Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Design und Mode

966 Presseschau-Absätze - Seite 15 von 97

Efeu - Die Kulturrundschau vom 11.11.2023 - Design

In der FAZ gratuliert Niklas Maak dem Automobildesigner Bruno Sacco zum 90. Geburtstag, der den oft als teutonisch empfundenen Mercedes-Benz 1979 nahezu italienische Anmut verlieh, nachdem Friedrich Geiger den Wagen zuvor eher barock behangen gestaltet hatte. "Die S-Klasse der Baureihe W126 war im Windkanal so glatt geformt wie ein Kieselstein im Wasser, Plastikstoßfänger und die sogenannten 'Sacco-Bretter' an den Türen ließen den Wagen wie ein Objekt aus einem Guss und deutlich moderner aussehen als seinen Vorgänger; die im Goldenen Schnitt proportionierte Karosserie zeigte, dass der Entwerfer die Regeln seines Landmanns Leonardo da Vinci verinnerlicht hatte. Kleine, aber entscheidende Details wie das zwischen Scheinwerfern und dem mercedestypisch aufrechten Kühlergrill heruntergezogene Metall der Motorhaube gaben dem Auto einen ernst-freundlichen, fast höflichen Gesichtsausdruck, wie er aus dem heutigen Autodesign, wo eher tiefseemonsterartige Blechfratzen dominieren, leider fast vollkommen verschwunden ist: Das Design von Saccos S-Klasse und des noch schöneren 126er Coupés schien sich um guten Kontakt zu den anderen Verkehrsteilnehmern zu bemühen."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 31.10.2023 - Design

Warum trägt eigentlich nicht jeder Mann einen Trenchcoat, fragt sich Tillmann Prüfer in seiner Stilkolumne fürs Zeitmagazin. Praktischer geht es schließlich nicht: Man sieht sofort gut aus und hat zugleich jede Menge Sorgen von der Backe. "So hat Humphrey Bogart in der berühmten Abschiedsszene in Casablanca einen Trenchcoat an. Das weiß jeder, aber weiß jemand, welche Hose, welche Schuhe er trug? Sie fallen in der berühmten Filmszene überhaupt nicht auf. Weil: Trenchcoat. Bogart sagt: 'Schau mir in die Augen, Kleines.' Das ist eigentlich ein steindummer Satz. Man stelle sich vor, Bogart hätte das gesagt, während er ein 'Fruit of the Loom'-T-Shirt getragen hätte. Das hätte null funktioniert. ... Der Trenchcoat macht für einen die gesamte Arbeit, dieser Mantel sieht so selbstgewiss aus, dass man gar nichts mehr falsch machen kann. Man zieht ihn über und wird sofort präsenter, muss weniger reden, eigentlich gar nichts mehr tun."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 28.10.2023 - Design

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In einer taz-Reportage berichtet Ruth Lang Fuentes von ihrem Besuch bei der Kibera Fashion Week in Nairobi, die mitten in einem Slum und unter improvisierten Bedingungen stattfand. Die Besucher sind lauter "junge Menschen, einer stylischer als der andere, der rote Sand des Eingangsbereichs wird zum roten Teppich. Die Besucher präsentieren stolz selbstgeschneiderte Kleidungsstücke in hochwertigen Stoffen, upgecycelte Jeansoutfits, extravagante Accessoires. ... Die Modedesigner feiern die Kulturen verschiedener kenianischer Stämme. Die Kollektionen schwanken zwischen traditionellen Einflüssen und westlichem Touch, zwischen Ghettoblaster und Stammesmaske, Schmuck aus Knochen und traditionellen Strohhüten, ostafrikanischen Mustern und Stoffen und perfekt gestrickten Kleidern. Da gibt es die Apocalypse Collection von Designer-Newcomer Pius Ochieng, die mit ihrem ausgewaschenen Grau und den alten Gasmasken an den Film 'Mad Max' erinnern soll und das auch tut. Die Designerin Joyleen Chepngetich tritt in Patchwork-Jeansjacke auf die Bühne, ihre Kollektion Melanin zeigt viel Haut und ein Model im weißen Shirt mit schwarzer Aufschrift: 'Black Is Beautiful'. Auch Gandanis Kollektion setzt ein Zeichen für Emanzipation, ist eine Mischung aus Zulu-Kriegsornamenten und der queeren Szene."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 09.10.2023 - Design

