Spätaffäre

Strukturen und Versorgungslinien

Vorschläge zum Hören, Sehen, Lesen. Wochentags um 17 Uhr
31.03.2014. Für den Verstand: Die NYTimes zeigt, wie amerikanische Museen mit der Wikipdia arbeiten und die LRB, wie die Syrer den Dschihad manipulieren. Für die Ohren gibts WK I. Für die Augen Woody Allen und Eric Cantonas "Rebellen am Ball".

Für Sinn und Verstand

Bashar Al-Assads Baath-Regimes mag streng säkular sein und die Muslimbrüder brutal unterdrückt haben, doch den Dschihad haben die syrischen Geheimdienste seit Beginn des Irak-Krieg nach Kräften unterstützt, erklärt Peter Neumann in einem kenntnisreichen Report der London Review of Books. Einerseits um die Islamisten loszuwerden, andererseits um die alliierten Truppen zu schwächen: "Bashar al Assad beschuldigt meist das Ausland - insbesondere die Türkei und die Golfmonarchien -, Geld und Einfluss zur Unterstützung des Aufstands bereitgestellt zu haben, die Rebellen zu bewaffnen und fremde Kämpfer zu rekrutieren. Das ist sicherlich richtig, aber nur die eine Hälfte der Geschichte. In den Jahren vor dem Aufstand waren Assad und seine Geheimdienste der Ansicht, dass der Dschihad gefördert und genutzt werden könnte, um den Zwecken der syrischen Regierung zu dienen. Damals kamen die ersten Dschihadisten ins Land und halfen die Strukturen und Versorgungslinien aufzubauen, die jetzt dem Kampf gegen die Regierung dienen. In der Hinsicht bekämpft Assad einen Feind, den er selbst mitgeschaffen hat."

Einerseits sagt man, dass die Begeisterung für die Wikipedia nachlässt (aber vielleicht liegt es nur daran, das die Aufbauarbeit abgeschlossen ist), andererseits entdecken in den USA immer stärker auch Organisationen wie etwa Museen die Wikipedia und laden Wikipedianer zu "edit-a-thons" ein, um bisher unerschlossene Wissensbereiche zugänglich zu machen, berichtet Noam Cohen im Kunstteil der New York Times: "Dutzende solcher 'edit-a-thons' sind in den letzten Jahren abgehalten worden zu Themen wie 'Frauen in Wissenschaft und Kunst', 'die Geschichte von Greenwich Village' oder 'die Geschichte der Schwarzen in North Carolina'. Institutionen wie das Smithsonian American Art Museum, das Art Institute of Chicago, das Children's Museum of Indianapolis und die Gerald R. Ford Presidential Library haben sich beteiligt."

Für die Ohren

Minimalismus pur: In der Reihe "Klangkunst" präsentiert Deutschlandradio Kultur das Hörstück "Murmel", das der Aktionskünstler Dieter Roth 1974 zunächst für das Theater geschrieben hat. Die 176 Seiten Text kommen mit einem einzigen Wort aus: Murmel. - Grace Yoon hat das Theaterstück bearbeitet, die Musik komponiert und auch Regie geführt. - Zu hören sind u.a. Martin Engler, Meike Schmitz, Hans Peter Hallwachs sowie der Chor Capella Vocale München (44 Minuten).

Deutschlandradio Kultur beschäftigt sich mit Buchmarkt und dem Ersten Weltkrieg. Die zahlreichen Neuveröffentlichungen untersuchen nicht nur die Schuldfrage, sondern vor allem die Vorgeschichte der "größten Katastrophe" des 20. Jahrhunderts (30 Minuten).

Für die Augen

Vor fünfzig Jahren putsche Brasiliens Militärs. Einer ihrer mächtigsten und virtuosesten Gegner war der Fußballer Socrates, der mit seinem selbstverwalteten Verein Democracia Corintinia die Generäle zur Weißglut brachte. Vor den Spielen trugen sie Transparente mit der Aufschrift "Sieg oder Niederlage, aber immer demokratisch!". In der großartigen Dokumentation "Rebellen am Ball" von Gilles Perez und Gilles Rof huldigt der Fußballer Eric Cantona den Helden des politischen Widerstands: Socrates, Didier Drogba, Carlos Caszely, Predrag Pasic und Rachid Mekhloufi:




Woody Allen: "Celebrity"

Wie ungewöhnlich, dass 3sat auch einmal Teile seines Filmprogramms in die Mediathek stellt: Mit Woody Allens "Celebrity" beschließt der Kultursender seinen Themenschwerpunkt "Jet Set Stories" mit einer schwarz-weißen Satire auf den Kultur- und Kunstbetrieb. In einer Nebenrolle zu sehen: Leonardo Di Caprio bei einem seiner ersten Versuche, seine Karriere künstlerisch avancierter auszurichten. Hier in der Mediathek. (109 Min.)