Geschichte der Welt" (NZZ), Gian-MarcoSchmids "Abschiede von Mutter" (Standard), JuliaGrinbergs "Journal einer Unzugehörigkeit" (Freitag) und Sarah Hübners Comic "Unruhe" (Tsp). Mehr in unserer Bücherschau um 14 Uhr.
Wenn sich im Juni der Geburtstag von ThomasMann zum 150. Mal jährt, würde es sich durchaus lohnen, dessen Schriften und Reden zur Verteidigung der Demokratie neu zu kontextualisieren, schreibt Richard Herzinger im Perlentaucher. In dessen Kritik an der Appeasement-Politik gegenüber Nazi-Deutschland "muss man nur das Wort 'deutsche' durch 'russische' und das Wort 'Nationalsozialismus' durch 'Putin-Regime' ersetzen, um die unheimliche Aktualität der Feststellung Manns zu erkennen, dass "deutsche Forderungen im Munde des Nationalsozialismus niemals dem Frieden, sondern ausschließlich der Machterhöhung und der Verbesserung der Kriegsaussichten gelten', und dass man daher 'mit ihrer Erfüllung nicht dem Frieden, sondern dem Krieg' dient. Auch wenn sich der Putinsche Terrorstaat nicht eins zu eins mit seinen faschistischen und nationalsozialistischen Vorläufern deckt, treffen diese Erkenntnisse doch exakt auch auf ihn zu."
Bestellen Sie bei eichendorff21!Außerdem: Thomas David spricht für die FAS mit dem US-SchriftstellerOceanVuong über dessen neuen Roman "Der Kaiser der Freude" und die USA unter Trump, den er weniger für eine Ausnahme, sondern gerade "symptomatisch für Amerika" findet. Mara Delius berichtet in der WamS von dem Tag, den sie mit dem SchriftstellerGrahamSwift in London verbracht hat. Der SchriftstellerClemensJ. Setzschreibt in der FAZ über das Fazinosum der Webcam bei der Papstwahl, bei der die römischenMöwen dem Schlot samt weißem Rauch irgendwann die Show stahlen. Der Literaturwissenschaftler Sebastian Böhmer erinnert in "Bilder und Zeiten" der FAZ daran, wie August von Kotzebue im April 1800 für ein Jahr ins ferne Sibirien verschleppt wurde, worüber der Schriftsteller schließlich den Band "Das merkwürdigste Jahr meines Lebens" veröffentlichte. In der FAZ gratuliert Sandra Kegel der chinesischen SchriftstellerinFangFang zum 70. Geburtstag.
Besprochen werden unter anderem PatrickModianos "Die Tänzerin" (taz), AnnaMelikovas "Ich ertrinke in einem fliehenden See" (NZZ), TamaraDudas "Donezk Girl" (taz), HeikeGeißlers Essay "Arbeiten" (Freitag), KatjaKullmanns "Stars" (taz), TomaszRóżyckis Essay "Feuerprobe" (taz), WarlamSchalamows "Erzählungen aus Kolyma" (FR) und der von Peter Seyferth und Falko Blumenthal herausgegebene (hier via Open Access erhältliche) Band "Science Fiction und Labour Fiction. Zukunftsvorstellungen von Arbeit und Arbeitskämpfen" (FAZ). Mehr in unserer Bücherschau um 14 Uhr.
In der Frankfurter Anthologie schreibt Frieder von Ammon über ErnstJandls "rilke, reimlos":
BuchLink: Aktuelle Leseproben.
In Kooperation mit den Verlagen (Info)
Jannis Brühl: Disruption Man muss die Tech-Oligarchen des Silicon Valley als Avantgarde verstehen. Eine Handvoll Männer mit Milliardenvermögen, futuristischer Technologie und einer Vorliebe für Science-Fiction…
Norbert Gstrein: Im ersten Licht Zwei Weltkriege, ein Jahrhundert: ein eigenwilliges Leben voller Schönheit, Tragik und Widersprüche. Norbert Gstrein schenkt uns ein ganzes Menschenleben. Dabei ist jedes…
Val Plumwood: Das Auge des Krokodils Herausgegeben von Judith Schalansky. Aus dem Englischen von Sigrid Ruschmeier. Als die Philosophin Val Plumwood mit dem Kajak durch den nordaustralischen Kakadu-Nationalpark…
Judith Hermann: Ich möchte zurückgehen in der Zeit Judith Hermann folgt den Spuren ihres Großvaters, der während des Zweiten Weltkriegs für die SS im polnischen Radom stationiert war. Sie verknüpft ihr Schreiben mit seiner…
Alle aktuellen BuchLink-Leseproben finden Sie
hier