Magazinrundschau - Archiv

The Spectator

157 Presseschau-Absätze - Seite 10 von 16

Magazinrundschau vom 26.06.2007 - Spectator

Rod Liddle steht der Aristokratie traditionell eher skeptisch gegenüber, der Ritterschlag für Salman Rushdie geht aber völlig in Ordnung. "Während der Rest von uns sich immer noch um den Kalten Krieg sorgte, warnte uns Rushdie vor dem Krieg, der kommen sollte. Er behandelte die islamische Revolution mit Kenntnis, philosophischer Eleganz und großartigem literarischen Einfallsreichtum. Und er tat das mit enormen Mut und Einsatz. Er ist vielleicht der einzige britische Schriftsteller, der den Kern des Islam und damit auch des Westens verstanden hat. Trotz der ihm auferlegten Beschränkungen hat er mindestens fünf erstklassige Romane oder Erzählbände produziert (das sind vier mehr als Will Self geschafft hat - und ich bin noch nett)."

Extravagante und schwule Piraten gibt es nicht erst seit Johnny Depp, berichtet Richard Sanders, der zu diesem Thema "The True Story of Bartholomew Roberts" veröffentlicht hat. "Wenn irgendjemand den Titel des 'Wahren Piraten der Karibik' verdient, war es der Waliser Bartholomew Roberts, der in seiner zweieinhalbjäheigen Karriere zwischen 1719 und 1722 die erstaunliche Anzahl von 400 Schiffen kaperte. - eine Zahl, mit der er alle seine Zeitgenossen in den Schatten stellt. Roberts war der lebende Beweis, dass die Realität immer sehr viel interessanter ist als die Fiktion. Er trank eher Tee als Rum. Er organisierte seine Schiffe nach strikt demokratischen, egalitären Richtlinien. Ein Drittel seiner Männer war schwarz. Und er war wahrscheinlich schwul." (Und trug er beim Entern Puschen?)

Magazinrundschau vom 12.06.2007 - Spectator

Ross Clark hat offenkundig wenig Verständnis für Proteste gegen nationale und internationale Einkommensungleichheiten. Vielmehr zeigt er sich anlässlich der G 8-Demonstrationen empört, dass der Hass auf die Reichen wieder in Mode kommt und warnt davor, vor allem die in Deutschland aktiven militanten Strömungen zu unterschätzen: "Es ist kein Zufall, dass die Wiedergeburt der Anti-Globalisierungs-Proteste mit dem G 8-Gipfel in Deutschland zusammenfiel. Denn die Anti-Globalisierungsbewegung hat ihre Ursprünge bei den deutschen Autonomen - anarchistischen Gruppen der sechziger und siebziger Jahre... Mit dem Unterschied allerdings, dass die Autonomen Untergrund-Organisationen waren, während die Anarchisten von heute zunehmend ganz offen operieren. Man musste nicht gerade Spionagemethoden anwenden, um herauszufinden, was die Protestgruppen für den G 8-Gipfel planten: Jeder, der eine Internetverbindung besitzt, konnte die detaillierten Pläne zu Ort und Vorgehen der Protestaktionen nachlesen."
Stichwörter: Globalisierung, Autonome

Magazinrundschau vom 22.05.2007 - Spectator

Rian Malan blickt auf Simbabwe und "Erinnerungen an den Untergang von Ludwig XVI., Mussolini und Ceausescu werden wach. Ist es nicht Zeit, Mugabe einem ähnlichen Schicksal zu überlassen?" Mit Bitterkeit beschreibt Malan die Unterstützung, die Robert Mugabe in der ganzen Welt - und besonders von Schwarzen, aber auch von liberalen Weißen - erfahren hat. "Man versteht die Wunden aus der Geschichte, aber dennoch muss es einen Tag geben, an dem selbst der militanteste Fan begreift, dass sein Verhalten die Reputation von Ian Smith wiederherstellt, der prophezeit hatte, Rhodesien würde 'vor die Hunde gehen', wenn die Schwarzen die Macht übernehmen. Zu Beginn dieses Jahres wurde Smith bestätigt. Acht von zehn Zimbabwer waren arbeitslos und die, die Arbeit hatten, waren ebenfalls angeschmiert, denn die Inflation betrug 2.200 Prozent, so dass sie sich nichts leisten konnten. Krankenhäuser und Schulen brachen zusammen, Fabriken schlossen, Millionen droht der Hungertod."

