Magazinrundschau - Archiv

Al Ahram Weekly

202 Presseschau-Absätze - Seite 2 von 21

Magazinrundschau vom 23.04.2013 - Al Ahram Weekly

Die ägyptischen Frauen haben mit der Revolution nichts gewonnen, meint Reem Leila. Sie scheinen eher Rechte zu verlieren: "Obwohl Frauen an der Revolution vom 25. Januar für die Freiheit gekämpft haben, haben sie nicht mehr Rechte gewonnen als sie schon hatten. Im Gegenteil, es gibt Versuche, Gesetze zu anullieren, die Frauen unter der Herrschaft von Mubarak mit bestimmten Rechten ausgestattet hatten. Rechte, die Frauen in der politischen und sozialen Arena errungen hatten, werden scharf angegriffen von den Islamisten, die glauben, Frauen sollten in der Hierarchie tiefer stehen und nur die Rechte haben, die der Islam ihnen zugesteht."

Außerdem: Nehad Selaiha berichtet vom nationalen Theatertreffen in Kairo, das mit einer Demonstration begann.
Stichwörter: Theatertreffen

Magazinrundschau vom 26.02.2013 - Al Ahram Weekly

Der Fotograf Sherif Sonbol erzählt die Geschichte der deutschen Buchhandlung Lehnert und Landrock in Kairo. Die Gründer waren zwei Fotografen aus Sachsen und Österreich. "Ich erinnere mich, dass ich ihnen meine Bilder angeboten habe und sie lehnten ab. In wenigen Jahren würde ich der erste ägyptische Fotograf sein, der einen Bildband veröffentlicht hat, aber egal. Vor ein paar Wochen kehrte ich mit Nina Awadley dorthin zurück, um mir das jüngste Buch anzusehen, dass sie veröffentlicht hatten. Lehnert und Landrock: Postkarten aus der Vergangenheit. ... Ich war neugierig zu sehen, wie Ägypten aussah auf den 170 Postkarten, die in dem Buch reproduziert waren: wie die Straßen weder Schmutz noch Straßenverkäufer aufwiesen, wie sauber die Dörfer waren, wie ordentlich und ruhig der Verkehr war."
Stichwörter: Sachsen, Postkarten

Magazinrundschau vom 05.02.2013 - Al Ahram Weekly

Nehad Selaiha hat das fünfte Arabisch Theaterfestival in Quatar besucht. Obwohl sie selbst dort als eine von sechzehn Frauen ausgezeichnet werden sollte, die sich um das arabische Theater verdient gemacht haben, wollte sie erst nicht fahren: "Ausgerechnet Qatar. Ich habe nichts gegen das Land und seine Einwohner, aber ich bin nicht einverstanden mit der Unterstützung, die seine Herrscher dem gegenwärtigen Regime in Ägypten gewähren. Dass meine Theaterkritiken in einem Land geehrt werden, dessen Herrscher ein Regime in meinem Land unterstützen, das Theater und die Künste ablehnt und entschlossen ist, die Frauen zu unterdrücken, war schwer zu schlucken."
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Stichwörter: Theaterkritik

Magazinrundschau vom 15.01.2013 - Al Ahram Weekly

Ibsens "Ein Volksfeind" ist eine ausgezeichnete Wahl für das heutige Ägypten, gratuliert Nehad Selaiha der Theaterregisseurin Nora Amin, die das Stück mit ihrer Truppe La Musica Troupe in Kairo aufgeführt hat. Es geht im Stück um den Badearzt Thomas Stockmann, der schädliche Bakterien im Wasser eines Kurstädtchens gefunden hat, das durch diese Nachricht seine Einnahmen gefährdet sieht. Stockmann soll aus der Stadt vertrieben werden, doch entscheidet er sich zu bleiben und, so Selaiha, "seinen Glauben an die Werte der Kultur und der Aufklärung an die junge Generation weiterzugeben. Die Hoffnung auf künftige Generationen, mit der das Stück endet, wird in Nora Amins Produktion zu einem Aufruf, in Ägypten zu bleiben und zu widerstehen. Es war, als sprächen Nora und ihre Truppe für die Kopten, die Liberalen, die Säkularisten und die Revolutionäre in Ägypten und sendeten eine klare Botschaft an Scheik Mohammed Hussein Yakub, einen führenden Salafistenprediger, der die Abstimmung über die Verfassung als klares Mandat für die Einrichtung einer islamischen Theokratie interpretierte. 'Jenen, die in einem solchen Land unter einem solchen Gesetz nicht leben können', beschied er: 'Wie ihr wollt, gute Reise, was kümmert uns das? Ersucht um ein Visum für Amerika oder Kanada. Wir [die Islamisten] haben die Schlacht um die Wahlurnen gewonnen - das Land gehört uns und jeder, der das nicht mag, kann gerne gehen.'"
Stichwörter: Kanada, Kopten, Wasser, Volksfeind

