Magazinrundschau - Archiv

Himal

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Magazinrundschau vom 25.08.2025 - Himal

Ankush Pal berichtet über Shabdakalpa, ein seit 2017 an der Jadavpur Universität in Kalkutta entstehendes historisches digitales Wörterbuch für die bengalische Sprache: "Shabdakalpa, was frei übersetzt 'Vorstellungskraft' bedeutet, ist anders als alle bisherigen bengalischen Lexika. Als 'historisches Wörterbuch der bengalischen Sprache' konzipiert, zielt es darauf ab, einen Korpus aller bengalischen Texte von der frühesten Literatur bis zur Gegenwart zusammenzustellen. (…) Das Ergebnis ist ein elektronisches Archiv, das das erste Auftreten eines Wortes sowie seine sich im Laufe der Jahrhunderte verändernden Bedeutungen und Formen nachzeichnet. Shabdakalpa ist nicht nur eine Wortliste oder ein Übersetzungstool, sondern eine umfassende Aufzeichnung der Geschichte der bengalischen Sprache. (…) Durch die Zusammenführung jahrhundertelanger Schriftstücke an einem Ort wird Shabdakalpa einen beispiellosen Zugang zum kulturellen Gedächtnis der bengalischen Sprache bieten. Ein Student in Dhaka oder London könnte einen alten Dorfbegriff nachschlagen und Zitate dazu finden, wie er in Balladen aus dem 17. Jahrhundert, Zeitungen aus dem 19. Jahrhundert und moderner Literatur auftaucht - und so die Wege der Kolonialisierung, Migration und Innovation nachverfolgen, die seinen Weg in die Alltagssprache geprägt haben. Für Linguisten wird es eine Goldgrube sein, die es ihnen ermöglicht, Variationen in Grammatik oder Dialekt mit reichhaltigen historischen Daten nachzuverfolgen. Für Historiker und Literaturwissenschaftler wird es eine Grundlage für die Untersuchung kultureller Veränderungen bieten und beispielsweise aufzeigen, wann bestimmte Ideen oder Begriffe erstmals in den öffentlichen Diskurs Eingang gefunden haben."
Stichwörter: Wörterbuch, Indien, Bengalen

Magazinrundschau vom 15.07.2025 - Himal

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Der Ostasienwissenschaftler Christopher Peacock stellt uns in Himal einen tibetanischen Autor vor, den er übersetzt: Tsering Döndrup, der sich von der chinesischen Regierung nicht einschüchtern lässt. Sein Roman "The Red Wind Howls" erzählt vom Aufstand, der sich 1958 gegen die Chinesen in der Provinz Amdo ereignet hat: "Eins der beeindruckendsten Dinge an dem Roman ist seine narrative Struktur. Tsering Döndrups Kurzgeschichten sind oft in kurze, nummerierte Kapitel gegliedert, 'The Red Wind Howls' hingegen spielt sich in nur zwei Teilen ab. Teil eins ist hauptsächlich in den Arbeitslagern angesiedelt und Teil zwei außerhalb der Lager zur gleichen Zeit. Zusammen formen die beiden Hälften des Romans ein umfassendes Bild der tumultuarischen Geschichte von Tibets erzwungener Eingliederung in die Volksrepublik China. Jede Sektion besteht aus einem langen, ungebrochenen Strom von Erzählung - und der Strom fließt, trotz einer fragmentierten Chronologie, in der die Ereignisse außerhalb ihrer zeitlichen Ordnung präsentiert werden, mit plötzlichen Flashbacks und Vorsprüngen, die die Schicksale der Charaktere vor, während und nach den Jahren der Mao-Herrschaft miteinander verweben. Trotz des erschütternden Themas schreibt Tsering Döndrup das Buch in seinem eigenen, unnachahmlichen Stil, der immer schon durch schwarzen Humor und spitze Satire definiert war. Bekannte Elemente rekurrieren im Roman, besonders das Setting - im fiktionalen Land Tsezhung - und der ungenießbare Protagonist von Teil eins. Alak Drong, ein reinkarnierter Lama, ist eine konstante Präsenz in der fiktionalen Welt von Tsering Döndrup. 'Alak' ist ein Ehrentitel und 'Drong' das tibetanische Wort für ein wildes Yak. Der grotesk unwahrscheinliche Name soll den Autor vor Anschuldigungen schützen, er würde einen wirklichen Lama verspotten."

