Magazinrundschau - Archiv

The Spectator

157 Presseschau-Absätze - Seite 9 von 16

Magazinrundschau vom 06.11.2007 - Spectator

Mary Wakefield telefoniert mit dem Schauspieler Tom Hollander, der gerade in Berlin vor einem Feuer sitzt und für seine Rolle in Tom Cruises Stauffenberg-Film übt. Es geht um das alljährliche 24-Stunden-Drama im Old Vic, bei dem Stücke an einem Tag geschrieben, geprobt und aufgeführt werden. "Hollander: 'Jeder kommt am 10. November im Old Vic am Samstag abend um halb acht an. Es gibt acht Autoren und dreißig Schauspieler, und Kevin Spacey als Boss. Alle Schauspieler müssen was mitbringen.' - Wakefield: 'Zum Beispiel? Was haben Sie letztes Jahr gebracht?' - 'Ich habe...' - '(von einem Geistesblitz getroffen) Ananas! Ich wette es war eine Ananas!' - 'Nein, es war eine Sorte Kürbis, die man Kleines Juwel nennt. Meine Mutter pflanzt die an. Man konnte alles mitbringen. Jemand schleppte einen bunten Mantel an, ein anderer ein großes afrikanisches Instrument (...) Dieses Jahr bringe ich bestimmt keinen Kürbis mehr mit.' - 'Weil die Autoren Sie als vegetarisches Muttersöhnchen besetzten?' - 'Genau! Ich war ein von seiner Mutter dominierter Schwuler. Schon wieder.'"

Magazinrundschau vom 23.10.2007 - Spectator

Der Historiker Norman Stone verbittet sich jede Einmischung der Politik in seine Arbeit. So sei die Erklärung des amerikanischen Kongresses zum Genozid an den Armeniern kontraproduktiv für alle Beteiligten. "Die meisten Historiker, die sich mit der Gegend und den Quellen auskennen, nennen es nicht 'Genozid'. Die beste aktuelle Darstellung ist Guenter Lewys 'A Disputed Genocide'. Aber ob sie nun richtig oder falsch liegen, es ist sicherlich unsinnig, sich einzumischen, das gilt für den Kongress und jede andere politische Institution. (...) Nichts von all dem hilft Armenien, ein armes Land, ohne Zugang zum Meer, das ausgerechnet von Energielieferungen aus dem Iran abhängig ist und ohne das Geld seiner Emigranten in einem noch viel schlimmeren Zustand wäre. Ständig emigrieren Menschen - 60.000 alleine nach Istanbul - aus einem Land, das dringend gute Beziehungen zur benachbarten Türkei braucht."

Magazinrundschau vom 16.10.2007 - Spectator

Aidan Hartley berichtet von seinen doppelt filmreifen Recherchen in einem der geheimen Gefängnisse Pekings. Dort werden Kritiker der Regierung, die aus dem ganzen Land kommen, um Petitionen einzureichen, als Störenfriede eingesperrt. Er sprach gerade mit einigen Gefangenen. "Plötzlich waren wir von einem Dutzend knurrender Wachen in Overalls umzingelt. Ich versuchte sie zur Vernunft zu bringen. 'Seien Sie höflich', sagte ich. Es nutzte nichts. Sie drückten uns vom Gefängnistor weg. Schwarzes Shirt (der Direktor, Anmerkung des Übersetzers) versuchte die Kamera den Händen meines Kamermanns Andrew zu entreißen. In dem Handgemenge zerstörten die Wachen die Kamera. Draußen sprangen wir in das Taxi, das uns hierher gebracht hatte - erstaunlicherweise war es noch da - und versuchten loszufahren. Schwarzes Shirt befahl, die Eingangstore zu schließen und unseren Weg zu blockieren. Wir wurden über den Asphalt geschleift. In dem Durcheinander sagte ich zu Andrew 'Gib mir schnell das Band.' Er nahm es aus der Kamera und ich steckte es in meine Socke, während Andrew eine leere Kassette einlegte." Hartleys Bilder werden am 19. Oktober um 19.30 Uhr auf Channel 4 gesendet.
Stichwörter: Gefängnisse, Aida, Kassetten, Socken

Magazinrundschau vom 02.10.2007 - Spectator

Der Spectator hat seine Internetpräsenz generalüberholt und freundlicher gemacht. Vorbild, wie James Forsyth in seiner Einführung behauptet, ist das Kaffeehaus des 18. Jahrhunderts.