Magazinrundschau vom 08.01.2013 - Al Ahram Weekly

"Für die Mehrheit der Künstler in Ägypten endete 2012 auf einer traurigen Note, mit großer Angst, sogar Panik vor der Zukunft und viele, viele bedauerten all die Fehler, die die Revolution vom 25. Januar in eine Art Albtraum verwandelt haben", schreibt Nehad Selaiha in einem Rückblick auf die wichtigsten Theaterinszenierungen 2012. "Der ruhmreiche Traum hat sich verflüchtigt und die trostlose Realität liegt schwer auf uns. Und doch, trotz der zerschmetterten Hoffnungen, gebrochenen Versprechen, verfehlten Allianzen und des häufigen Verrats, trotz der Gewalt und des Blutvergießens hat der Geist heroischen Trotzes und der unbeugsame Wille zu überleben, weiterzumachen, gleich, welche Hürden überwunden werden müssen, die unabhängige und halb-unabhängige Theaterszene in Ägypten das ganze Jahr 2012 durchdrungen."

Magazinrundschau vom 11.12.2012 - Al Ahram Weekly

Khalil El-Anani ist bitter enttäuscht von Präsident Mursi. Dessen Behauptung, mit seinen neuen Vollmachten und einer autoritären muslimischen Verfassung wolle er nur die "Errungenschaften der Revolution schützen", findet El-Anani absurd. Er sieht Mursi im Gegenteil direkt in die Fußstapfen Mubaraks treten: "Nichts wurde bisher unternommen, um das Innenministerium zu säubern, zu reformieren und die zu bestrafen, die für den Tod junger Revolutionäre verantwortlich sind. Es wurde keinerlei Versuch unternommen, mit den anderen politischen Kräften einen Konsens zu erzielen, obwohl Mursi das in seiner 'Fairmont-Erklärung' vor der zweiten Runde zu den Präsidentschaftswahlen versprochen hatte."

Gamal Essam El-Din berichtet im Detail, wie der Verfassungsentwurf zustande kam: "Die islamistische Mehrheit in der Versammlung stimmte gegen Immunität von Journalisten, die Beleidigungen veröffentlichen. Doch stimmte sie dafür, fünfzig Prozent der Parlamentssitze den Repräsentanten der Arbeiter und Bauern zu überlassen."

Außerdem: Doaa El-Bey resümiert, was faul ist an Mursis Verfassungsentwurf. Die Muslimbrüder verlieren gerade die Mittelklasse und merken es nicht einmal, schreibt Azmi Ashour angesichts der Tatsache, dass sich sogar die Justiz dem Protest gegen Mursi angeschlossen hat. Hani Mustafa berichtet vom Cairo International Film Festival, das in diesem Jahr trotz der Auseinandersetzungen zwischen Mursi-Anhängern und -Gegnern abgehalten wurde - schon aus Angst, es könnte sonst für immer verschwinden.

Magazinrundschau vom 11.09.2012 - Al Ahram Weekly

Eins steht fest: an der miserablen Situation der ägyptischen Theater hat die Revolution bisher nichts geändert, notiert eine wütende Nehad Selaiha nach dem Besuch des Stücks "Madad Ya Shikanara!", einer Koproduktion des Jugendstaatstheaters mit dem Al-Samer Kulturpalast Ensemble: "Obwohl die Show gut war, die Wahl des Veranstaltungsorts, wenn man ihn so nennen kann, war schmerzhaft ironisch. Hier waren zwei große, Theater spielende Staatsorganisationen, die ihre Kräfte für eine wertvolle Initiative bündelten, und der einzige Raum, den sie dafür finden konnten, war dieses felsige, rattenverseuchte, ummauerte Stück Ödland. Das allein spricht Bände über den schrecklichen Theaterraummangel in Ägypten und die jahrzehntelange kriminelle Vernachlässigung der Infrastruktur für Theater."