Simon Sebag Montefiore hat in einem Archiv in der georgischen Hauptstadt Tiflis herausgefunden, dass Stalin kurioserweise bei den Rothschilds in Batumi (Karte) gearbeitet hat. An seinem ersten Tag brannte die Raffinierie der Rothschilds nieder, wenig später wurde ein Mordanschlag auf den Direktor verübt. "Das war nicht das Ende von Stalins Beziehung zu den Rothschilds. 1907 zog er in die aufstrebende und gesetzlose Stadt Baku, wo megareiche Ölbarone regierten, die den heutigen Oligarchen schon sehr ähnlich waren. Um Lenin zu finanzieren, übte sich Stalins Bande aus Killern und Bankräubern in Schutzgelderpressung, Piraterie, Erpressung und Kidnapping. Die Rothschilds waren außerordentlich mächtig in Baku, jedoch berichten sowohl die zaristische Geheimpolizei als auch die Memoiren von Bolschewiken, dass die Rothschilds Stalin Geld zukommen ließen und ihn sogar bezahlten, um einen Streik zu stoppen."

Magazinrundschau vom 01.05.2007 - Spectator

Christopher Howse trifft die 86-jährige Anthropologin Mary Douglas, die mit ihren Forschungen über die Wertesysteme von Gesellschaften viel über die Terroristen von heute zu sagen hat. "'Die Enklavisten bilden eine Gruppe von gleichgesinnten Freunden, die die Rangordnungen, Zeremonien und ungleichheiten der äußeren Gesellschaft ablehnen. Ihre Kultur ist radikal und wütend.' Al Qaeda und ihre extremistischen Vorgänger sind Beispiele von Enklavisten. Sie können gefährlich werden, wenn sie die Mainstream-Gesellschaft verlassen - wie Mohammed, der den Staub Mekkas abschüttelte und sich mit einigen Getreuen auf den Weg nach Medina machte, um dort neu anzufangen. Der gegenwärtige Enklavismus ist so gefährlich, weil das Internet mit ihrer Gesellschaft Unzufriedene, die bisher isoliert waren, über den Computerbildschirm mit einer gemeinsamen Sache in Berührung bringt."

Zwei Artikel in dieser Ausgabe liest der Kontinentaleuropäer mit wachsendem Erstaunen: Liam Byrne, Minister für Einwanderung und Staatsbürgerschaft, fordert die Engländer (nicht die Briten insgesamt) auf, sich stärker gegen die drohende Abspaltung Schottlands zu engagieren. Und Hywell Williams analysiert die walisische Labour-Regierung, die dem Land seiner Ansicht nach nichts Gutes gebracht hat, um schlussendlich für die Unabhängigkeit von Wales zu plädieren. Wäre die drohende Zersplitterung des Vereinigten Königreichs nicht Anlass für eine größere Debatte - zwischen Engländern, Walisern UND Schotten? Oder ist das alles nur ein Sturm im Wasserglas?

Magazinrundschau vom 24.04.2007 - Spectator

Putin wird vor nichts mehr zurückschrecken, fürchtet die Historikerin Anne Applebaum nach den jüngsten Ausfällen seines Regimes gegen Oppositionelle: "Garri Kasparow hat die harsche Polizeitaktik als Beweis dafür bezeichnet, dass das Regime Angst hat. Andere vermuten dahinter die Angst des Kreml vor einer Wiederholung der ukrainischen Orangen Revolution, deren Anhänger mit Straßenprotesten den Regimewandel herbeiführten. Ich bin mir da nicht sicher. Die neue Aggressivität kann, im Gegenteil, der Beweis sein, dass der Kreml derart selbstbewusst ist, dass er keine Rücksicht mehr auf die Sensibilitäten der westlichen Öffentlichkeit zu nehmen braucht." So habe sich auch der Ton verschärft, mit dem besonders Kasparow geschmäht werde: "Letzte Woche nannte die Website der Prawda einen 'politischen Bauern, der seine Seele an Verräter verkauft hat, die Russlands Untergang betreiben' und einen 'glutäugigen, aserbaidschanischen Beresowski-Anhänger', der 'nach westlicher Gewohnheit in seinem Millionärsappartement sitzt'... Nett, nicht?"

