Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Design und Mode

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 02.02.2021 - Design

Halima Aden, als Hijabi-Modell bekannt geworden, hat sich im November vom Laufsteg und den Covern der großen Modemagazine zurückgezogen. Sie sah sich von der Modeindustrie zu Kompromissen gezwungen, berichtet Brigitte Werneburg etwas verspätet in der taz, weil ihre Kopfbedeckung immer wieder phantasievoll abgewandelt wurde, wie man hier, hier, hier, hier, hier und hier sehen kann. "Abwandlungen des Hidschabs aber müssen in der Mode zwangsläufig passieren. Denn das Kopftuch kann der Mode nur Thema sein. Grund ist die Geburt der Mode aus dem Geist der Moderne: Mode kennt weder Tracht noch Tradition, noch lässt sie religiöse Kleidervorschriften gelten. In ihrem säkularen, gegen Herkommen und Kirche gerichteten Ursprung findet die Mode ihre emanzipatorische Freiheit, die Opposition von Sein und Schein, von Eigentlichem und Uneigentlichem für nichtig zu erklären und der Lust am Neuen, Unvorhergesehenen, Überraschenden oder Schockierenden zu frönen."

Besprochen wird außerdem die Online-Ausstellung "Dressed to Thrill", die der Berliner Modemacherin Claudia Skoda gewidmet ist (taz).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 28.01.2021 - Design

Die Haute-Couture-Schauen sind normalerweise nur einem hochexklusiven Kreis aus Superreichen und einigen ausgewählten Journalisten zugänglich. Doch für Corona war selbst dieser kleine Kreis zu groß. Also taten die Designer, was auch alle anderen tun: ein Video drehen. Das  ist schön, denn so haben wir alle etwas davon. Bei Schiaparelli zum Beispiel kann man der Arbeit an der Kollektion von Daniel Roseberry zusehen. Vorgeformte Torsos lassen die Models wie Amazonen oder Bodybuilderinnen aussehen, goldene Schlangen winden sich um Ausschnitte, goldene Türschlösser besetzen Hosen und riesige Stoffbahnen sind zu hinreißender Sportswear oder kaiserlichen Stehkrägen gerafft. Eine prächtig-surrealistische, dennoch moderne Kollektion. Hier das Video:



"Wenn Sie wie ein Törtchen aussehen wollen, müssen Sie woanders hingehen", hat Roseberry noch der Vogue mitgegeben. Eine Spitze, die sich nur gegen Giambattista Valli richten kann. Dem kann das egal sein, denn niemand kann Törtchen so gut wie er: Tüllvolants bis zu den Ohren, dazu Rüschen, Federn, Blumen, Schleifen, Big hair und noch Tüllpuschel auf den Schuhen! Die Models tragen es mit Stolz, den Kopf mit dem aufgetürmten Infantinnenhaar hocherhoben, die blassen Gesichter, bis auf die schwarz umrandeten Augen ohne jede Farbe, scheinen einer längst vergangenen Zeit anzugehören. Hier das Video:



Außerdem: Bei Iris von Herpen tauchen Paradiesvögel aus dem Nebel auf. Armani empfängt mit funkelnd eleganten Roben im Spiegelsaal seines Mailänder Couturepalazzos. Valentino lässt seine vergoldeten Models auf schwindelerregenen Plateauabsätzen zum Soundtrack von Massive Attack über den prächtigen Marmorboden der Sala Grande in der Galleria Colonna staksen. Bei Chanel dann haben es die Models so eilig, einen blumengeschmückten Platz zu überqueren, dass Antonin Corbijn mit seiner Kamera kaum hinterherkommt. Und Maria Grazia Chiuri (Christian Dior) zeigt im Chateau de Tarot, dass die größte Liebe immer noch die mit sich selbst ist. Alle Schauen finden Sie bei der Vogue.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 25.01.2021 - Design

Beate Scheider berichtet in der taz von der digitalen Fashion Week Berlin, bei der zwar "nicht alle Konzepte gleich gut aufgingen, aber eine gewisse Aufbruchsstimmung herrschte vor", was Berlin, als Modemessen-Standort in den letzten Jahren etwas verblasst, gut brauchen kann: "Ein paar Weichen sind nun gestellt, aber es muss langfristig etwas geschehen, Berlin muss dranbleiben. Die kommenden Jahre werden entscheidend sein. Dranbleiben wollen auch Reference Studios. Im Juli soll das Festival, wenn möglich, nicht mehr nur am Bildschirm laufen."

