9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Überwachung

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 08.12.2014 - Überwachung

Der britische Journalist Duncan Campbell, der einst die Existenz des GCHQ und des Netzwerks Echelon aufdeckte, beklagt im taz-Interview mit Martin Kaul die mangelnden Konsequenzen aus Edward Snowdens Enthüllungen: "Es gibt zwischen Dutzenden westlichen Nachrichtendiensten Kooperationsverträge auf operativer Ebene, die ganz pragmatisch die Institutionen der repräsentativen Demokratien unterlaufen. Wir haben etwa in Großbritannien ein großes Problem, diese staatliche verfassungsrechtliche Kontrolle überhaupt herzustellen. In Deutschland haben Sie ja Glück gehabt."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 05.12.2014 - Überwachung

Neues Aus den Snowden-Papieren berichtet Zeit online mit Verweis auf The Intercept: "Die NSA hat Hunderte Mobilfunkanbieter in aller Welt ausgespäht, um auf Schwachstellen in deren Netzen zu stoßen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 04.12.2014 - Überwachung

Im FAZ-Interview mit Ursula Scheer spricht der Enthüllungsjournalist Glenn Greenwald über seine Begegnung mit Edward Snowden, die Folgen des Überwachungsskandals, Google und das Internet, an dem er, vielleicht zum leichten Unbehagen dieser Zeitung, auch etwas Gutes findet: "In einem Punkt hat das Internet den Journalismus verändert, und zwar zum Guten: Früher zählte die Marke einer Publikation. Deren Regeln musste man sich unterwerfen. Heute zählen die Individuen, die einzelnen Journalisten - sie sind die Marke."



9punkt - Die Debattenrundschau vom 02.12.2014 - Überwachung

Bei der Verleihung des Alternativen Nobelpreises an Guardian-Chefredakteur Alan Rusbridger und Edward Snowden in Stockholm hat Silke Bigalke für ein Interview in der SZ den 83-jährigen Daniel Ellsberg getroffen, der 1971 die Pentagon-Papiere veröffentlichte, und Snowdens Anwalt Wolfgang Kaleck. Letzterer betont vor allem eines: "Egal welche Regierung ihm Einreise und einen sicheren Aufenthalt anbietet - es wurde dafür nichts im Tausch angeboten. Snowden hat uns allen bereits sehr viel gegeben , ohne dafür etwas zurückzufordern. Jetzt ist es an uns, etwas für ihn zu tun. Von den Deutschen wünsche ich mir, dass sie auf eine europäische Lösung gegen Massenüberwachung und einen europäischen Schutz für Whistleblower hinarbeiten. Aber auch der politische Preis dafür, Snowden einreisen zu lassen, wäre nicht so hoch, wie manche sagen. Spionage ist ganz klar eine politische Straftat, eine Auslieferung an die USA ist damit ausgeschlossen."

Die Reden und auch Snowdens Videobotschaft gibt es auf der Seite des Right Livelihood Awards.

Außerdem hat Glenn Greenwald für sein Buch "Die globale Überwachung" gestern in München den Geschwister-Scholl-Preis erhalten, wie Jörg Häntzschel in der SZ berichtet.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 28.11.2014 - Überwachung

Sascha Lobo weist in seiner Spiegel-Online-Kolumne darauf hin, dass die Spionagesoftware Regin von Virenscannern erkannt und ausgeschaltet wird: "Aus Sicht der durchgedrehten, antidemokratischen Geheimdienste ist das eine neue Qualität. Ein Standardprodukt für Normalanwender setzt eine extrem teure und aufwendige digitale Waffe außer Gefecht."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 27.11.2014 - Überwachung

An die Adresse der Versicherungskonzerne, die uns jetzt mit Gesundheits-Apps unter die Haut kriechen, um unseren Tarif nach unseren Lebensgewohnheiten zu berechnen, sagt Niklas Maak in der FAZ: "Unter Umständen lebt derjenige gesünder, der mal einen Cheeseburger isst, aber sich dafür weniger Stress im Büro macht und entspannt mit seinen Kindern auf dem Teppich spielt, statt mit dem Blutdruck eines Bomberpiloten durch den Feierabendverkehr zum Work-out zu rasen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 25.11.2014 - Überwachung

In Stuttgart wurde Edward Snowden der Friedenspreis der "Anstifter" verliehen, die taz druckt seine Dankesrede, die per Video übertragen wurde und in der er nichts bereut: "Obwohl wir die schrecklichen Verbrechen in Syrien und im Irak immer und immer wieder sehen, halten unsere Gesellschaftsordnungen stand und widerstehen dem Terror. Aber gerade nicht, weil die Überwachung so stark ist, sondern weil unsere Werte so stark sind."

