Seit gestern gemeinfrei: Piet Mondrians "Blühender Apfelbaum".Gestern war
Public Domain Day. Werke von Autoren oder Künstlern, die
seit siebzig Jahren tot sind, werden gemeinfrei. Gestern wurden darum in Europa alle Werke von Autoren, die
1944 starben zugänglich: Die Erben von
Antoine de Saint-Exupéry,
Wassily Kandinsky,
Piet Mondrian und
Edvard Munch müssen seit gestern auf Ansprüche verzichten,
schreibt Jennifer Jenkins vom Duke Law School"s Center for the Study of the Public Domain. In den USA aber wird
kein einziges Werk in die Public Domain eintreten. Jones erklärt den Hintergrund: "Als das erste Copyright Law erlassen wurde, dauerte das Copyright 14 Jahre und war um 14 Jahre erneuerbar, wenn der Autor es wollte... Und heute? In den Vereinigten Staaten gilt das Copyright, wie anderswo, für die Lebenszeit des Autors
plus siebzig Jahre. Sie könnten also erwarten, dass Werke, deren Autoren 1944 starben, seit gestern frei wären. Traurigerweise ist das nicht so. Als der Kongress das Gesetz erließ, verlängerte er die Frist für existierende Werke und gab allen Werken, die zwischen 1923 und 1977 geschaffen worden waren und die noch durch Copyright geschützt wurden,
eine Frist von 95 Jahren. Das Ergebnis? Keines dieser Werke wird
vor 2019 frei, und Werke von 1958, die unter anderem Umständen 2015 frei gewesen wären, kommen frühestens 2054 in die Public Domain."
Copyright schadet der Verbreitung von Kultur (statt ihr seiner ursprünglichen Bestimmung gemäß zu dienen). Durch die Dauer der
Schutzfristen bis siebzig Jahre nach dem Tod der Urheber entsteht bei Büchern aus bestimmten Jahrzehnten ein "schwarzes Loch". Sie sind im Netz weder kostenlos noch zahlbar herunterzuladen: Das netzaktivistische Blog
Techdirt übernimmt eine Grafik der EU-Abgeordneten
Julia Reda (Piratenpartei), die das Ausmaß dieser kulturellen Verdunkelung beweist:

Mike Masnick
schreibt dazu in
Techdirt: "Was mich verblüfft, ist, dass diese
gigantische Masse fehlender Werke von Politikern nicht als größeres Thema gesehen wird. Urheberrechte bewirken heute einen massiven Verlust für Gesellschaft und Publikum, der mit ein paar einfachen Änderungen des Gesetzes leicht vermieden werden könnte, zum Beispiel indem man
eine Registrierung von Rechten verlangt... In den USA velangte das Urheberrechtsgesetz bis 1976 Registrierungen und Verlängerungsanträge jenseits der 28-Jahr-Frist, und die große Mehrheit der Werke wurde nicht verlängert, weil es keinen ökonomischen Anreiz dafür gab." Reda hat ihre Erkentnisse bei der Tagung des Chaos Computer Clubs erläutert -
hier das Video.