Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Design und Mode

966 Presseschau-Absätze - Seite 16 von 97

Efeu - Die Kulturrundschau vom 06.09.2023 - Design

Was waren das noch für Zeiten, als Automobile schon durch ihre Gestaltung die Zukunft in die Gegenwart brachten, als Roland Barthes in seinen Essays vor dem Citroen andächtig auf die Knie ging, seufzt Gerhard Matzig in der SZ, der bei der IAA Mobility in München nicht nur deshalb ein langes Gesicht macht, weil selten zuvor eine Großveranstaltung das Stadtbild an der Isar derart "gedemütigt" hat. Sondern auch, weil die Messe, von wenigen Ausnahmen abgesehen, eine "ziemlich ästhetikferne Idee von der Zukunft der Automobilität" präsentiert. "Es wäre schön, wenn die IAA dann demnächst wieder mal zeigt, wie es auch automobil und zugleich in Schönheit in die Zukunft geht. Bis es so weit ist, denn alt und schlaff gewordene SUV-Knitterblech-Muskeln dominieren auch in diesem Jahr eine Messe der Design-Ratlosigkeit, hilft Ironie weiter. Auf der Messe ist der Bayern-Stand mit einer Carrera-Bahn ausgerüstet. Die Modell-Landschaft besteht aus vielen kleinen Windrädern. Ausgerechnet in Bayern? Schon sehr toll, dieser Humor."

Keiner mag Grau, aber alle mögen Grau, lautet Niklas Maaks paradoxer Befund in der FAZ: Die Farbe, die wie keine zweite als trüb und trostlos gilt, rangiert zugleich in der Beliebtheitsskala ganz weit oben, sofern es um Sofas und Autos geht. "Bis vor Kurzem: Denn nun hat der italienische Autohersteller Fiat die 'Operation No Grey' gestartet und verkündet, dass es von sofort an keinen Fiat mehr in Grau zu kaufen gibt. Begründet wird die nicht marktbedarfskonforme Kundenumerziehungsmaßnahme mit dem italienischen Nationalcharakter: In einem Werbespot sieht man Fiat-Chef Olivier François durch die Straßen der italienischen Hafenstadt Lerici spazieren, vorbei an ausländischen Autos. 'Grau, die Lieblingsfarbe der Autohersteller. Deutsches Grau, japanisches Grau, französisches . . . verkauft sich immer', sagt François. 'Aber wir reden über Italien. Das ist Freude, Optimismus, Liebe, Leidenschaft, Leben. Und was hat Grau damit zu tun? Nichts.'"

Tobias Prüwer schaut derweil in der Jungle World auf die Geschichte der Farbe Rosa, die bei weitem nicht immer für Mädchen gedacht war.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 05.09.2023 - Design

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Amelie Apel und Ubin Eoh haben für das ZeitMagazin aufgeschrieben, wie Leute aus dem Kulturleben ihren Kleidungsstil gefunden haben, darunter die Filmemacherin Ulrike Ottinger mit ihrer zeitlosen, durch markante Details sanft aufgebrochene Eleganz, aber auch die Modejournalistin Lynn Yaeger mit ihrer schrillen Extravaganz: "Jedes meiner Outfits enthält ein Tüll-Element. Zum Beispiel ziehe ich über einen türkis- oder pinkfarbenen Unterrock aus Tüll ein weites, schwarzes Kittelkleid. Wichtig ist, dass der farbige Tüll unten herausschaut. ... Ich finde meine Outfits einfach süß. Wer freut sich nicht über eine Gestalt in einem riesigen Tutu? Viele Frauen in meinem Alter schauen in den Spiegel und sehen nur Makel. Ich schaue meistens in den Spiegel und denke: 'Das ist hinreißend! Dieses Kleid ist hinreißend!' Mein Look ist sehr individuell, aber gleichzeitig auch nahbar und zeitlos. Ein paarmal haben sich Leute zu Halloween als Lynn Yaeger verkleidet, das hat mir sehr geschmeichelt."
Stichwörter: Mode, Yaeger, Lynn, Instagram