Im kurzen taz-Interview mit Ines Pohl weist Constanze Kurz vom CCC auf die ökonomische Komponente von Snowdens Enthüllungen hin: "Längst aufgewacht sind Unternehmer, die begriffen haben, dass die Snowden-Enthüllungen im Kern ein Wirtschaftsspionageskandal sind."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 22.11.2014 - Überwachung

Schon in der Prä-Snowden-Ära untersuchte der Blogger und inoffizielle Anonymous-Sprecher Barrett Brown den amerikanischen Überwachungsapparat, berichtet Johannes Gernert in der taz. 2012 wurde er verhaftet, am Montag soll das Urteil gegen ihn fallen: "Wenn man all die Punkte zusammenzählte, die in den ersten drei Anklagen gegen ihn standen, kam man auf 105 Jahre Haft. Vorgeworfen wurde ihm, dass er in dem Youtube-Video und auf Twitter einen FBI-Agenten bedrohte, dass er Laptops, die das FBI suchte, versteckte, vor allem aber, dass er einen Link zu einem ohnehin öffentlichen Dokument mit Kreditkartendaten in ein Forum gepostet hatte. Man kann so eine Anklage eigentlich nur als eine Kriegserklärung lesen. Gegen den Journalismus, den das Internet und Menschen wie Edward Snowden oder Informantin Chelsea Manning den Gruppen wie Wikileaks oder Anonymous ermöglichen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 21.11.2014 - Überwachung

Die Vodafone-Tochter Cable & Wireless hat nicht nur für den britischen Geheimdienst GCHQ gearbeitet - sie hat ihm glatt gehört, berichtet das medienübergreifende Recherchenetzwerk von WDR, NDR und SZ nach Durchsicht von weiteren Snowden-Papieren: "Der Tarnname des vor zwei Jahren von Vodafone übernommenen Unternehmens lautete offenbar "Gerontic". Kalendereinträge zeigen, dass es ein "gemeinsames Projektteam" von Gerontic-Mitarbeitern und Geheimdienstleuten gab." Eine nützliche Kooperation, wie es scheint: "GCHQ hielt in einer Datei fest, dass der Dienst auf insgesamt 63 Unterseekabel zurückgreifen konnte."

Zur Überwachung von Aktivisten und Journalisten setzen Regierungen weltweit Trojaner ein - das Bundeskriminalamt bereitet gerade die Neuauflage des "Staatstrojaners" vor (mehr hier). Die Initiative Resist Surveillance bietet nun mit "Detekt" ein Open-Source-Tool an, das die Schadsoftware erkennen soll, berichtet Eike Kühl auf Zeit digital: "Acht bekannte Trojaner erkennt Detekt, die alle ähnlich funktionieren: Die Nutzer laden eine Datei aus dem Internet herunter, indem sie auf entsprechende Links oder E-Mail-Anhänge klicken. Einmal installiert, können die Trojaner nicht nur verfolgen, was auf dem Bildschirm passiert, sondern auch Skype-Gespräche mithören oder die Webcam eines Laptops aktivieren."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 19.11.2014 - Überwachung

"Well shit", ruft Alex Wilhelm in Techcrunch. Die NSA-Reform scheitert im Senat. Durch Stimmen von Republikaner ist sie mit 58 to 42 Stimmen im amerikanischen Senat gescheitert. "Die NSA-Reform kannst du für dieses Jahr stecken - bei diesem Kongress! Und angesichts des Tons der Republikaner wird es in den nächsten Jahren kaum besser. Ich bin da nicht der einzige Pessimist. Also los mit der Verschlüsselung, die Regierung der Vereingten Staaten wird sich so bald nicht ändern."