Magazinrundschau - Archiv

MicroMega

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Magazinrundschau vom 18.09.2018 - MicroMega

Die Journalistin Cinzia Sciuto setzt sich in einem Buch, aus dem MicroMega ein Kapitel vorabdruckt mit der "Logik des Multikulturalismus" auseinander: "Die kommunitaristisch-multikulturalistische Logik imaginiert klar identifizierbare und definierbare 'Objekte' - die 'Kulturen' - als gegeben und behauptet, es seien politische Maßnahmen vonnöten, um sie einzuhegen. Dummerweise aber sind 'Kulturen' keine natürlichen Objekte, die sich in der Gesellschaft beobachten lassen, sondern selbst soziale Konstruktionen, die sich ständig weiterentwickeln. Statt die Realität abzubilden, formt der multikulturalistische Ansatz jene 'Gemeinschaften' erst und schreibt ihnen - und letztlich den Individuen, den angeblichen Trägern dieser Kultur - eine Reihe von Eigenschaften zu, die sich zumeist als zu eng oder zu weit erweisen und der komplexen Identität einer Person nicht gerecht werden."
Stichwörter: Multikulturalismus

Magazinrundschau vom 15.05.2018 - MicroMega

Der Politologe Paolo Gerbaudo ist ein Experte für Soziale Medien und ihre Auswirkung auf die Politik. Hier legt er einen resümierenden kleinen Essay über die Organisationsform der Fünf-Sterne-Bewegung vor, bei der er sich im Grunde ganz und gar nicht daran stört, dass diese Bewegung nun mit der sehr rechtspopulistischen Lega Nord zu paktieren scheint. Ihn interessiert die digitale Organisationsform der Partei, die alles über ihr Partei-Wiki namens 'Rousseau' steuern will und nebenbei schon gezeigt hat, wie stark solche Modelle manipuliert werden können. So wie Jeremy Corbyns Momentum-Bewegung oder Podemos in Spanien, verändern sich die Parteien dabei nach dem "Plattform"-Modell der der sozialen Medien, so Gerbaudo.  Trotz der Probleme der Fünf Sterne mit ihrem Wiki sieht Gerbaudo, der aus der Perspektive eines begeisterten und auf Innovation hoffenden Linken schreibt, in diesem Modell die Zukunft: "Weiter über den Niedergang der Massenpartei zu jammern, hat keinen Sinn und verlängert nur die 'Melancholie der Linken', die Wendy Brown schon vor zwanzig Jahren diagnostizierte. Überlegen wir uns eher, worüber wir besonders in einem Land wie Italien sprechen müssen. Wir müssen darüber nachdenken, wie das Modell der Plattform-Partei angepasst und verändert werden kann, um den radikalen Wandel unserer gesellschaftlichen Erfahrung widerzuspiegeln."

Magazinrundschau vom 23.01.2018 - MicroMega

Giacomo Russo Spena unterhält sich mit dem Vatikan-Kenner Gianluigi Nuzzi, der mit "Peccato originale" ein weiteres Enthüllungsbuch über die Finanzen des Vatikans herausbringt und sich wenig schmeichelhaft über die Transparenzbemühungen von Papst Franziskus äußert: "Die katholische Welt hatte große Erwartungen an Bergoglio, aber von Anfang an wählte er problematische Mitarbeiter. Denken wir an Kardinal Pell: Er hatte die heikle Aufgabe, die Finanzen des Vatikans zu reformieren, aber er musste seine Arbeit einstellen, weil er nach Australien musste, um sich gegen Pädophilie-Anschuldigungen zu verteidigen. Gleichzeitig sind einige Machtblöcke des vorherigen Pontifikats unverändert geblieben: Es reicht nicht aus, einige Männer in der ersten Reihe auszutauschen, um die Mentalität zu ändern."
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Magazinrundschau vom 21.11.2017 - MicroMega

Kein deutsches Medium (mit Ausnahme des Humanistischen Pressedienstes, hier) hat über dieses Jubiläum berichtet: Der Zentralrat der Ex-Muslime, der von der Deutschen Mina Ahadi gegründet wurde, feierte letzte Woche sein zehnjähriges Jubiläum - inzwischen hat die Organisation mit Maryam Namazie auch in Großbritannien eine prominente Sprecherin, berichtet Cinzia Sciuto in Micromega: "Eines der Ziele der Bewegung, die in zehn Jahren enorm gewachsen ist und heute Dutzende Vereine in verschiedenen Ländern hat,  besteht darin, der westlichen Öffentlichkeit und insbesondere der Linken zu zeigen, dass die Trennung zwischen Religion und Staat, Säkularismus - mit allen sich daraus ergebenden Rechten, vor allem der Meinungsfreiheit - kein westliches Vorrecht ist, sondern ein universeller Wert, für den in vielen Ländern mit muslimischer Mehrheit heute Hunderte Aktivisten ihr Leben riskieren: Niemand kennt den Wert des Säkularismus besser als jene, die in theokratischen Regimes leben', erklärt Namazie."