Tillmann Prüfer erinnert in seiner Modekolumne im ZeitMagazin an Catherine Dior, die Schwester des Modeschöpfers Christian Dior, der in der aktuellen Kollektion die mit einem Karomuster versehene Handtasche "Caro" gewidmet ist.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 22.01.2021 - Design

Plötzlich sieht man am Kapitol wieder gute Kleidung, freut sich Carmen Böker im ZeitMagazin über die Auftritte der US-Polit-Prominenz bei Bidens Inauguration als 46. Präsident der Vereinigten Staaten. Über was konnte man da nicht alles plaudern: "Über Lady Gagas ungefähr einen Wahlbezirk breite Haute-Couture-Kombi von Schiaparelli, inklusive der großen goldenen Friedenstaube mit dem Ölzweig im Schnabel. Über Amanda Gorman, die ein Gedicht zu Bidens Amtseinführung darbot und dazu einen knallroten, überdimensionierten Haarreifen trug, der wie eine Krone wirkte - oder wie ein Zitat jener Pillbox-Hüte, die Jackie Kennedys Markenzeichen waren. Über die Kraft der monochromen Mantel-über-Kleid-Kombinationen von Jill Biden, Nancy Pelosi, Kamala Harris und überhaupt über die Variation jener Töne, die das Blau der Demokraten aufgriffen. Bis hin zum Lila bei Harris, in dem sogar das große Versprechen von 'America United' liegt, denn die Mischfarbe vereint das Blau mit dem Rot der Republikaner. Zugleich ist Violett die Farbe der Suffragetten, die Anfang des 20. Jahrhunderts das Frauenwahlrecht in den USA durchsetzten." Und nicht zuletzt war da noch Bernie Sanders' Anti-Auftritt im Stil eines mürrischen Hausmeisters, der binnen kürzester Zeit zum Social-Media-Blockbuster wurde. Seine bezaubernd hässlichen Wollhandschuhe haben schon einen eigenen Twitter-Account.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 19.01.2021 - Design

Wolf-Dieter Vogel ärgert sich in der taz darüber, dass die US-Modemarke Carolina Herrera Muster aus mexikanischen indigenen Kulturen für ihre neue Kollektion aufgegriffen hat, ohne dies vorab zu klären und der Kreativchef Wes Gordon sich nun darauf beruft, mit den eigenen Entwürfen eine Hommage erstellt zu haben. "Gordon hätte auch sagen können: 'Wenn wir die kreativen Arbeiten der Indigenen einfach kopieren, ohne diese zu informieren und einzubeziehen, fällt für uns mehr ab.' Außerdem kann er sich so mit seiner Chefin Herrera als innovativer Modeschöpfer verkaufen, während die tatsächlichen Designer einmal mehr unsichtbar blieben." Hat Mode denn je etwas anderes gemacht, als vorgefundene Muster zu variieren? Die Times stellt neue und alte Entwürfe nebeneinander.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 18.01.2021 - Design

In der SZ gratuliert Tanja Rest den Hot Pants zum Fünfzigsten: Mal galten sie als herabwürdigend, mal als befreiend, schreibt sie, "je nachdem, woher das Wechselwindchen des Zeitgeistes gerade pustet." Doch "eine Neuerfindung waren sie streng betrachtet nicht. Die Dreißigerjahre hatten mit den kurzen Höschen bereits das Showbusiness ausstaffiert (Marlene Dietrich in 'Der blaue Engel') und sie davon abgesehen am Strand und beim Sport verortet. Neu waren 1971 nur zwei Aspekte: der Kontext und die Materialien. Lurex, Stretch-Samt und Strick schmiegten sich um die Pobacken der Damen wie eine zweite Haut (der Reißverschluss saß, um von dieser Attraktion nicht abzulenken, diskret an der Seite). Wie gemacht waren die Höschen damit für den Dance Floor, zierten aber auch die Hintern urlaubender Stars wie Elizabeth Taylor, Raquel Welsh und Jackie Kennedy Onassis."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 16.01.2021 - Design

