Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Design und Mode

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 08.01.2021 - Design

Abb. Domus


Zwischen 1930 und 1970 erblühte in Italien eine Kunstform, die bei Kunstkritikern nur wenig Beachtung fand, weil sie meist weiblich war: die Kunst der Textilien, erzählt Michela Bassanelli in Domus. Eine der ganz großen Weberinnen damals war neben Renata Bonfanti, Anita Pittoni and Carla Badiali Gegia Bronzini, die einen mechanischen Webstuhl bevorzugte: "Die Verwendung von ungewöhnlichen Materialien wie Ginster und Maiswickel, zusammen mit natürlichen Garnen (Leinen, Seide, Wolle) stellt einen zweiten Aspekt ihrer Forschung dar. Die Stoffe verlangen eine Verbindung mit abstrakten und geometrischen Figuren, in Anlehnung an die Produktion im Textillabor des Bauhauses. Jedes gewebte Paneel ist ein Unikat. Die Anwendungen betreffen jeden Aspekt der Heimtextilien: von Oberflächen bis zu Möbeln, vom Tisch bis zum Bett. Vorhänge stellen einen wesentlichen Teil der Produktion von Bronzini dar, weil sie das Experimentieren mit Materialien - vom Hanfgarn über Seidengarn bis hin zur Verwendung von Kupfer - und die Zeichnung mit echten Öffnungen verbinden, die unterschiedliche, aber immer modulierte Lichtdurchgänge ermöglichen."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 06.01.2021 - Design

Die Mode entdeckt den Morphsuit wieder, schreibt Tillmann Prüfer in seiner Mode-Kolumne im ZeitMagazin. Meist dient das Ganzkörperkostüm zwar dem Zweck, weibliche Sexyness zu betonen. Wobei es "aber gar nicht unbedingt als Frauengarderobe gemeint ist. Eigentlich ist es unisex. Wenn sich Science-Fiction-Produzenten in die Zukunft träumen, so tragen die Protagonisten in solchen Filmen oft Morphsuits. Kaum ein Kleidungsstück ist geeigneter, den Unterschied zwischen den Geschlechtern aufzuheben. Es ist wie eine Vorschau auf eine bessere Zukunft, in der sich Mann und Frau nicht mehr durch Kleidung unterscheiden. Leider sind es bislang nur die Frauen, die das wagen. Männliche Träger von Morphsuits sind außerhalb von Kostümfesten selten: Batman und Robin wie auch David Bowie als Ziggy Stardust trugen ein ähnliches Outfit."

Für die NZZ bespricht Marion Löhndorf Alfons Kaisers Biografie über Karl Lagerfeld.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 05.01.2021 - Design

Zumindest online und via Katalog kann man durch die Ausstellung "About Time: Fashion & Duration" des ans New Yorker Metropolitan Museum of Art angeschlossenen Costume Institutes schlendern, schreibt Katharina J. Cichosch in der taz. Im Fokus der Ausstellung steht "die Kontinuität des Wechsels" in der Mode. Zu sehen sind "geradezu Gegenentwürfe zu ästhetischer Zeitlosigkeit: Jedes ausgewählte Stück kennzeichnet einen hochspezifischen Entstehungszeitpunkt, eine präzise Markierung im Raum-Zeit-Kontinuum", wodurch sich interessante Gegenüberstellungen und Erkenntnisse ergeben, so dass es etwa eine Generation braucht, um vom Überdruss zum Revival zu kommen, "bis die ehemals abstoßenden, lächerlich geglaubten Formen, Farben und Sentiments wieder mit ihrer ursprünglichen Begehrlichkeit aufgeladen werden können. ... Denn auf die verführerische Kraft einer zeitlichen Dringlichkeit setzen ja inzwischen ganze Branchen." Die Met hat einen viertelstündigen Videogang durch die Ausstellung online gestellt:



Erfreut nimmt tazlerin Brigitte Werneburg zur Kenntnis, dass H&M derzeit nicht nur bei den Verpackungsmaterialien an der eigenen Ökobilanz arbeitet, sondern auch mit der Membership-Marke "Singular Society", die der Konzern gerade in Stockholm testet: Ein Abomodell soll hier Überproduktion und Sinnlos-Shopping einen Riegel vorschieben.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 31.12.2020 - Design

Donna Schons schreibt in der taz einen Nachruf auf den Modedesigner Pierre Cardin (weitere Nachrufe hier).
Stichwörter: Modedesign

Efeu - Die Kulturrundschau vom 30.12.2020 - Design

Der Modeschöpfer Pierre Cardin ist tot. Mit seinen futuristischen Entwürfen "brachte er die Zukunft in die Mode", schreibt Marion Löhndorf in der NZZ. "Seine Kleider um- und verhüllten ihre Trägerinnen mit geraden oder symmetrischen, oft dreidimensional in den Raum ragenden Schnitten und starken geometrischen Mustern. Sie gaben den Körpern einen technologischen Zug. Ihr Ideal war, so wenigstens sah es von außen aus, die Maschine. ... Eine seiner wegweisenden Kollektionen trug 1964 den Titel 'Cosmocorps'. Plastikreifen und überdimensionale Capes, fluoreszierende Bodysuits und Hüte, die nur die Augen der Models freiließen, gehörten zu seinen Mode-Ideen, die er in Materialien wie Spandex und Plastik ausführen ließ."