Magazinrundschau vom 06.05.2025 - Himal

1841 verboten muslimische Geistliche in Madras erstmals mittels einer Fatwa kastenbasierte Sklaverei in Indien, erzählt der Historiker Sreyartha Krishna. Anlass war der Fall einer Frau aus der Kaste der Dalit, eine Leibeigene, die sich eines Tages weigerte, weiter für ihren Herrn zu arbeiten. "Sklaverei ist ein Wort, das man in der Geschichte Südasiens nicht sehr oft findet. Wenn sie erwähnt wird, dann meist im Zusammenhang mit der 'islamischen Sklaverei' und insbesondere mit den Mamelucken, den Kriegssklaven, die von den mittelalterlichen islamischen Staaten eingesetzt wurden, die in Südasien vor allem durch die Gründung des Sultanats von Delhi bekannt wurden. Die Muslime hatten die Sklaverei jedoch nicht nach Südasien gebracht: Sie existierte hier schon seit der Antike. Wie in dem Sammelband 'Slavery and South Asian History' aufgezählt wird, gab es gefangene Sklavinnen an den alten Chola-Höfen, versklavte Konkubinen und Tanzmädchen der Rajput-Fürsten des 15. Jahrhunderts, Tausende von Kriegsgefangenen, die für die Maratha-Königreiche arbeiteten, und ihre Gegenstücke, die Wälder für den Anbau in Manipur, Tripura und Assam rodeten. Südasiatische Kaufleute waren lange Zeit auf den Sklavenhandelsrouten des Indischen Ozeans unterwegs. Aber es gab noch eine andere, weiter verbreitete Form der Sklaverei, die selbst in dieser Sammlung nicht erwähnt wird. Wenn im südasiatischen Kontext von Sklaverei die Rede ist, findet man dieses Wort nicht oft in Verbindung mit dem Begriff Kaste. Obwohl die Kaste heutzutage als ungerechtes Unterdrückungssystem anerkannt ist, scheuen sich die meisten Menschen, sie mit Rassismus oder Sklaverei zu vergleichen - ein Vergleich, den Dalits und Adivasi schon lange anstellen. Dies war nicht immer der Fall. Als die Europäer zum ersten Mal auf dem Subkontinent ankamen, sahen sie überall die Sklaverei in Hülle und Fülle. In Südindien fanden sie ganze Kasten vor, die von Geburt an als Sklaven betrachtet wurden, denen es verboten war, Land zu besitzen, und die dazu verurteilt waren, für die Landbesitzer zu arbeiten."

Magazinrundschau vom 22.10.2024 - Himal

Szene aus Payal Kapadias "All We Imagine as Light"


Payal Kapadia gewann mit ihrem Film "All We Imagine as Light" in diesem Jahr den Großen Preis der Jury in Cannes. Hauptfiguren sind zwei Krankenschwestern, Prabha und Anu, die in einem Hospital in Mumbai arbeiten. Anna M M Vetticad hat den Film für Himal gesehen und empfiehlt ihn wärmstens: "Wenn man sich einen Film ansieht, der in einer der hektischsten und verkehrsreichsten Städte der Welt spielt, ist das Letzte, was man erwartet, Ruhe. Doch das ist es, was 'All We Imagine as Light' ist: ruhig. Obwohl die Handlung von den seelischen Turbulenzen der Figuren geprägt ist, verleiht Kapadia ihrem Werk bewusst einen träumerischen Ton, der ihr Markenzeichen sein könnte... Kapadia erreicht diesen tranceartigen Effekt mit Hilfe ihres Tonteams und den zarten Klängen der Filmmusik - komponiert von dem in Mumbai lebenden Musiker Dhritiman Das, auch bekannt als Topshe -, die über die von der kontemplativen Kameraarbeit Ranabir Das' geprägten Szenen weht. (Übrigens sind die Dases Brüder.) Während eines Großteils des Films hören wir die Figuren, aber wir sehen sie nicht sprechen. Wenn sie ihren Text sagen, stehen sie manchmal mit dem Rücken zum Publikum, manchmal außerhalb des Bildes. Die Kamera ruht nicht oft auf ihren Gesichtern, um uns zu zeigen, wie sie ihre Lippen bewegen. Infolgedessen ist ein großer Teil der gesprochenen Zeilen ein stimmungsvolles Voice-over. Hinzu kommen dokumentarisch anmutende Passagen mit einer Reihe von scheinbar realen Personen, die in einer Vielzahl von indischen Sprachen über Mumbai sinnieren, aber nicht auf der Leinwand erscheinen. Der kumulative Effekt ist eine filmische Version eines kubistischen Gemäldes."

