Magazinrundschau - Archiv

The New York Times

802 Presseschau-Absätze - Seite 2 von 81

Magazinrundschau vom 06.01.2026 - New York Times

Es lohnt sich den Text der New York Times zum fünften Jahrestag des 6. Januar 2021 zu lesen. Er ist vom ganzen "editorial board" gezeichnet und schafft es in geradezu erhabener Einfachheit die Konsequenzen der Stürmung des Kapitols herauszuarbeiten, mit der Trump 1.0 endete und mit der die Grundlagen für sein heute noch viel schlimmeres Regime gelegt wurden: "Es mag inzwischen fast vergessen sein, doch schien der Senat damals kurz davor, ihn zu verurteilen und ihm das Amt zu entziehen", erinnern die Autoren des Textes. Es gab sowohl politische, als auch juristische Initiativen, eine zweite Amtszeit Trumps unmöglich zu machen, aber sie zerfielen. Und die Erfahrung der Straflosigkeit bot Trump eine kostbare Munition: "Er und seine Berater kamen zu dem Schluss, dass Einschüchterung und Gesetzlosigkeit selbst unter scheinbar aussichtslosen und manchmal illegalen Umständen zum Erfolg führen können." Sofort nach seinem Amtsantritt begnadigte Trump die übelsten Extremisten und lieferte damit eine Botschaft, die bis heute wirkt: "Wenn du das Gesetz brichst, um mich zu schützen, wirst du unterstützt. Wenn du das Gesetz gegen mich aufrechterhältst, wirst du bestraft." Die Autoren benennen am Schluss ihres Textes als einzigen Hoffnungsfaktor, dass Trumps Popularität sinkt und er demnächst Wahlen verlieren könnte.

In einer sehr ausführlichen und höchst kenntnisreichen Reportage erzählt  C.J. Chivers, wie Drohnen im Ukrainekrieg den Krieg an sich revolutionieren - als neue Technologie seien sie nur mit dem Maschinengewehr vergleichbar, das Ende des 19. Jahrhunderts alle Kriegführung auf den Kopf stellte. Aber wie alle Revolutionen enthält auch diese wie eine russische Puppe mehrere Umwälzungen in einem. Denn die Entwicklung ist äußerst dynamisch und jetzt bei Drohnen angelangt, die keinen Funkkontakt mit dem Schützen mehr brauchen, weil sie ihr Ziel mit künstlicher Intelligenz verfolgen, und zwar, wie Chivers es ausdrückt, "mit der Zähigkeit eines besessenen Vogels" - der Abschuss erfolgt, moralisch bedenklich, ohne Zutun des Schützen, der allerdings den Vorgang noch stoppen kann. Chivers beschreibt, wie die Drohne "Bumblebee" (an der übrigens der ehemalige Google-Chef Eric Schmidt mit einem Startup beteiligt ist) in einem Versuch ein fahrendes Auto verfolgt, aus sechzig Meter Höhe oder auch aus 150 Meter Höhe, und dann zu ihm herabsinkt. Noch gibt es viele Schwierigkeiten zu überwinden. "Aber mit mehr Training und Rechenleistung könnte die Software verbessert werden, um militärische Ziele anhand ihrer Wiederbeschaffungskosten oder ihrer Gefährlichkeit zu erkennen und zu priorisieren, oder so optimiert werden, dass sie gepanzerte Fahrzeuge an verwundbaren Stellen trifft, beispielsweise an Auspuffgittern oder an den Verbindungsstellen zwischen Turm und Rumpf. Sie könnte darauf trainiert werden, fast alles zu jagen - einen Bus, ein geparktes Flugzeug, ein Rednerpult, an dem ein Redner vor Publikum spricht, einen Transformator, der Strom an ein Netz verteilt." Kriege schaffen solche Umwälzungen, sagt der Techniker Yurii, mit dem Chivers gesprochen hat. "Wer weiß, wohin das führen wird. Aber wenn es der internationalen Gemeinschaft Sorgen bereitet, dann hätte sie den Krieg längst stoppen müssen."