Efeu - Die Kulturrundschau vom 01.09.2023 - Design

Ines Doujak, Foto aus der Performance Fires, 2011

Critical Consumption - klar, auf jeden Fall, nickt in der FAZ Hannes Hintermeier, inspiriert von einer kritischen Modeausstellung im Wiener MAK. Mit der Botschaft kann er sich anfreunden, allein die Umsetzung fällt schwer. Die Ausstellung "predigt einen 'hedonistischen Minimalismus', also in der Praxis einen sehr bewusst gefüllten Kleiderschrank mit wenigen, gut kombinierbaren, lange tragbaren Kleidungsstücken, im Zweifel teurer bei der Anschaffung, aber werthaltig. Kaufe nur, was du liebst, kaufe lokal, frage nach, woher die Sachen kommen, fordere Transparenz und so weiter. Doch noch wirkt Sylvie Fleurys Installation 'Acne' (2014) vertraut - ein Ensemble voller Einkaufstüten von Luxusmarken. Man muss nur vor die Tür des MAK treten, um sich in der Inneren Stadt wie in einer Liveperformance des Luxus und der Moden wiederzufinden."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 31.08.2023 - Design

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Mit seiner Ausstellung "Critical Consumption" beleuchtet das Wiener Museum für angewandte Kunst die dunklen Seiten der Modebranche. Damit liegt das Haus durchaus im Zeitgeist, schreibt Anne Feldkamp im Standard. Insbesondere "junge Menschen, zerrissen zwischen der Faszination für Luxusmode, Fast Fashion und dem Willen, nachhaltiger zu konsumieren, hinterfragen die Mechanismen der Modeindustrie." Entsprechend rege diese Ausstellungen zum Diskutieren an, "so wie zwei sprechende, prominente Arbeiten aus den Zehnerjahren: Sylvie Fleurys Sammlung an Einkaufstüten von Acne und Wang Bings Dokumentarfilm '15 Hours' - so lange dauert der Arbeitstag der Näher und Näherinnen in der chinesischen Bekleidungsfabrik Huzhou. Wo sieht man sich zwischen Shoppingwahn und Konsumverzicht? Inmitten des Raumes werden hinter Glas historische Querverbindungen zur heutigen Modeproduktion hergestellt. Dort erfährt man beispielsweise, dass angesagte alternative Pflanzenfasern so neu nicht sind. Hingewiesen wird auf Aloe- und Kokosnussfasern aus dem 19. Jahrhundert in der Mak-Sammlung."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 22.08.2023 - Design

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Die "Diva"-Ausstellung des Victoria & Albert in London ist mit ihren zahlreichen versammelten Abendkleidern und Kostümen "eine Feier der unerreichbaren, dem Irdischen entrückten Superfrauen, die abgehoben von der Menge existieren", freut sich Marion Löhndorf in der NZZ. "Die Primadonna braucht die Kulisse, den Laufsteg oder den roten Teppich, um die Metamorphose zur Phantasiegestalt zu vollziehen: ohne Bühne keine Diva. Federn, Strass, Fransen, Tüll, Samt und Seide helfen, den großen Auftritt ins Mythische zu heben. Die Kleider erweitern die Ausstrahlung der Göttlichen hin zur Überlebensgröße. ... Bob Mackies Entwürfe für Cher und Tina Turner gehören zu den Höhepunkten der Ausstellung." Denn "wenn Tina tanzte, tanzten schmale Stoffbahnen mit, die um ihre Beine schwangen. Cher verwandelte er mit spektakulären Gewändern in einen Paradiesvogel und schickte sie 1986 mit einem gigantischen Federkopfschmuck zur Oscar-Verleihung. Als einzige Ausnahme unter den vielen bunten Prachtgewändern nimmt sich Edith Piafs bescheidenes, schwarzes Kleidchen in einer Vitrine aus."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 18.08.2023 - Design


Shayne Oliver: Mall of Anonymous, 2023. Foto: Frank Sperling/Shayne Oliver.

