Jerome D. Salinger

Der Fänger im Roggen

Roman
Cover: Der Fänger im Roggen
Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln 2003
ISBN 9783462032185
Gebunden, 272 Seiten, 15,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Eike Schönfeld. Holden Caulfield ist eine Kultfigur der amerikanischen Literatur. Er ist sechzehn Jahre alt und irrt durch New York, traurig, krank, verwirrt. Generationen von Lesern haben sich in ihm wiedererkannt, in seinen Träumen und Hoffnungen, in seinen Ängsten und Schwierigkeiten, erwachsen zu werden. Nun spricht er mit einer neuen deutschen Stimme - frech und witzig, traurig und provozierend, ehrlich.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 03.01.2004

Michael Schmitts Besprechung klingt nach Erlösung: Endlich gibt es eine rundum gelungene Übersetzung von J. D. Salingers Kultroman "Der Fänger im Roggen". Der Übersetzer Eike Schönfeld habe die - 1995 erschienene - rekonstruierte amerikanische Originalfassung des "Fängers" als Ausgangstext benutzt und einen lakonisch-dichten deutschen Text geschaffen, dessen frische Sprache niemals "bemüht" klinge und auch nicht versuche, sich einer "künstlichen Jugendsprache" anzubiedern. Schönfelds Sprachgestaltung, so Schmitt, verleiht dem Werk eine "unvergleichlich viel größere Dynamik", verglichen mit Irene Muehlons gezierter und altbackener Fassung, die Heinrich Böll später nur "sanft" revidierte. Bei Schönfeld wirke Holden "plastischer", und auch alle andere Charaktere gewinnen an Profil. Dank Schönfeld, so das Fazit des Rezensenten, halten deutsche Leser nun den Schlüssel zum "Fänger im Roggen" in Händen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 13.09.2003

"Das Kind ist der Hauptdarsteller jeder Entfremdungstheorie.", schreibt Rezensent Daniel Kehlmann, denn es ist das Bild der Kindheit, als einziger Moment der menschlichen Unverdorbenheit, und der Blick zurück, aus der schon entfremdeten, aber noch dem Kompromiss widerstrebenden Adoleszenz, die ihn an J. D. Salingers "Fänger im Roggen" besonders interessiert. Der Blick zurück sei im Roman der des "Fängers" selbst auf seine kleine Schwester Phoebe, ein schmerzhafter Blick, der ihn in die Knie zwinge, in den Zusammenbruch. Zweifellos, so der Rezensent, ist dieser "scharf beobachtende" Roman der "bis heute wirkungsmächtigste Roman der fünfziger Jahre". Umso erfreulicher, so sein leider nur kurzer Hinweis, dass er nun in einer "sehr guten" Neuübersetzung vorliege.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 03.04.2003

Für Reinhard Baumgart ist die Lektüre dieses Buches ein "Wiedersehen nach langer Zeit", und er beschreibt seine Reaktion darauf als eine Mischung aus "Staunen und Enttäuschung". Das Staunen rührt von der Fähigkeit des Autors her, sich seinem 17-jährigen Protagonisten, dessen Wanderung durch New York während 48 Stunden minutiös erzählt wird, scheinbar lückenlos anzuverwandeln. Baumgart preist das Buch für seine "waghalsige, selten erlebte Dichte" und bewundert die stilistische Charakterisierung der Hauptfigur, die trotz ständig benutzter sprachlicher Stereotypen eine ganz "unverwechselbare Sprachmusik" entstehen lässt. Etwas zwiespältig reagiert er auf die neue Übersetzung Eike Schönfelds. Schönfeld ist es gelungen, die "scharfe Instrumentierung des Originals" zu rekonstruieren, indem er sie gänzlich unbereinigt, mitunter "ordinär" wieder ganz nah zum Originaltext gerückt hat, lobt Baumgart. Doch o weh, genau diese Rekonstruierung verursacht ihm zugleich einen "Hauch der Enttäuschung". Durch Schönfelds Übersetzung werde der jugendliche Held eben auch in seiner ganzen "Weinerlichkeit und Übertreibungsemphase" herausgestellt und damit dem Leser ein Stück entfremdet.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 17.03.2003

Burkhard Spinnen beschreibt das Lektüreerlebnis der Neuübersetzung des "Fängers im Roggen" als "Zeitreise", und er ist ziemlich erstaunt, was er bei diesem Roman, den er zuletzt mit 16 gelesen hat, alles vergessen hat. Der Rezensent beschreibt den Roman als "mythenverhangenes" Kultbuch der fünfziger Jahre, in dem der Protagonist Holden nicht nur die Verunsicherungen der Pubertät in seinen Monologen zum Ausdruck bringt, sondern auch einen psychischen Zusammenbruch erlebt. Die Neuübersetzung dieses Romans, dessen Übersetzung von Heinrich Böll nun von der vorliegenden Übertragung ins Deutsche abgelöst worden ist, bietet kein "anderes oder gar neues Buch", so Spinnen beruhigend. Er preist die Übersetzung von Eike Schönfeld, die auf das amerikanische Originalmanuskript zurückgreift, für seine Darstellung einer ebenso "lebenssatten wie kunstvollen Alltagsrede". Besonders begeistert ist er von der gelungenen Nachempfindung der "Sprachmelange" des Protagonisten, in der sich "Hingerotztes und Hochreflektiertes" mischt.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.02.2003

Paul Ingendaay überschlägt sich fast vor Begeisterung: Endlich erscheint das Kultbuch der sechziger und siebziger Jahre in einer Neuübersetzung. Erstmals wird hier das ungeglättete Original übertragen. Ingendaay hat die beiden englischsprachigen Fassungen miteinander verglichen und kommt zu dem Schluss, dass der britische Verleger seiner Zeit schon erhebliche Eingriffe vorgenommen hatte. Bölls Übersetzung war also weniger bieder als gedacht, gibt Ingendaay zu. Aber immer noch bieder genug, vergleiche man sie mit der Neuübersetzung von Eike Schönfeld, der für die amerikanische Slang- und Vulgärsprache der fünfziger Jahre eine zeitgemäße Entsprechung gefunden hat. Kongenial, ruft Ingendaay begeistert aus. Übersetzungen altern eben schneller als das Original, stellt er trocken fest, wenn der Protagonist nun in den Plattenladen statt in ein Grammophongeschäft geht. Doch Schönfelds Reparaturen gehen tiefer: nicht nur der Jugendslang sei treffender, sondern insgesamt werde das "gepflegte Hochdeutsch kurz vor der Pensionsgrenze" der alten Übersetzung gegen einen flotten schnellen intensiven Stil der Gegenwart ausgetauscht, der sich dem Denken und Fühlen eines Sechzehnjährigen "wie eine zweite Haut" anschmiegt, schreibt Ingendaay.
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