Auch in den sozialen Netzwerken des Internets hat die Klassengesellschaft Einzug gehalten, berichtet Toby Young in dem nun "High Life & Low Life" genannten Gesellschaftsressort. MySpace ist für unten, Facebook für oben. "Das Tolle an Facebook ist, dass es fast eine endlose Anzahl an Möglichkeiten gibt, die eigene Überlegenheit anzuzeigen - auf so etwas stehen Upper-Class-Typen nach meiner Erfahrung. Ich meine damit nicht nur, dass man ein Bild von sich neben einem VIP hochlädt - das haben wir wahrlich schon alle mal gemacht - oder dass man sich mit der Mitgliedschaft in entsprechenden Foren wie 'Ich geh dann mal jagen' (Es gibt sogar eine 'Ich sage Abort und nicht Toilette'). Nein, ich rede von dem 'Udate your status' Knopf, der es einem erlaubt, den eigenen Freunden in jedem Augenblick mitzuteilen, was man gerade macht. Es ist vor allem diese Funktion, die es den Benutzern von Facebook erlaubt, mit ihrem Erfolg anzugeben."

Magazinrundschau vom 11.09.2007 - Spectator

Richard Orange begibt sich in die trockenen Weiten von Shekhawati in der Provinz Radschastan, wo der Stahlkönig Lakshi Mittal aufgewachsen ist. "Dieser schmale Landstrich, wo schon um das tägliche Brot gekämpft werden muss, hat eine außergewöhnliche Fähigkeit, Milliardäre hervorzubringen. Mehr als hundert Jahre lang hat die örtliche Händlerschicht, die Marwari Seth, ein Gespür bewiesen, Reichtümer anzuhäufen. Vier der zehn reichsten Inder waren Marwari. Ein Stunde holprige Autofahrt südöstlich von Rajgarh liegt Pilani, Heimat der Familie Birla, deren reichstes Mitglied Kumar Mangalam Birla auf dem siebten Platz der Liste ist. Im Südwesten liegt Ramgarh, Heimat von Shashi und Ravi Ruia, deren Stahl-, Öl- und Reedergeschäft auf dem achten Plaz liegt. Lakshmi Mittals Namensvetter Sunil Mittal, Gründer der Telekommunikations- und Supermarktgruppe Bharti Enterprises, befindet sich an sechster Stelle."
Stichwörter: Autofahren

Magazinrundschau vom 07.08.2007 - Spectator

Amelia Torode, digitale Chefdenkerin des Spectators, identifziert die Alten als die wahren technischen Trendsetter. "Meine Schwiegereltern halten sich nicht für technophil, aber sie waren die ersten Leute, die ich kenne, die sich Skype installierten. Gleich darauf schafften sie sich eine Webcam an, da sie sich mit ihren drei jungen Enkelkindern in Paris gerne per Video unterhalten wollten. Nachdem ich meine Freunde über ihre Erfahrungen mit den eigenen Eltern ausgefragt hatte, merkte ich, dass digital erfahrene Großeltern die Norm werden, während wir Urban Young Professionals mit Webcams und dergleichen nichts am Hut haben."

Magazinrundschau vom 24.07.2007 - Spectator

Einen Heidenspaß hat der Spectator mit der Kandidatur seines Redakteurs Boris Johnson für den Posten des Londoner Bürgermeisters. Toby Young analysiert die Chancen des Kollegen. "Boris ist fast eine Karikatur eines altmodischen 'Jagd- und Schieß'-Tory-Abgeordneten. Sein wirres Haar und die verknitterten Anzüge, nicht zu vergtessen der Upper-Class-Akzent, machen einen großen Teil seines Auftretens aus. Er ist eine Art feiner Pinkel als Pantomimefigur, das politische Äquivalent von Stephen Fry. Das läuft vielleicht auf Have I Got News for You, aber falls Boris tatsächlich der offizielle Kandidat der Konservativen wird, könnte es die allgemeine Sicht der Konservativen als Partei der Privilegierten verstärken."

