Kulturpfarrer Thomas Zeitler spricht im Interview mit Andreas Thamm in der taz über die Ausstellung "Jesus liebt" mit Bildern von Rosa von Praunheim in der Kirche St. Egidien in Nürnberg, die nach Protesten wieder geschlossen wurde.
Besprochen werden die Ausstellung "Monet im vollen Licht" im Grimaldi Forum Monaco (FAZ), die Ausstellung "Renegades. San Francisco: Queer Life in the 1990s" mit Fotografien von Chloe Sherman im F hoch 3 - Freiraum für Fotografie in Berlin (tsp), eine Ausstellung mit Werken von Anna Jermolaewa im Kunsthaus Bregenz (Standard).
Besprochen werden die Ausstellung "Elementare Gefäße. Eine andere Erzählung der Moderne" im Mies van der Rohe Haus in Berlin (taz) und die Ausstellung "Spanische Dialoge" im Berliner Bode Museum (FR).
Besprochen werden die Ausstellung "Das, was nicht geerbt werden kann / Aquilo que não se herda" mit Werken von Daniel Lie und Juliana dos Santos im Kunstverein Braunschweig (taz) und die Ausstellung "Die Augen der Roxana Halls" im Haus Mitte Kunst (tsp).
Das Guggenheim Bilbao erschlägt oft die Werke, die dort ausgestellt werden. Nicht so bei Oskar Kokoschka, stellt ein entzückter Michael Glover in Hyperallergic fest, der kann Frank Gehry jederzeit die Stirn bieten: "Die beste Art und Weise, die Ausstellung zu beginnen, ist, intensiv auf ein Gemälde zu starren, das einem beim Betreten der ersten Galerie an einer Wand gegenübersteht. Dieses Porträt des Schweizer Psychiaters Auguste Forel (1910) hat eine wilde Intensität, eine seltsame Nervosität in seiner Machart, ein Versuch, nicht so sehr auf seinen Gegenstand zu sehen als in ihn hinein und fast durch ihn hindurch. Neben den Pinselstrichen hat Kokoschka geschrubbt und gerieben und mit den Fingern gekratzt, um die Qualität des Gesichts dieses alten Mannes herauszuheben. Das Ergebnis sieht erschreckend verschwommen aus, als würde der Dargestellte aus einem Nebel seiner selbst auftauchen. Die Hände haben die übertriebene Knochenhaftigkeit eines El Greco. Die Augenbrauen sind straff, hoch und gespannt gewölbt, der Blick neugierig und wachsam. Es scheint, als sei der Mann gleichzeitig still und in Bewegung. ... Dieses Bild fängt das Beste von Kokoschka bis zum i-Tüpfelchen ein."
Bardame in New York, 1950. Foto: Eve Arnold Estate
Wen die Fotografin Eve Arnold nicht alles vor der Kamera hatte: Marilyn Monroe und Neonazis auf einer Malcolm X-Demo, Queen Elizabeth und eine erschöpfte Bardame in New York. Guardian-Kritikerin Claire Armitstead ist in der Arnold-Ausstellung in Newlands House im englischen Petworth, West Sussex vor allem fasziniert von Arnolds frühen New-York-Fotos: "Von Anfang an ahnte sie, dass schwarze Macht und Stil die angesagtesten Spiele in der Stadt waren, und Anfang der 1960er Jahre war sie fasziniert von Afrofrisuren und Malcolm X. Zwei zutiefst beunruhigende Bilder zeigen weiße Faschisten, die sich 1962 bei einer Kundgebung von Malcolm X in Chicago unter die Menge mischten, als er für die schwarzen Muslime missionierte. Auf einem der Bilder sitzen drei Männer nebeneinander, wobei die obere Hälfte ihrer Gesichter außerhalb des Bildausschnitts liegt, so dass die Farbe und die Haltung ihrer Hände zum Thema des Bildes werden. Eine Hand ist weiß, lässig unter einer Hakenkreuz-Armbinde drapiert. In der Mitte ist ein Paar schwarzer Hände ehrfürchtig umklammert. Am anderen Ende tippen schwarze Finger mit goldenen Ringen in etwas, das aussieht wie ein Popcornbecher, der zum Geldsammeln umfunktioniert wurde. Es ist eine unheimliche Erinnerung an eine Allianz zwischen schwarzen Separatisten, die für die Ausreise aus den USA plädierten, und weißen Rassisten, die sie loswerden wollten."
