Spätaffäre

All die kleinen Torhüter

Vorschläge zum Hören, Sehen, Lesen. Wochentags um 17 Uhr
11.02.2014. Auf Arte erzählt William Karel die Geschichte des Verlags Gallimard. Elke Gebhardt sucht im SWR Geistesblitze der Ideengeschichte. Im Aeon Magazine überlegt der israelische Philosophieprofessor Aaron Ben-Zeev, wie man die romantische Liebe erhält.

Für die Augen

Arte befasst sich mit der Geschichte des Verlags Gallimard: "Im Reich der Bücher", ein Dokumentarfilm von William Karel (93 Minuten).



Schlangengottesdienste in den amerikanischen Südstaaten. Der Filmemacher Al Clayton schreibt auf Youtube: "Diese Gottesdienste erschienen mir so ungewöhnlich, dass isch sie nicht aus meinem Gedächtnis löschen konnte. So besuchte und dokumentierte ich unterschiedliche 'Jesus name'-Kirchen in Alabama und Georgia. Bei diesen Gottesdiensten, wird mit Schlangen hantiert, es gibt Zungenreden, Strychnin, brennende Fackeln, die unter Händen und Füßen gewedelt werden, laute, sehr laute Musik, Tanzen, Leute , die sich auf dem Boden wälzen, richtig aufregend." Ein kleiner Blick in den Bible Belt.

Stichwörter: Südstaaten

Für die Ohren

"Geistesblitze der Ideengeschichte", ein Radioessay von Elke Gebhardt für den SWR. Aus dem Programmtext: "Erst in der europäischen Renaissance entstand das Bild der modernen Wissenschaft. Dabei gab es genug andere Hochkulturen, denen das nicht gelang. Was steuert unsere Formen von Wissen?" Hier der Download (44 Minuten).

Für den SWR befasst sich Dagmar Lorenz mit lyrischen Untergangsvisionen. Im Mittelpunkt stehen expressionistische Dichter des Ersten Weltkriegs. Hier als Download (27 Minuten).

Und ein paar Hinweise für Kurzangebundene: Ein Gespräch mit der ukrainischen Schriftstellerin Tanja Maljartschuk über die Situation in ihrem Land (HR, 9 Minuten) und ein 7-minütiges Gespräch mit Harun Farocki (DRK).

Für Sinn und Verstand

Erfahrung und Spinoza sagen uns, dass die romantische Liebe nicht andauern kann. Irgendwann erlischt sie, das geht unehelichen Paaren ebenso wie verheirateten, heterosexuellen ebenso wie homosexuellen oder lesbischen. Daher war es eine kleine Überraschung, als eine wissenschaftliche Untersuchung von Liebesbeziehungen 2012 herausfand, dass zwischen 30 und 40 Prozent der Befragten, die alle länger als zehn Jahre verheiratet waren, sich für 'sehr verliebt' erklärten. Das wiederum hat den israelischen Philosophieprofessor Aaron Ben-Zeev jetzt dazu gebracht, im Aeon Magazine darüber nachzudenken, wie man die romantische Liebe erhalten kann. "Ich begann mein Gedankenexperiment damit, heftige Emotionen wie Wut mit Gefühlen wie Trauer zu vergleichen. Ein Gefühl besteht nicht nur daraus, dass man eine heftige Emotion wieder und wieder spürt - es formt auch dauerhaft unsere Einstellung und unser Verhalten. Ein Wutanfall kann vielleicht einige Minuten oder länger dauern, aber Trauer über den Verlust eines geliebten Menschen hallt ständig nach, sie färbt unsere Stimmungen, unser Verhalten und die Art, wie wir Raum und Zeit verstehen. Ebenso können wir auf dem Gebiet der Liebe zwischen zwei Phänomenen unterscheiden: romantischer Intensität und romantischer Tiefgründigkeit. Romantische Intensität zeigt ihren momentanen Wert in der heftigen Emotion. Romantische Tiefgründigkeit verkörpert über eine lange Zeit wiederholte heftige Anfälle intensiver Liebe zusammen mit Lebenserfahrung, die in allen Dimensionen mitschwingt, und den Individuen hilft zu wachsen und zu gedeihen. Aber es geht bei romantischer Tiefgründigkeit nicht nur um Dauer, es geht auch um Komplexität. Eine Analogie dazu findet man in der Musik..."

In einem 13 Seiten langen Artikel erklärt George Packer im New Yorker das radikale und radikal neue Geschäftsmodell hinter Amazon, welches mit der simplen und nicht im Geringsten bibliophilen Einsicht begann, dass Bücher leicht zu versenden und nicht zerbrechlich sind. "Über den Bücherverkauf sammelte Amazon die Daten wohlhabender, gebildeter Käufer, denen man schließlich alles Mögliche andrehen konnte, vom Rasenmäher bis zum Dildo." Dass Amazon dennoch den Buchmarkt grundlegend verändert, steht für Packer außer Zweifel: "Oberflächlich betrachtet geht es um die Frage, wie gelesen wird, auf Kindle oder iPad. Eigentlich aber geht es um Kulturmonopolismus. All die kleinen Torhüter, Journalisten, Kritiker und Buchhändler, wirken als Barrieren gegen die totale Kommerzialisierung von Ideen. Sie bieten frischen Talenten Raum sich zu entwickeln und um auch unbequeme Wahrheiten mitzuteilen. Wenn es nur noch einen Torhüter gibt, wird es Amazon kümmern, ob ein Buch gut ist?"
Stichwörter: Buchmarkt, Intensität