
Mélissa Cornet
blickt auf die ziemlich deprimierenden Aussichten für
Frauen in Afghanistan. Die Taliban haben nach ihrer Machtübernahme
über 80 Gesetze erlassen, die die Bewegungs- und Berufsfreiheit von Frauen teilweise katastrophal einschränken. Hier und da wird inzwischen darüber nachgedacht, einen internationalen Straftatbestand namens "
Gender Apartheid" einzuführen, der derartige systematische Benachteiligung in den Blick nimmt. Aber würde das helfen? Insgesamt macht sich Ratlosigkeit breit: "Es gibt zwei Denkrichtungen darüber, wie die internationale Gemeinschaft die Politik der Taliban in Bezug auf Frauen beeinflussen könnte: das Regime isolieren oder eine bedingte Zusammenarbeit etablieren. Während Teile der afghanischen Diaspora Sanktionen und Isolation fordern, sprechen sich die Mehrheit der Regierungen und zivilgesellschaftlichen Organisationen für eine bedingte Zusammenarbeit aus, wobei Menschenrechte immer Teil der Diskussion sein sollen. Engagement, das nicht gleichbedeutend mit einer formellen Anerkennung ist, wird als der einzige Weg angesehen, um langfristig Einfluss auf die Taliban auszuüben. Es wird argumentiert, dass
Diplomatie Zeit braucht und
besonders notwendig ist, wenn man mit Menschen spricht, mit denen man nicht einer Meinung ist. Wie der amtierende Außenminister des Landes, Amir Khan Muttaqi, wiederholt betont hat, liegt den Taliban viel daran, wieder in die internationale Gemeinschaft integriert zu werden. Es stimmt, dass Diskussionen mit den Taliban und diplomatisches Engagement bisher keine konkreten Ergebnisse gezeitigt haben - aber auch die von den USA und der EU verhängten finanziellen Sanktionen und Reiseverbote für Einzelpersonen haben bislang keine Wirkung. Die
Taliban spielen auf Zeit und beobachten, dass ihr Regime langsam akzeptiert wird, ohne dass sie auch nur ein einziges Zugeständnis beim Thema Frauenrechten machen. (…) Die Taliban erinnern ausländische Staaten gerne daran, dass sie das Doha-Abkommen aus dem Jahr 2020 einhalten, das Bedingungen für den US-Abzug festlegte, und dass andere Länder kein Recht haben, sich in die inneren Angelegenheiten Afghanistans einzumischen, vor allem nicht nach zwanzig Jahren Krieg. Infolgedessen wächst die Kluft zwischen den Ländern, die prinzipiell darauf bestehen, ohne Zugeständnisse bei den Frauenrechten nicht mit den Taliban zusammenzuarbeiten, und pragmatischen Nachbarländern, die die
regionale Stabilität priorisieren - diese Länder besetzen zunehmend den diplomatischen Raum in Kabul."
Anlässlich der bevorstehenden Sommerolympiade in Paris
analysiert David Goldblatt den Stand der Dinge in Sachen
Olympische Spiele. Megaevents sind sie inzwischen geworden, aber auch die Probleme, die sie mit sich bringen, sind gigantisch. Eine Folge: niemand möchte sie mehr ausrichten: "Eine Reihe von Städte hat sich
aus dem Bewerbungsprozess zurückzogen. Bewerbungen für die Winterspiele wurden nach Abstimmungen in Oslo, Krakau, Lwiw und Stockholm zurückgenommen; Hamburg, Boston und Rom gaben ihre Ambitionen auf, die Sommerspiele auszurichten. Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán verlor seine einzige bedeutende politische Schlacht des letzten Jahrzehnts, als eine lokale Kampagne eine Petition sammelte, die groß genug war, um ein Referendum über Budapests Bewerbung zu erzwingen, eine Herausforderung, die Orbán und die Organisatoren nicht annahmen. Nur
Paris und
Los Angeles waren für die Sommerspiele 2024 im Rennen und niemand schien sich für die Spiele 2028 zu interessieren. Angesichts dieser Gefahr vergab Bach die Spiele 2024 an Paris und überredete Los Angeles, 2028 zu übernehmen, ohne die Irritation und den Aufwand einer IOC-Abstimmung auf sich zu nehmen. Im Zuge eines ähnlichen Manövers im Jahr 2021 wurden die Spiele 2032 an
Brisbane vergeben, das
der einzige plausible Bewerber war."