Magazinrundschau - Archiv

The New York Times

802 Presseschau-Absätze - Seite 4 von 81

Magazinrundschau vom 22.10.2024 - New York Times

Sie sind genial, aber sie sind leider auch böse. Sie haben mit Paypal oder Tesla die Welt verändert, und nun schicken sie sich an, den apokalyptischen Clown Donald Trump ein zweites Mal ins Amt zu hieven. Eine Reportergruppe der Times erzählt, wie Tech-Milliardäre um Peter Thiel und Elon Musk zu den wichtigsten Geldgebern der Republikanischen Partei wurden. "Musk war einer der letzten, der eine entschieden reaktionäre Wende vollzog. Seit seiner Zeit bei PayPal hat er sich in Bereiche begeben, die über 'Tech' im Sinne des Silicon Valley hinausgehen, und ist zu einem modernen Industriellen in der Tradition von Henry Ford geworden. Doch seine Verbindungen zur Tech-Industrie und ihren Trump-freundlichen Mogulen sind nach wie vor eng. Er war in den letzten Jahren auf seinem eigenen Trip und wurde durch eine Kombination verschiedener Faktoren nach rechts gedrückt. Es begann mit den von ihm als 'faschistisch' bezeichneten Covid-Lockdowns in Kalifornien, die ihn zur vorübergehenden Schließung seiner Tesla-Werke zwangen, und setzte sich mit seiner Empörung über Bidens Entscheidung fort, ihn von einem Treffen über Elektrofahrzeuge im Weißen Haus auszuschließen. Im Jahr 2021 zog er von Kalifornien nach Texas und umgab sich mit einem eher konservativen sozialen Umfeld. Seine reaktionäre Wut wurde auch durch die Entscheidung eines seiner Kinder, das Geschlecht zu wechseln, geschürt; später sagte er, er sei 'ausgetrickst' worden, um eine geschlechtsangleichende Betreuung für sie zu genehmigen."

Magazinrundschau vom 03.09.2024 - New York Times

Matthew Shaer widmet sich in einem großen mit Studien und Zahlen belegten Essay dem Thema Einsamkeit, die laut der 71-seitigen Warnung des US-Generalchirurgen Vivek Murthy zu einer Epidemie heranwächst, die mehr Amerikaner betrifft als Diabetes oder Fettleibigkeit: "Zusammen mit der gleichzeitigen Entscheidung der Weltgesundheitsorganisation, Einsamkeit zu einem 'globalen Problem der öffentlichen Gesundheit' zu machen, hat der Bericht des Generalchirurgen dazu beigetragen, die Emotion auf die gleiche kulturelle Position zu bringen, die Depressionen und Angstzustände in der Ära der 'Prozac-Nation' einnahmen. … In Japan und Großbritannien, wo Einsamkeit ebenso ein Thema ist wie in den Vereinigten Staaten, wurden sogar Einsamkeitsminister ernannt - Regierungsbeamte, die die Krise ausloten und verbessern sollen, sei es durch öffentliche Sensibilisierungskampagnen ('Ihre Hobbys und Interessen sind wichtig') oder durch Initiativen wie die in Großbritannien, bei der Postboten gebeten wurden, sich bei den älteren Einwohnern auf ihren Routen zu melden. Murthy schlug seinerseits vor, dass Unterhaltungsunternehmen mehr Inhalte schaffen sollten, die 'die Kernwerte der Verbundenheit verstärken'. Einzelpersonen, so fügt er hinzu, sollten in Erwägung ziehen, 'ein positiver und konstruktiver Teilnehmer am politischen Diskurs und an Versammlungen zu sein (z. B. Rathäuser, Schulausschusssitzungen, Anhörungen der lokalen Regierung)'. Was all diese verschiedenen Bemühungen bis zu einem gewissen Grad gemeinsam haben, ist die Vorstellung, dass die Lösung für die Einsamkeit nur einen Telefonanruf, eine E-Mail, eine SMS oder ein freundliches Klopfen an der Tür entfernt ist - dass der Schlüssel zur Schließung der Lücke zwischen dem wahrgenommenen und dem realisierten Niveau der zwischenmenschlichen Beziehungen auf gesellschaftlicher Ebene letztlich in der Wiederherstellung einer Welt liegt, die uns entglitten ist. ... Im schlimmsten Fall lenkt dies von den wirklichen Problemen ab. Wie Untersuchungen wie die von Weissbourd und Batanova zeigen, sprechen wir, wenn wir über Einsamkeit sprechen, eigentlich über all die Probleme, die sich gefährlich darunter verbergen: Entfremdung und Isolation, Misstrauen und Trennung und vor allem das Gefühl, dass viele der Institutionen und Traditionen, die uns einst zusammenhielten, für uns weniger verfügbar oder nicht mehr von Interesse sind."
Stichwörter: Einsamkeit, Entfremdung

