Bei der
Documenta 15 hätte sie
härter durchgreifen müssen, sagt
Claudia Roth im großen
FR-
Interview mit Lisa Berins nach einem Jahr als Kulturstaatsministerin. Auch auf die
BDS-
Resolution des Bundestages kommt sie zu sprechen, die sei ein "einfacher, d. h. politischer Beschluss" hält sie noch einmal fest: "Es geht nicht, in Deutschland
öffentlich BDS zu propagieren. Wenn ein Künstler aber ein künstlerisch interessantes Werk schafft, was mit BDS nichts zu tun hat, ist das kein ausreichender Grund, ihn von einer Förderung auszuschließen. Was wir nicht wollen, das ist
Werbung für den BDS. Was wir nicht brauchen, ist eine
Gewissensprüfung. Meine Linie ist: Wir bekämpfen Antisemitismus in all seinen Formen, und ich bin gegen Boykotte, gerade gegen Kulturboykotte. Schon deswegen habe ich mich als Kulturstaatsministerin sehr deutlich geäußert, als BDS-Aktivisten und -Aktivistinnen offensiv interveniert haben und versucht haben, Boykotte beim Festival Pop-Kultur Berlin durchzusetzen. Das geht überhaupt nicht."
Roths erstes Regierungsjahr endet "mit relativ viel
kulturpolitischem Stillstand, mit vielen großen Worten zu anderen Dingen (Krieg, Demokratie, Erinnern) und wenigen kleinen Taten auf dem eigentlichen Aufgabengebiet",
bilanziert ein enttäuschter Dirk Peitz derweil auf
ZeitOnline, etwa mit Blick auf die Reform der
Stiftung Preußischer Kulturbesitz: "Nun will man den angeschlossenen Häusern wenigstens
ein bisschen Autonomie gönnen von der Stiftung selbst, der Rest der Reformpläne erschöpft sich in Verwaltungskram, und alle Beobachter sind fassungslos wie zuvor und weisen aufs Ausland, auf den Louvre, das British Museum, den Smithsonian-Verbund - anderswo kriegt man große, schwere Museumsflotten flott, ansehnlich, beliebt gar. Nur in Deutschland segeln die halt nicht. Sie gehen unter, aus eigener Schwerfälligkeit und nicht nur, weil sie schwer an ihren Kunstschätzen und ihrem
Kolonialerbe tragen."
Die
Reform der SPK beschäftigt heute auch den
Tagesspiegel. Dass die Generaldirektion einem sechsköpfigen Vorstand weichen soll,
findet Nikolaus Bernau nicht besonders klug, immerhin "war diese oft
der einzige Puffer gegen die Machtübergriffe der Politik und der Stiftungsspitze". Wesentliche Probleme werden indes übersehen: "Die Staatsbibliothek musste ihren in 300 Jahren eingehaltenen Universal-Bibliotheks-Anspruch, möglichst alle Zeugnisse des menschlichen Wissens sammeln zu können, aufgeben; die wissenschaftliche Arbeit in der Stiftung stützt sich ganz auf die
Selbstausbeutung der Mitarbeiter, selbst bedeutende Sonderausstellungen wie jene über die Kunst in der Ukraine können nicht mehr übernommen werden." Auch Bernhard Schulz hätte gern mal Konkretes über
künftige Finanzierungspläne gehört.