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Marina Razumovskaya befasst sich in der taz mit der neuen Kollektion "Thesaurus" der ukrainischen Designerin Irina Dzhus. Diese wirken zunächst wie "Verhüllungen, schwer und schützend. Aber sobald man sie berührt, merkt man, wie leicht die Stoffe in Wirklichkeit sind. Es sind schwerelose Outfits, oft einfarbig, viele Materialien haben beschichtete Oberflächen. Reihen eingesetzter Reißverschlüsse mit dazwischengelegten Falten vermitteln den Eindruck eines gestreckten Akkordeons und verschaffen dem Körper Freiheit: für eine Metamorphose der gesamten Silhouette, eine langsam entfaltbare Plastik, eine tonlose Musik des Körpers. ... Hauptgedanke der Kollektion seien die radikalen innerlichen Veränderungen des Menschen, ausgelöst durch die Erfahrung des Krieges, erklärt die Ukrainerin: 'Die Leute, die jetzt während des Krieges aus der Ukraine geflohen sind, haben auch im Inneren eine Transformation erlebt.'"

Efeu - Die Kulturrundschau vom 07.10.2023 - Design

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Ein Beitrag geteilt von 𝗟𝗼𝗻𝗱𝗼𝗻𝗹𝗲𝗶𝗺𝗼𝘁𝗶𝘃 (@londonleimotiv)

Anders als bei den vergangenen Ausstellungen über Alexander McQueen und Christian Dior setzt das Victoria & Albert Museum bei seiner aktuellen Coco-Chanel-Ausstellung (mehr dazu bereits hier) die Exponate in Kontexte statt sie nur zu präsentieren, freut sich Eva Ladipo in der FAZ: "Die Chanel-Mode dient als Medium, die bewegte Geschichte ihrer Urheberin zu erzählen, und dabei offenbart sich im Umkehrschluss die erstaunliche Erkenntnis, dass die Diva nichts verborgen hat. Sie hat die Tragik ihres Lebens, die Widersprüche, den Liebeskummer, die Scham und ihre Arbeitswut nicht versteckt. Sie hat die Welt vielmehr offen daran teilhaben lassen. ...  Ihre Mode ist wie ein Tagebuch, in dem sich ihre Verletzungen, ihre Wünsche, Träume und ihr unbedingter Willen nachlesen lassen. ... Es gibt Bilder aus ihrer Zeit als Gefährtin reicher Männer, auf denen sie deren Klamotten trägt: Hosen, Hemden, Jacken. Dazu die kurzen Haare. Sie wollte nicht aussehen wie die aufgedonnerten anderen Nebenfrauen, sondern eher wie deren Herren. Das Androgyne hat sich in ihren Kollektionen immer erhalten. Ein weiteres Erbe aus dieser Zeit ist Cocos Anglophilie und ihr lebenslanger Gebrauch von britischem Tweed."
Stichwörter: Mode, Chanel, Coco, Dior, Chanel, Instagram

Efeu - Die Kulturrundschau vom 29.09.2023 - Design

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Ein Beitrag geteilt von Michael Ezra (@mikeyezra)

Marion Löhndorf war für die NZZ im Londoner Victoria and Albert Museum, das derzeit eine große Coco-Chanel-Ausstellung zeigt: "Mit ihrer Betonung von sachlichen Schnitten, lockerem Sitz und der Verwendung von bisher der Männermode vorbehaltenen robusten Stoffen wie Tweed zogen Chanels Kleider einen neuen, selbstbewussten Frauentyp an. Mit ihrer Mode, die einen aktiven, unabhängigen Lebensstil ermöglichte, nahm Coco Chanel die Bedürfnisse moderner Frauen vorweg: Denn diese waren auch ihre eigenen. Die Korsette und einengenden Humpelröcke der vorigen Jahrhundertwende waren Coco Chanel ein Graus, Bewegungsfreiheit war ihr ein prioritäres Bedürfnis, sie selbst schnellte zielbewusst durchs Leben. ... Die Vorliebe für schlichte, fast strenge Schnitte und für Schwarz und Weiß leitete sie von den Trachten der Nonnen ab, bei denen sie aufgewachsen war. Ihr Stilgefühl soll von den klaren Linien und ausgewogenen Proportionen der romanischen Klosterarchitektur herrühren. Sogar ihr berühmtes Firmenlogo führen Biografinnen auf die Fussbodenmosaike der Abtei Aubazine zurück."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 26.09.2023 - Design