Allan McColum und Matt Mullican: Your Fate Table. Bild: Galerie Thomas Schulte.
Die 28. "Rohkunstbau"-Ausstellung, diesmal auf Schloss Altdöbern, liest Ingeborg Ruthe (Berliner Zeitung) als Friedensappell, wie auch schon der Titel der Sammlung mit Werken von 14 Künstlern aus zwölf Ländern ihr verrät: "'Endlich Frieden', ist das Thema der Ausstellung, die, wie einst schon Goya, 'Desastres de la Guerra' direkt anspricht. Und bohrend fragt: Auf welcher Seite stehen wir - die Betrachter? Wie ist der Zustand der Welt noch zu reparieren? Schaffen wir eine neue Kultur der Sorge, die der Herrschaft und der Gewalt abschwört. Können wir uns aus dem Egoismus und dem Konkurrenzdenken lösen? Die Sehnsucht nach dem Paradies hat in den letzten Jahrhunderten nirgends zum Einlenken geführt. Die Kunst sucht nach Antworten."
Besprochen werden außerdem die Ausstellung "Fragment. Ukraine" (Tsp), die von der G.Art Gallery und dem Freiluft Kunst Klub Berlin im Hotel Berlin organisiert wird, und die Isa-Genzken-Ausstellung in der Neuen Nationalgalerie (FAZ).
Ziemlich anstrengen musste sichtaz-Kritikerin Katharina J. Cichosch in "Fake Views", einer Ausstellung der Netzkunstpioniere Eva & Franco Mattes im Frankfurter Kunstverein: Die Anordnung der Videoarbeiten gibt den Blick darauf oft nur frei, wenn man sehr nah herangeht: "Wirkliches Anschauen ist in diesem Setting anstrengend, denn Sehen erfordert ja Abstand, entspannt konsumieren ist unmöglich", warnt sie. Aber der Besuch lohnt sich vielleicht doch: "Das Duo gilt als Pionier der Netzkunst, die auf die Medien- und Videokünste, vielleicht einen guten Teil der Kunst überhaupt nach 1990, rückwirkte. 1976 in Italien geboren, arbeiten beide seit Jahrzehnten an und mit dem Medium, das unseren Alltag prägt, sowie dessen Implikationen: Fragen zu Urheberschaft, Informationsfreiheit, Inszenierung geraten en passant in die Waagschale. Mal machten Eva & Franco Mattes drei Jahre lang den gesamten Inhalt ihres PCs online verfügbar, mal fakten sie Webseiten von Unternehmen und Vatikan oder erfanden einen Biennale-Künstler, der inszenierte und dann vermeintlich doch echte Bilder von Kriegsopfern zeigte."
Besprochen wird außerdem die Ausstellung "Trailblazer, Rule Breaker" mit Werken der Renaissancekünstlerin Lavinia Fontana in der National Gallery of Ireland (FAZ).
Aus dem Foyer der Europa-Universität in Flensburg wurde eine Skulptur des Bildhauers Fritz During entfernt. Weil der nackte Frauenstatue überholte Bilder von Weiblichkeit bediene, ersetzte man ihn durch ein Fragezeichen in Regenbogenfarben. NZZ-Kritikerin Birgit Schmid schüttelt den Kopf: "Durings Frauenstatue weckt Phantasien und provoziert Deutungen. Man findet sie schön und anmutig, oder sie gefällt einem nicht, und man nimmt Anstoß. So wie es Aufgabe der Kunst ist. Dass ein buntes Fragezeichen einen Denkprozess in Gang setzt, muss man nicht befürchten. Es macht buchstäblich ratlos." In der SZ kritisiert Hilmar Klute beide Seiten der Debatte: "Interessant ist nur, dass die erbosten Kunstbewahrer bei jedem Eingriff in den öffentlichen Raum die gesamte Kulturgeschichte der Barbarei aufrufen, während die moralischen Verräumer sich kaum Gedanken über den Kunstcharakter der anstößigen Torsi und misogynen Körperdarstellungen machen."