Magazinrundschau vom 12.09.2017 - MicroMega

Oft ist schon gesagt worden, dass sich die Mafia fundamental verändert hat. Im Gespräch der Staatsanwälte Nino Di Matteo und Roberto Scarpinato in Micromega wird erklärt, wie dieser Wandel abgelaufen ist. Die italienische Mafia verzichtet heute auf Gewalt - alles läuft über Korruption. Dabei sieht Scarpinato, Staatsanwalt in Palermo, einen "fundamentalen Unterschied" zwischen der Ersten Republik bis zur Krise von 1994 und der Zweiten Republik. "In der Ersten Republik, als der italienische Staat noch Geld drucken und Anleihen ausgeben konnte, finanzierte er die öffentlichen Ausgaben unbegrenzt und damit auch die Korruption. Nach dem Ende der Ersten Republik und mit den Verträgen von Maastricht und und den rigorosen Bilanzregeln der EU ist es nicht mehr möglich, die Korruption mit öffentlichen Ausgaben zu finanzieren. Aber die Korruption ist geblieben, sie finanziert sich jetzt über die Beschneidung von Sozialleistungen. Einer der berühmtesten Korruptionsfälle ist das Mose-Projekt von Venedig, das die Stadt vor Fluten schützen soll. Es wurde auf zwei Milliarden Euro geschätzt und ist bei sechs Milliarden gelandet - vier Milliarden Euro sind der Korruption geschuldet. In der Ersten Republik hatten diese vier Milliarden Euro Staatsausgaben entsprochen, in der Zweiten bedeuten sie Einschnitte bei Krankenhäusern, Schulen und Renten."

Magazinrundschau vom 01.11.2016 - MicroMega

Auf ITV lief vor drei Wochen ein Film über "muslimische Ungläubige", der die Geschichte vieler vom Glauben Abgefallener muslimischen Ursprungs erzählt. Viele der Befragten haben sich im Film nur verhüllt gezeigt, aus Angst, schreibt die algerische Soziologin Marieme Helie-Lucas:  "Ja, Angst. Heute, im Vereinigten Königreich: Angst, physisch angegriffen, ja umgebracht zu werden. Das erscheint Ihnen unbegründet? Ich glaube nicht: In Paris müssen einige Journalisten algerischer Herkunft, die über den muslimischen Fundamentalismus berichten, seit Jahren im Versteck leben. Eine Theaterschauspielerin algerischen Ursprungs ist am hellichten Tag angegriffen worden, mit der Absicht, sie bei lebendigem Leib zu verbrennen, weil sie ein Stück mit dem Titel 'J'ai trente ans et je me cache encore pour fumer' (Ich bin dreißig und verstecke mich immer noch um zu rauchen) gegeben hat...  Seit der Rushdie-Affäre haben die Fanatiker immer weitergemacht."

Hier der von Hélie-Lucas empfohlene Film:

Magazinrundschau vom 19.07.2016 - MicroMega

Aus Anlass des Todes von Michel Cimino bringt Micromega ein langes Interview, das Fabrizio Tassi und Emilio Cozzi vor fünf Jahren mit dem Regisseur geführt haben. Auf die Frage, ob er heute "Heaven's Gate" nochmal drehen würde, antwortet er nur auf Umwegen: "Nein. Ich hasse es dieselbe Sache zweimal zu machen. In meiner ganzen Karriere habe ich niemals eine Szene neu geschnitten. Das ist eine der nervendsten Sachen, die dir passieren können. Ich sage nicht, dass beim Drehen alles von vornherein perfekt ist. Aber wenn ich eine Idee über eine Szene im Zusammenhang mit der Geschichte habe, dann drehe ich, bis ich sie realisiert habe. Diese Szene und keine andere. Ich klebe nicht verschiedene Versionen der selben Sequenz zusammen, um dann die vielleicht die besten Teile auszuwählen und sie zu montieren. Damit riskiert man den Zusammenhalt des Films."

