
In einem
Kommentar zu den Protesten gegen die Arbeitsmarktreform stellt der Historiker und Frankreichkritiker Nicolas Baverez ("La France qui tombe") fest, dass der Konflikt
nur Verlierer hervorgebracht habe: das politische Duo de Villepin und Chirac, die Reform, die öffentliche Debatte sowie die protestierenden Studenten und Jugendlichen. "Besiegt sind auch die
jungen Demonstranten, die, selbst wenn ihnen die Erzwingung einer offiziellen Rücknahme des CPE gelänge, damit
nichts erreicht hätten, um der
Verzweiflung einer Generation abzuhelfen, die sich mit Fug und Recht als verloren betrachtet und die lediglich die Wahl hat, dass die Begabtesten von ihnen freiwillig ins Ausland gehen (mehr als eine Million) oder in den Staatsdienst eintreten, den anderen dagegen nur sozialer Abstieg, Ausschluss und Kriminalität bleiben. Durch eine
tragische Ironie zielt ihr Widerstand, der von Angst und Verteufelung des Liberalismus gekennzeichnet ist, in erster Linie auf die Instrumente ihrer Emanzipation und verstärkt die Absicherungen zu Gunsten jener 'Insider', die sie aus der Gesellschaft ausschließen."
Weiteres: Bernard-Henri Levy
argumentiert in seinen Bloc-notes in eine ganz ähnliche Richtung und sieht die Nation "von einem
Extrem ins andere verfallen". "Endlos oszilllieren wir zwischen den zwei Gesichtern unseres
nationalen Jakobinismus: einen Tag die Technokraten, am andern die, die wollen, dass Köpfe rollen."
Zu
lesen ist außerdem ein Interview mit dem italienischen Senatspräsidenten
Marcello Pera, ehemals Philosophieprofessor und Vizepräsident der Partei "Forza Italia". Der
Atheist und Papstvertraute (
mehr) erklärt darin unter anderem, warum die
jüdisch-christlichen Werte nicht unbedingt in Gott begründet werden müssten, um sie zu teilen und für universell gültig zu halten.