Magazinrundschau vom 27.08.2024 - New York Times

Linda Kinstler geht die Geschichte der UN-Genozidkonventionen und des internationalen Gerichtshofs durch, der gerade Genozidklagen gegen Israel prüft. Das Problem mit dem Begriff des Genozids ist, dass der Holocaust einen Standard gesetzt hat, an den seither kein Verbrechen heranreicht, legt Kinstler dar. Darum sind Genozidklagen fast immer abgewiesen worden. Das einzige Urteil des ICJ war das zum Massaker von Srebrenica, das aber ausdrücklich andere Verbrechen der Serben nicht einschloss, weil sie dem hohen Standard nicht entsprachen. "In seiner bemerkenswerten Kargheit stärkte das Urteil von 2007 jedoch auch den Status des 'Völkermordes' als ein undurchschaubares und unvorstellbares Verbrechen, indem es die Schwere des Vergehens unterstrich und gleichzeitig eine so hohe Messlatte für den Vorsatz des Völkermordes festlegte, dass es praktisch unmöglich wurde, Staaten zur Verantwortung zu ziehen… 'Das war der Sargnagel für die Völkermordkonvention', sagt mir die Völkerrechtlerin Leila Sadat über die Bosnien-Entscheidung. Sie ist der Ansicht, dass das Urteil die Völkermordkonvention von einem aktiven Mechanismus zur Verhinderung und Bestrafung der Auslöschung ganzer Völker in ein Mahnmal für den Holocaust … umgewandelt hat." Als weiteren Gewährsmann zitiert Kinstler den Postkolonialisten Dirk Moses: "Die breitere Sichtweise von Völkermord ist die richtigere", sagt er. Erst dann - so muss man es verstehen -  würde auch Israels Krieg gegen die Hamas endlich unter den Begriff des Völkermords fallen.

Magazinrundschau vom 13.08.2024 - New York Times

In Sudan tobt bekanntlich ein mörderischer Bürgerkrieg. Hintergrund ist unter anderem die Spaltung in einen Norden, der sich arabisch definiert und der gegenüber dem Süden eine muslimische Sklavenhändler und -haltergeschichte hat. Aber es gibt noch mehr Akteure. Nicholas Casey besucht das "Sudan People's Liberation Movement" (S.P.L.M.), das in den Nuba-Bergen beheimatet ist. Die Bevölkerung von Nuba ist gemischt, so Casey, aber Nuba war nach der Aufspaltung Sudans an den arabischen Norden gefallen und hatte die Scharia zu befürchten. Das S.P.L.M. schildert Casey als ungewöhnlich, da es sich gegen Tribalismus, für Demokratie und Säkularismus ausspricht. "Generationen von Guerillas haben in schroffen Gegenden wie dieser gekämpft, aber nur wenige haben den Preis beansprucht, den die S.P.L.M. will - einen Staat im Staat, in dem sie jetzt das Gesetz sind. In Kauda betreiben die Rebellen ihr eigenes Gerichtssystem mit freiwilligen Richtern, die über alles entscheiden, von Mitgiftstreitigkeiten bis hin zu Mordfällen. Ein von den Rebellen betriebenes Schulsystem unterrichtet auf Englisch - eine Abfuhr für das Bildungssystem in Khartum, das auf Arabisch unterrichtet - und stellt Führerscheine und Geburtsurkunden aus. Die Rebellen wollen nicht sagen, wie viele Soldaten in den Reihen des militärischen Arms des S.P.L.M. sind, obwohl eine dem S.P.L.M. nahestehende Person mir sagte, dass etwa 20.000 Kämpfer in den Bergen verstreut sind. Sie nennen das Gebiet, das sie verteidigen, 'New Sudan'."

