Alain Robbe-Grillet

Die Wiederholung

Roman
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2002
ISBN 9783518413685
Gebunden, 241 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Andrea Spingler. Wir befinden uns in Berlin, fünf Tage lang, im November 1949. Henri Robin, so der vermutlich falsche Name eines subalternen Agenten des französischen Nachrichtendiensts, ist in die Trümmerhauptstadt beordert worden. Sein Auftrag: Er soll von einem Haus in der Jägerstraße aus, in dem fast genau 100 Jahre zuvor Søren Kierkegaard wohnte, beobachten, ob am Gendarmenmarkt ein nächtlicher Mordanschlag gelingt - weder über Opfer noch Täter weiß er Genaueres. Als er in dem Haus Posten bezieht, beginnen die Merkwürdigkeiten: Zuerst spricht alles dafür, daß das Attentat gelingt. Doch wo ist die Leiche?

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 20.03.2003

Felix Philipp Ingold ist von diesem Buch, das sich, wie er informiert, der französische Autor zum achtzigsten Geburtstag selbst geschenkt hat und das nun in der deutschen Übersetzung vorliegt, hellauf begeistert. Sehr zu schätzen weiß er das Spiel mit Namen und Assoziationen, wodurch sich nicht nur beim Autor, sondern auch beim Leser Erinnerungen sowie "Traum-, Wunsch-, Angstvorstellungen aller Art" ergeben. Kenntnisreich weist Ingold auf die "homonyme Bedeutungsvielfalt" des Titels hin. Auch ein "ingeniös ausgelegtes Netzwerk" von Zitaten aus der Literatur hat Alain Robbe-Grillet ausgelegt, informiert der Rezensent, der die unbedarfteren Leser dann aber gleich beruhigt, dass der Text auch Spaß mache, wenn man nicht alle Zitate erkennt. Obwohl der Roman weder "nacherzählbare Handlung" noch eine "Identifikationsfigur" für die Leser bereit halte, biete er "unvergleichlich prägnante" Beschreibungen von Personen, Dingen und Situationen, schwärmt Ingold, dem die parodistische Einbettung in die Trivialliteratur vom Thriller bis zum Comic ein zusätzliches Vergnügen bereitet hat.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 12.11.2002

Alain Robbe-Grillet ist einer der bedeutendsten französischen Schriftsteller der Gegenwart und hat nach mehr als 20 Jahren Pause wieder einen Roman geschrieben, der jetzt auf Deutsch erschienen ist, berichtet Detlef Kuhlbrodt. Dabei bedient sich der Autor verschiedener moderner Methoden der Verfremdung, wie der Rezensent aufzählt: die Perspektive wechselt, die Hauptperson wird in Frage gestellt und nichts bleibt gleich. Dadurch fühlt sich Kuhlbrodt an einen kunstvoll verschachtelten, aber "zu stylish geratenen Nouvelle-Vague-Film" erinnert. So meint er: "Langweilig oder schwer zu lesen ist es auch nicht, aber irgendwie denkt man am Ende dann doch: Was soll's und so what." Denn das Grundprinzip dieses Buches ist Kuhlbrodt schon längst zur Gewohnheit geworden durch Videoclips, Werbespots, Filme und auch Bücher: "Aber es wäre natürlich auch etwas seltsam, von einem 80-Jährigen nun etwas völlig Neues zu erwarten."

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 04.10.2002

Ein gemischtes Gefühl hat Rezensent Thomas Steinfeld bei diesem Alterswerk des französischen Avantgarde-Schriftstellers Alain Robbe-Grillet. Einerseits hat das Buch definitiv eine Menge Potential, den Leser in den Bann zu ziehen, weswegen es ein für des Genre des nouveau roman ungewöhnlicher Publikumserfolg war. Auf der anderen Seiten stört sich Steinfeld aber daran, dass der Roman mit Mitteln der Kolportage arbeitet und billige Effekte nicht scheut: "Das Buch hätte in die Ecke fliegen müssen, bevor der Leser bei den blutig durchbohrten Dessous angekommen ist", schreibt Steinfeld. Trotzdem gesteht der Rezensent Robbe-Grillet zu, dass es ihm gelinge, atmosphärisch dichte Bilder zu schaffen und zieht einen Vergleich zu Gemälden von Caspar David Friedrich: "der Halbschlaf und sein Traum ist die Grundbefindlichkeit der Geschichte, in der nebligen Luft liegt stets eine Drohung von Gewalt".
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 02.10.2002

Aus seiner Verehrung für den "großen alten eitlen selbstgefälligen sympathischen wunderbaren" Alain Robbe-Grillet, Zuchtmeister des Nouveau Roman, macht Rolf Vollmann keinen Hehl. Doch so wie er ihn im Laufe der Jahre und seiner letzten drei "mehr oder minder" autobiografischen Bücher schätzen gelernt hat, fürchtet er ihn auch, bekennt Vollmann; das ständige Spurenlegen, die Dauerverrätselung, die Verdoppelungen und Vervielfachungen, das ewig Selbstbezügliche, das im Titel von Robbe-Grillets neuem Roman seine Entsprechung schon im Titel zu finden scheint: "Die Wiederholung". Das alles geht Vollmann auch gehörig auf die Nerven. Der Plot, falls man so überhaupt dazu sagen darf, ist so verworren, dass man Vollmanns Schilderung hier nicht wiedergeben kann. Immerhin erfahren wir: Das Buch spielt größtenteils in Berlin. Es tauchen wiederholt Versatzstücke und Figuren aus Robbe-Grillets früheren Büchern auf. Es sei kein Wunder, schreibt Vollmann, dass die Bücher in der Tradition des Nouveau Roman, der sich ja gegen jede Erzählbarkeit und Geschlossenheit der Erzählung sträubte, eine Nähe zum Kriminalroman aufwiesen: Fährten werden gelegt, Spuren verwischt, Dinge verrätselt - und der Leser, interpretiert man Vollmann richtig, auf Dauer unterschätzt.
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