Magazinrundschau vom 25.06.2024 - Himal

Yasser Ali Nasser diskutiert ausführlich neue literaturwissenschaftliche Studien zur Geschichte kultureller Austauschprozesse und wechselseitiger Projektionen im Verhältnis zwischen China und Indien, verbunden mit einer Perspektive darauf, wie solche Prozesse, Imaginationen und politischen Sehnsüchte überhaupt erst durch die Vorstellungen des britischen Imperialismus von Asien hervorgebracht wurden. Auch die Gegenwart im Verhältnis zwischen den beiden größten Nationen auf dem Festland Asiens ist von solchen Verschlingungen geprägt: "In den späten Zehnerjahren gab es einen regelrechten Boom von indischen Kulturerzeugnisse in China - genauer gesagt: von Bollywoodfilmen. Viele Wortmeldungen" dazu "halten fest, dass diese Filme gesellschaftliche Themen wie klassenbasierte Diskriminierung, Frauenrechte und Ungleichheit ansprachen, was beim Publikum Anklang fand. Dieses sah darin zwar nicht notwendigerweise das eigene Leben, aber eben doch das der eigenen Eltern widergespiegelt. Ein chinesischer Gelehrter drückte es mir gegenüber in Peking so aus, dass die Inder 'offenbar dieselben Probleme wie wir haben, nur um eine Generation verzögert.' Die Auffassung einer grundsätzlichen Ähnlichkeit zwischen Indien und China - obgleich sie zeitlich an eine hierarchische Stellung Chinas geknüpft ist, das mit immer schnellerem Schritt voranschreitet - innerhalb einer größeren 'östlichen' Kultur übt in der Öffentlichkeit sicherlich einigen Reiz aus. In jüngsten Jahren lässt hingegen das Bild eines zunehmend US-freundlicher werdenden Indiens - dessen Bevölkerung gegenüber China zudem signifkant jünger ist und dessen Produktionskraft zusehends wächst - in China wiederum einige in großer Sorge auf die Zukunft des Landes blicken. Aber auch hier ist die implizite Auffassung die eines Indiens, das im Großen und Ganzen in Chinas Fußstapfen tritt. ... In meinen eigenen Kreisen - indische Muslime der Mittelklasse, die sich mehr und mehr desillusioniert zeigen angesichts dessen, dass das Land ihnen gegenüber gefühlt von Tag zu Tag feindseliger wird - gilt Chinas relative politische Stabilität und wirtschaftliche Entwicklung als Beleg für die Defizite der indischen Demokratie. Ihrer Ansicht nach würde eine Autokratie die Überbleibsel kommunalistischer Auffassungen einfach hinwegfegen - völlig ungeachtet der Tatsache, dass die chinesische Regierung Muslime in Xinjiang, Yunnan und anderso weiterhin unterdrückt."

Magazinrundschau vom 30.04.2024 - Himal

Pakistan droht nach einer ersten Abschiebewelle weiteren Hunderttausenden von Afghanen im Land mit der Deportation in ihr Heimatland, berichtet Jamaima Afridi. Der Druck ist erheblich, betroffen sind Menschen, die teils in dem Land geboren wurden und sich dort eine Existenz aufgebaut haben. "Für Frauen stellt eine Rückkehr nach Afghanistan im Besonderen ein Risiko dar, da die Taliban Frauenrechte immer weiter einschränken, darunter auch das Recht zu arbeiten, auf Zugang zu Bildung und Zutritt zum öffentlichen Raum." Die Rechtsanwältin Moniza Kakar "ergänzt, dass Journalisten und Musiker ebenfalls ernsthaften Gefahren entgegen sehen, wenn sie nach Afghanistan zurückkehren, vor dem Hintergrund, dass die Taliban die Pressefreit und die Musik einschränken, da das Regime sie für unislamisch hält." Die Regierung habe "eine klare Richtlinie für eine freiwillige Rückkehr zu einem angekündigten Termin', sagt Muhammad Abbas Khan, Pakistans Chefbeauftragter für afghanische Flüchtlinge. 'Sollte eine freiwillige Rückkehr nicht stattfinden, beginnt dieselbe Verfahrensweise, die auch bei illegalen Afghanen greift.' ... Ein Schlüsselaspekt dieser Vertreibung ist, dass viele Flüchtlinge dazu gezwungen waren, ihren Besitz zurückzulassen, oft inklusive Fortbewegungsmittel, Unternehmen oder anderen Besitz, der über Jahre durch harte Arbeit angehäuft wurde. Afghanischen Flüchtlingen ist es in Pakistan legal nicht gestattet, Immobilien und Unternehmen anzumelden. Daher sind sie dafür oft auf die Hilfe von pakistanischen Partnern angewiesen. Doch die pakistanische Regierung hat denen, die deportiert werden, lediglich gestattet, 50.000 Pakistanische Rupien mit sich zu nehmen. Das entspricht in etwa 168 Euro. Viele sahen sich daher dazu gezwungen, ihren Besitz zum niedrigen Preis abzutreten oder auf Geld zu verzichten, dass sie Freunden geliehen haben."

