Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Design und Mode

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 25.02.2023 - Design

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Für das Buch Zwei der SZ rekonstruiert Tanja Rest wie ausgerechnet Pink zur Farbe der Saison werden konnte: Als Valentino im März 2022 unmittelbar nach Beginn des Kriegs in der Ukraine voll auf Pink setzte, wurde dieser Missklang zum politischen Weltgeschehens noch als Planungspech verbucht. Doch langfristig sollte Valentino Recht behalten: "Wie es geschehen konnte, dass PP Pink, zu Beginn eines finsteren Krieges geboren, ein halbes Jahr später dem Zeitgeist entsprach: Darüber kann Laurie Pressmann vom Pantone Color Institute lange sprechen. Ihr dabei zuzuhören, kommt einem Energiebad ziemlich nahe. Sie sagt: 'Erst Covid mit all seinen Konsequenzen für unser Leben. Dann der Krieg in der Ukraine, die unsichere Wirtschaftslage, die beklemmenden Bilder. Das ist uns unter die Haut gegangen. Das hat unser Leben verändert, wir können in die Zeit davor nicht mehr zurück. Wir spüren das. Also müssen wir nach vorne schauen, und wir wollen es mit Optimismus tun. Als Gesellschaft waren wir bereit für dieses Pink.' Das PP Pink von Valentino, das Barbiecore-Pink treffe exakt dieses Bedürfnis." Pressman sagt: 'Es ist eine Farbe, die uns lächeln lässt. Sie macht uns sichtbar. Wer Pink trägt, signalisiert der Welt: Hier bin ich, ich stecke voller Tatendrang, ich fühle mich wohl mit mir selbst. - Ist es nicht das, was wir gerade brauchen?'"
Stichwörter: Mode, Valentino, Pink, Instagram, Pantone

Efeu - Die Kulturrundschau vom 16.02.2023 - Design

Jan Kedves zeigt sich im ZeitMagazin sehr gespannt darauf, was für Mode der Popstar Pharrell Williams künftig wohl für Louis Vuitton entwerfen wird (mehr dazu im Monopol Magazin). Denn "Williams hat ein sehr spezielles Stilgespür, das er seit Jahren routiniert in erfolgreiche Produkte und Kooperationen fließen lässt. Hier eine Zusammenarbeit für Daunenjacken mit Moncler, dort ein neuer Sneaker mit Adidas, hier eine nachhaltige Jeanskollektion mit G-Star, dort ein neuer Duft mit Comme des Garçons. Williams trennt nie zwischen high und low - warum auch: In der Hip-Hop-Kultur, aus der er stammt, ging es schon immer darum, beides zu vermischen... Williams trägt auch gern Chanel-Kostümjäckchen, was seinem Stil einen modernen politischen Spin in Richtung Gender Nonconformity gibt. Umso besser. Sein Stil ist kultiviert - und cool. Also: cooltiviert!"

Im Netz wird die Berufung von Williams sehr viel kritischer kommentiert, berichtet Leonie Wessel in monopol: "Das Internet streitet. 'All diese jungen, talentierten Designer, die ihrer großen Chance entgegenfiebern, und ihr stellt einen Multimillionär ein?' wetterte ein Twitterer, 'auch müssen wir aufhören, Männer für diese Jobs auszusuchen. Martine Rose, Bianca Saunders et cetera sind genau hier!'. Eine weitere Userin schrieb: 'Mode ist jetzt eine Plattform und Louis Vuitton wird ein großes Massenmedienunternehmen.'"

Efeu - Die Kulturrundschau vom 15.02.2023 - Design

In Berlin darf man alles, nur keinen Wert auf seine Kleidung legen. Vor allem, wenn das mit Farben verbunden ist. Dann ziehen Leute, für die das Wort normcore praktisch erfunden wurde, ein missbilligendes Schnütchen, stellt Farangies Ghafoor im Tagesspiegel fest. Sie empfiehlt den Dezenten, wenigstens einmal im Leben eine afghanische Hochzeit zu besuchen. "Hier ist einfach alles aufs Schönste too much: viel Essen, laute Musik, grelle Farben, extra dicker Lipliner, extra prachtvolle Kleider, extra viel Haarspray. ... Auf einer afghanischen Hochzeit fragten ich und ein paar andere Kinder eine Tante (die nicht wirklich unsere Tante war, sondern irgendeine Frau im Alter meiner Eltern), warum diese Frauen im grauen Hosenanzug so unbeholfen tanzten. Nur: Die Tante konnte keine Frauen im Hosenanzug entdecken. Wir Kinder hatten aber auch keine Gespenster gesehen. Sondern die deutschen Freundinnen der Braut."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 06.02.2023 - Design