In seiner Stilkolumne fürs ZeitMagazin hat Tillman Prüfer nur sanften Spott übrig für Männer, die sich in Bordeauxrot kleiden: Wer als Mann aus dem Korsett der gedeckten Farben ausbrechen will, sich gar als "progressiver Nonkonformist" versteht, greift gern zu Rot, ohne dabei aber gleich als impulsiver Umstürzler erscheinen zu wollen. "Deswegen wählt er ein gedecktes Rot, das Bordeauxrot. Bordeauxrot, das klingt schon so, als ob man etwas von Wein versteht. Und sendet das Signal, dass man zwar nicht angepasst ist, aber eben auch nicht so unangepasst, dass es gleich Ärger geben würde. ...Man möchte sich weder zu den Konventionen bekennen noch mit ihnen brechen. Man möchte gern einfach beides sein, sich stets in jede Richtung biegen können."
Stichwörter: Männermode, Bordeauxrot, Rot

Efeu - Die Kulturrundschau vom 23.09.2023 - Design

Die Halbjahreskollektion für eine wohlhabende Frau konnte bis zu einer halben Million Franken kosten. Übermantel für eine Frau (uchikake), vermutlich Kyoto, 1860-1880 © Victoria and Albert Museum, London


Wer sich für die Geschichte des Kimonos interessiert: auf nach Zürich, ins Museum Rietberg. NZZ-Kritiker Philipp Meier steht staunend vor fantastischen, leuchtend bunt bestickten Gewändern und lernt, dass die Ornamentik streng reglementiert war - je nachdem, welchem Stand man angehörte. Heute ist der Kimono eigentlich so modern wie nie, denkt sich der Kritiker: "Denn wenn es ein Kleidungsstück gibt, das im Grunde kein Geschlecht kennt, dann ist es der japanische Kimono. Für Männer wie für Frauen exakt gleich geschnitten, ist er aus einfachen Stoffbahnen zusammengenäht - so breit, oder besser: so schmal, wie es der Webstuhl vorsieht. An der Taille wird der Stoff von einem breiten Gürtel - dem 'obi' - zusammengehalten. Ein denkbar simples Gewand, geradlinig und flach wie ein Brett. Der Akzent liegt auf der Oberfläche des Tuchs. Farbe und Muster lassen den Körper irrelevant werden. Nichts betont da einen männlichen Torso. Geschweige denn weibliche Kurven: Taille, Busen verschwinden darunter. Ein Kimono unterbindet körperliche Merkmale in dem Maße, wie diese im Okzident insbesondere im Fall weiblicher Kostüme mithilfe von einschnürenden Korsetts hervorgehoben wurden. Der Kimono ist heute prädestiniert, zum Kleid fluider Identitäten zu werden."

Ebenfalls in der NZZ porträtiert Silke Wichert die Modedesignerin Phoebe Philo, die, nachdem sie die Marke Céline zu Ruhm und Ehren katapultiert hatte, bei den Septemberschauen ihr eigenes Modelabel (unter dem Dach von LVMH allerdings) vorstellen soll. Die Erwartungen sind riesig, denn was Philo bei Céline schuf, "war nicht weniger als eine Offenbarung", erklärt Wichert, "minimalistische Entwürfe, aber mit messerscharfen Schnitten und - das liebten die Frauen so an ihren Designs - kleinen, aber immer smarten Details." Selbst die Handtaschen waren "architektonisch anspruchsvolle Behältnisse - für Frauen, die ihr eigenes Geld verdienten und deshalb tatsächlich mal Unterlagen, Notizbücher oder dergleichen verstauen mussten. Philo war eine von ihnen. Eine schlaue, berufstätige Frau mit Kindern, die Wert auf gute, anziehende Kleidung legte, aber nichts mit nach Aufmerksamkeit heischender Mode anfangen konnte. Wenn in diesen Tagen ständig von Quiet Luxury die Rede ist - darauf hat Céline beziehungsweise Phoebe Philo quasi das Copyright."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 19.09.2023 - Design