Vergesst "Sex and the City", meint Sarah Churchwell. Die Screwball-Komödien der Dreißiger waren witziger, raffinierter und fortschrittlicher: "Screwball schuf eine im Großen und Ganzen stabilere Welt, in der Liebende sich gegenseitig nicht verzweifelt brauchten, in der sie nicht so ungenügend waren. Der Mann konnte nicht darauf hoffen, die Frau zu erobern, alles was er erreichen konnte, war eine Entspannung der Lage. Bei Screwball schenkten sich Männer und Frauen nichts, jeder versuchte noch einen draufzusetzen, jeder war Meister der tödlichen Finte. Niemand gab sich geschlagen, und keiner war ewig schuldig. Das Spiel war immer offen, bis auf die Tatsache, dass die Liebe immer gewann. Screwball schenkte jedem seiner Helden die gleiche Aufmerksamkeit, der Standpunkt war neutral und das Geschlecht meist egal (bis auf das gelegentliche Versohlen)."

Magazinrundschau vom 17.07.2007 - Spectator

Ross Clark hegt imperiale Träume. Diesmal ist es nicht Rom, sondern der Stadtstaat Venedig, der als Referenz zur boomenden Metropole London herhalten muss, deren Einwohner im Durchschnitt die Hälfte mehr verdienen als der provinzielle Engländer. "Londons Ruf ähnelt dem von Venedig in seiner Blütezeit, nicht als mächtigste Stadt der Welt, aber als ihre beste Adresse. In den vergangenen zwölf Monaten sind die Hauspreise in Londons besten Straßen um 30 Prozent gestiegen, angetrieben von der Nachfrage de Reichen aus der ganzen Welt. Hinter den Fassaden werden 15 Millionen Pfund teure Wohnungen zu 30 Millionen-Palazzi umgebaut - und das alles während der Hausmarkt in New York langsam aber sicher fällt. Die Reichen dieser Welt wollen aus dem gleichen Grund nach London kommen wie in das Venedig des 14. Jahrhunderts. Es ist ganz einfach der beste Ort, um Geschäfte zu machen."
Stichwörter: Venedig

Magazinrundschau vom 10.07.2007 - Spectator

Der Spectator stürzt sich auf die Tatsache, dass einige der Terroristen von Glasgow Ärzte sind. Stephen Schwartz und Irfan Al-Alawi vom Centre for Islamic Pluralism stellen in alarmiertem Ton eine hauseigene Studie vor, in der sie untersucht haben, wie Berufstätige aus verschiedenen naturwissenschaftlichen Berufen zu Extremisten werden. "Unsere Studie konzentrierte sich auf arabische und pakistanische Ärzte (letztere sowohl zu Hause als auch im Ausland) und zeigte, dass in einem Großteil der islamischen Welt die Medizin und Religion eine Verbindung eingehen, die in der westlichen Welt verschwunden ist. Für westliche Ärzte mag die Medizin etwas mit religiöser Ethik zu tun haben, aber für muslimische Ärzte basiert sie auf religiöser Ethik und der islamischen Sicht auf die Welt. Desweiteren verbinden viele Muslime Heilung mit ihren religiösen Führern, und in den traditionelleren islamischen Ländern ist es typischerweise der Imam, der zuerst (und als letzter) zu Kranken gerufen wird. Gebet und glaubensbasierte Rezepte sind dort die einzigen Therapien."

Außerdem erinnert Hywel Williams die populären Atheisten Christopher Hitchens ("God is not Great") und Richard Dawkins ("The God Delusion") daran, dass fast alle Aufklärer an Gott glaubten. Und Alex Lewis warnt vor Rekrutierungsversuchen durch Extremisten an den Universitäten.

Magazinrundschau vom 03.07.2007 - Spectator

Der nigerianische Schriftsteller Chinua Achebe, der vor einigen Tagen den Man Booker International Prize erhalten hat, erzählt Clemency Burton-Hill von seiner besonderen Verbindung mit dem Spectator. "Ich arbeitete beim nigerianischen Rundfunk und hatte das Magazin abonniert. Eines Tages sah ich dort eine Anzeige für eine Firma, die Manuskripte abtippte. Ich hatte diesen Roman geschrieben, also schickte ich ihnen das einzige Exemplar auf der ganzen Welt. Ich hörte nichts von ihnen. Ich schrieb und schrieb und schrieb. Sie nahmen ihre Anzeige aus dem Spectator, was mir wirklich Angst machte. Glücklicherweise erzählte ich es meiner Chefin, einer tatkräftigen Engländerin. Sie fuhr im Urlaub zurück nach England, ausgerüstet mit Name und Adresse der Firma. Kurz darauf schickten sie mir mein Manuskript zurück. Der Roman hieß 'Things Fall Apart'."
Stichwörter: Achebe, Chinua, England, Urlaub