Wenn Möbel-Klassiker der Moderne seit kurzem reihenweise nicht mehr
Le Corbusier, sondern
Charlotte Perriand zugeschrieben werden (mehr
hier oder
hier), erweist man der an sich wichtigen Aufgabe, übergangene Designerinnen aus dem Schatten der Geschichte zu holen, einen Bärendienst, meint der Kunsthistoriker Harold von Kursk in der
FAZ: Belege für eine eigentliche Autorenschaft Perriands lägen jedenfalls nicht vor, vielmehr sei das gegenwärtige Narrativ schon in den 60ern von Perriand selbst gestreut worden. Nun drohe es sich
im Zuge kommerzieller Ausstellungen und hagiografischer Veröffentlichungen als historisches Faktum zu verfestigen: "Darf jemand, der am
Prototyp arbeitet, Rohrdicken bestimmt, sich nach dem Ableben des Erfinders Ko-Autor nennen, nur weil er viel Zeit mit der Umsetzung der Idee des Entwerfers verbracht (und vielleicht ein paar Details adjustiert) hat? Ist die intellektuelle 'Entwurfsleistung' die Erfindung oder auch die mühsame praktische Umsetzung? Le Corbusier, so die Innenarchitektik Heidi Weber, 'war mit
Gabriel Voisin befreundet, der in seinen Flugzeug- und Rennwagen-Designs
Stahlrohr einsetzte, um das Gewicht zu reduzieren'. Hier liege die Quelle der neuen Möbelkonstruktionen. ... Le Corbusiers Skizzen und Forschungen zum Thema Stahlrohr weisen darauf hin, dass er die Arbeit an den Entwürfen beendet hatte, bevor Perriand kam. Es gibt keine Beweise, dass Perriand mit dieser Idee an Le Corbusier herantrat oder vorher Vergleichbares geleistet hätte. Perriand selbst hat später nie wieder Möbel entworfen, die den vier Möbelmodellen
auch nur entfernt ähnelten."
Im
ZeitMagazin verabschiedet sich Sara Tomšić vom
gedruckten Ikea-
Katalog, den er früher träumend durchblättert hatte: Aber "
wie träumt die heutige Jugend jetzt vom Erwachsensein, ohne dich? Auf
Instagram macht das ja nur halb so viel Spaß, weil die tolle Couch meistens zu einem Hochglanz-Leben passt, das man selbst gar nicht führt. Die moosgrüne Küche, das zwei Meter hohe Boxspringbett und der Mahagonischrank in meinem
Insta-Feed gehören schon jemandem. Bei dir, im Ikea-Katalog, war das anders.
Du warst eine weiße Leinwand, ich konnte mich mit genug Fantasie selbst reinsetzen, alles gehörte mir oder niemandem." Kein Wunder, dass die Welt Tränen um diesen Katalog weint, schreibt Gerhard Matzig in der
SZ: Immerhin ist der jährliche Ikea-Wälzer "nun mal kein Katalog, sondern ein Werk, das uns die Welt erklärt und darin Halt gibt. Ausgerechnet in einer
pandemischen Neobiedermeier-
Ära, in der das virensichere Wohnen zur letzten Bastion gerät, das Aus zu verkünden: der reinste Frevel."
In der
Jungle World bespricht Larissa Kunert
Diana Weis' kulturwissenschaftliche Studie "Modebilder. Digitale Bildkulturen" über die Rolle von
Instagram und
Influencern in der Modewelt.