Der Designer Shayne Oliver stellt im Berliner Schinkel-Pavillon aus und bereitet damit schon mal seine Rückkehr in die Welt der Mode vor, informiert uns Dennis Braatz in der SZ: "Wer in der Mode dauerhaft erfolgreich sein will, muss wissen, wie man im Gespräch bleibt - oder wieder dazu wird. Das Konzept für die Ausstellung 'Mall of Anonymous' entstand im Lockdown. 'Ich begann darüber nachzudenken, warum ich überhaupt konsumieren will. Es gibt kaum noch physischen Raum für neue Ideen', sagt er. Die Mall als Sinnbild passt nicht nur, weil Einkaufszentren heute überall auf der Welt so gut wie gleich aufgebaut und mit den gleichen Marken ausgestattet werden. Sondern auch, weil sie sich in den Vereinigten Staaten, wo sie erfunden wurden, immer häufiger zu 'Dead Malls' entwickeln. Tote Einkaufszentren, die kaum noch von Menschen genutzt werden und deshalb einen hohen Leerstand an Geschäften haben." So richtig konsumkritisch ist das nicht, meint Braatz: "Oliver lädt seine Mode so schon mal emotional und kulturell auf, bevor es sie überhaupt richtig gibt. Verkaufsfördernder kann man ein Comeback nicht angehen."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 03.08.2023 - Design

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Das Berliner Kunstmuseum Dahlem entreißt den von den Nazis einst verfemten Designer Paul Jaray mit einer Ausstellung dem Vergessen, freut sich Karlheinz Lüdeking in der FAZ. Jarays Pionierarbeiten kann man gar nicht genug würdigen - so schuf er unter anderem das moderne Propellerdesign. Doch "besonders folgenreich wirkten Jarays Forschungen beim Design von Automobilen. Bis 1930 sahen Autos noch mehr oder weniger aus wie Kutschen ohne Pferde. ... Die Vorstellung einer Umhüllung des Ganzen drängte sich erst dann auf, als die Autos immer schneller wurden und dabei auf zunehmenden Luftwiderstand stießen. Um ihn zu verringern, bekam das Auto immer stärker abgerundete Karosserien. Das war nicht nur nützlich, sondern auch visuell ansprechend, denn damit zeigte sich das Automobil zum ersten Mal als eine ganzheitliche und in sich geschlossene Einheit. Das Zweckmäßige harmonierte zunächst also noch ganz zwanglos mit dem Ästhetischen, und an dieser Harmonie hat Jaray auch dann noch unbeirrt festgehalten, als er feststellen musste, dass die Mehrheit seiner Zeitgenossen das nicht so sahen wie er."

Efeu - Die Kulturrundschau vom 18.07.2023 - Design

Johanna Adorján porträtiert in der SZ den griechischen Modesammler Michael Kardamakis, der sein Helmut-Lang-Archiv derzeit in einer Berliner Altbauwohnung eingelagert hat. Seine Sammlung "ist thematisch geordnet, und zwar so, dass sie idealerweise immer eine Entwicklung verdeutlicht." Er "greift nach einem Bügel weiter rechts, an dem ein ganzes Unterhemd hängt. Weiß, Feinripp, wie man es kennt. An den etwa 40 Bügeln dazwischen hängen Zwischenschritte, Variationen, man könnte auch sagen: Untersuchungen zum Thema Unterhemd. Es gibt unterschiedliche Dekonstruktionsgrade von Armlöchern oder Trägern, mal ist am Vorderteil eine Bustier-Linie angedeutet, oft ist irgendwo ein breiter Streifen zu sehen, ein Motiv, das bei Helmut Lang oft auftaucht. Bei einem Modell mit applizierter Spitze weist Kardamakis darauf hin, dass die Nähte von Hand gefertigt sind. Es gibt fast nichts, was es nicht gibt - dennoch sehen die Stücke verwandt aus, und wenn man Kardamakis lange genug zuhört, erkennt man ihre Helmut-Lang-DNA." Dieses Werbevideo vermittelt einen kleinen Einblick:

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 11.07.2023 - Design

"Die Airbagisierung der Gesellschaft hat begonnen", glaubt Katharina Wetzel im Tages-Anzeiger: Überall in der Mode und im Möbeldesign tauchen derzeit voluminöse, an Airbags erinnerne Gestaltungselemente auf. "Was sagt das über uns und die Zeiten, in denen wir leben, mit Krisen und Krieg in Europa? ... Angst vor einer atomaren Bedrohung, Angst vor Migration, Angst vor der Klimakatastrophe. Die Angst hat sich zum Verkaufsschlager entwickelt und kommt doch verniedlicht auch als aufblasbares Gadget daher. Der Airbag ist dabei zum Symbol eines Sicherheitsbedürfnisses geworden, das Künstler und Designer immer häufiger aufgreifen - ohne Funktion, aber mit der Botschaft der Beruhigung: In diesem Sofa bist du maximal geborgen, in dieser Jacke kann dir die Außenwelt nichts anhaben, in dieser Kugel kannst du dich ohne eine Schramme den Berg runterstürzen. Spaß ja, aber Risiko? Nein."

Im Tagesspiegel porträtiert Tobias Langley-Hunt die ukrainische Modedesignerin Lilia Litkovska, die ihre aktuelle Kollektion auf der Berlin Fashion Week zeigt: "Wenn sie von Kiew erzählt, von kulturellen Entwicklungen, die in ihrer Heimatstadt in den Jahren vor dem Krieg angestoßen wurden, ahnt man, wie schwer die Erinnerungen lasten und wie viel Hoffnung sie gleichzeitig geben. ... 'Neue künstlerische Strömungen sind entstanden und gewachsen. Vor dem Krieg kamen viele internationale Besucher in die Stadt, die Teil der Entwicklung sein wollten.' ... Der kreative Geist der Entwicklung lässt sich aber zum Glück nicht so einfach zerstören. 'Wir, die Kreativen, sind eine Art ukrainische Armee. Aber wir zerstören nicht, sondern erhalten und bauen auf.'"

Männer, habt Gnade mit Euren Mitmenschen und schüttet Eure Ambra-Parfüms weg, ruft ein schwer gebeutelt um Atem ringender Uwe Ebbinghaus im FAZ-Kommentar seinen Geschlechtsgenossen zu.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 08.07.2023 - Design

Trinkservice No. 238 Patrician. Entwurf: Josef Hoffmann, 1917. Ausführung: J. & L. Lobmeyr. © J. & L. Lobmeyr


Auf der Kärntner Straße in Wien gibt es einen wunderschönen altmodischen Laden für Glas: Lobmeyer. 200 Jahre ist das Traditionsunternehmen geworden, das Wiener MAK hat ihm aus diesem Anlass eine Ausstellung spendiert. Präsentiert wird "ein einzigartiges Kapitel österreichischen Kunsthandwerks", schwärmt in der NZZ Sabine B. Vogel. "Das beginnt bereits mit den ersten hauchdünnen Gläsern aus Musselin-Glas - benannt nach dem feinfädigen Gewebe. Mit diesen fragilen Gefäßen, auf eine Stärke von maximal 1,1 Millimeter geblasen, setzte Ludwig Lobmeyr 1856 einen eleganten Gegenentwurf zu den schweren böhmischen Weingläsern. Immer wieder suchte er die Zusammenarbeit mit Künstlern und Erfindern. 1882 entwickelte er zusammen mit Thomas Edison einen der ersten elektrifizierten Luster für die Wiener Hofburg. Sein Neffe Stefan Rath führte das Unternehmen schließlich in die Moderne: Die tulpenförmigen Weingläser von Josef Hoffmann aus dem Jahr 1917 oder das von Adolf Loos 1931 entworfene Bar-Service No. 248 mit Diamantschliff gehören bis heute zu den erfolgreichsten Serien. Die Preise pro Glas bewegen sich weit über 100 Euro." Von Lobmeyer sind übrigens auch die Lüster im Met Museum in New York.

Außerdem: Martina Meister besucht für die Welt die Kunsthandwerker von Notre Dame.