In Afghanistan werden nun auch die Schönheitssalons geschlossen, letztes Refugium für Frauen außerhalb ihres Hauses, erzählt auf Zeit online eine anonym bleibende Autorin. "Die Schönheitssalons waren also Orte, an denen Frauen Kontakte knüpfen und sich gegenseitig ermutigen konnten, was ihnen nun ebenfalls verwehrt wird. Einige Bürger und Bürgerinnen glauben, dass der letzte Beschluss der Taliban bezüglich der Schönheitssalons Teil eines größer angelegten Vorhabens ist, die Frauen zu Gefangenen in ihren eigenen Häusern zu machen. Die Inhaberin eines Salons in Kabul berichtet: 'Bevor die Schönheitssalons geschlossen wurden, haben uns die höheren Beamten der Taliban bereits Steuern für mehrere Jahre im Voraus zahlen lassen. Mir ist ein immenser finanzieller Schaden dadurch entstanden. Dass wir nicht einmal in Bereichen arbeiten können, die exklusiv für Frauen sind, ist einfach ungeheuerlich. Eine Unterdrückung der Frauen, wie sie in Afghanistan ausgeübt wird, wäre an jedem anderen Ort der Welt undenkbar. Im Grunde genommen sagen sie uns damit, dass wir kein Recht haben, zu leben, und sie uns alle umbringen könnten."

Szene aus dem Film "Zum weißen Rössl" mit Theo Lingen 1935


Trachten, und ganz besonders das Dirndl, werden immer beliebter, stellt Jeroen van Rooijen nach einem Rundgang auf dem Münchner Oktoberfest in der NZZ fest. Traditionell ist es nur bedingt, erzählt er. Ursprünglich hatten sich Hausfrauen zum Schutz ihrer Kleider "eine Schürze umgebunden, die oft aus alter Bettwäsche rezykliert war. Diese einfachen Grundbausteine sind tatsächlich historisch dokumentierte Kleidung des Alpenlandes - ein typisches 'Dirndl' wurde daraus aber erst später. Es waren die jüdischen Brüder Julius und Moritz Wallach, ursprünglich aus Bielefeld, die im Jahr 1900 in München ihr 'Volkstrachtengeschäft' eröffneten und damit den Grundstein für den Siegeszug der Tracht legten. ... Ein Coup gelang den Brüdern Wallach, als sie 1910, aus Anlass des 100. Oktoberfestes in München, unentgeltlich den Landestrachtenzug einkleideten und den Titel eines 'königlich-bayerischen Hoflieferanten' bekamen. Auch schneiderten die Brüder Wallach 1930 die Bühnenkostüme für die populäre Operette 'Im weißen Rössl' von Ralph Benatzky, die weltweit zu einem Trachten-Rausch führte." Wie modern!

Efeu - Die Kulturrundschau vom 12.09.2023 - Design

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Für das ZeitMagazin porträtiert Gabriel Proedl die britische Modedesignerin Grace Wales Bonner, die sich für ihre Arbeit von Galionsfiguren schwarzer Geschichte inspirieren lässt - von James Baldwin etwa, aber auch von Josephine Baker. "Bei Baldwin interessiert sie, wie er in der Öffentlichkeit jenen Stil etabliert, der vorher Weißen vorbehalten war: sein dandyhaftes Auftreten, seine Stilisierung von Intellektualität - mit Paisley-Halstuch und Mustang-Sonnenbrille, Schlaghosen, Krawatte und Manschetten. Bei Baker ist es die Freiheit, die sie für sich beanspruchte, und der Stolz, mit dem sie ihre Herkunft zeigte, wenn sie auftrat. Eines von Bakers berühmtesten Kostümen etwa, ein Kleid aus Straußenfedern, übersetzt Wales Bonner in eine schwarze Stoffhose, deren Beine nach unten hin ausfransen; durch die Bewegung beim Gehen entstehen so quastenähnliche Büschel. 'In Filmaufnahmen von ihr macht es den Anschein, als würde sie schreien: Seht her, seht mich an, ich gehöre dazu - und ich gehe auch nicht mehr so schnell weg', sagt Wales Bonner über Baker."