
Wie anfällig sind demokratische Gesellschaften für das
Appeasement gegenüber Autokratien und Diktaturen, vor allem, wenn diese etwas zu bieten haben? Wie
manipulierbar sind die Öffentlichkeiten in Demokratien? Warum bewundern
gewählte Politiker Finsterlinge wie Wladimir Putin, von denen erwiesen ist, dass sie
Giftmörder und Kriegsverbrecher sind, oder behaupten zumindest, sie einhegen zu können? Eliot Cohen
erzählt in seinem ausführlichen Putin-Porträt eigentlich nicht viel Neues über Putin, aber spricht mit einigen, die mit ihm umgingen, und sie sagen immer wieder über Putin: "
Something is definitely different." Als hätte sich Putin geändert und nicht ihre
Wahrnehmung Putins, der ihnen nur näher auf die Pelle rückt. Kann man es fassen, was man Cohen etwa von einem hohen diplomatischen Berater Frank-Walter Steinmeiers,
Thomas Bagger, zitieren hört? "'
Im Nachhinein betrachtet, hätten wir schon vor langer Zeit mit dem beginnen sollen, was wir jetzt in aller Schnelle tun müssen', sagt der ranghöchste deutsche Diplomat Bagger, 'unser Militär zu stärken und die Energieversorgung zu diversifizieren. Stattdessen haben wir mitgemacht und die Ressourcenströme aus Russland noch verstärkt. Und wir haben eine ausgehöhlte Armee mitgeschleppt.' Und er fügt hinzu: 'Wir haben nicht erkannt, dass Putin sich in eine historische Mythologie hineingesponnen hat und in Kategorien eines tausendjährigen Reiches denkt. So jemanden kann man
nicht mit Sanktionen abschrecken.'"
Die
Oscars haben nicht erst durch die Entgleisung bei ihrer Verleihung am Sonntag ihre Relevanz verloren, das
Hollywood-Kino befindet sich schon seit Jahren im Niedergang. Bereits vor der peinlichen Oscar-Nacht
schrieb Ross Douthat: "Statt Filme für Erwachsene zu produzieren, bediente die Traumfabrik nur noch die
Bedürfnisse von Teenagern: "Die Globalisierung erweiterte den Markt für Hollywood Produktionen, doch das globale Publikum erforderte
einen schlichteren Erzählstil, der besser zwischen Sprachen und Kulturen übertragbar war, mit weniger Komplexität, Eigenheiten und kulturellen Spezifika. Das Internet, der Laptop und das Iphone personalisierten die Unterhaltung und machten sie unmittelbar verfügbar, auf eine Weise, die gleichfalls Hollywoods potentielles Publikum erweiterte, aber die Menschen auch an kleinere Bildschirme gewöhnte, an privates und unterbrochenes Schauen, das Gegenteil vom gemeinschaftlichen Kino. Spezialeffekte eröffneten spektakuläre (wenn auch manchmal antiseptisch wirkende) Blick und machten es möglich, Geschichten zu verfilmen, die lange nicht für die große Leinwand tauglich waren. Die Kassenschlager, die mehr noch als ihre Vorgänger der 1980er Jahre auf Effekte zielten, bestärkten eine Fan-Kultur, die den Studios ein kalkulierbares Publikum einbrachten, allerdings zu dem Preis, dass traditionelle Aspekte des Kinos der
Jedi-Religion oder dem Marvel-Kult untergeordnet wurden. All diese Verschiebungen begünstigten und wurden begünstigt durch eine weitgreifende 'Verteenagerung' der westlichen Kultur, die Ausweitung des Geschmacks und der Unterhaltungsgewohnheiten der Jugendlichen auf all das, was man heute unter Erwachsensein versteht."