Weitere Artikel: Stefan Trinks meldet in der FAZ, dass die Bayerische Landesbank das Kandinsky-Bild "Das bunte Leben", das von der Beratenden Kommission als NS-Raubkunst eingestuft wurde, an die Erben der Familie Lewenstein zurückgeben wird.
Besprochen werden die Ausstellung "Paco Knöller - Unter mir der Himmel" in der Hilti Art Foundation in Vaduz (FAZ), die Ausstellung "Before Tomorrow" im Astrup Fearnley Museet in Oslo (FAZ), die Ausstellung "Berliner Kontraste (2004-2015). Fotografien von Frank Silberbach und Nikolas von Safft." im Stadtmuseum/Ephraim Palais in Berlin (Tagesspiegel), die Ausstellung "Pathos and the Twilight of the Idle" mit Werken von Michael Armitage im Kunsthaus Bregenz (Standard).
Portrait of Chief Night Bird (Nepahpenais), Plains Anishinaabeg, Cowessess Reserve, Saskatchewan. Foto: Royal Ontario Museum. NZZ-Kritikerin Anke Hagedorn staunt über die Porträts indigener Ureinwohner Kanadas, die der Maler Edmund Morris Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts anfertigte. 1906 begleitet dieser eine Expedition von Landesbeauftragten der Provinz Ontario, die mit den Indigenen über Gebietsabtritte an die Regierung verhandeln sollten: "Der erste direkte Kontakt mit den Häuptlingen der Stämme der Cree und der Ojibwe war eine prägende Erfahrung für Morris - sowohl für sein künstlerisches Schaffen als auch für seine persönliche Einstellung zu den Ureinwohnern. Auch zuvor hatten Maler bereits Porträts von den Ureinwohnern in Kanada und den USA angefertigt. Viele dieser Bilder entstanden jedoch nach Fotografien oder bei Sitzungen im Studio. Andere Maler wie Paul Kane oder Frederick Arthur Verner hatten zwar die Ureinwohner in den Great Plains besucht, ihre Porträts waren jedoch ganz dem romantischen Ideal des 'noblen Wilden' verpflichtet und zeigten die Häuptlinge in heroischen Posen vor idealisierten Landschaften. Die Porträts hingegen, die Morris auf seiner Reise in die James Bay schuf, zeichnen ein erheblich realistischeres Abbild der Häuptlinge. Wie nah seine Bilder deren tatsächlichem Aussehen kamen, lässt sich anhand der Fotografien überprüfen, die Edmund Morris oder Duncan Scott vor Ort gemacht haben." Zu sehen sind einige der Porträts in einer Ausstellung über indigene Kulturen im Royal Ontario Museum (ROM).
Weitere Artikel: Madleen Harbach empfiehlt im Tagesspiegel eine neue Dokumentation über das Berliner Kunstkollektiv "Rocco und seine Brüder", das mit spektakulären und oft illegalen Aktionen auf Missstände in der Hauptstadt aufmerksam machen will. Die Doku ist hier zu sehen.
Besprochen werden die Retrospektive "Spontan und Konstruktiv. (Ernst Weil 1919-1981)" im Frankfurter Museum Giersch (FR).
Besprochen werden die Retrospektive von Maria Bartuszová im Museum der Moderne in Salzburg (Standard) und die Ausstellung "Der neue Mensch, der Ansager, der Konstrukteur. El Lissitzky: Das Selbstbildnis als Kestner Gesellschaft" in der Kestner Gesellschaft Hannover (taz).
