Spätaffäre

Vorschläge zum Hören, Sehen, Lesen. Wochentags um 17 Uhr

Er ist Ästhet

07.04.2014. In der London Review of Books verfolgt Seymour Hersh weiter die Spur des Giftgasangriff auf Damakus und kommt über die Rattenlinie in die Türkei. Der New Yorker empfiehlt vegetarische Kochbücher für Fleischesser. In seiner Hommage auf den Grimme-Preis setzt Dominik Graf auch dem Niedergang des deutschen Fernsehens ein Denkmal. Und der SWR huldigt dem modernen Flaneur als Bürger und Kritiker.

Vom Körper seiner Schwester

04.04.2014. Ohne meinen Lektor gäbe es meine Bücher nicht, verrät Karl Ove Knausgård in einem grandiosen Essay auf Eurozine. Truman Capote besucht Marlon Brando in Tokio. Marguerite Duras, die heute vor hundert Jahren geboren wurde, analogisiert in "Agatha et Les Lectures illimitées" inzestuöse Liebe mit dem Akt des Lesens. In der BBC ist der Frühling ausgebrochen.

Das alte Kapital ist allerdings ausdauernd

03.04.2014. Roberto Saviano sorgt sich in L'Espresso um die Lesefähigkeit seiner Landsleute. Der Bayerische Rundfunk bringt James Joyces "Dubliner" als vielstimmiges Hörerlebnis. Hans-Ulrich Treichel spricht im NDRKultur über Theorie und Praxis des Schreibens. Und zwei sehenswerte Dokumentationen über Ai Weiwei und Lars von Trier.

Permanente Antizipation

02.04.2014. Die Scharfschützen, die bei den Majdan-Protesten über hundert Demonstranten getötet haben, gehören dem ukrainischen Geheimdienst SBU an, der engste Beziehungen zu Moskau unterhält, belegt The Daily Beast. Außerdem: Henry Keazor entspinnt das popkulturelle und politische Referenznetz der Simpsons, Dominik Graf schwingt die Luftgitarre und Ari Gold drischt auf sein Luftschlagzeug ein.

Akteure im Klang

01.04.2014. Die BBC erzählt das Leben von Marvin Gaye. Im rbb liest Helmut Kopetzky aus Briefen und Dokumenten junger Soldaten auf den Schlachtfeldern des Ersten Weltkriegs. Im BR erklärt Komponist Josef Anton Riedl seine Arbeit. Der Merkur klopft den Körper auf Klang ab.

Strukturen und Versorgungslinien

31.03.2014. Für den Verstand: Die NYTimes zeigt, wie amerikanische Museen mit der Wikipdia arbeiten und die LRB, wie die Syrer den Dschihad manipulieren. Für die Ohren gibts WK I. Für die Augen Woody Allen und Eric Cantonas "Rebellen am Ball".

Mit einem Hang zur Wiener Operette

28.03.2014. Barbara Kopples Film "Harlan County, USA" von 1976 über einen Arbeiterstreik in einer Mine ist ein Dokument einer längst versunkenen Kultur. Nayo Titzin erzählt in "Prague spring '68 Sofia summer" (2008), wie man den Prager Aufstand 1968 in Sofia sah. Peter Eötvös dirigiert Stockhausens "Momente" (1972). Und Vanity Fair erzählt die Geschichte dreier junger iranischer Rockbands, die nach Amerika gekommen waren, um Musik und Party zu machen. Bis einer von ihnen durchdrehte.

Die Matrix ist absolut aussagekräftig

27.03.2014. The Nation erinnert an den 1978 auf der Waterloo Bridge in London ermordeten bulgarischen Schriftsteller Georgi Markov. La vie des idées untersucht, was von Pierre Bourdieus Theorie über die "feinen Unterschiede" übrig blieb. Auf Youtube findet sich eine Bourdieu-Doku des Hessischen Rundfunks von 1981. Der Bayerische Rundfunk bringt Alexander Kluges "Chronik der Gefühle" in 14 Teilen zu Gehör.

Späte Phase der Endzeit

26.03.2014. Die BBC zeigt eine Doku über Pamela Lynwood Travers, die Autorin von "Mary Poppins". Der syrische Archäologe Mamoun Fansa schildert die Zerstörungen, die der Bürgerkrieg in Aleppo angerichtet hat. Und Deborah Weisgall hört "Aida" jetzt untermalt von Maschinengewehrfeuer.

Dann lieber naiv und unreif

25.03.2014. Eine Doku mit Claudio Abbado, Pierre Boulez und Henry-Louis de la Grange über Gustav Mahler. Ein interstellarer Ambient-Trip. Schwabing Ende der 60er Jahre und ein Porträt der nigerianischen Autorin Chimamanda Ngozi Adichies. Dies alles und mehr in der Spätaffäre.