9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Urheberrecht

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 11.03.2016 - Urheberrecht

(Via turi2) Die Regel, nach der Urheber nach fünf Jahren wieder Anspruch auf ihr Werk haben, wird kassiert, meldet die FAZ in ihren Wirtschaftsseiten. Bundesjustizminister Heiko Maas hat seinen Entwurf nach heftigem Druck aus den Verlagen überarbeitet: "Diese Frist wird nun auf zehn Jahre verdoppelt. Außerdem darf der Verwerter eine schon aufgenommene Nutzung fortsetzen." Noch wichtiger ist vielleicht, dass laut FAZ auch das geplante Verbot von Pauschalvergütungen gestrichen wurde. Damit bleiben sogenannte Total-Buy-Out-Verträge legal, was alle Verwerterindustrien freuen dürfte. Urheber erhalten lediglich ein Auskunftsrecht, um zu erfahren, was mit ihren Werken so geschieht.

Der Prozess um die Ausschüttungen der VG Wort (sollen sie nur an die Autoren gehen oder auch an Verlage?) geht immer noch weiter. Die für gestern vorgesehene Entscheidung des BGH wird verschoben, berichtet Christian Ratz in der taz: "Der Vorsitzende BGH-Richter Wolfgang Büscher ließ in der zweistündigen Verhandlung erkennen, dass er die Sache noch nicht für entscheidungsreif hält. Wie es weiter geht, will der Senat am 21. April verkünden."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 10.03.2016 - Urheberrecht

Viele Künstler gestatten keine Abbildungen in kunstwissenschaftlichen oder kritischen Büchern mehr, wenn sie vorher den Text nicht kennen. Für den Kunsthistoriker Wolfgang Ullrich ist das schlicht Zensur. Möglich wird sie durchs Urheberrecht erläutert Ullrich im Gespräch mit Henry Steinhau von irights.info: "Sie berufen sich immer auf das Urheberrecht. Da sich insbesondere erfolgreiche Künstler oft nicht mehr von der Verwertungsgesellschaft VG Bild-Kunst vertreten lassen, sondern sich um alle Verwertungen selbst kümmern, haben sie auch die Kontrolle über alle Nutzungen ihrer Werke - und genau darum geht es ihnen meiner Ansicht nach."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 04.03.2016 - Urheberrecht

Urheberrechtsdiskussionen werden zumeist völlig einseitig geführt. Die Frage ist stets: Was nützt den Urhebern und den Verwertern. Was nützt den Nutzern und den Vermittlern wie Museen oder Bibliotheken wird hingegen fast nie gefragt. In der Schweiz dürfen die Vermittler bei der Revidierung des Urheberrechts erstmals mitreden, freut sich Claudia Jolles, Chefredakteurin des Kunstbulletins. Und das sei bitter nötig: "Wir haben heute ein hochkomplexes juristisches Räderwerk vorliegen, durch das nur noch eine Handvoll Fachleute schweizweit den Durchblick haben. Doch dem ursprünglichen Sinn und Zweck - der Wahrung der Interessen der Urheberinnen und Urheber an der Verwertung ihrer geistigen Schöpfungen - läuft es oft zuwider. Umso besser funktioniert die Maschinerie als Geschäftsmodell für die im Namen der Urheber auftretenden Verwertungsgesellschaften, welche die Bedingungen formulieren, über ein professionelles Lobbying-System politisch durchsetzen und den Einzug von Vergütungen als private Gesellschaft administrieren."

Apropos Urheber- und Verwertungsrechte: Der Künstler Anish Kapoor hat das exklusive Recht, das revolutionäre Vantablack zu benutzen, das schwärzeste Schwarz, das je entwickelt wurde, meldet Dezeen. "However this has sparked outrage amongst other artists, including English painter Christian Furr - who told the Mail on Sunday that he felt Kapoor was 'monopolising the material'. 'I've never heard of an artist monopolising a material. Using pure black in an artwork grounds it,' he said. 'All the best artists have had a thing for pure black - Turner, Manet, Goya. This black is like dynamite in the art world. We should be able to use it - it isn't right that it belongs to one man,' he added."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 01.03.2016 - Urheberrecht

Andreas Rötzer, Verleger von Matthes & Seitz wendet sich in der FAZ nochmal gegen die geplante Urheberrechtsnovelle, die es Autoren erleichtern würde, aus bestimmten Verträgen früher auszusteigen: "Was tatsächlich drohen dürfte, wenn der Referentenentwurf umgesetzt würde, ist die Gefahr einer Entsolidarisierung von Autor und Verlag. Das gemeinsame Projekt würde zu einem Projekt von Verlagen auf der einen Seite, die nun in kurzer Zeit ihre Investitionen einzuspielen gezwungen sind, und Schriftstellern auf der anderen Seite, die sich zu Einzelkämpfern aufrüsten müssen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 29.02.2016 - Urheberrecht

Zwei Filmemacher, Martin Baer und Claus Wischmann, wollen einen Dokumentarfilm über Urheberrechte per Crowdfunding finanzieren. Leonhard Dobusch zitiert bei Netzpolitik ihre Themenstellung: "Wir wollen herausfinden, wem die Bilder und der Anblick der Welt gehören. Das besondere an unserem Film ist, dass wir das Thema auf eine neue Ebene bringen wollen, indem wir den Film selbst zum Mittelpunkt der Auseinandersetzung machen und somit einen Gedankenanstoß starten wollen: Ist es rechtlich überhaupt möglich einen Film über 'geistiges Eigentum' zu machen, ohne selbst in die Illegalität zu gelangen? Und ist dieser Umstand akzeptabel oder beraubt er uns der kreativen Freiheit?"