Schuhe machen glücklich. (Bild: Vanishing Berlin)

Thomas Winkler hat für die taz ein sehr schönes Gespräch mit Barbara Dechant und Till Kaposty-Bliss geführt, die das Berliner Buchstabenmuseum leiten. Aus den beiden spricht viel Leidenschaft: "Schriften sind fast ebenso wichtig wie Architektur, sie umgeben dich und machen etwas mit dir. Manche Schriftzüge, ein 'Frisör' aus den 50er Jahren vielleicht, wecken ganz konkrete Kindheitserinnerungen", sagt Till Kaposty-Bliss. Und Barbara Dechant ergänzt: "Wir haben einen sehr schönen 'Schuhe'-Schriftzug, da stand einmal ein älterer Mann davor, der gar nicht mehr aufhören konnte, selig zu lächeln. Wenn man hier im Buchstabenmuseum arbeitet, merkt man sehr deutlich, welchen emotionalen Wert diese Schriften haben."
Stichwörter: Schrift, 1950er

Efeu - Die Kulturrundschau vom 13.01.2021 - Design

Begeistert blättert sich FAZ-Kritikerin Rose-Maria Gropp durch den Prachtband "Zwischen Schein und Sein. Ostdeutsche Modegrafik 1960-1990", denn der hier gestattete "Blick auf die Vielfalt einer verschütteten Tradition der Modeillustration in der DDR ist so erhellend wie unterhaltsam. Es beginnt in den sechziger Jahren, und gar nichts ist da fremd. ... Noch sehr französisch angehaucht ist dieser Chic, elegante Köstümchen, Ensembles, spitze Pumps, Topfhüte, Kurzmäntel und Trenchcoats. Die Siebziger sind purer Pop, im sehr grafischen Umriss-Stil der Entwürfe wie entsprechend in den Modellen von Schlaghosen, darüber ärmellosen langen Westen, vielleicht etwas weniger Hot Pants und Miniröcke, dafür sind die Swinging Sixties nun in der DDR angekommen, ein Hauch von Hippie Fashion."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 12.01.2021 - Design

Das Ringlicht, das bei Youtubern und Influencern für gesunde Gesichtsfarbe, wenig Schatten und ein geheimnisvolles Leuchten in den Augen sorgt, hält im Zuge von immer mehr Videokonferenzen auch in immer mehr gängigen Wohnstuben Einzug, schreibt Michael Moorstedt in der SZ und verweist auf eine neue Hürde, die zu nehmen ist: "Jeder Mensch der Gegenwart weiß zwar, welche Gesichtsmuskeln er bemühen muss, um auf einem schnellen Selfie halbwegs vorzeigbar auszusehen. Eine mehrstündige Videokonferenz unter dem kritischen Auge des Chefs zu überstehen, ist dagegen schon ein anderes Kaliber. Da hat man, während die Kinder im Hintergrund schreien und gleichzeitig schon die Töpfe auf dem Herd köcheln, weder Zeit noch Muße für einen Weißabgleich."

Dass das Designstudio Pantone ein mattes Gelb und ein schwaches Grau zu seinen Farben des Jahres erklärt, findet Jenni Zylka im Freitag den äußeren Umständen entsprechend angemessen trist: "Die Kombi setzt ganz unromantisch auf Schutz, neben der Sicherheitsweste erinnert sie an Straßenmarkierungen bei Baustellen oder an holztischschonende Platzdeckchen im dänischen Ferienhaus, an denen noch Röstzwiebeln von Hot Dogs der Vormieter*innen kleben. Nicht schön, aber einfach zu reinigen."
Stichwörter: Licht, Farben, Influencer, Pantone

Efeu - Die Kulturrundschau vom 11.01.2021 - Design

ZeitOnline erinnert mit einer Bilderstrecke an Coco Chanel, die vor fünfzig Jahren gestorben ist.
Stichwörter: Chanel, Coco, Chanel