Claudia Roth hat ihre Rolle als Kulturpolitikerin noch nicht gefunden, schreibt Andreas Kilb in der
FAZ, der Roths erstes Amtsjahr recht kritisch resümiert. Bei der
Documenta sei sie vor allem mit Zurückrudern beschäftigt gewesen. Das
Humboldt-Forum wolle sie in der Stiftung Preußischer Kulturbesitz eingliedern, aber damit beschädige sie dessen Intendanten
Hartmut Dorgerloh, der als einziger in dem Haus kreativ mit der postkolonialen Herausforderung umgeht, so Kilb. Und die
Reform der Stiftung trete auf der Stelle, statt dessen wolle Roth nur deren Namen ändern, der doch genau beschreibt, was die Stiftung ist: "Sie bremst ein Projekt aus, bei dem es um größere Autonomie und bessere Vernetzung der Museen, um Personal- und Budgethoheit, schlankere Hierarchien und angemessene Finanzierung geht. Für dieses Vorhaben war das erste Amtsjahr von Claudia Roth ein verlorenes Jahr. Die nächste Sitzung des Stiftungsrats Anfang Dezember bietet die vorerst letzte Chance, den Reformprozess wieder in Gang zu bringen. Lässt man sie verstreichen, liefert man die größte deutsche Kulturinstitution ihren
inneren Beharrungskräften aus."
Als die
Corona-Pandemie noch Panik auslöste, im Jahr 2020, schlug die
Stunde der Lobbyisten. Ein Rechercheteam von
Dlf Kultur hat sich die Corona-Förderungen
näher angesehen, die in den
Kunstmarkt flossen. Die Bundesregierung, noch vertreten von
Monika Grütters, verhandelte mit
Kristian Jarmuschek vom Bundesverband Deutscher Galerien und Kunsthändler (BVDG) und anderen Repräsentanten des kommerziellen Kulturbetriebs. Wider Erwarten liefen die Geschäfte der Galerien dann doch glänzend. Aber die Förderung bekamen die Galerien trotzdem: "Maximal
70.000 Euro Fördergeld konnten einzelne Betriebe so bekommen. Der
tatsächliche Bedarf? Wird nicht überprüft. Somit bekommen selbst deutsche Spitzengalerien mit Millionenumsätzen staatliches Fördergeld, darunter große Namen wie Sprüth Magers oder König Galerie. Oder die Galerie Eigen + Art von Gerd Harry Lybke, den die Kunstwelt nur als 'Judy' kennt. Sie verzeichnete im Jahr vor der Pandemie bei einem geschätzten Umsatz von 21 Millionen Euro einen Gewinn von 2,6 Millionen Euro. Ein Jahr später, am Ende des Coronajahres 2020, liegt der Umsatz Schätzungen zufolge bei 26, der bilanzierte Gewinn bei 3,65 Millionen Euro. Dennoch erhielt Eigen + Art staatliche Fördergelder
von über 80.000 Euro."
Ursula Scheer greift die Recherche des Senders in der
FAZ auf und ergänzt: "Hiesige Galerien konnten
als Einzelhandelsunternehmen aufsperren, als andere, auch Museen, noch dicht hatten. Eilends bauten sie
Onlinepräsenzen aus und erlebten, dass die Kundschaft dort gerne zugriff."