"Heute spricht niemand mehr vom
Atomzeitalter. Dabei leben wir mehr als jemals darin",
schreibt Arno Widmann in der
Berliner Zeitung mit Blick auf den 75. Jahrestag der
Atombombenangriffe auf Hiroshima und Nagasaki: "Nicht weil es 13.400 einsatzbereite Sprengköpfe gibt - in den Hochzeiten des Kalten Krieges waren es mehr als doppelt so viel - , sondern weil es heute mehr Staaten gibt, die welche zum Einsatz bringen können. Derzeit hat Russland etwas mehr als 6000 Sprengköpfe, die USA etwas weniger. Dann folgen China, Frankreich, Großbritannien. Es gibt Beobachter, die als eine der größten Gefahren ansehen, dass Pakistan mit 160 Atomsprengköpfen und Indien mit 150 aufeinander einschlagen könnten."
Deutsche Historiker konzentrieren sich allein auf die deutsche
NS-
Täter-
Geschichte,
konstatiert der polnische Holocaust-Historiker
Jan Grabowski im
Freitag. Das berge die Gefahr der
Geschichtsverfälschung, meint er: "Damit nehmt ihr uns Polen, Ungarn, Franzosen, uns Bürgern so vieler anderer Nationen, das Recht und die Pflicht, die Schuld für unsere eigene, problematische und dramatische Geschichte zu übernehmen. Ja, ihr Deutschen, eure Vorväter haben den Masterplan geschaffen, ihr habt die Räder in Bewegung gesetzt und den schrecklichen Plan ausgeführt - daran ist kein Zweifel. Aber könnt ihr uns
anderen Europäern das Recht verweigern, uns unserer eigenen Vergangenheit zu stellen? Als Pole habe ich das Recht, nein, die Pflicht, alle polnischen Juden zu zählen und zu berücksichtigen, die mit Hilfe meiner Landsleute ausgeraubt, ermordet, denunziert wurden. Es gehört zu unserer Bürgerpflicht, über die Leute zu reden und nachzudenken, die den deutschen Plan zur Vernichtung bereitwillig, mit Enthusiasmus unterstützten."