Magazinrundschau vom 02.12.2025 - New York Times

Auch in den USA sind E-Bikes schwer angesagt. Sie fahren zum Teil noch schneller als in Europa, und noch weiß Amerika nicht, ab welchem Grad sie einen Führerschein und ein Kennzeichen erfordern. Aber eins ist klar: Die Zahl der tödlichen Unfälle, in die E-Bikes verwickelt sind, ist drastisch gestiegen - so wie auch in Deutschland, auch wenn nicht so viel darüber geredet wird - 2022 wurden laut taz immerhin 5.600 Fußgänger in Deutschland durch Zusammenstöße mit E-Bikes verletzt: "Unfallforscher fordern Konsequenzen." In Amerika, so berichtet David Darlington in einer langen Recherche, herrscht absolutes regulatorisches Chaos. Jede Stadt erlässt andere Vorschriften. Die fettesten E-Bikes werden auch in New York von Lieferfahrern gefahren, was die Regulierung schwieriger macht: "Bürgermeister Eric Adams hat mit der Einführung einer Geschwindigkeitsbegrenzung von 15 Meilen für E-Bikes reagiert, aber da so viele Lieferanten Einwanderer sind, hat das Thema eine gesellschaftspolitische Dimension angenommen. Um benachteiligte Menschen nicht zu kriminalisieren oder ihnen 'gute Beschäftigungsmöglichkeiten' nicht vorzuenthalten, empfiehlt Ben Furnas vom Fahrradverband 'Transportation Alternatives', den Verkauf von E-Bikes der Klasse 3 zu verbieten (solche E-Bikes haben einen Gashebel und können beschleunigen, ohne dass man die Pedale benutzt, d.Red.). Er fügt hinzu, dass er sich auch 'weitaus strengere Vorschriften für das Ökosystem der Liefer-Apps' wünscht, 'damit die Arbeitnehmer nicht unter Druck gesetzt werden, gegen die Regeln zu verstoßen, um ihre Ziele zu erreichen' - eine Position, die auch der designierte Bürgermeister Zohran Mamdani teilt." Und bis dahin gilt Augen auf auf Fußwegen.
Stichwörter: E-Bikes

Magazinrundschau vom 11.11.2025 - New York Times

Dies ist eine amerikanische Reportage, wie sie früher waren, nüchtern, ohne Kitsch wie er im deutschen Seite-3-Stil üblich ist, düster, aber packend. Christopher John Chivers erzählt von der Rettung des ukrainischen Soldaten Aleksandr, dem von einer Drohne die Wade und die Hand zerschossen wurden, und von der endlosen Nacht, die er zubringen musste, bevor ihm eine ukrainische Drohne den Weg zur Rettung wies. Er hatte Glück. Viele werden nach Stunden des Wartens von Drohnen aufgespürt und zerfetzt. Das Gebiet zwischen den Fronten und vor der Front ist ständiger Überwachung durch die Drohnen ausgesetzt, eine völlig neue Qualität, so Chivers. Bis zum Afghanistan-Krieg gab es auf Schlachtfeldern die Faustregel der "Golden Hour". Innerhalb dieser Zeit sollte für verletzte Soldaten Rettung kommen, die Überlebenschancen waren so relativ gut. "Der zunehmende Einsatz von Drohnen über der Ukraine hat solche Ideale völlig auf den Kopf gestellt. Die Wartezeit eines verwundeten Soldaten, bis er einen Arzt erreicht, dauert nun oft so lange wie zu den schlimmsten Zeiten des Ersten Weltkriegs. 'Aufgrund der hohen Drohnenaktivität kann es manchmal ein, zwei oder drei Tage dauern, bis ein Soldat evakuiert werden kann', sagt Oberleutnant Daria, Anästhesistin in einer versteckten Notaufnahme oder Stabilisierungsstation in der Nähe von Charkiw… Laut Lt. Daria halten sich russische Drohnenteams nicht an die gesetzlichen Schutzbestimmungen für medizinisches Personal. 'In unserem Militärfachbereich an der Universität haben wir gelernt, dass laut den Genfer Konventionen Sanitäter auf dem Schlachtfeld nicht angegriffen werden dürfen', sagt sie. 'In diesem Krieg funktioniert das nicht. Evakuierungsteams sind für Russland wichtige Ziele.'"