Außerdem: Ross Barkan fragt sich, wie weit eine aktivistische Linke wirklich kommen kann, ohne charismatische Anführer.

Magazinrundschau vom 16.07.2024 - New York Times

Danyel Smith ist eine der bekanntesten schwarzen Popjournalistinnen in den USA. Ende der Neunziger, als Magazine noch hip waren, leitete sie das Magazin Vibe, das dem immer erfolgreicheren HipHop-Genre gewidmet war - allerdings wohl mehr auf der Hochglanz- und Celebrity-Ebene. Sie erzählt, wie sie im Jahr 1997 einen Titel über Sean Combs alias P. Diddy machte und wie er sie physisch bedrohte und verfolgte, weil sie ihm das Coverbild nicht vor der Veröffentlichung zeigen wollte. Sie erzählt auch von ihrer Medikamentensucht und den schwarzen Löchern in ihrem Gedächtnis. Ihr Artikel klingt ehrlich. Das Hiphop-Business und das Pop-Business im allgemeinen schildert sie als eine Hölle aus Gewalt und Vergewaltigung - allein Sean Combs muss sich einiger übler Vergewaltigungsanklagen erwehren. Dass er seine Frau schlug, ist auf einem Überwachungsvideo festgehalten, so dass er es nicht, wie üblich, abstreiten konnte. Smith erzählt, wie sie trotzdem in ihrem Magazin dazu beitrug, seinen Glamour und seinen Reichtum zu mehren. Auch Journalistinnen wurden Opfer sexueller Gewalt: "Ich weiß, wie es ist, geschlagen zu werden (ich wurde halb von einer alkoholkranken Vaterfigur großgezogen), und ich habe immer noch nicht herausgefunden, wie ich mich verhalten soll. Eine Kollegin von Vibe erzählte mir, dass sie von einem Musiker angegriffen wurde, als sie ihn interviewen wollte. Ich habe versucht, sie zu trösten, aber ich konnte nicht viel sagen, was ihr geholfen hätte. Ich weiß, dass ich es nicht konnte, denn Jahre später hat sie es mir bestätigt. Ich stotterte und verhaspelte mich. Ich hatte keine Sprache, um über das zu sprechen, was ihr passiert war, denn ich konnte nicht einmal sagen, was mir passiert war. Sie kam davon. Ich dagegen konnte einen sexuellen Übergriff am Arbeitsplatz nicht überwinden. Wir blieben jedoch immer in Kontakt, und Jahre später lud sie mich zu ihrer Hochzeit ein. Ich konnte mich nicht dazu aufraffen hinzugehen. Ich hätte die großherzige Mentorin sein müssen, und ich fühlte mich schuldig und verlegen, weil ich nicht für sie da gewesen war, weil ich nicht die Person war, die mir selbst so fehlte."

Magazinrundschau vom 02.07.2024 - New York Times

In der Geschichte der chinesisch-indischen Beziehungen hat das Grenzgebiet zwischen beiden Ländern immer eine wichtige Rolle gespielt und ist nun wieder in den Mittelpunkt der Politik gerückt: Denn Indien und China ringen beide um den Status einer Weltmacht und wollen sich dementsprechend die Vorherrschaft in der indo-pazifischen Region sichern, schreibt im New York Times Magazine Yudhijit Bhattacharjee, der vor diesem Hintergrund insbesondere die Expansionspolitik Chinas untersucht: "Ein hochrangiger indischer Geheimdienstmitarbeiter, (...) erklärte, dass China mit seiner Feindseligkeit entlang der Grenz- und Kontrolllinie zwei strategische Ziele verfolge: den Einfluss Indiens in seinem eigenen Hinterhof zurückzudrängen und das indische Militär zu binden, um Indiens größeren geopolitischen Einfluss zu schwächen. (...) Chinas wirtschaftliche Stärke hat dazu beigetragen, seinen Einfluss in der Region in einer Weise auszuweiten, mit der Indien nicht mithalten konnte, sagte mir der Beamte. Im Rahmen einer von Xi 2013 ins Leben gerufenen Initiative hat China in Infrastrukturprojekte in allen Nachbarländern Indiens investiert. 'Wir nennen sie strategische Projekte, weil sie in diese Projekte investieren, ohne sich Gedanken darüber zu machen, was sie in geschäftlicher Hinsicht zurückbekommen', sagte er. Was China durch diese Investitionen gewinne, sei eine 'massive Hebelwirkung'. Indien könne nicht nur in Bezug auf die Ressourcen nicht mithalten, sondern dürfe auch nicht so agieren, wie es die Chinesen täten. 'Sie kommen buchstäblich mit Taschen voller Geld', sagte er. 'Wir brauchen die Zustimmung des Parlaments, diese und jene Genehmigung.'"