9punkt - Die Debattenrundschau vom 27.02.2016 - Urheberrecht

Cory Doctorow kommentiert in Boingboing.net die wichtige Nominierung einer neuen Leiterin der Library of Congress durch Barack Obama höchstpersönlich als eine sehr positive Nachricht. "Der bisherige Bibliothekar des Kongresses war ein Technikfeind, der alle Geräte, die über ein Fax hinausgingen, ablehnte. Er wachte über das amerikanische Copyright und also auch amerikanische IT-Politik. 27 Jahre später geht er nun endlich, und nach vielen Spekulationen hat der Präsident seine Kandidatin nominiert, die wunderbare Carla Hayden. Hayden ist eine wirkliche Bibliothekarin, sie bekämpfte den Patriot Act, setzt sich für Open Access ein, und die Recording Industry Association of America (RIAA) hasst sie." Die Nominierung muss durch den Senat noch bestätigt werden, mehr zum Thema in der New York Times.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 25.02.2016 - Urheberrecht

Der Copyright Term Extension Act, der in den USA Urheberrechte auf Werke, die eigentlich frei geworden wären, auf bis zu 95 Jahre verlängerte, läuft 2019 aus. Es droht eine weitere Verlängerung, schreibt der Bibliothekar Donald Barclay im Freitag: "Obwohl der Kongress die zeitliche Begrenzung des Copyright nicht abschaffen kann, könnten die Bedingungen so geändert werden, dass das Copyright selbst nahezu unendlich verlängert wird. Wenn das geschehen sollte, würden Millionen von Werken, die für aktuelle und zukünftige Generationen von Wissenschaftlern, Künstlern und Neugierigen frei verfügbar sein sollten, im Schatten des Urheberrechts verborgen bleiben - unzugänglich und nahezu unsichtbar."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 23.02.2016 - Urheberrecht

(Via buchreport.de) Was Urheberrecht angeht, sind die Deutschen fleißig dabei, ihre Rechtsinnovationen nach Europa zu exportieren. An einem europäischen Leistungsschutzrecht wird schon gearbeitet. Nun wenden sich Bundesjustizminister Heiko Maas und Bundeskulturministerin Monika Grütters an den zuständigen EU-Kommissar Günther Oettinger, damit er auch eine Verlegerabgabe aus den Ausschüttungen von Verwertungsgesellschaften kodifiziert - entsprechend bisher geübter Praxis, die gerade vom Europäischen Gerichtshof einkassiert wurde. Das Schreiben ist beim BMJV veröffentlicht: Das Urteil des EuGH habe "große Besorgnis ausgelöst, ob die derzeitige Praxis der Verlegerbeteiligung auch zukünftig möglich sein wird".

9punkt - Die Debattenrundschau vom 22.02.2016 - Urheberrecht

Sehr deutlich wendet sich eine Gruppe von Autoren gegen Pläne des Justizministers Heiko Maas, den Verlagen Zugang zur Urheberpauschale der VG Wort zu geben, nachdem der Europäische Gerichtshof eine solche Praxis gerade für rechtswidrig erklärt hat: "Das Ganze ist ein bisschen, wie wenn jemand fünfzehn Jahre lang den Fiskus betrügt und man ihn dafür belohnt. Und zwar nicht nur, indem man ihm jegliche Strafe erlässt. Sondern indem man zusätzlich eine Regelung schafft, die legalisiert, was zuvor illegal war."Zu den Unterzeichnern gehören Daniel Kehlmann, Julia Franck, Ralf Bönt, Eva Menasse, Navid Kermani und Bastian Sick.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 15.02.2016 - Urheberrecht

Die Grünen haben einen eigenen Gesetzentwurf zur Novellierung des Urheberrechts vorgelegt, der sich in manchen Punkten mit dem Der Regierung deckt. Petra Sorge stellt den Entwurf bei cicero.de vor. Ein wichtiger Punkt: "Die Grünen wollen auch ermöglichen, dass steuerfinanzierte Wissenschaftspublikationen frei zugänglich werden. So sollen Urheber an Hochschulen oder außeruniversitären Forschungseinrichtungen ein Zweitveröffentlichungsrecht bekommen: 'Nach Ablauf von sechs Monaten bei Periodika und zwölf Monaten bei Sammelbänden' sollen sie ihre wissenschaftlichen Beiträge auch unentgeltlich der Öffentlichkeit zugängig machen dürfen. Sie könnten ihre Fachaufsätze etwa durch Creative Commons lizenzieren und ins Internet stellen - sofern die Forschung dazu staatlich finanziert war."