Seit die älteren Generationen beim Älterwerden ihre Sneaker aus jüngeren Tagen nicht mehr abstreifen, sondern als Signum von Junggebliebenheit einfach anbehalten, müssen sich die Jungen genau überlegen, wie sie sich abgrenzen, schreibt Wilhelm Schmid in der NZZ: Der Trend geht zu dicksohligen Boots. "Ein schwer schleppender Gang statt behender Leichtigkeit ist der neue Signature-Move. Die plumpen Treter, vorzugsweise pechschwarz, sind angeblich 'mit Komfort' ausgestattet, aber das gilt wohl nur für die Handfertigung aus Leder. ... Plateauschuhe sind kein Fetisch mehr. Durchgehend auf Gebirgshöhe gebracht, sind sie very stylish. Die Lieblingsvokabel der fortgeschrittenen Moderne, immer und überall 'unterwegs zu sein', hat mit einem solchen Schuhwerk ausgedient. Laufschuhe werden zum Auslaufmodell. Es hat keinen Sinn mehr loszugehen, wohin denn? Überall ist Krise. Jetzt ist Bodenhaftung angesagt. Vielleicht sogar mit Haftkleber. ... Es geht nicht mehr um schön. Eleganz war gestern. Jetzt steht Elementares auf dem Spiel, das signalisiert der 'Big-Stiefel-Trend'. Die klobigen Klötze eignen sich bestens, um durch den Morast zu waten, der bei der Zunahme von Starkregenfällen zu erwarten ist. Es ist die ultimative Ausrüstung der 'letzten Generation'."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 02.02.2023 - Design

Der Rollkragenpullover hat ein Comeback als politisches Zeichen bis hin zu höchsten Führungsebenen, stellt Benedict Neff in der NZZ fest. Die "plumpste Interpretation" wäre dabei jene, dass "der Rollkragenpullover als Zeichen einer politischen Sensibilisiertheit auftaucht. Männer wie Le Maire und Macron demonstrieren, dass sie die geopolitische Situation mit Russland und den Klimawandel selbst mit ihrer Kleidung kritisch reflektieren. Business as usual? Bestimmt nicht, die Situation ist zu ernst für eine Krawatte. Die Heizungen werden heruntergefahren, der Kragen aufgerollt. Dass die Politiker dabei auch noch die existenzialistische Aura von Jean-Paul Sartre umweht, kommt als Knalleffekt hinzu. ... Der Rollkragenpullover passt aber auch deshalb in die Zeit, weil er die Zeit anhält. Er ist ein taugliches Mittel im allgegenwärtigen Krieg gegen das Alter. Die Zeichen des körperlichen Zerfalls zeigen sich fast nirgends so erbarmungslos wie am Hals."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 31.01.2023 - Design

Bewegte 60s (Peter Knapp / Fotostiftung Schweiz)

Anders als das heutige elitäre Schauspiel auf den Laufstegen, wollte junge Mode in den Sechzigern noch den Alltag gestalten und für Aufbruchstimmung sorgen, stellt NZZ-Kritikerin Maria Becker nach dem Besuch Ausstellung "Peter Knapp - Mon temps" in der Fotostiftung Schweiz in Winterthur fest: Zu sehen sind Knapps Modefotografien, mit denen der Designer in den Sechzigern die Zeitschrift Elle ein zeitgenössisches Aussehen verschaffen sollte: "So waren sie, die Sixties: Weltraum-Look und Mondrian-Muster, farbige Strumpfhosen und Minirock. Dazu superdünne Models mit künstlichen Wimpern und hellem Lippenstift. Schaut man genauer hin, fällt vor allem die Bewegtheit der Modebilder auf. Anders als bei den statischen Posen der Haute Couture ließ Knapp seine Frauen springen und tanzen, auf der Treppe, über den Strand, zwischen den Straßen. Dynamik war das Zeichen der Zeit und das zentrale Element in Knapps Modefotografie. Sie gibt den Aufnahmen noch heute Frische und erstaunt durch ihre elaborierte Kunstform. Die Dynamik ist auch der Eindruck, der von den Bildern dieser Modeepoche am meisten hängen bleibt. Der Aufbruch zu einer neuen Freiheit war offen für vieles, vor allem für eine hoffnungsvolle Zukunft." Den Katalog zur Ausstellung finden Sie natürlich in unserem Online-Buchladen Eichendorff21.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 30.01.2023 - Design

