Filmgeschichte ist fragil - insbesondere in
Hongkong scheint das zu gelten, wie Grady Hendrix
berichtet. Sogar Klassiker aus den 90er Jahren sind heute - trotz damals großem Kassenerfolg und bis heute attraktiver Starbesetzung - mitunter kaum mehr auf
historischem Filmmaterial aufzutreiben. Reger Handlungsbedarf für Archivare und Restauratoren also, die sich allerdings nicht nur etwa mit den Fragen nach der korrekten Farbwiedergabe herumquälen müssen, sondern insbesondere auch mit einer
kniffligen Rechtelage, die von einem zeitlich fast uferlos ausgedehnten Urheberrecht verursacht wird, dass nicht nur
Kultur zerstört, sondern selbst die Rechteverwerter paralysiert: "'Vor allem, was Filme aus den Achtzigern betrifft, ist die Rechtelage völlig undurchsichtig', sagt [Restaurator] Bede. 'Den Leuten damals war nie bewusst, dass sie einen Film drehen und noch in dreißig, vierzig Jahren damit Geld verdienen könnten. Also haben sie die Rechte für Übersee einfach verkauft und jetzt sind sie
kaum mehr nachvollziehbar. Es ist sehr schwierig, sie zu recherchieren.' ... Wer sich die Mühe macht, um einen Film zu restaurieren, will sicher sein, dass er diese restaurierte Fassung in so vielen Märkten wie möglich zu Geld machen kann. Besitzt man nur die Rechte für den chinesischen Markt, verliert eine Restaurierung deutlich an Reiz. Wer aber besitzt die Rechte an den
Bruce-Lee-Filmen, die
Fortune Star derzeit restauriert?
Fortune Star gehört der chinesische Markt, doch die nordamerikanischen Rechte sind schwieriger zu ermitteln. 'The Big Boss' lief in Nordamerika ursprünglich in der mittlerweile aufgelösten Chinatown-Auswertung, später brachte
Columbia den Film nochmals heraus.
20th Century Fox brachte ihn auf Homevideo. Und die Streaming- und Fernsehrechte liegen bei
Miramax. Die meisten Verleiher meiden einen solchen
Rechte-
Dschungel. Was wiederum bedeutet, dass es
weniger Anreiz gibt, Hongkong-Filme zu restaurieren." Was wiederum eine echte Katastrophe für die Filmkultur ist.