Magazinrundschau vom 04.11.2025 - New York Times

Es gibt in der Rechtstheorie etwas, das nennt sich die "Vagheitsdoktrin". Sie besagt, dass Rechtsstaaten präzise Gesetze erlassen, alle autokratischen oder diktatorischen Regimes dagegen vorsätzlich ungenaue Gesetze, die ein Regime der Angst schaffen. Das ist genau Donald Trumps Rechtspraxis, erläutert Matthew Purdy im New York Times Magazine. Zum Beispiel hat er "damit gedroht, Anwaltskanzleien finanziell zu bestrafen, die seiner Meinung nach gegen das 'nationale Interesse' handeln - ein undefinierter Maßstab, den er teilweise auf ihre Verbindung zu Streitigkeiten, die ihm nicht gefallen, und zu Anwälten, die er als Feinde betrachtet, stützt. In gewisser Weise schafft Trump ein ganz eigenes System von Regeln und Strafen. Und wenn diese Regeln vage definiert sind - anders als beispielsweise Geschwindigkeitsbegrenzungen oder sogar komplexe Finanzvorschriften -, gibt es keine Garantie dafür, dass sich jemand sicher außerhalb der Zone der Regelverstöße bewegen kann. Daher ist nicht abzusehen, wer als Nächstes außerhalb der Grenzen erwischt wird und welche Strafe verhängt werden könnte." Gerichte weisen solche Rechtspraktiken übrigens oft zurück, aber das macht nichts, denn im Alltag erzeugen sie ausreichend Ängste, etwa wenn es an Schulen um die Themen Gender oder Gleichstellung geht. Purdy zitiert einen Lehrer aus New Hampshire, der heutzutage Angst hat, Toni Morrisons "Menschenkind", Joseph Conrads "Herz der Finsternis" und sogar Jane Austens "Solz und Voruteil durchzunehmen und der klagt, dass "ein Angstschauer durch die Klassenräume zieht". Nun empfiehlt dieses Vorbild demokratischen Muts diese Bücher nur noch zur Lektüre, macht sie aber nicht mehr zum Lehrstoff.

Magazinrundschau vom 21.10.2025 - New York Times

Der schärfste innerisraelische Konflikt betrifft den Gegensatz der Mehrheitsgesellschaft und der Ultraorthodoxen oder Haredim, die einen immer größeren Zorn auf sich ziehen, weil sie sich dem Wehrdienst verweigern, schreibt Joshua Leifer in einer ausführlichen Reportage: "Die Angst, dass Israel in seiner Existenz bedroht sei, hatte zu einem neuen Ethos der Aufopferung geführt. Fast alle israelischen Juden haben die Belastungen der letzten zwei Jahre persönlich zu spüren bekommen - mit Ausnahme der Haredim. 'Eine Haredi-Mutter wacht nicht um 2 Uhr morgens auf und macht sich Sorgen um ihren Sohn in Gaza oder an der Grenze zum Libanon', sagt Assaf Malchi, Senior Researcher am Israel Democracy Institute, als wir im Juli mit ihm sprechen. 'Solange die Haredim eine kleine Bevölkerungsgruppe waren, war das kein so großes Problem.' Aber da die Haredim mittlerweile etwa 18 Prozent aller 18-Jährigen ausmachen, ist die Situation unhaltbar und für viele unerträglich geworden, erklärte Malchi mir. 'Dies Modell ist nicht gerecht.' Offiziell müssen inzwischen auch die Ultraorthodoxen Wehrdienst leisten - aber die meisten kommen nicht. Und die wenigen, die kommen, sind meist keine wirkliche Ultraorthodoxen, sondern religiöse Zionisten und extreme Nationalisten - das bringt wiederum die israelische Armee in Verruf. "In den letzten fünf Jahren waren einige dieser Einheiten an schweren Übergriffen gegen Palästinenser beteiligt... Im Frühjahr 2024 erwog die Biden-Regierung, das Netzah-Yehuda-Bataillon wegen 'schwerwiegender Menschenrechtsverletzungen' mit Sanktionen zu belegen."
Stichwörter: Israel, Ultraorthodoxe Juden

