Außer Atem: Das Berlinale Blog

Das Nichtzuendesehen von Filmen: Ein Tag im Wettbewerb mit Alexander Mindadze, Ralph Fiennes und Philippe Le Guay

Von Ekkehard Knörer
15.02.2011.

"An einem Samstag" gab es vorab, da musste man unterschreiben, dass man nicht vor der Berlinale-Vorführung im Wettbewerb drüber berichtet. Es gibt sogar Klauseln, habe ich gestern erfahren, die einem verbieten, auch nur ein einziges Wort zu einem exklusiv im voraus gezeigten Film irgendwem gegenüber zu verlieren. Das ist dann schon eine Form von Verblendung: um die Coca-Cola-Formel handelt es sich bei den auf der Berlinale gezeigten Filmen doch eher nicht. Und bei "An einem Samstag" schon gar nicht. Mit einer radikalisierten Version der Dardenneschen Menschenverfolgungshandkamera erzählt Regisseur Alexander Mindadze (Kamera: Oleg Mutu) ein im Grunde konventionelles Drama vor dem Hintergrund des Reaktorunglücks von Tschernobyl. Der Hintergrund, das Drama, die Kamera-Hysterie, das Konventionelle und vor allem das Verhalten der Figuren passen nirgends zusammen, was leider keine interessanten Spannungen ergibt, sondern am Ende nur das Klischeebild vom reichlich irrationalen trunksüchtigen Russen. Dass ausnahmslos jeder auftauchende russische Mann tumb und/oder widerwärtig ist, hilft der Sache des Films nicht.


"An einem Samstag" gab es vorab, da musste man unterschreiben, dass man nicht vor der Berlinale-Vorführung im Wettbewerb drüber berichtet. Es gibt sogar Klauseln, habe ich gestern erfahren, die einem verbieten, auch nur ein einziges Wort zu einem exklusiv im voraus gezeigten Film irgendwem gegenüber zu verlieren. Das ist dann schon eine Form von Verblendung: um die Coca-Cola-Formel handelt es sich bei den auf der Berlinale gezeigten Filmen doch eher nicht. Und bei "An einem Samstag" schon gar nicht. Mit einer radikalisierten Version der Dardenneschen Menschenverfolgungshandkamera erzählt Regisseur Alexander Mindadze (Kamera: Oleg Mutu) ein im Grunde konventionelles Drama vor dem Hintergrund des Reaktorunglücks von Tschernobyl. Der Hintergrund, das Drama, die Kamera-Hysterie, das Konventionelle und vor allem das Verhalten der Figuren passen nirgends zusammen, was leider keine interessanten Spannungen ergibt, sondern am Ende nur das Klischeebild vom reichlich irrationalen trunksüchtigen Russen. Dass ausnahmslos jeder auftauchende russische Mann tumb und/oder widerwärtig ist, hilft der Sache des Films nicht.



Am Mittag versetzt Ralph Fiennes sich als Titelheld seines Film "Coriolanus" mit Shakespeare in ein in Serbien und Montenegro erbautes Gegenwarts-Rom. Die Kamera wackelt auch hier, allerdings mehr im durcheinanderschnittfreudigen Stil der einschlägigen Filme von Paul Greengrass ("Bourne" 2 & 3). Dazu rumst mit Pauken und ohne Trompeten Musik. Action gibt es und die gängige Vorstellung, dass dies eines der weniger gelungenen Werke des Dichters ist, wird durch finsteres Blicken und wildes Herumblöken, durch Maschinengewehrduelle und im Zorn schwellende Adern nicht widerlegt. Vanessa Redgrave hat sich offenkundig für einen Overacting-Wettbewerb gemeldet und wird den Hauptpreis gewinnen.



Am Nachmittag demonstriert Philippe Le Guay was sich der Berlinale-Wettbewerb unter einer französischen Komödie vorstellt. Es sind die Siebziger und Fabrice Luchini als Anlagespezialist fraternisiert mit nicht nur guten Gründen mit dem spanischen Dienstpersonal. Man hat sich "Fraternisieren" dabei als schlüpfriges Wort vorzustellen, wie auch soziales Bewusstsein und Politik hier für einen Witz gut sind und sonst nichts. Über die zweite Hälfte dieses Films kann ich so wenig wie über die von "Coriolanus" berichten. Per Mail kommt die Meldung, dass die deutsche Filmkritik Feo Aladags Film "Die Fremde" für einen siebenfach auszeichnenswerten Film hält. Die ersten dreißig Minuten überzeugten mich damals hinreichend davon, dass er das sicher nicht ist. Das Nichtzuendesehen von Filmen ist, versichere ich aus Erfahrung, der geistigen Gesundheit überaus zuträglich.

Ansonsten war der Kaffee in Ordnung, man führte Gespräche über anderes als die Berlinale. In aller Regel ist es ja so, dass man sich außerhalb der Wettbewerbs-Kinosäle besser als in ihnen unterhält.

- "An einem Samstag" ("V Subbotu"). Regie: Alexander Mindadze. Darsteller: Anton Shagin, Svetlana Smirnova-Marcinkevich, Stanislav Rjadinskij u.a., Russische Föderation, Deutschland, Ukraine 2011 (Wettbewerb, Vorführtermine)
- "Coriolanus". Regie: Ralph Fiennes. Mit Ralph Fiennes, Gerard Butler, Vanessa Redgrave u.a., Großbritannien 2010, 122 Minuten (Wettbewerb, Vorführtermine)
- "Les Femmes du 6eme Etage". Regie: Philippe Le Guay. Darsteller: Fabrice Luchini, Sandrine Kiberlain, Carmen Maura u.a. Frankreich 2011, 100 Minuten (Wettbewerb, Vorführtermine)