Installationsansicht der Ausstellung O Quilombismo: Von Widerstand und Beharren. Von Flucht als Angriff. Von alternativen demokratisch-egalitären politischen Philosophien, Haus der Kulturen der Welt (HKW), 2023. Foto: Laura Fiorio/HKW Es bleibt noch viel zu tun im Haus der Kulturen der Welt (HKW) in Berlin, bemerkt FAS-Kritiker Mark Siemons beim Besuch der Eröffnungsausstellung des neuen Leiters Bonaventure Soh Bejeng Ndikung, "O Quilombismo". In der Absicht, Kunst aus ehemals kolonisierten Gebieten von der Vorherrschaft des "westlichen Blicks" zu befreien, geht das Museum einen falschen Weg, so Siemons und landet genau dort, wo es nicht hinwill. Dazu trägt die Hängung der - eigentlich großartigen - Werke bei: ohne Information zu Herkunft oder Urheber. Auch der Katalog geht nicht auf die Eigenart der Werke ein, sondern "verbindet folkloristische Angaben" mit "bedeutungsvollen Stichwörtern postkolonialer Theoriebildung", so Siemons: "Alle Fragen also, mit denen man diese Kunst und die politischen Verhältnisse, in denen sie entstanden ist, ernst nehmen könnte, werden durch die Formeln neutralisiert, die nichts als bescheidwissendes Kopfnicken provozieren. Egal, ob Talismane aus Elfenbeinküste, Rindenstoffdrachen aus Neuseeland oder ein Quilt von der Westküste Indiens: Alle Geister werden hier zum Symbol für eine Praxis, die sich mit dem in ihr gespeicherten Wissen den Abstraktionen des Westens entgegenstellt...Statt der angestrebten Wiederaneignung droht die Schau damit aber eine neuerliche Enteignung der Kulturen zu betreiben, aus denen sie sich bedient."
Enoura Observatory, Odawara Art Foundation. Foto: Masatomo Moriyama. Fasziniert flaniertNZZ-Kritiker Philipp Meier durch den Themenpark der Odawara Art Foundation. Der Starfotograf Hiroshi Sugimoto hat hier einen Ort geschaffen, an dem japanische Tradition und zeitgenössische Kunstwelt sinnbildlich aufeinandertreffen, staunt er: "Sugimotos Park ist...ein Observatorium, das dem Licht huldigt. Denn ohne dieses wäre die Lichtkunst der Fotografie nichts. An den Tagundnachtgleichen, dem astronomischen Frühlings- und Herbstbeginn, aber auch zu den Sonnenwenden im Sommer und Winter kann man hier während des Sonnenaufgangs an bestimmten Punkten der Anlage Zeuge von magischen Lichteffekten durch Tunnels und Steinbögen werden. Japan, das Land der aufgehenden Sonne, nach dem shintoistischen Schöpfungsmythos geschaffen von der Sonnengöttin Amaterasu: Hier erlebt man diese urjapanische Vorstellungswelt in einer begehbaren Kunstinstallation eines Lichtmeisters der Gegenwart."
BuchLink: Aktuelle Leseproben.
In Kooperation mit den Verlagen (Info)
Sylvain Tesson: Die Säulen des Meeres Aus dem Französischen von Nicola Denis. Mit 22 SW-Fotografien und 2 Karten. Vom schottischen Orkney-Archipel über die Osterinseln bis Stromboli: Ein philosophischer Adventuretrip…
Philipp Schönthaler: Mysteria Hysteria Wie hoch sind die Chancen, die Individualität einer Person anhand ihrer Syntax zu identifizieren? Wie hoch diejenigen, die Person selbst aus dem Text herauszulesen? Als der…
Antonio Scurati: M. Das Ende und der Anfang Aus dem Italienischen von Verena von Koskull. Am 28. Juli 1943 wird Benito Mussolini nach Ponza deportiert. Er hat alles verloren, hegt keine Hoffnung mehr - bis er durch…
Mokhtar Amoudi: Ein ziemlich anderes Leben Aus dem Französischen von Alexandra Baisch. Es gibt Entscheidungen, die ein Leben auf den Kopf stellen. Als Skander aus dem Sommerferienlager zurückkehrt, erfährt er, dass…
Alle aktuellen BuchLink-Leseproben finden Sie
hier