Außerdem: Mai Samih besucht einen Workshop für creative writing der britischen Autorin Linda Cleary in Kairo. Der Islamist ist immer zu 100 Prozent überzeugt, dass er Recht hat, meint der Jurist und politische Berater Tarek Heggy. Schon deshalb könne man mit ihm keinen modernen Staat aufbauen. Und Gamil Matar erklärt Ägyptens Präsident Mursi, der gerade heftig den Iran kritisiert hatte, am Beispiel der Amerikaner, warum man besser nicht Außenpolitik mit Religion vermischt.
Stichwörter: Ägyptisches Theater

Magazinrundschau vom 04.09.2012 - Al Ahram Weekly

Ahmed Morsy berichtet über eine Protestveranstaltung in Kairo, auf der Intellektuelle gegen jüngste Behinderungen und Verhaftungen von Journalisten aufmerksam machten. Zuletzt war der Chefredakteur der unabhängigen Tageszeitung Al-Dostour wegen "Beleidigung" von Präsident Mohamed Mursi inhaftiert, später jedoch wieder freigelassen worden. Der Drehbuchautor Medhat El-Adl ist der Überzeugung, "dass Haft aufgrund des Tatsbestands der Präsidentenbeleidigung inakzeptabel ist. 'Das ist nicht vertretbar, weil der Begriff Beleidigung dehnbar ist: einer mag an einer Aussage etwas Beleidigendes finden, ein anderer findet sie angemessen. Wir fordern deshalb eine Kommission oder eine Vereinigung zuverlässiger Journalisten und Künstler, die derartigen Schwachstellen gemäß festgelegten und von allen anerkannten Kriterien vorbeugen sollen', erklärte El-Adl während der Veranstaltung. 'Wir stehen heute hier, weil wir den Eindruck haben, dass Freiheiten gefährdet sind, und wir protestieren gegen eine allgemeine Situation, nicht gegen eine Person."
Stichwörter: Behinderung

Magazinrundschau vom 14.08.2012 - Al Ahram Weekly

Rania Khallaf stellt eine ägyptische Fernsehserie vor, die ihr einiges über den Zustand der arabischen Welt verrät. Es geht um einen Ingenieur, verheiratet, ein Sohn, der auf seinen Reisen insgesamt noch vier Mal geheiratet hat, ohne dass seine ägyptische Ehefrau davon weiß. Als das Gerücht aufkommt, dass er im Sterben liegt, reisen die Kinder aus diesen anderen Ehen an, um ihre Ansprüche an den Vater geltend zu machen: "Asfours Söhne und Töchter kommen aus dem Libanon, dem Sudan, Marokko und Irak. Zuerst wollen sie alle einen Anteil am Vermögen ihres Vaters. Doch mit der Zeit rücken alle in einer Reihe komischer Ereignisse enger zusammen, die zeigen, wieviel die Araber gemeinsam haben und wieviel sie trennt."

Außerdem: Nehad Selaiha bespricht ausführlich und mit großer Wärme die Aufführung von Mohamed Abul Su'oods lang erwartetem Theaterstück "Isis mon amour", das nach zweijähriger Vorbereitungszeit "still, fast heimlich, ohne jede Werbung, ja ohne jeden Flyer" aufgeführt und nach wenigen Tagen wieder abgesetzt wurde. Die Islamisten in Ägypten halten ihr Versprechen nicht, alle Parteien an der Umgestaltung des Landes zu beteiligen, warnt Eman Ragab. Und Azmi Ashour fragt sich, warum die meisten arabischen Staaten kein Konzept für einen modernen Nationalstaat haben.

Magazinrundschau vom 07.08.2012 - Al Ahram Weekly

Jahrelang hat Mohab Nasr keine Gedichte mehr geschrieben, denn "um zu schreiben, braucht man einen Leser. Aber für einen ernsthaften Dichter im Ägypten des späten 20. Jahrhunderts konnte ein Leser nur ein Schriftstellerkollege sein. Man konnte mit ihm genauso gut in einem Cafe sitzen und reden - was war also der Punkt?" Jetzt, beflügelt von der Revolution, hat Nasr jedoch einen neuen Gedichtband veröffentlicht, schreibt Youssef Rakha. "Nach einem Hiatus, der fast zehn Jahre dauerte, kam die Poesie zurück zu Nasr wie ein lange vermisster alter Freund. Er hatte ein Schwindelgefühl, sagt er: Er war weniger selbstbewusst als einfach und schüchtern erfreut. Er schickte seine Texte einer ausgewählten Schar von Schriftstellerkollegen, um sicher zu gehen, dass es wirklich Gedichte waren. Die Revolution, die parallel einen Prozess auslöste, der ihn nichtliterarische Texte schreiben ließ, machte seine Emotionen rauh und intensiv. Endlich öffnete die Geschichte ihre Türen, sagt er, auch wenn nur Monster und Zwerge herauskommen."
Stichwörter: Mons, Rakha, Youssef