Efeu - Die Kulturrundschau

Das Leben ist fröhlicher geworden

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19.01.2017. Im Tagesspiegel fordert Shermin Langhoff deutsche Politiker auf, nicht nur Erdogan zu besuchen, sondern auch seine politischen Gefangenen. In der Zeit erklärt der amerikanische Dramatiker Ayad Akhtar, wie sich der deutscher Idealismus im Amerikaner voll­endet. Die taz erkennt mit Olivier Assayas' Film "Personal Shopper" die gespenstische Welt, in der wir leben. Rettet den Brutalismus in Australien, ruft Domus.
9punkt - Die Debattenrundschau vom 19.01.2017 finden Sie hier

Architektur


Schönster Brutalismus und extrem nachhaltig: Tao Gofers' direkt am Meer gelegenes Sirius-Apartmenthaus in Sydney. Foto: Eastberliner / Wikipedia

Brutalismus hat inzwischen überraschend viele Freunde. Aber seine Gegner sind immer noch zahlreicher, wie die Denkmalbehörde im australischen Staat New South Wales lernen musste, als sie das von Tao Gofers 1979 fertiggestellte Apartmenthaus Sirius in Sydney unter Denkmalschutz stellen wollte: die Landesregierung lehnte das rundweg ab, erzählt Philippa Nicole Barr auf Domus. "Rating the building as ugly and without long term value, the Minister for Finance, Services and Property Dominic Perrottet describes it in a press release on his personal site as a 'sore thumb'. In spite of their unique sculptural forms and historical significance, many buildings in the brutalist style have been targeted for demolition in Sydney, says Burdon [David Burdon chairs the National Trust Committee on Built Environment], 'it will not be until it is too late and Sirius is replaced by a building of far greater size that people will realise what this architecture truly represented. The social mix of young and old, small and large families, will be replaced by a homogenous grouping of nouveau rich.'"
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Bühne

Gorki-Intendantin Shermin Langhoff spricht im Interview mit dem Tagesspiegel über das Erbe des vor zehn Jahren  ermordeten armenischen Journalisten Hrant Dink, die "präfaschistische Situation" in der Türkei und Strategien, wie man dem begegnen kann: "... so sollten Parlamentarier aus dem Bundestag und andere Regierungsverantwortliche aus dem Westen in der Türkei inhaftierte Journalisten oder Politiker besuchen, um den Dialog nicht abreißen zu lassen und klar zu machen: Die Welt schaut auf euch. Auch darauf, wie ihr umgeht mit euren politischen Gefangenen, denn es gibt besorgniserregende Berichte von eklatanten Menschenrechtsverletzungen in den Gefängnissen."

Im Interview mit der Zeit spricht der amerikanische Dramatiker Ayad Akhtar, dessen Komödie "The Who and the What" am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg aufgeführt wird, über Donald Trump und das Weltbild vieler Amerikaner: "Amerikaner haben manchmal das Gefühl, sie seien allein mit Gott - es gebe nur Ihn und sie. Der nächste Nachbar ist sieben Meilen entfernt, und der Himmel gehört mir allein! Die Umbrüche, die Gewalt, auch die Freude, die das Leben in den USA charakterisieren - dahinter steht die Gewissheit, alles hinzukriegen: Ich schaff das! Im Grunde ist es vulgarisierter Fichte, deutscher Idealismus, der sich im Amerikaner voll­endet."

Außerdem: In der taz porträtiert Astrid Kaminski die transsexuelle iranische Peformancekünstlerin Sorour Darabi.
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