Ein
Urheberrechtsstreit um Marx ist ausgebrochen! Der Londoner Verlag Lawrence & Wishart, dem die
Rechte an der englischen Übersetzung der Marx-Engels-Ausgabe (MECW) mitgehören, hat das
Marxist Internet Archive aufgefordert, alle Texte aus der Ausgabe - es gab hunderte davon - von der Webseite zu entfernen. Daraufhin brach über den Verlag ein
Shitstorm los,
berichtet Noam Cohen in der
New York Times. Der Verlag, ein vier-Personen-Unternehmen, will eine eigene Online-Ausgabe der MECW an
Bibliotheken verkaufen. Das wäre natürlich schwierig, wenn es die Texte frei im Internet gibt. Auf seiner Webseite
verteidigt der Verlag sein Vorgehen und wirft seinen Kritikern vor, "keine sozialistische ober kommunistische Tradition aufrecht zu erhalten, sondern 'eine
Konsumentenkultur, die erwartet, dass kultureller Inhalt kostenlos an die Konsumenten geliefert wird, und die kulturellen Arbeiter wie Verleger, Lektoren und Autoren unbezahlt sitzen zu lassen, während die großen Verlage und andere Medienkonglomerate und Aggregatoren sich weiterhin durch Anzeigen und Datenverkauf bereichern'."
In Hollywood wird gerade das Buch "Although Of Course You End Up Becoming Yourself" verfilmt, in dem der Journalist David Lipsky von seinen Begegnungen mit
David Foster Wallace berichtet. Dessen Erben teilen nun in einer Presseerklärung mit, dass sie von diesem Projekt alles andere als begeistert sind. Da es sich nicht um ein Werk von, sondern über Wallace handelt, ist ihre
rechtliche Handhabe begrenzt,
meint Evan Kindley in der
Paris Review. Außerhalb des Gerichtssaals werden solche Kämpfe aber auch auf dem Feld der öffentlichen Meinung ausgetragen - und da haben bekannte Autoren gute Karten, meint Kindley mit Blick auf einen ähnlichen Fall, in dem
James Joyce 1927 den Verleger Samuel Roth verklagte: "Wenn die Erben ihr Missfallen weiterhin kundtun, könnten sie den Erfolg des Films unter eingefleischten Wallace-Fans substanziell beeinträchtigen. Auch wenn es ihnen wohl nicht gelingen wird, David Lipsky oder den Regisseur James Ponsoldt zu
kulturell Geächteten zu machen - wie es Joyce mit Roth getan hat -, so können sie ihnen doch das Leben bedeutend erschweren."