Jean-Christian Vinel
bespricht ausführlich, wenn auch kritisch
Michael Berubes Buch
"The Left at War". Darin plädiert der Kulturwissenschaftler Berube für mehr Gramsci und
weniger Chomsky, denn dieser habe die Linke im Gefolge des 11. Septembers in eine Sackgasse geführt: "Laut Berube war die Friedensbewegung während der Bush-Ära buchstäblich gelähmt durch die Maßlosigkeit derer, die er im Gegensatz zur 'demokratischen' die '
manichäische Linke' nennt: 'Die Auswirkungen auf das linke Denken in den USA waren verheerend. Genau in dem Moment, als Amerika einen energischen und breiten Widerspruch zu den Verheerungen des
Bush-Cheney-Regimes gebraucht hätte, trat die manichäische Linke mit der Kritik hervor, Amerika sei für die Entstehung von al-Qaida verantwortlich, der Krieg in Afghanistan eine der groteskesten Handlungen der Zeitgeschichte und jeder, der diese Beurteilungen nicht teilt, entweder ein Apologet oder ein Idiot.'" Vinel ist überhaupt nicht damit einverstanden, die Linke so zu unterteilen, meint aber: "Ohne Zweifel hat Berube recht, dass die linken Intellektuellen zwischen 2001 und 2002 die Gelegenheit verpassten, Nutzen aus dem Kontext des Krieges gegen die Taliban zu ziehen, um amerikanische Werte zu bestärken:
Frauenrechte,
Schwulenrechte, Abtreibung, freie Meinungsäußerung, alles Themen, die die amerikanische Rechte in Verlegenheit gebracht hätte. Denn damals erklärten noch Prediger wie Jerry Falwell und Pat Robertson, dass der 11. September eine
göttliche Antwort auf die Exzesse des liberalen Amerikas war."