Magazinrundschau vom 23.01.2024 - Himal

Zille Huma, Maira Mumtaz und Johar Imam berichten von den bedrückenden Zuständen in Pakistans Gefängnissen: Nicht nur sind diese völlig überfüllt, medizinisch unterversorgt und hygienisch desolat - ein Großteil der inhaftierten Menschen muss solche Bedingungen auch noch ohne Urteilsspruch ertragen, da sie ihren Prozess noch erwarten. "Frauen, die in Pakistan ohnehin schon gesellschaftlich diskriminiert werden, berichten auch von diskriminierender Behandlung in den Gefängnissen. Manche von ihnen merken an, dass Schilder ihnen die Wichtigkeit des Purdah (der Schleier) und von Haya (Bescheidenheit) nahelegen. Stillende Mütter sprechen von einem Mangel an Privatsphäre in manchen Gefängnissen und dass sie anzüglichen Kommentaren des Aufsichtspersonals ausgesetzt sind. Jene, die keine andere Möglichkeit haben, als ihre jungen Kinder mit in die Haft zu bringen, erzählen von einem Mangel an nahrhaftem Essen und Schuleinrichtungen, die zu ihrer Lage passen. Für die Art und Weise, wie Frauen inhaftiert werden, gibt es keinen eindeutigen Standard im Land. Einige Regionen haben gemischtgeschlechtliche Gefängnisse, andere trennen nach Geschlechtern. Dies führte in manchen Fällen dazu, dass Frauen sehr weit weg von ihren Familien eingesperrt werden, in Haftanstalten, die für sie angemessen scheinen. Inhaftiere Frauen sind auch einem erhöhten Risiko sexuellen Missbrauchs ausgesetzt, da sie im Zuge der Überfüllung den Raum mit Männern teilen müssen und weil Gefängniswärter und -direktoren oft Männer sind. Im Bezirk Faisalabad haben 82 von 134 inhaftierten Frauen zwischen 2006 und 2012 sexualisierte Gewalt erlebt, wie das Justice Project Pakistan berichtet. ... In pakistanischen Gefängnissen herrscht eine Atmosphäre der Überwachung und Repression vor, während Armut, minoritäre ethnische oder religiöse Identitäten, subnationalistische Bestrebungen und dissidente politische Ansichten unter dem Deckmantel der nationalen Sicherheit bestraft werden. Dieses Gefängnissystem zu reformieren, ist äußerst schwierig, Dafür wären nicht nur neue Gesetze und Systeme nötig, man müsste auch festverankerte, diskriminierende Einstellungen abbauen, die Justizirrtümer begünstigen."

Das Magazin hat darüber hinaus einen ganzen Schwerpunkt zu Gefängnissen im asiatischen Raum: Haroun Rahimi beschreibt, wie sich das Jusizsystem unter den Taliban in Afghanistan geändert hat. Andrew M Jefferson berichtet von den desolaten Zuständen in Gefängnissen in Myanmar. Und Sharmila Purkayastha liest Texte und Gedichte, die in Gefängnissen entstanden sind.