Magazinrundschau vom 04.06.2024 - New York Times

Elf Millionen Menschen sind im Sudan auf der Flucht, schreibt Dena Ibrahim, selbst ein Flüchtling, in der New York Times. Die Milizen der RSF, Nachfolger der arabischen Milizen, die einst in Darfur wüteten, zerstören systematisch den Traum eines vielfältigen Sudan, der aus Arabern und Nicht-Arabern und aus Christen und Muslimen zusammengesetzt wäre, wie man ihn sich in der Revolution von 2019 erträumte. Es ist ein Genozid, zu erkennen auch an der Zerstörung von Kulturstätten wie dem Nationalmuesum: "Im Mai 2023 drangen Kämpfer der RSF in das Nationalmuseum ein. In Videos, die im Internet veröffentlicht wurden, sah man, wie sie antike nubische Särge öffneten und 3.000 Jahre alte Mumien in ihrer Totenruhe störten. Scharfschützen bezogen auf dem Dach des Museums Stellung. Das Museum wurde geplündert. Es wird jetzt als Friedhof der RSF genutzt. Auch das Khalifa House Museum in Omdurman, das ebenfalls kürzlich renoviert wurde, wurde geplündert. Mitglieder der RSF haben Videos von sich selbst in den Ruinen der alten religiösen Stätte von Naqa, einem Unesco-Weltkulturerbe, veröffentlicht. Sie sollen Universitätsbibliotheken und -archive geplündert oder verbrannt haben. Im September erfuhr ich, dass die Sammlung seltener Musikinstrumente an der Bait Al Oud Akademie - die ich am Vorabend des Krieges gehört hatte - zerstört worden war."
Stichwörter: Sudan, Darfur, Weltkulturerbe

Magazinrundschau vom 30.04.2024 - New York Times

Anne Frank war vielleicht "weiß". Aber muss Yair Lapid, einstiger israelische Premier und heute wichtigster Opponent Netanjahus, wie hier im Gespräch mit Lulu Garcia-Navarro wirklich daran erinnern, dass "Anne Frank kein weißes privilegiertes Kind war"? Bitter äußert er sich über den "Verrat der Intellektuellen" in den westlichen Ländern, die nicht verstehen, in welchem existenziellen Konflikt Israel bestehen muss. Bei aller Kritik an Netanjahu verteidigt Lapid die israelische Armee, die alles tue, um zivile Opfer gering zu halten: Und "im Moment gibt es zu diesem Krieg nur eine Alternative, und die ist, ermordet zu werden. Wir haben nie um diesen Krieg gebeten. Wir haben diesen Krieg nie gewollt, und wir haben uns nur für diesen Krieg entschieden, weil unsere Kinder lebendig verbrannt wurden. Weil unsere Alten getötet wurden. Weil wir auch jetzt noch Geiseln in den Terrortunneln haben. Und sie haben Frauen vergewaltigt und Dörfer erobert. Und mehr noch, sie haben offen gesagt - damit meinen sie die Hamas -, dass sie es wieder tun werden, wenn sie die Möglichkeit dazu haben. Und deshalb sind wir in Gaza, um sicherzustellen, dass dies nie wieder geschieht." Dabei hält Lapid fest, "dass wir, wenn wir das stärkste Land im Nahen Osten bleiben wollen, auch die stärkste Demokratie bleiben müssen."

