Magazinrundschau

Verratene Erwartungen

Ein Blick in internationale Magazine. Jeden Dienstag Mittag
25.04.2023. Guardian und New Lines blicken deprimiert auf das Desaster im Sudan. Eurozine wirft einen nüchternen Blick auf Serbiens Beziehung zur EU. In Himal huldigt Dhanuka Bandara einer srilankischen Agrarutopie. Lidove noviny würdigt den Maler Josef Mánes. Und in Aeon erklärt der Psychologe David Borkenhagen, warum ein Oktopus vermutlich nie die Vergangenheit hinter sich lassen kann.

Guardian (UK), 24.04.2023

Im sudanesischen Machtkampf bekriegen sich zwei militärische Fraktionen, von denen keine Rückhalt oder Legitimation in der Bevölkerung besitzen, betont Nesrine Malik in einem informativen Hintergrundartikel. Zwei Generäle kämpfen um die Nachfolge des gestürzten Präsidenten Omar al-Bashir. Doch den offenen Kampf eröffnete Mohamed Hamdan Dagalo, genannt Hemdti. Seine RSF gingen aus den berüchtigten arabischen Dschandschawid-Milizen hervor, die in Darfur gegen die schwarze Bevölkerung gewütet hatten: "Hemedti ist ein Außenseiter. Selbst als Politiker mittleren Ranges würde er im Sudan auffallen; an der Spitze des Staates sind sein Stil und sein persönlicher Hintergrund noch auffälliger. Im Gegensatz zu allen bisherigen Machthabern spricht er fast ausschließlich Dialekt, sein Arabisch ist charakteristisch für die Stämme des Westens, die weit entfernt von den üblichen Ursprüngen sudanesischer Führer leben - den Militärkasernen und Elitesalons in Khartoum. Hemedti ist volkstümlich, leichtlebig, mit einem Glitzern in den Augen und einem schalkhaften Lächeln, das über seinen Ruf als Schlächter hinwegtäuschen könnte. Sogar sein Spitzname, eine Verkleinerungsform von Mohamed, ist eine Anspielung auf seine babyhaften Gesichtszüge. Mit seinem unkonventionellen Hintergrund hat er unter den politischen Eliten und dem Militär des Sudan nur wenige Verbündete. Aber als Politiker, der auch im Besitz von immens wertvollen Goldminen ist und mit rund 70.000 Soldaten die größte Privatarmee Afrikas unterhält, hat sich dies zumindest bisher nicht als großes Hindernis erwiesen. Hemedti besitzt zusammen mit anderen Mitgliedern seiner Familie einen Goldminenkonzern in eben jenen Gebieten, die er 2017 in Darfur erobert hat." Ach, und dann wird er auch noch von der russischen Wagner-Gruppe, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten unterstützt, für die er ungefähr 40.000 Milizionäre in den Jemen geschickt hat.
Archiv: Guardian