In der
FR greift Michael Hesse den
offenen Brief auf, in dem über
2.000 linke jüdische ProfessorInnen, darunter
Peter Beinart,
Omer Bartov und Nancy Fraser, Trump nach der Festnahme eines antiisraelischen Aktivisten vorwerfen, "
Antisemitismus als politisches Instrument zu missbrauchen, um eine autoritäre Kampagne gegen Universitäten, kritisches Denken und politische Gegner voranzutreiben. Insbesondere verurteilen die Unterzeichner die Festnahme und
Abschiebung von Studierenden und Wissenschaftlern unter dem Vorwand der Bekämpfung von Antisemitismus."
Seyla Benhabib, Professorin für Politikwissenschaft und Philosophie an der Yale University, erklärte: "'Ich habe diesen Brief unterschrieben, weil ich gegen die Manipulation von Antisemitismusvorwürfen bin, um legitime Meinungsverschiedenheiten innerhalb der jüdischen Gemeinschaft zu unterdrücken, die von Fragen des Israel-Palästina-Konflikts bis hin zur Unterscheidung zwischen Antisemitismus und Kritik an der Regierung Netanjahu reichen.' Weiter schrieb sie: 'Ich habe auch unterschrieben, weil ich für das Recht unserer Studenten und Kollegen eintrete, ihre
Meinungsfreiheit friedlich auszuüben, ohne Repressalien und Abschiebung fürchten zu müssen.'"
Bei dem Aktivisten, der ausgewiesen werden soll, handelt es sich um den 31-jährigen
Mahmud Khalil, der die Proteste an der Columbia University vor einem Jahr angeführt hatte - dabei kam es auch zu Angriffen gegen jüdische Studenten und Universitätspersonal. Auch
Shai Davidai, Assistenzprofessor in Columbia, der als erster auf die Bedrohung jüdischer Studenten durch Pro-Hamas-Aktivisten aufmerksam gemacht hatte (unser
Resümee),
spricht sich auf Twitter gegen eine Ausweisung Khalils ohne faire Anhörung aus. "Es muss jedoch betont werden, dass Khalil vom Department of Homeland Security nicht festgenommen wurde, weil er seine Rechte gemäß dem ersten Zusatzartikel der Verfassung ausgeübt hat, er wurde festgenommen, weil er gegen die
Bedingungen seiner Green Card verstoßen hat, namentlich wegen seiner Aktivitäten im Zusammenhang mit einer von den USA als terroristisch eingestuften Organisation." In der
taz berichtet und
kommentiert Bernd Pickert über Forderungen der Trump-Regierung an die Columbia University.
"Muslimische Frauen und Schwarze (sic) Menschen erleben
besonders häufig Diskriminierung", stellt der Monitoring-Bericht des "Nationalen Diskriminierungs- und Rassismusmonitors" fest. Die jährliche Studie zu diesen Fragen wird
hier veröffentlicht. Der "Nationale Diskriminierungs- und Rassismusmonitor" (NaDiRa) gehört zum "Deutschen Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung" (DeZim) und wird somit vom Familienministerium gefördert. "Wir konnten in den letzten Monaten beobachten, wie
rassistische und antisemitische Ideologien nach und nach in die
Parlamente einziehen - ein erschreckender Beweis dafür, wie gesellschaftlicher Hass politische Macht erlangen kann", sagt der
Sozialwissenschaftler Cihan Sinanoglu, Leiter des Monitors im
FR-Gespräch, in dem er auch die jüngste
Migrationsdebatte scharf kritisiert: "Nicht alles, was migrationskritisch ist, ist auch gleich rassistisch. Aber wie darüber diskutiert wurde, war in einigen Teilen
ganz klar rassistisch. Ein Beispiel: Nach dem islamistischen Anschlag in Solingen übertrafen sich nahezu alle Parteien in einem Überbietungswettbewerb bezüglich
menschenverachtender Maßnahmen gegenüber Geflüchteten. So forderte die FDP in einem Fraktionspapier nur noch 'Bett, Seife, Brot' für ausreisepflichtige Geflüchtete, also die Rationierung von Sozialleistungen. Was ein islamistischer Anschlag zu tun hat mit den Bedingungen von Geflüchteten in Geflüchtetenheimen, wurde überhaupt nicht mehr gefragt."
Der Bericht des NaDiRa wird zur Zeit in allen Medien resümiert. In der
taz schreibt Frederik Eikmanns: "Besonders betroffen sind muslimische und schwarze Frauen sowie schwarze Männer. Offene Diskriminierung, etwa eindeutige Beschimpfungen, Bedrohungen oder körperliche Angriffe kommen dabei seltener vor als
subtilere Formen. Dabei geht es etwa um Fälle, in denen Betroffene unfreundlich behandelt, nicht ernst genommen, ignoriert oder angestarrt werden."