Cardin war nicht zuletzt auch Geschäftsmann, ein Pionier des Prêt-à-Porter, schreibt Jan Kedves in der SZ: "Dass Mode etwas Elitäres haben muss, fand er gar nicht, im Gegenteil: Er erlaubte Firmen, sogar Bratpfannen mit seinem Signet zu verkaufen. Für ihn war das eine Demokratisierung der Mode und eine Beglückung der Menschen, die er aus Traditionen und Abhängigkeiten befreien wollte." So "entwarf er praktische Mode für die moderne, emanzipierte, berufstätige Frau, die um ihre Unabhängigkeit kämpft, die mobil ist, die Auto fährt. Das heißt: Leggins, Plexiglas-Visiere, minikurze Röcke. Elegant, aber nicht kompliziert." Das ZeitMagazin spendiert eine Bilderstrecke.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 28.12.2020 - Design

Freitag-Kritikerin Sonja Eismann erfährt in den Entwürfen des südafrikanisches Designers Thebe Magugu, wie sich Mode und Politik verbinden lassen. Magugu lässt sich dabei von Spioninnen inspirieren: Er schuf "Ensembles zwischen Funktionalität und Glamour", deren Fokus darauf liegt, sich bei voller Sichtbarkeit zu verbergen: "Unter den Entwürfen finden sich exakt geschnittene Anzüge, schwingend feminine Kleider und von den 90ern beeinflusste Streetstyles. Die politischen Fragen verstecken sich im Detail: Am Revers eines Jacketts schlängelt sich kaum erkennbar das Kabel eines Abhörmikros hoch, eine Ledertasche lässt sich nur mit Passwort öffnen, auf eine adrette weiße Bluse ist das Transkript eines Spionage-Geständnisses gedruckt, auf einem Parka verbindet sich die Grafik eines Lügendetektors mit dem Code eines Computer-Phishing-Virus."

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Die Handtasche sichert den Modeherstellern auch im Lockdown mit erhöhten Absatzzahlen den Umsatz, schreibt Marion Löhndorf, die sich für die NZZ im Victoria & Albert Museum in London eine Ausstellung zur Geschichte der Handtasche angesehen hat. Das Accessoire ist ein dankbares Spielfeld für Designideen, erfährt sie dort: Denn "anders als andere Gegenstände des Modedesigns umschließt sie den Körper nicht. Diese Eigenständigkeit lässt auch der Fantasie der Designer große Freiräume. Schon im 17. Jahrhundert ersonnen ihre Gestalter exotische und skurrile Formen, empfanden sie Muschelschalen, Ananas oder Blumenkörben nach. Bis heute gibt es sie, die schrägen Gebilde, kleinen Häusern oder anderen Gegenständen nachempfunden, in den Kollektionen von Anya Hindmarch oder Lulu Guinness."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 21.12.2020 - Design

Die NZZ hat ihre Texte zu Parfüms und Düften aus der Wochenendausgabe online nachgereicht: Über den Geruchssinn als leicht zu täuschendes Sinnesorgan denkt Thomas Ribi mit Aristoteles und Thomas von Aquin im Gepäck nach. Sehr traurig ist Clauda Mäder, dass der Weihnachtsmonat - sonst ein Fest der Düfte und verschenkten wie probierten Parfüms - in diesem Jahr aus bekannten Gründen so arm an Sinneseindrücken ist, und erzählt ein bisschen aus der Kulturgeschichte der Düfte: "Bevor sie Viren und Bakterien kannte, ging die Medizin davon aus, dass Krankheiten durch üble Gerüche verbreitet würden. Folglich waren gute 'Gegendüfte' wichtige Mittel zur Bekämpfung von Epidemien. Die Pest zum Beispiel versuchten die Menschen im 14. Jahrhundert durch Feuer auszurotten, die sie mit Duftessenzen anreicherten. Aus Myrrhe oder Rosenholz wurden auch Pastillen geformt, die das schädliche Verfaulen der Luft im Keim, sprich im Mund des Menschen, ersticken sollten. In immer weiteren Formen wurden Parfums und parfümierte Produkte fortan populär, und sie standen allgemein für das, was man heute Hygiene nennt."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 18.12.2020 - Design

Für die NZZ flaniert Sabine Fischer durch die Ausstellung "Wild Thing" im Museum für Gestaltung in Zürich, das sich hier der Schweizer Modeszene widmet. "Die Schweiz ist keine Hochburg des Modedesigns", räumt Fischer ein. "Aber womöglich ist sie eine Nische, in der ganz besondere Erfindungen möglich sind." Hier "hängen Foulards, Röcke und Jacken mit Löchern und aufgedruckten Texten von der Decke. In den vom Tageslicht durchfluteten Seitenflügeln schimmern bemalte, zerknitterte und gefaltete Gewebe für alle möglichen Körperteile. Die Schau ist selber ein wildes Ding: Alltäglicher Lifestyle und Outfits für Prominente stehen wie selbstverständlich nebeneinander.  ... Die Nomaden der Gegenwart lieben farbige Vielfalt."