Magazinrundschau vom 17.04.2007 - Spectator

"Demütigung auf Demütigung" hat der Spectator in den vergangenen Wochen erdulden müssen, als sich das Drama um die fünfzehn vom Iran festgenommenen britischen Soldaten entfaltete. Der Gipfel war, dass die Regierung ihnen auch noch erlaubt hat, ihre Geschichte verkaufen zu dürfen. Theodor Dalrymple macht die bröckelnde gesellschaftliche Gesamtverfassung für das beschämende Schauspiel verantwortlich. "Großmannsucht und Charakterlosigkeit sind zwei Seiten einer Medaille. Wenn jemand glaubt, er sei nicht mit einer Erbsünde, sondern mit einer Erbtugend auf die Welt gekommen, denkt er, dass alle seine Meinungen, Ziele und Handlungen per Definition rein, moralisch und deshalb richtig sind. Er kann von einem Moment auf den anderen umschalten, und das völlig ohne Skrupel. Denn er glaubt unerschütterlich, dass er das moralische Äquivalent zur Cheshire Cat ist." Die Schmach der Nation wird außerdem hier und hier kommentiert

Weitere Artikel: David Selbourne ist sich sicher, dass die USA mit dem Irakkrieg das Ende ihres Imperiums eingeläutet haben. Matthew d'Ancona unterhält sich mit Jeffrey Sachs, demn diesjährigen Reith Lecturer der BBC, über die Rettung Afrikas.
Stichwörter: Irakkrieg, Sachs, Jeffrey, Demeter

Magazinrundschau vom 03.04.2007 - Spectator

Der in Frankreich lebende Theodor Dalrymple erklärt seinen Landsleuten das Land und seine Präsidentschaftskandidaten: Sarkozy spaltet, Royal wirkt wie ein Beruhigungsmittel - und Bayrou? "Bayrou ruft überhaupt keine Emotionen hervor. Dass er noch wenig geleistet hat, könnte sich als seine größte Stärke herausstellen. Ich erinnere mich, wie ein peruanischer Bürger einmal die Frage beantwortet hat, warum er in der wichtigsten Wahl des Landes für Fujimori gestimmt hatte: Ich habe ihn gewählt, weil ich nichts von ihm wusste. Das lässt eine relativ pessimistische Sicht auf die moralischen Qualitäten von Politikern vermuten, die mittlerweile in allen demokratischen Ländern weit verbreitet ist. Bayrou wird damit zu einem ernsthaft möglichen zukünftigen Präsidenten. Le Pen darf man nicht erwähnen, zumindest nicht in anständiger Gesellschaft. Ich habe noch nie jemanden getroffen, der zugegeben hat, ihn zu wählen. Das lässt nur den Schluss zu, dass das französische Wahlsystem massiv zu seinen Gunsten manipuliert wird."