Magazinrundschau vom 14.10.2025 - New York Times

Die Hamas hat ihre genozidalen Verbrechen am 7. Oktober 2023 ja sofort geleugnet, nachdem sie sie verübt und in sozialen Medien euphorisch gefeiert hatte. Darum sind Beweise wichtig. Israelische Behörden haben in den Tunnel-Labyrinthen ein handschriftliches Dokument von Yahya Sinwar gefunden - es war in einem Computer abgebildet, den man bei seinem Bruder Mohammad fand und der an keinerlei Internet angeschlossen war. Ronen Bergman und Adam Rasgon berichten über dieses sechsseitige Memo und zitieren außerdem aus Befehlen der Hamas am 7. Oktober selbst, die abgehört wurden. "Die Aktionen der Gruppe, so heißt es in dem Memo, sollten in die arabische Welt übertragen werden, um Menschen außerhalb des Gazastreifens zu mobilisieren, sich dem Kampf anzuschließen. Der Plan sah vor, dass Palästinenser im Westjordanland, Araber in Israel und 'unsere Nation' - entweder eine Anspielung auf Araber oder Muslime oder beides - 'positiv auf Aufrufe reagieren würden, sich der Revolution anzuschließen'. 'Den Befehlshabern der Einheiten muss klar gemacht werden, dass sie diese Aktionen gezielt durchführen, filmen und die Bilder so schnell wie möglich verbreiten sollen', heißt es in dem Memo. In den abgefangenen Gesprächen vom 7. Oktober sind Hamas-Kommandeure zu hören, die Kämpfer dazu auffordern, ihre Aktionen zu filmen, um andere zu ermutigen, sich dem Kampf anzuschließen. 'Dokumentiert die Schreckensszenen jetzt und sendet sie über Fernsehsender in die ganze Welt', sagt ein Kommandeur aus Gaza-Stadt namens Abu al-Baraa zu Aktivisten im Gebiet des Kibbuz Sa'ad. 'Schlachtet sie ab. Macht den Kindern Israels ein Ende.'"
Stichwörter: Sinwar, Yahya, 7. Oktober, Hamas

Magazinrundschau vom 15.07.2025 - New York Times

Der Perlentaucher ist nicht der erste, dem es auffällt (mehr hier und hier). Drei New-York-Times-Reporter schreiben einen Artikel, um zu erzählen, "wie Netanjahu den Krieg verlängerte, nur um an der Macht zu bleiben". Und dann steht mitten in dem Artikel ein Absatz, der dieser gesamten Aussage diametral widerspricht: "Es ist natürlich unmöglich zu behaupten, dass Netanjahu wichtige Kriegsentscheidungen ausschließlich um seines eigenen politischen Überlebens willen getroffen hat. Sein persönliches Streben nach Macht ist oft untrennbar mit echtem Patriotismus verbunden - und mit der immer wieder von ihm geäußerten Überzeugung, dass nur er allein weiß, wie Israel am besten zu verteidigen ist. Abgesehen von seinen eigenen Motiven ist Krieg ein komplexer, chaotischer Prozess mit vielen täglichen Variablen, die ihre Eigengesetzlichkeit haben. Wie alle israelischen Premierminister hat auch Netanjahu keine vollständige Kontrolle über eine weitläufige Verwaltung voller konkurrierender Fraktionen und Interessen. Seine Feinde im Libanon und im Iran stellten eine echte Bedrohung für Israel dar, und ihre Niederlage hat die Sicherheit Israels gestärkt."

Magazinrundschau vom 08.07.2025 - New York Times

Bestellen Sie bei eichendorff21!
Ted Conover, Autor eines Buchs über den Staat Colorado, geht der trüben Realität nach, die hinter Donald Trumps Instrumentalisierung der Zustände in der Stadt Aurora bei Denver liegt. Cindy Romero, venezolanischen Ursprungs, hatte per Video festgehalten, wie eine kleine Gang von Kriminellen, ebenfalls venezolanischen Ursprungs, in ihr Wohngebäude einbrach. Es kam zu einer Schießerei, das Video kursierte. Trump leitete daraus ab, dass ganz Aurora in der Hand einer venezolanischen Gang war und begründete darauf seinen Gewaltakt der Ausweisung hunderter illegaler Immigranten. Die Sache ist, dass Aurora zwar nicht in der Hand einer Gang ist - aber Conover schildert Gewaltszenen in der Stadt, die wiederum von Trumps Gegnern eher totgeschwiegen wurden. "Je mehr Aurora im Zentrum von Trumps Anti-Einwanderungsrhetorik stand, desto größer wurde die Versuchung unter demokratischen Politikern und Aktivisten, die Berichte über Bandenkriminalität in der Stadt als Halluzinationen der Rechten abzutun. Aber ihre Weigerung, die Gewalt anzuerkennen, die einige Einwohner mit eigenen Augen sahen, wirkte nicht beruhigend, sondern wie eine Ausblendung. Bei der Kundgebung bezeichnete sich Romero als 'ehemalige lebenslange Demokratin' und erklärte, dass die Leugnungen sie gegen die Partei aufgebracht hätten. Sie dankte Trump vor allem dafür, 'dass er mir geglaubt hat'."