Efeu - Die Kulturrundschau vom 11.12.2020 - Design

Nachhaltiges Material, was soll das eigentlich genau sein, überlegt die Schreinerin und Kunsthistorikerin Franziska Müller-Reissmann angesichts der immer stärkeren Ablehnung von Kunststoffen: "Man preist uns Kork, heimisches Holz und Glas als umweltverträgliche Stoffe an, doch hinter den Lobliedern steckt ein fundamentaler Denkfehler: Nachhaltig oder auch nicht kann nur die Verwendung von etwas sein - nicht eine Sache selbst."

Außerdem: Alyx Gorman stellt uns im Guardian leicht verstört die beiden Pantonefarben des Jahres 2021 vor: grau und gelb. "This year, the combination has been likened to the shades of hi-vis vests, road markings and 'screaming sickly urban melancholy, a brutalist facade, cold sunshine and cement'. Vogue described it simply as 'really weird'."
Stichwörter: Vogue

Efeu - Die Kulturrundschau vom 09.12.2020 - Design

Wenn Möbel-Klassiker der Moderne seit kurzem reihenweise nicht mehr Le Corbusier, sondern Charlotte Perriand zugeschrieben werden (mehr hier oder hier), erweist man der an sich wichtigen Aufgabe, übergangene Designerinnen aus dem Schatten der Geschichte zu holen, einen Bärendienst, meint der Kunsthistoriker Harold von Kursk in der FAZ: Belege für eine eigentliche Autorenschaft Perriands lägen jedenfalls nicht vor, vielmehr sei das gegenwärtige Narrativ schon in den 60ern von Perriand selbst gestreut worden. Nun drohe es sich im Zuge kommerzieller Ausstellungen und hagiografischer Veröffentlichungen als historisches Faktum zu verfestigen: "Darf jemand, der am Prototyp arbeitet, Rohrdicken bestimmt, sich nach dem Ableben des Erfinders Ko-Autor nennen, nur weil er viel Zeit mit der Umsetzung der Idee des Entwerfers verbracht (und vielleicht ein paar Details adjustiert) hat? Ist die intellektuelle 'Entwurfsleistung' die Erfindung oder auch die mühsame praktische Umsetzung? Le Corbusier, so die Innenarchitektik Heidi Weber, 'war mit Gabriel Voisin befreundet, der in seinen Flugzeug- und Rennwagen-Designs Stahlrohr einsetzte, um das Gewicht zu reduzieren'. Hier liege die Quelle der neuen Möbelkonstruktionen. ... Le Corbusiers Skizzen und Forschungen zum Thema Stahlrohr weisen darauf hin, dass er die Arbeit an den Entwürfen beendet hatte, bevor Perriand kam. Es gibt keine Beweise, dass Perriand mit dieser Idee an Le Corbusier herantrat oder vorher Vergleichbares geleistet hätte. Perriand selbst hat später nie wieder Möbel entworfen, die den vier Möbelmodellen auch nur entfernt ähnelten."

Im ZeitMagazin verabschiedet sich Sara Tomšić vom gedruckten Ikea-Katalog, den er früher träumend durchblättert hatte: Aber "wie träumt die heutige Jugend jetzt vom Erwachsensein, ohne dich? Auf Instagram macht das ja nur halb so viel Spaß, weil die tolle Couch meistens zu einem Hochglanz-Leben passt, das man selbst gar nicht führt. Die moosgrüne Küche, das zwei Meter hohe Boxspringbett und der Mahagonischrank in meinem Insta-Feed gehören schon jemandem. Bei dir, im Ikea-Katalog, war das anders. Du warst eine weiße Leinwand, ich konnte mich mit genug Fantasie selbst reinsetzen, alles gehörte mir oder niemandem." Kein Wunder, dass die Welt Tränen um diesen Katalog weint, schreibt Gerhard Matzig in der SZ: Immerhin ist der jährliche Ikea-Wälzer "nun mal kein Katalog, sondern ein Werk, das uns die Welt erklärt und darin Halt gibt. Ausgerechnet in einer pandemischen Neobiedermeier-Ära, in der das virensichere Wohnen zur letzten Bastion gerät, das Aus zu verkünden: der reinste Frevel."

In der Jungle World bespricht Larissa Kunert Diana Weis' kulturwissenschaftliche Studie "Modebilder. Digitale Bildkulturen" über die Rolle von Instagram und Influencern in der Modewelt.