Magazinrundschau vom 27.03.2007 - Spectator

Selbst nachdem einige Models verhungert sind, ist Schlanksein das Ziel aller Teenager. Die Schülerin Cleo Watson berichtet aus der Größe-Null-Hölle an ihrer Mädchenschule und stellt fest: "Nicht das dünne Model in der Vogue überzeugt die Mädchen an meiner Schule, in ihre Fußstapfen zu treten, es sind normale Leute wie Wayne Rooneys Freundin, Colleen, und ihre letzte allmächtige anti-Cellulite Jojo Diät. Oder die endlosen Geschichten von Leute aus der Serie "Real Life", die sehr viel sehr schnell Gewicht verloren haben. Das sind unsere Helden. Obwohl wir alle ziemlich helle Mädchen an einer guten Schule sind, sind unsere Vorbilder nicht professionäle Anwälte, Politiker oder Schriftsteller. Es sind zuerst und vor allem dünne Frauen. Wir alle lieben "Sex and the City", aber mir ist aufgefallen dass, obwohl viele von uns eine erfolgreiche professionelle Karriere anstreben, wir alle lieber Carrie wären, mit ihrer winzigen Taille, als Miranda, die weniger glamouröse Freundin, die Teilhaberin einer Anwaltsfirma ist, ein Baby hat und ein fantastisches Appartement."

Aus dem nachsynodalen apostolischen Schreiben, das Benedikt XVI. unter dem Titel "Sacramentum Caritatis" veröffentlicht hat, folgert Piers Paul Read, dass der Papst doch eher der traditionsbewussten Seite zuzurechnen ist. Read spricht sogar von "antiliberaler Revolution". "Ehelicher Verkehr sollte offen sein für die Weitergabe menschlichen Lebens, und die Ehe und die Familie sollte von 'jeder möglichen Fehlinterpretation ihrer wahren Natur' (etwa eheähnliche Geimeinschaften)."

Magazinrundschau vom 20.03.2007 - Spectator

War Churchill ein Antisemit? In einem neuen Buch erhebt der Historiker Richard Toye ebendiese Anschuldigung, als Beleg dient ihm ein Artikel aus dem Jahr 1937, der einige antisemitische Stereotype bedient. Churchill-Biograf Martin Gilbert will dies nicht gelten lassen. Der Artikel sei von Churchills Redenschreiber Adam Marshall Diston verfasst, von Churchill nie abgesegnet und daher auch nie veröffentlicht worden. Antisemitismus sei Churchill immer ein Gräuel gewesen, schon die Dreyfus-Affäre habe er als "monströse Verschwörung" betrachtet. Und: "Nach dem Anschlag jüdischer Terroristen auf das King David Hotel 1946, als in Großbritannien starke antijüdische Gefühle aufkamen, erklärte Churchill im Unterhaus: 'Ich lehne es ab, Juden etwas vorzuenthalten, was anderen Menschen erlaubt ist. Und ich habe den größten Abscheu gegenüber jeglichem antisemitisch geprägten Vorurteil."

Im Aufmacher erklärt Austen Ivereigh von der Initiative Strangers into Citizens, warum sich Großbritannien mit einem Kampf gegen illegale Einwanderung ins eigene Fleisch schneiden würden. Er plädiert dafür, allen, die seit mindestens vier Jahren in Großbritannien leben eine zweijährige Arbeitserlaubnis zu geben und - bei guter Führung und ausreichendem Englisch - die Aufenthaltserlaubnis.

Magazinrundschau vom 27.02.2007 - Spectator

Rod Liddle attestiert dem multikulturellen Ansatz in Großbritannien einen rassistischen Unterton und plädiert dafür, die Betonung der Hautfarbe sowohl von schwarzer als auch weißer Seite gefälligst zu unterlassen. "Wir sollten alles hinwegefegen. All die Diskriminierung, die ganze Heuchelei, all diese fehlplazierten Versuche, Leute stolz zu machen, weil sie einen größeren (oder kleineren) Anteil an Melanin besitzen. Warum brauchen wir Preise wie etwa Mobo - Musik schwarzen Ursprungs? Warum gibt es so viele Auszeichnungen für schwarze Menschen in den Medien? Ist diese ganze Gaudi nicht wahrlich rassistisch? Wird da nicht verbreitet, dass Schwarze irgendwie anders sind als wir, und schlimmer, dass sie es auch bleiben sollten? Warum gibt es an unseren Schulen jeden Oktober einen Monat der Geschichte der Schwarzen? Sollte die Geschichte schwarzer Menschen nicht jeden Monat des Jahres Thema sein?"
Stichwörter: Diskriminierung, Hautfarbe