
Danyel Smith ist eine der bekanntesten schwarzen Popjournalistinnen in den USA. Ende der Neunziger, als Magazine noch hip waren, leitete sie das Magazin
Vibe, das dem immer erfolgreicheren HipHop-Genre gewidmet war - allerdings wohl mehr auf der Hochglanz- und Celebrity-Ebene. Sie
erzählt, wie sie im Jahr 1997 einen Titel über
Sean Combs alias
P. Diddy machte und wie er sie physisch bedrohte und verfolgte, weil sie ihm das Coverbild nicht vor der Veröffentlichung zeigen wollte. Sie erzählt auch von ihrer Medikamentensucht und den
schwarzen Löchern in ihrem Gedächtnis. Ihr Artikel klingt ehrlich. Das Hiphop-Business und das Pop-Business im allgemeinen schildert sie als eine Hölle aus
Gewalt und Vergewaltigung - allein Sean Combs muss sich einiger übler Vergewaltigungsanklagen erwehren. Dass er
seine Frau schlug, ist auf einem Überwachungsvideo festgehalten, so dass er es nicht, wie üblich, abstreiten konnte. Smith erzählt, wie sie trotzdem in ihrem Magazin dazu beitrug, seinen Glamour und seinen Reichtum zu mehren. Auch Journalistinnen wurden Opfer sexueller Gewalt: "Ich weiß, wie es ist,
geschlagen zu werden (ich wurde halb von einer alkoholkranken Vaterfigur großgezogen), und ich habe immer noch nicht herausgefunden, wie ich mich verhalten soll. Eine Kollegin von
Vibe erzählte mir, dass sie von einem Musiker angegriffen wurde, als sie ihn interviewen wollte. Ich habe versucht, sie zu trösten, aber ich
konnte nicht viel sagen, was ihr geholfen hätte. Ich weiß, dass ich es nicht konnte, denn Jahre später hat sie es mir bestätigt. Ich stotterte und verhaspelte mich. Ich hatte keine Sprache, um über das zu sprechen, was ihr passiert war, denn ich konnte nicht einmal sagen, was mir passiert war. Sie kam davon. Ich dagegen konnte einen sexuellen Übergriff am Arbeitsplatz nicht überwinden. Wir blieben jedoch immer in Kontakt, und Jahre später lud sie mich zu ihrer Hochzeit ein. Ich konnte mich nicht dazu aufraffen hinzugehen. Ich hätte die
großherzige Mentorin sein müssen, und ich fühlte mich schuldig und verlegen, weil ich nicht für sie da gewesen war, weil ich nicht die Person war,
die mir selbst so fehlte."