Magazinrundschau vom 01.07.2025 - New York Times

C.J. Chivers erzählt, wie die achtzigjährige Ukrainerin Liudmyla Zarutska, genannt Liuda, in ihrem Plattenbau im 9. Stock ums Leben kam. Eine russische Shahed-Drohne schlug ein. Zarutska überlebte die von der Drohnen freigesetzten Metall-Kugeln, die im Beton ihrer Wohnungswände steckenblieben. Aber als nächstes setzte die Drohne einen Feuersturm frei, der in alle Zwischenräume drang und auch den Hausflur hinabraste und alle Möbel in Brand steckte. "Liuda überlebte auch das. Aber Flammen versperrten ihr den Weg zum Ausgang, so dass sie sich in ihrem Schlafzimmer verstecken musste, das durch eine Holztür vom brennenden Flur getrennt war. Luft strömte durch zerbrochene Fenster und fachte das Inferno an. Ihr Zufluchtsort wurde zu einem Betonofen. Die Zeit war knapp, sie hatte kaum Optionen. Außer einem Sprung auf den neun Stockwerke tiefer liegenden Spielplatz gab es keinen unmittelbaren Fluchtweg. Nachrichten von den Drohnenangriffen verbreiten sich schnell. Noch als die Flammen aus den Fenstern schlugen, alarmierte ein Nachbar Liudas Sohn Mykola über den Angriff. Er rief seine Mutter dreimal an. Sie nahm nicht ab. Sie konnte nicht. Umgeben von einem orangefarbenen Feuerschein stand sie am Fenster ihres Schlafzimmers und schrie, während sie verbrannte." Das ist der Anfang dieser teilweise kaum zu ertragenden, aber großartig erzählten und recherchierten Reportage, in der Chivers auch eine Menge Informationen über die Drohnen zusammenträgt: Sie werden inzwischen in Russland produziert, auch wenn nach wie vor iranische Teile verbaut werden. Anfangs setzte Russland 38 pro Woche davon ein, jetzt, nach Trumps Telefonaten mit Putin, über 1000 Stück pro Woche. Eine Drohne kostet 50.000 Dollar, im Gegensatz zu 2 Millionen Dollar für eine Iskander-Rakete. Diese Drohnen fliegen tief, sie sind schwarz, in der Nacht kaum auszumachen. Sie wechseln die Flughöhe und fliegen unberechenbare Bahnen, bevor sie ihr Ziel erreichen. Kurz: "Diese Waffen kosten wenig, sie fliegen weit und machen die Schlafenszeit in der Ukraine zu einer Zeit der Angst."

Magazinrundschau vom 17.06.2025 - New York Times

Bestellen Sie bei eichendorff21!
Was Trump betreibt, ist eine Privatisierung des Politischen. Er öffnet der Korruption die Schleusen, und es entsteht eine Flut, die ganz Amerika (und nicht nur Amerika, nebenbei bemerkt) nach unten reißt, schreibt Ben Rhodes, Autor des Buchs "After the Fall - The Rise of Authoritarianism in the World We've Made", in einem Essay für die New York Times. Ist der Damm einmal gebrochen, lässt er sich nicht einfach wieder aufbauen, das Gelände ist zerstört. Gelernt hat es  Trump bei Orban und nutzt Schwächen aus, die die Demokratien sehenden Auges haben entstehen lassen. Allein: "Was Trump von einem Orban oder sogar einem Putin unterscheidet, ist die immense wirtschaftliche, technologische und militärische Macht des Unternehmens, das er jetzt leitet: die Vereinigten Staaten von Amerika. Kein Land hat mehr Einfluss auf die Weltwirtschaft. Durch die Einführung von Zöllen für alle Länder der Welt hat Trump diese Macht personalisiert. Zölle geben ihm die Macht, Märkte zu bewegen. Er kann den Hebel nach oben oder unten betätigen. Er hat den Kongress umgangen und Versuche, ihn einzuschränken, als antiamerikanisch abgestempelt und 'USA-Hasser' in einem Handelsgericht attackiert, das versucht hatte, seine Zollbefugnisse einzuschränken. Das schafft unbegrenzte Gewinnmöglichkeiten."
Stichwörter: Rhodes, Ben, Trump, Donald