Magazinrundschau vom 09.01.2024 - Himal

Vor 20 Jahren war der indische Schauspieler Shah Rukh Khan auch in Pakistan, wo Bollywoodfilme damals noch verboten waren, ein absoluter Held, erinnert sich Rafay Mahmood in einem schönen, wehmütigen und sehr aufschlussreichen Text. Geschaut hat man die Filme damals selbst noch als Soldat beim Militär unter dem Risiko drakonischer Strafen auf geschmuggeltem Equipment und mithilfe von Raubkopien, erfahren wir. Doch im Verhältnis zwischen Pakistan und Indiens berühmtestem Schauspieler hat sich etwas spürbar geändert, stellt Mahmood fest: Die pakistanische Öffentlichkeit reagiert nämlich weitgehend uninteressiert auf Khans aktuelles Comeback nach vier Jahren Filmpause. Die Gründe sind vielfältig und liegen auch in der phasenweise Liberalisierung während einer Zeit der Entspannung zwischen Indien und Pakistan: "Zwischen 2008 und 2023 schaute die neue Generation an Kinogängern unter den Pakistanis hauptsächlich Bollywood-Helden voller Machismo. Sie wussten nicht, was ihnen in den guten alten Zeiten von Shah Rukh entgangen ist und hatten daher auch wenig Grund, sich über seine Rückkehr zu freuen. Die Millennials wiederum, die Shah Rukhs frühere, romantische Leinwandpersona im Herzen bewahren, haben mittlerweile andere Prioritäten im Leben." Auch die Bollywoodfilme haben sich verändert, Shah Rukh Khans Comebackfilm "Pathaan" zum Beispiel ist  "verglichen mit Shah Rukhs großen Hits aus den Nullern anders im Tonfall und wie er indisch-pakistanische Themen aufgreift. 'Main Hoon Na' von 2004 etwa nutzte den Gefangenenaustausch zwischen Indien und Pakistan als zentralen Erzählkniff. Heute, da die Filmindustrie in Mumbai sich der hindunationalistischen Weltsicht der indischen Regierung gebeugt hat, scheint es völlig ausgeschlossen, dass ein Bollywoodfilm heute Einheit, Verständnis und Versöhnung zwischen den beiden Ländern nach vorne kehrt." Früher hatte Shah Rukh öffentlich für Aussöhnung plädiert. Das ist insbesondere in Social-Media-Zeiten nicht mehr der Fall: Er "hat auf die harte Tour lernen müssen, sich nicht mehr zur Politik und den gesellschaftlichen Ungerechtigkeiten des immer untoleranteren Indiens zu äußern. Doch wenn Fans die unerbittlichen Schrecken der Nachrichten verfolgen und von Krise zu Krise springen, dann wünschen sie sich nach wie vor, dass Indiens berühmtester und beliebtester Muslim sich von seiner unvergleichlichen Position aus dazu äußert. ... Es ist vor allem diese Hoffnung, für die Shah Rukh in Leben und Werk stets stand, die uns an seiner neuen Leinwandpersona und seiner persönlichen Verschlossenheit enttäuscht." Hier der Trailer zu "Pathaan", der in seinem martialischem Tonfall wirklich nichts mehr von dem Shah Rukh Khan aus den alten Liebes-Musicals spüren lässt, dem einst Millionen Herzen zuflogen:

Magazinrundschau vom 05.12.2023 - Himal

Fast unbemerkt von der westlichen Öffentlichkeit hat Pakistan entschieden, Millionen Afghanen, die zum Teil seit 1980 im Land leben, nach Afghanistan zu deportieren. Der Grund ist laut Premierminister Anwar-ul-Haq Kakar, dass die afghanischen Taliban seit 2021 Terrorgruppen wie Tehrik-i-Taliban Pakistan (TTP), den Islamischen Staat Khorasan (IS-K) und zahlreiche separatistische Gruppen der Belutschen unterstützten, berichtet Salman Rafi Sheikh. "Die TTP hat in den letzten Jahren mehrere Anschläge in Pakistan verübt, ebenso wie der IS-K, bei dessen äußerst raffinierten Anschlägen unter anderem im Juli 2023 54 Menschen getötet wurden. Separatistische Gruppen der Belutschen, die in dem seit langem andauernden Aufstand gegen die pakistanische Herrschaft in Belutschistan aktiv sind, haben in der Vergangenheit Zufluchtsorte in Afghanistan gefunden. Politische Entscheidungsträger in Pakistan scheinen zu glauben, dass Afghanistan für anti-pakistanische Elemente attraktiver geworden ist, und machen dafür eindeutig die Taliban verantwortlich. Ein Beamter des pakistanischen Innenministeriums sagte mir unter der Bedingung der Anonymität: 'Alle in Afghanistan ansässigen Gruppen haben es nur auf Pakistan abgesehen. Der IS-K hat China und Russland nur einmal in Afghanistan angegriffen. Aber Pakistan wird seit dem Abzug der USA sowohl innerhalb Afghanistans als auch innerhalb seiner eigenen Grenzen angegriffen.' Der Beamte bezog sich dabei auf Anschläge innerhalb Pakistans sowie auf die pakistanische Botschaft in Kabul im Dezember 2022, für die der IS-K die Verantwortung übernahm. Die militante Gruppe bekannte sich auch zu einem Selbstmordanschlag auf das Außenministerium in Kabul im Januar 2023, an einem Tag, an dem eine chinesische Delegation Gespräche mit den Taliban in der Region führen sollte. Zuvor, im September 2022, hatte sie einen Selbstmordanschlag auf die russische Botschaft in Kabul verübt, bei dem zwei russische Diplomaten ums Leben kamen. Der Beamte sagte, dass 'dies möglich geworden ist, weil - und wir haben Gründe dafür, dies zu glauben - die afghanischen Netzwerke, die in Pakistan ansässig sind' - d.h. afghanische Flüchtlinge - 'als Kanäle für Terrorgruppen fungieren, um einzudringen und Anschläge zu verüben ... Ihr Ziel ist es, die Grenze [gemeint ist die Durand Line, d.Red.] irrelevant zu machen und pakistanisches Gebiet zu kontrollieren'."