Magazinrundschau vom 23.04.2024 - New York Times

Samanth Subramanian porträtiert im Magazine den indischen Politiker Rahul Gandhi, der natürlich aus der bekannten Dynastie stammt. Er ist der Sohn von Sonia und Rajiv Gandhi, ein Enkel der indischen Premierministerin Indira Gandhi und ein Urenkel von Indiens erstem Premierminister Jawaharlal Nehru und außerdem ehemaliger Vorsitzender der Kongresspartei. Seine Chancen im Wahlkampf gegen Narendra Modi werden eher skeptisch beurteilt. Subramanian schildert Gandhi als schlechten Redner. Aber die Massen kommen trotzdem zu seinen Auftritten. Nebenbei erfährt man, wie unglaublich anstrengend so eine indische Wahlkarawane, Yatra genannt, sein muss - Subramanian war geraten worden, Gandhi ein Weilchen auf seiner Tour zu begleiten, in der Hoffnung, einen Gesprächstermin zu bekommen: "Wie ich feststellen musste, gab es bei der Yatra viel Stop and Go. Zwei- oder dreimal am Tag bewegte sich Gandhis Jeep - und seine Karawane aus Polizeiautos, SUVs und einem Fahrzeug mit einem Gerät namens 'Jammer' (das Bomben aufspüren soll) - durch eine Stadt und hielt an einer Kreuzung für eine Rede an. Dann eilte der Konvoi zu seinem nächsten Einsatz, wobei er versuchte, weite Strecken durch den dichten Verkehr von Uttar Pradesh zurückzulegen, und stets hinter dem Zeitplan zurückblieb. Der Tag endete auf einem abgesperrten Campingplatz, wo alle in Schiffscontainern mit Kojen schliefen. Hier hatte Gandhi seinen eigenen Bereich, wo er mit sich örtlichen Funktionären der Kongresspartei traf oder mit seinem Coach Jiu-Jitsu trainierte."

Magazinrundschau vom 19.03.2024 - New York Times

Die quälende amerikanische Diskussion um den Rassismus ihrer Gesellschaft dreht sich im Kreise und geht immer weiter. Es ist manchmal wichtig, sie zur Kenntnis zu nehmen, weil ihre Prämissen durch den kulturellen Einfluss Amerikas auch auf hiesige Verhältnisse angewandt werden, obwohl der Import nicht immer sinnvoll ist. Nikole Hannah-Jones, Autorin des "1619-Projekts" der New York Times und Professorin an der Howard-Universität, hält dabei ein Plädoyer für "Affirmative Action", während Coleman Hughes, Autor des Buchs "The End of Race Politics - Arguments for a Colorblind America" in Persuasion (siehe unten) einen universalistischen Ansatz verteidigt. Beider Lektüren sind jeweils auf über eine Stunde zu veranschlagen.

Hannah-Jones konstatiert, dass die universalistische Idee einer Farbenblinddheit gegenüber Differenzen von Konservativen gekapert worden sei, so dass sie jetzt vom konservativen Supreme Court auch in Gerichtsentscheidungen gegen "Affirmative Acion" umgemünzt wurden. Dies sei ein Riesenschlag etwa für traditionell schwarze Universitäten wie die Howard University. Hannah-Jones erzählt in ihrem Artikel unter anderem eine Geschichte der Affirmative Action. Die Idee, die "rassische" Differenz zum Hebel zu machen, ist uralt: "Nach Generationen, in denen Sklaven wie Vieh gehalten wurden, entließ man vier Millionen Menschen plötzlich in eine Gesellschaft, in der sie weder anerkannte Rechte noch eine Staatsbürgerschaft besaßen und weder Land, Geld, Bildung, Unterkunft noch Arbeit hatten. Um diese Krise zu bewältigen, sahen einige im Kongress nach diesem tödlichsten Krieg der Nation die Chance - aber auch die Notwendigkeit - für eine zweite Neugründung, die das System der Rassensklaverei abschaffen würde. Diese Männer, die als radikale Republikaner bekannt waren, waren der Meinung, dass eine Politik, die schwarze Amerikaner zu vollwertigen Bürgern macht, ein Bewusstsein für Hautfarbe erfordert - eine bewusste Umkehrung der Art und Weise, wie die Rasse gegen schwarze Amerikaner eingesetzt worden war."