Alexander Fanta führt für
Netzpolitik ein
faszinierendes Gespräch mit der Wettbewerbsforcherin
Dina Srinivasan, die
Googles Stellung auf dem Online-Anzeigenmarkt untersucht hat. Ihre Beobachtung ist, dass der Anzeigenmarkt heute funktioniert wie der
Finanzmarkt: Anzeigen werden nicht mehr direkt in Medien geschaltet, sondern über Google als Makler oder Broker. "Wenn die Leute über Google nachdenken, sagen sie zunächst, Google macht eine Suchmaschine. Wenn man dann versteht, dass Google fast all sein Geld über Anzeigen macht, kommt die nächste Vermutung und man sagt, 'oh, das liegt daran, dass Google eine Menge Anzeigen auf Youtube und in der Suche verkauft'. Und das stimmt ja auch. Aber dann muss man verstehen, dass Google nicht nur auf seinen
eigenen Seiten Anzeigen verkauft, sondern auch auf
Millionen anderen Seiten in der ganzen Welt." Dabei entsteht aber ein Interessenskonflikt, so Srinivasan, denn Google ist
zugleich Broker und Marktplatz - und schiebt sich selbst einen immer größeren Teil der Einnahmen zu: "Auf den Finanzmärkten haben wir proaktive Firewall-Anforderungen. Makler können nicht mit Börsenmitarbeitern sprechen. Sie müssen sich in verschiedenen Gebäuden befinden. Sie müssen sicherstellen, dass sie nicht gegen Interessenkonflikte verstoßen."
Der Internetrecherchedienst
Bellingcat hat zusammen mit internationalen Medien wie
CNN und
Spiegel herausgefunden, dass eine Gruppe von FSB-Agenten hinter dem Mordversuch an
Alexej Nawalny steckt. In einem
eigenen Artikel erklären die Rechercheure, wie sie auf die Spur kamen: Sie verfolgten
Telefon-Metadaten von Mitarbeitern von Chemiewaffenlaboren und FSB-Agenten. Offenbar sind sie
erstaunlich leicht an die Daten gekommen und belegen nebenbei, wie wichtig Datenschutz ist: "Die meisten der Informationen, die wir für unsere Recherchen nutzten, hätte man in den meisten westlichen Ländern nie bekommen, aber in Russland sind sie entweder gratis oder gegen
eine geringe Gebühr leicht erhältlich. Hinzukommt, dass russische E-Mail-Provider wie Mail.ru und Rambler und soziale Netzwerke wie Vkontakte
wesentlich weniger sicher und auf Privatsphäre fokussiert sind als ihre westlichen Äquivalente, was zu häufigen Datenleaks und robusten Suchmöglichkeiten führt."
Viel wird derzeit geforscht, wie man trotz Distanz bei Videochats
Nähe herstellen kann, erzählt ein zoommüder Michael Moorstedt in der
SZ. Zum Beispiel mit der App
Together: "Sie ist darauf ausgelegt, dass isolierte Großeltern mit ihren Enkelkindern Kontakt halten können und kombiniert deshalb eine
Vorlese-
und Spielefunktion mit einem Videochat. ... Eine der vielversprechendsten Lösungen nennt sich
Proximity Chat. Vereinfacht gesagt hat man hier Chaträume, in denen man sich zwischen den Konversationen hin und herbewegen können soll
wie auf einer Party. Jeder Nutzer wird von einem Avatar repräsentiert, der frei durch einen virtuellen Raum gesteuert werden kann. Genau wie im echten Leben kann man dann nur die Teilnehmer sehen und hören, deren Icons sich in der Nähe des eigenen befinden. Genauso kann man nicht hören, was andere bereden, deren Avatare sich auf der anderen Seite des Raums befinden.
Erst wenn man sich nähert, werden ihre Stimmen lauter und ein Videokästchen erscheint auf dem Bildschirm."