Tariq Ramadan galt lange als Beweis, dass ein gemäßigter Islamismus möglich sei und war auch in deutschen Medien ein gern gesehener Interviewgast. In Oxford wurde er mit Geldern aus Katar zum Professor gemacht. Dann erhoben in Frankreich und der Schweiz immer mehr
Frauen Vergewaltigungsvorwürfe, über die in den Medien eher selten berichtet wurde. Auch in der Schweiz findet zur Zeit ein Prozess statt, das Urteil wird in den nächsten Tagen erwartet.
Saïda Keller-Messahli, Präsidentin eines Schweizer Forums für einen fortschrittlichen Islam,
kommentiert im
Blick: "Noch ist die Politik zögerlich, wenn es um die
Muslimbruderschaft und ihre Vertreter geht. Ihre Financiers treten als Investoren auf, mit denen man es sich nicht verscherzen will. Wie auch immer das Urteil am 24. Mai in Genf ausfallen wird, es wird hoffentlich eine Diskussion auslösen, welche Rolle der
politische Islam in einer demokratischen Gesellschaft spielen soll."
In der
taz unterhält sich Ute Löhning mit dem chilenischen Ermittler
Luis Henríquez Seguel, der Ende der neunziger Jahre half, die Vorgänge um die rechtsextreme, mit Pinochet verbundene
Colonia Dignidad aufzuklären - sexueller Missbrauch von Kindern und Jugendlichen war auch hier eines der düsteren Themen. "Was in den Jahrzehnten der Colonia Dignidad geschehen ist, war schrecklich, auch für die vielen deutschen Opfer, die in der Siedlung gelitten haben. Natürlich ist
Chile verantwortlich, weil diese Dinge auf chilenischem Boden geschehen sind. Aber auch die
deutsche Botschaft in Chile kannte die Berichte derjenigen, die aus der Siedlung fliehen konnten wie Wolfgang Kneese 1966."