Magazinrundschau vom 14.06.2016 - MicroMega

Der bekannte Philosoph Roberto Esposito legt eine neue Philosophie Europas vor und stellt im Gespräch mit Diego Ferrante und Marco Pasentier von Micromega die Frage, wie Europa zu vereinen sei - was für ihn offenbar nicht ohne eine europäische Revolution denkbar ist, denn die ökonmische Einigung über den Euro habe sich als ungenügend erwiesen: "Sie hat mehr Probleme geschaffen als gelöst. Der Prozess ist dennoch unumkehrbar, denn eine Rückkehr wirft noch größere Probleme auf, wie die Geschichte gezeigt hat. Die problematischen Konsequenzen einer finanziellen Einheit, die nicht von einer politischen getragen ist, liegt vor aller Augen. Der einzige Weg scheint mir darum trotz allem, an die Konstruktion eines europäischen Volks zu denken. Aber das setzt eine harte Konfrontation von zwei Ideen von Europa voraus, die schon die einzelnen Völker teilen, da sie durch allzu unterschiedliche Lebensumstände zu sehr gespalten sind, als dass sie einfach vereinigt werden könnten. In diesem Sinne mache ich in dem Buch auf die Notwendigkeit eines sozialen Konflikts aufmerksam, der dem Prozess einer europäischen Konstitutionalisierung Kraft geben würde. Schon Hegel lehrte, dass der Konflikt, solange er als politische Konfrotation ausgetragen wird, konstituierende Funktion hat."

Magazinrundschau vom 19.01.2016 - MicroMega

Giona A. Nazzaro erzählt die Geschichte des iranisch-kurdischen Filmregisseurs Keywan Karimi, der trotz einer Abmilderung seines Urteils immer noch von Gefängnis bedroht ist: "Alles begann für den Regisseur mit dem Filmprojekt 'Writing on the City': ein Film, der die zahlreichen Wandlungen der Islamischen Republik von der Revolution im Jahr 1979 bis zur Wiederwahl des Präsidenten Achmadinedschad im Jahr 2009 über abgefilmte Graffiti auf den Mauern von Teheran erzählt. Am 14. Dezember 2013 taucht die Polizei in seinem Haus auf und beschlagnahmt Karimis elektronische Ausrüstung. Er verbringt zwei Wochen in absoluter Isolation im Gefängnis..." Nach acht Gerichtsterminen "wird er zu zwei Jahren Gefängnis und neunzig Peitschenhieben wegen 'Beleidigung des Islams' verurteilt. Später wird dieses Urteil auf sechs Jahre Gefängnis und 223 Peitschenhiebe erhöht." Durch internationalen Druck, so Nazzaro, beläuft sich das Urteil nur mehr auf zwei Jahre Gefängnis - nun seien die Kräfte bündeln, um auch diese Strafe noch abzuwenden.

Magazinrundschau vom 10.11.2015 - MicroMega

In diesen Tagen erscheint Emiliano Fittipaldis Buch "Avarizia" über das Finanzgebaren des Vatikans. Etwas großsprecherisch, als sei er Bernstein und Woodward in einer Person, erzählt er in Micromega, wie er in römischen Restaurants seine "Deep throats" traf, unter anderem einen hohen Würdenträger, der ihm von einem jungen Priesteranwärter aus seiner Bekanntschaft präsentiert wird. Er solle mit dem Auto kommen, nicht mit der Vespa, wird ihm vor dem Treffen gesagt: "Als die beiden den Kofferraum ihrer weißen Limousine öffnen, verstehe ich, dass das ein guter Rat war. Darin stecken große schwere Ordner voller Geheimdokumente aus der Güterverwaltung des Apostolischen Stuhls, aus der Vatikanbank, aus Katasterämtern und Unterlagen von Wirtschaftsprüfern, die für die internen Untersuchungen im Vatikans gearbeitet haben: 'Ich gebe dir das, weil Franziskus Bescheid wissen soll. Er soll wissen, dass der Vatikan in Rom Immobilien im Wert von 4 Milliarden Euro besitzt und dass dort keine Flüchtlinge wohnen, sondern ein Sack voll VIPs und Begünstigte, die lächerliche Mieten zahlen. Er soll wissen, dass die Stiftungen für Ratzinger und Wojtyla so viel Geld einkassiert haben, dass sie heute 15 Millionen Euro zu verwalten haben. Er soll wissen, dass eine Menge Kardinäle in Wohnungen von 400, 500, 600 Quadratmetern leben. Plus Penthouse und Dachterrasse."