Philipp Meiers Herz schlägt höher, wenn er auf den Bugatti-Oldtimer blickt, der Anfang Februar in Paris versteigert wird: "Es handelt sich um einen Bugatti 57 'Atalante', einen der elegantesten Sportwagen, die jemals die Fabrikhallen im elsässischen Molsheim verlassen haben", schreibt er in der NZZ. Und Ettore Bugatti baute bekanntlich "fahrende Kunstwerke, begehrte Manufaktur-Autos sozusagen." Das Vehikel mit Baujahr 1936 "ist ein sportlicher Zweisitzer, eine von nur vier Ausführungen dieses Typs mit Sonnendach, und - typisch für den Geschmack der Zeit - in eine zweifarbige Carrosserie gekleidet. So präsentiert er sich jetzt in Paris: in Schwarz und Elfenbein, mit bulliger Schnauze, aber ungemein elegant fließenden Seitenlinien. Das gedrungene Dach nimmt die Rundungen der Kotflügel auf, die langgezogene, potente Motorhaube hat ihren harmonischen Gegenpart in einem runden, sanft abfallenden Heck. ... Erstmals wurde für diese Serie der charakteristische hufeisenförmige Bienenwaben-Kühler mit einem Nickel-Silber-Grill versehen. Überdies wurde der Typ 57 im Katalog mit modisch gekleideten weiblichen Models beworben - ein Novum in den Dreißigerjahren." Hier der Werbefilm des Auktionshauses für diese wunderbare Schönheit - vielleicht haben Sie ja noch zwei bis drei Millionen Euro unter der Matratze liegen?

Efeu - Die Kulturrundschau vom 27.01.2023 - Design

In seiner Stil-Kolumne fürs ZeitMagazin schwärmt Tillmann Prüfer von den Vorzügen von Kaktusleder, für das keine Tiere dran glauben müssen: "Bei der klassischen Lederverarbeitung wird viel Wasser verbraucht. Kakteen hingegen brauchen bekanntlich kaum Wasser. Dazu muss der Kaktus nicht einmal gänzlich verarbeitet und gerodet werden, es kann immer wieder von der gleichen Pflanze geerntet werden. Das Material kann im Freien unter Sonnenlicht getrocknet werden. Es wird somit keine zusätzliche Energie benötigt. Dazu sorgt der Anbau von Kakteen für eine natürliche Senkung von Kohlenstoffdioxid - und Kakteen sanieren Böden, anstatt sie auszulaugen."
Stichwörter: Kaktusleder, Kaktus, Leder, Mode

Efeu - Die Kulturrundschau vom 19.01.2023 - Design

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Sophie Munzinger porträtiert in der taz den ukrainischen, mittlerweile in Berlin lebenden Modedesigner Jean Gritsfeld, der seine Arbeiten aktuell auf der Fashion Week Berlin vorstellt. "'Meine Kollektion artikuliert eine spielerische Form der Protestkunst', sagt er selbst. ... Gritsfeldt will seine Gedanken und Träume über Liebe, Kampf und Freiheit im Medium der Mode artikulieren, und das gelingt: Die Looks scheinen fast anarchisch. Sie drücken das Chaos aus, welches aktuell in der Ukraine herrscht. Der Designer verwendet Materialien wie Cord, Leinen, Wolle, synthetisches Fell, Seide und Chiffon. Der Chiffon und die Seide bringen Leichtigkeit und Fröhlichkeit in seine Looks. Außerdem kombiniert er Blumenmuster mit Tarnmustern. Sie stehen für ein fröhliches und aufgewecktes Land, das jetzt in Schutt und Asche liegt."

Und ziemlich cool: Die Filmemacher Pedro Almodóvar, David Cronenberg, Abel Ferrara und Jim Jarmusch leihen der Frühling/Sommer-Kollektion von Saint Laurent ihre altersgegerbten Gesichter. Hier alle Kurzvideos - und hier besonders hervorgehoben: der großartige Maniker Abel Ferrara.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 14.01.2023 - Design

Die FAZ hat Bilder und Zeiten wiederbelebt. Zwar nur digital im epaper, aber immerhin. Christoph Hein hat für die erste Ausgabe Sebastian Mesdag besucht, in seinem Atelier Tian Taru auf Bali Indigo herstellt und den Umgang damit lehrt: "Die Ruhe, die Mesdag und Arki bei ihrer Arbeit ohne Worte ausstrahlen, schlägt einen in den Bann. Mit weichen Bewegungen, wie ein erfahrener Pianist die Tasten bearbeitet, lassen sie eine weiße Baumwollbahn in den tiefen Krug gleiten. Sanft versinkt der Stoff. Die Naturfarbe braucht Zeit, will sich entfalten. Sie braucht aber auch Regeln, als suchte sie den Färber als ebenbürtigen Partner: Beherrscht er seine Kunst nicht, wird ungeduldig, hektisch gar, wehrt sich das Tuch. Meister Mesdag aber zieht nach Minuten mit entschiedenen Griffen eine gleichmäßig eingefärbte Stoffbahn aus dem irdenen Topf. Sie ist grün, ohne Schatten und Streifen. 'Die Farbe braucht Sauerstoff, um ihren endgültigen Ton zu erreichen', sagt der Fachmann. Kaum merklich entfaltet sich nun ein glattes tiefes Blau."

Außerdem in Bilder und Zeiten: Alfons Kaiser stellt den "destroyed look" vor, der die Frühjahrsmode prägt mit aufgerissenen Säumen, herabhängenden Fetzen und asymetrischen Schnitten.