Magazinrundschau vom 17.10.2023 - Himal

"Die Vögel des Friedens weinen in Käfigen/Die Leben unserer Kinder wurden durch eure Entscheidungen ruiniert", so lautet eine Zeile des Lieds, das bei den Protesten des Pashtun Tahafuz Movement im Jahr 2018 gesungen wurde, erinnert sich Hurmat Ali Shah. Ausgelöst durch den Tod von Naqeebullah Mehsud, der von der Sindh-Polizei unter falschen Anschuldigungen gefoltert und erschossen wurde, protestierten die Paschtunen gegen ihre alltägliche Entrechtung in Pakistan und ihre Rolle als "Bauern in einem blutigen Spiel", das sie über Jahrzehnte hinweg immer wieder zwischen das pakistanische Militär und die militanten Islamisten treibt, die in Khyber Pakhtunkhwah, der mehrheitlich paschtunischen Provinz an der afghanisch-pakistanischen Grenze aktiv sind. "Wenn sie uns unsere Rechte nicht geben/werden wir uns in einer kühnen Rebellion erheben", so geht das Lied weiter, und Hurmat Ali Shah bemerkt: In den letzten zehn bis fünfzehn Jahren hat sich die Unterdrückung der Paschtunen in ihrer Lyrik niedergeschlagen. Eigentlich geprägt von Motiven wie Mystik, Liebe und Schönheit, haben sich "der Ton und das Timbre verändert, und die gemeinsamen Wörter und Themen waren nun jang (Krieg), aman (Frieden), zulm (Unterdrückung). Janan (Geliebte) wurde durch jang ersetzt, während die Sehnsucht nach masti (Ekstase) von der Sehnsucht nach aman (Frieden) abgelöst wurde. Früher war wajood (Existenz) das übergreifende Anliegen, doch jetzt verschmelzen wajood und zulm zu einem neuen Bewusstsein eines von Vernichtung bedrohten politischen Körpers. Diese Veränderungen prägen die paschtunische Poesie der heutigen Zeit. Wie der junge Dichter Ali Khan Umeed sagt:

Dalta da bal shante da sarru raaj dy
Dalta da ghatu topaku raaj dy
Pa hagha kaly ke dolay qaht shwe
Bas pa ogu da janazu raaj dy

Dieses Land wird von einer anderen Art von Lebewesen regiert
Dieses Land wird von großen Kanonen regiert
Hört zu! In dieser Stadt herrscht eine Hungersnot an Dolis
Die Schultern werden stattdessen zum Tragen von Leichenbahren benutzt.

Hier verwendet Umeed starke kulturelle Symbole, um die neue Lebenswirklichkeit zu vermitteln. In den paschtunischen Ländern - einschließlich Swat, der Heimat des Dichters - war es Tradition, eine Braut auf einer Doli, einer mit Blumen, Spiegeln und Kristallen geschmückten Sänfte, vom Elternhaus in ihr neues Heim zu tragen. Heute benutzen paschtunische Männer ihre Schultern, um stattdessen die Leichenbahren zu den Friedhöfen zu tragen."